Schwarzweißer Vari

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Vari
Schwarzweißer Vari (Varecia variegata variegata)

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Feuchtnasenaffen (Strepsirhini)
Familie: Lemuren (Lemuridae)
Gattung: Varis (Varecia)
Art: Schwarzweißer Vari
Wissenschaftlicher Name
Varecia variegata
Kerr, 1792

IUCN-Status
Critically Endangered (CR)

Der Schwarzweiße Vari (Varecia variegata) zählt innerhalb der Familie der Lemuren (Lemuridae) zur Gattung der Varis (Varecia). Im Englischen wird die Art Black-and-white Ruffed Lemur oder Ruffed Lemur genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Vari erreicht eine Körperlänge von bis zu 65 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 55 bis 65 Zentimeter sowie ein Gewicht von 3.200 bis 4.800 Kilogramm. Weibchen werden etwas größer als Männchen. Der Rote Vari ist etwas größer und schwerer als der Schwarzweiße Vari. Das Fell ist je nach Unterart facettenreich gefärbt und reicht von schwarz-weiß über braun-weiß bis hin zu rötlich-weiß oder rostbraun. Ihr dunkel gefärbtes Gesicht ist durch eine lange, dem Fell angepaßten Farbe, Halskrause gekennzeichnet. Beim Roten Vari zeigt sich im Nackenbereich ein ausgedehnter weißer Fleck. Am Hals hat der Vari eine Drüse, die der Markierung des Reviers und der Gruppenmitglieder dient. Diese Drüse fehlt allen anderen Lemurenarten. Die großen Augen sind leuchtend gelb mit einer dunklen Iris. Das Fell ist lang und sehr dicht. Es schützt die Tiere selbst bei stärksten Regengüsse vor Nässe. Die Tiere leben überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. In den Morgenstunden sieht man sie regelmäßig beim Sonnenbad, indem sie auf dem Boden sitzen und mit ausgebreiteten Armen in Richtung Sonne ausgerichtet sind.

Lebensweise

Die Tiere leben in kleinen Familiengruppen von sechs bis acht, selten auch bis zehn Tieren. Beim Roten Vari kann die Gruppenstärke auch bis 30 Individuen betragen. Kern einer Gruppe ist ein dominantes Weibchen, die auch ihre Gruppe gegenüber Artgenossen verteidigt. Eine Verteidigungsstrategie ist ein hundeartiges Bellen. Jungtiere verlassen meist mit Erreichen der Geschlechtsreife die Gruppe, in der sie geboren wurden. Zu den natürlichen Feinden gehört nur die Fossa, einer madegassischen Schleichkatze. Aufgrund der massiven Eingriffe in die Natur, insbesondere der Abholzung der Regenwälder, steht die Art kurz vor der Ausrottung. Die starke Bejagung wegen ihres Fleisches für die Ernährung der Bevölkerung und der Felle für den Export tragen zur kritischen Situation deutlich bei. In der Roten Liste des IUCN wird diese Art als "critically endangered" geführt.

Unterarten

Verbreitung

Der Vari ist im Nordosten und Südosten Madagaskars endemisch. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom Kap Masoala (Masoala Nationalpark) bis nach Manakara im Südosten der Insel. Der Rote Vari ist im Nordosten Madagaskars auf der Maroantsetra-Halbinsel endemisch. Varis bewohnen neben tropischem Regenwald auch Waldsavannen und Grasland.

Gefährdung, Schutz

Beide Unterarten sind heute stark vom Aussterben bedroht. Am stärksten ist die Unterart des Roten Vari gefährdet. Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen stellt die Tiere in Anhang I unter weltweitem Schutz. Ein Handel mit Tieren und Produkten aus den Tieren wird deutlich erschwert. Neben der Vernichtung der natürlichen Lebensräume, insbesondere der Regenwälder, stellt vor allem die starke Bejagung durch die einheimische Bevölkerung dar. Das Fleisch wird gegessen, die Pelze wandern in den internationalen Handel. Weltweit laufen umfangreiche Zuchtprogramme in zoologischen Einrichtungen, um die beiden Unterarten zu erhalten.

Prädatoren

Neben dem Menschen hat der Vari im Grunde nur die Fossa (Cryptoprocta ferox) als natürlichen Feind. Fossas sind eine sehr alte Tiergruppe, die schon vor 65 Millionen Jahren auf Madagaskar lebte. Nur gelegentlich reißen verwildete Katzen und Hunde einen Vari.

Ernährung

Varis ernähren sich rein vegetarisch von Blättern, Samen, Früchten und Nektar. Auf Nahrungssuche gehen sie in den frühen Abendstunden und der frühen Nacht, nur gelegentlich auch am Morgen. Die Nahrung kann saisonal variieren. Der Vari geht hauptsächlich in kleinen Gruppen in den Bäumen auf Nahrungssuche. Gelegentlich suchen sie auch am Boden nach Essbarem. Dies ist allerdings nur selten zu beobachten.

Fortpflanzung

Der Vari erreicht die Geschlechtsreife mit rund zwei Jahren. Der weibliche Zyklus erstreckt sich über 30 Tage. Die Fortpflanzungsperiode erstreckt sich über die Monate Juni und August und fällt in der Regel in die Regenzeit. Nur das dominante Weibchen verpaart sich und zieht Jungtiere auf. Für die Aufzucht der Jungen baut das Weibchen ein Nest in den Bäumen, zumeist in einer Astgabel. Nach einer Tragezeit von 90 bis 105 Tagen bringt das Weibchen ein bis drei Jungtiere zur Welt. Variweibchen haben als einzige Lemuren drei Zitzenpaare, andere Lemurenweibchen haben nur ein Paar. Über die Hälfte aller Geburten sind Zwillingsgeburten. Die Jungtiere weisen ein Geburtsgewicht von etwa einhundert Gramm auf und verbleiben anfangs in ihrem Nest. Auch das ist eine Besonderheit, die Varis von anderen Lemuren unterscheidet, die ihre Jungtiere generell als Traglinge aufziehen. Wenn es notwendig ist, trägt die Mutter die Jungtiere nach Katzenart im Maul. Nach circa drei Wochen schließen sie sich ihrer Gruppe an. Die Entwöhnung ist nach durchschnittlich 135 Tagen abgeschlossen. In Freiheit erreichen Varis ein Alter von zehn bis fünfzehn Jahren. In Gefangenschaft können sie durchaus ein Alter von bis zu 20 oder mehr Jahren erreichen.

Anhang

Siehe auch

  • Die Gattung der Varis (Varecia)
  • Die Familie der Lemuren (Lemuridae)

Literatur und Quellen

  • Thomas Geissmann: Vergleichende Primatologie. Springer Verlag, 2003, ISBN 3540436456
  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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