Ökosystem See

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Ein See ist ein komplexes und vielfältiges Ökosystem. Ein Ökosystem wird von der Lebensgemeinschaft, also alle Lebewesen eines Lebensraums, und dem Lebensraum selbst gebildet. Vielfältige Lebensbedingungen und ein reichhaltiges Nahrungsangebot kennzeichnen die Lebensräume am und im See.

Inhaltsverzeichnis

Flora und Fauna am und im See

Ufer und Röhricht

Röhricht aus Schilf
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Röhricht aus Schilf

Am Ufer, vor dem Röhricht, finden Tiere wie Grasfrösche (Rana temporaria), und Libellen (Ordonata) sowie verschiedene Insekten (Insecta), wie Köcherfliegen (Trichoptera), Fliegen (Brachycera) und verschiedene Mücken (Nematocera) ihre Nahrung. Auch Reptilien (Reptilia) wie die Ringelnatter (Natrix natrix) gehen hier auf Jagd. Ringelnatter fressen hier vor allem Frösche (Anura), Fische (Pisces) und kleine Vögel (Aves) sowie Säuger (Mammalia). Im Frühling laichen verschiedene Lurche (Amphibia) im Flachwasser des Röhrichts ihre Eier ab, welche ausserhalb des weiblichen Körpers befruchtet werden. Am frühesten laichen die Grasfrösche.

Das Röhricht zieht sich oft wie ein Gürtel um den gesamten See, im Bereich des Flachwassers und setzt sich aus unterschiedlichen Schilfen zusammen. Dort brüten auch eine Vielzahl an Vogelarten. Der Haubentaucher (Podiceps cristatus) und die Rohrdommel (Botaurus stellaris) finden hier, genauso wie auch das Teichhuhn (Gallinula chloropus) und das Blässhuhn (Fulica atra), einen geeigneten Brutplatz auf dem Boden im Gestrüpp des Schilfs, wobei bei diesen vier Vogelarten unterschiedliche Nester gebaut werden. Haubentaucher und Rohrdrommel erstellen schwimmende Nester, Teich- und Blässhuhn ziehen sich zur Brut weiter ins Gestrüpp auf festen Nestern zurück. Im Schilf, in etwa einen halben bis einen Meter Höhe, brüten Singvögel wie der Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus). Dieser flechtet ein korbartiges Nest aus den Blättern und Stängeln der Schilfpflanzen. Zu den Fischen, die hier vorkommen zählen Rotfedern (Scardinius erythrophthalmus) und Elritzen (Phoxinus phoxinus). Auch gibt es Spinnentiere (Arachnida), die hier jagen. Die Gerandete Jagsspinne (Dolomedes fibriatus) zum Beispiel. Sie bewohnt im Normalfall das trockene Ufer, zur Jagd sieht man sie jedoch oft auf dem Wasser laufen, sie wird von der Wasseroberflächenspannung getragen. Kommt ein kleiner Fisch oder eine Kaulquappe von unten in ihre Nähe, taucht sie blitzschnell unter, fängt das Beutetier und injiziert das für Menschen harmlose Gift. Ist die Beute gelähmt, wird sie in Ruhe an Land ausgesaugt. Spinnen verflüssigen ihre Beutetiere mit der Giftinjektion innerlich und "trinken" sie aus, übrig bleibt die Haut oder der Chitinpanzer der Beute. In etwa einen Meter Höhe, im Röhricht, legen oft Spinnen wie die Kreuzspinnen (Araneus) ihr Radnetz an und warten dort auf die ins Netz fliegende Beute.

Zu den Pflanzen eines Sees gehören zum Beispiel die mehreren Meter hohen Rohrkolben (Typha) und der rosarot blühende Blutweiderich (Lythrum salicaria) sowie die geschützte, bis einen Meter hohe, Sumpfschwertlilie (Iris pseudacorus) mit ihren strahlend gelben Blüten und den schwertartigen, grünen Laubblättern. Auch die buschige, gelbblühtige Supfdotterblume (Caltha palustris) findet sich am Rand von Seen, sie wird einen knappen halben Meter hoch. In dem weniger tiefen Wasser wachsen Pflanzen wie Wasserpest (Elodea canadensis), Tausendblatt (Myriophyllum spec.), Seerose (Nymphaea alba) und Laichkräuter (Potamogetum spec). Sie sind endweder fast völlig unter Wasser (z.B. Leichkräuter) oder sind vollkommen untergetaucht (z.B. Wasserpest).

Seerose
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Seerose

Seeboden

Der Grund eines Sees ist, auch wenn es so scheinen mag, keineswegs eine leere, wüste Schlammschicht ohne jedes Leben. Besonders unter dem Mikroskop kann man anhand der unzähligen Bakterienarten die große Artenvielfalt an Tieren auf und im Seeboden erkennen. Die meisten hier lebenden Tiere zählen zu den Destruenten und fressen alles was weiter oben stirbt und auf den Grund sinkt. Zu den Destruenten des Sees zählen zum Beispiel Wasserasseln (Asellus aquaticus) und Bachflohkrebse (Gammarus pulex). Auch Fische leben hier auf dem Grund des Sees. Darunter der größte europäische reine Süßwasserfisch, der bis 150 cm bis 200 cm lange Flusswels (Silurus glanis). Auch die bis 30 cm langen Schlammpeitzger (Misgurnus) bewohnen den Boden und suchen hier im Schlick nach kleinen Krebstiere (Crustacea).

Auf dem Grund eines Sees wachsen nur noch wenige Pflanzenarten. Hier leben hauptsächlich das Quellmoos (Fontinalis antipyretica) und Algen wie die Armleuchteralgen (Characeae). Sie müssen mit sehr wenig Licht auskommen und leben auch noch in Tiefen über 30 Meter.

Freiwasserzone

Das freie Wasser ist in den meisten Fällen von keinen festsitzenden Pflanzen bewachsen. In dem Wasser treiben jedoch sehr viele Algenarten, wie die Geschwänzte Grünalge, frei in und mit der in Seen schwachen Strömung. Hier leben die meisten Fische (Actinopterygii). Graskarpfen (Cyprinus carpio) schwimmen hier ihre Runden und Stichlinge (Gasterosteidae) fangen sich Insektenlarven und Wasserflöhe. Der Hecht (Esox lucius) geht auf Jagd nach kleineren Fischen, Lurchen und Wasservögeln. Der bereits genannte Haubentaucher lebt das ganze Jahr auf der Wasseroberfläche und taucht auch in die Tiefe, um an seine Nahrung zu kommen. Nur zur Brut hat er festen Boden unter den Füßen.
Karpfen werden bis zu 80 cm lang
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Karpfen werden bis zu 80 cm lang

Stoffkreisläufe im See

Die verschiedenen Stoffkreisläufe eines Sees stehen oft mit den Nahrungsbeziehungen in Verbindung. Es gibt drei Hauptstoffwechsel in einem See -die Stoffwechsel von Sauerstoff (O2), Kohlenstoffdioxid (CO2) und Mineralien.

Sauerstoff wird von den Produzenten, der grünen Biomasse (alle grünen Pflanzen eines Ökosystems) produziert und an die Konsumenten (fleisch- und pflanzenfressende Tiere) und Destruenten (tote Materie zersetzende) weitergegeben. Diese verbrauchen den Sauerstoff und erzeugen Kohlenstoffdioxid, jenes Gas, welches sich nun wiederum die Produzenten zu Nutze machen. Mineralien machen unter Produzenten, Konsumenten und Destruenten die größte "Runde". Mineralien werden nicht abgebaut oder erzeugt, sondern lediglich aufgenommen, ab- bzw. weitergegeben oder freigesetzt. Freigesetzt werden sie von den Destruenten. Pflanzen nehmen die Mineralien aus dem Boden oder aus dem Wasser auf und geben sie an pflanzenfessende Konsumenten (Erstkonsumenten) weiter. Frißt ein Fleischfresser (Carnivor) einen Pflanzenfresser (Herbivor), nimmt er die Mineralien ebenfalls wieder auf. Destruenten fressen alle toten Lebewesen und setzen die in ihnen enthaltenen Mineralien wieder frei.

Gefährdung und Schutz

Gefährdet ist das wertvolle Ökosystem See besonders durch Abwassereinleitung aus Industriegebieten. Oft gelangen dabei viele sehr schädliche Chemikalien durch Flüsse in einen See, was nicht nur Tieren und Pflanzen in unschätzbarem Maße schädigt, sondern auch Menschen, die sich dort aufhalten oder darin baden. Besonders betroffen ist in Deutschland das Ruhrgebiet, auch wenn sich in Sachen Wasserschutz einiges getan hat. Die Emscher ist größtenteils übermäßig verschmutzt und es leben kaum noch Fische darin. Auch das Einzugsgebiet des Main in den Rhein ist übermäßig stark belastet.
Erdkröten suchen die Gewässer hauptsächlich zur Paarungszeit auf. Sie können mehrere Tausend Eier in einer Art Gallertschlauch ablaichen.
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Erdkröten suchen die Gewässer hauptsächlich zur Paarungszeit auf. Sie können mehrere Tausend Eier in einer Art Gallertschlauch ablaichen.

Auch stellt die Überdüngung (Eutrophierung) ein großes Problem für das Ökosystem See dar. Zur Überdüngung kann es kommen, wenn mit dem Regen Dünger von einem Feld, oder Fäkalien über Wasserleitungen regelmäßig in einen Fluss gelangen, welcher einen See nährt. Die nährstoffreichen Fäkalien und Dünger siedeln sich dann immer mehr in dem See an und es kommt zu einem Nährstoff- und Mineralsalzüberschuss in dem See. Dies hat zur Folge, dass sich Algen rasant schnell und in massiger Anzahl vermehren. Nun haben viele Kleintiere, die sich von diesen Algen ernähren viel mehr Nahrung zur Verfügung. Sie vermehren sich ebenfalls zu so großer Anzahl, dass Wasserflöhe gräuliche Wolken bilden. Auch ihre Feinde werden in Anzahl immer größer. Bei den Tieren, Algen und anderen Pflanzen, welche sich rasant vermehren, sterben auch viel mehr. Nun haben die Destruenten auch jede Menge zu fressen und zu zersetzen. All die Tiere und die Zersetzungsprozesse benötigen sehr viel Sauerstoff. Dies hat zur Folge, dass die Pflanzen nicht mehr ausreichend Sauerstoff produzieren können und die Tiere ersticken nach und nach, zuerst die Fische, dann alle anderen Lebewesen. Am Boden des Sees setzt sich Faulschlamm ab, welcher nicht mehr abgebaut werden kann, da keine zersetzenden Tiere mehr in dem See vorhanden sind. Das Ökologische Gleichgewicht, also das Gleichgewicht der Nahrungsbeziehungen und Stoffumwandlungen, ist gekippt.

Nicht nur Tiere im See leiden unter der Gewässerverschmutzung, sondern auch Tiere wie zum Beispiel Reiher oder Ringelnatter, die die Gewässerränder besiedeln, sind von der Gewässerverschmutzung betroffen. Die Vergiftungen mit Chemikalien reichern sich in der Nahrungspyramide an und werden über die Nahrung aufgenommen. Vergleicht man die Stärke einer chemischen Vergiftung (zum Beispiel Blei oder Quecksilber) mit Punkten, haben Seepflanzen (Algen, ect.) einen Punkt, Erstkonsumenten wie Wasserflöhe zwei Punke, Drittkonsumenten wie die Rotfeder vier Punkte, ein Hecht als Viertkonsument hat acht Punkte und der Reiher als Endkonsument hat mit 16 Punkten die höchste Konzentration.

Großer See
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Großer See

Um die Belastung eines Gewässers zu veranschaulichen, gibt es so genannte Wassergüteklassen die die Verschmutzungs- und Gefährdungsgrade einteilen. Sie werden an verschiedenen Indikatororganismen abgelesen.

  • Güteklasse 1: Wasser, in dem selbst Forellen und Steinfliegenlarven leben, ist gar nicht oder unkenntlich belastet.
  • Güteklasse 1-2: Wasser, in dem auch Äschen, Strudelwürmer und Hakenkäfer vorkommen, ist höchstens gering belastet.
  • Güteklasse 2: Wasser, in dem noch Hechte, Barben und Köcherfliegenlarven leben, wird als mäßig belastet eingestuft, aber zum Beispiel von Forellen bereits gemieden. Es ist mäßig belastet.
  • Güteklasse 2-3: Hier leben noch Tiere wie Karpfen, Aale, Schleien, Egel und Kleinkrebse, die meisten vorher schon genannten Tiere meiden diese Güteklasse. Dieses Wasser ist kritisch belastet.
  • Güteklasse 3: Dies ist bereits stark verschmutzt. In solch einem Wasser leben noch Tiere wie Wasserasseln, Schwämme und Schleien.
  • Güteklasse 3-4: In diesem sehr stark verschmutzten Wasser leben nicht viel mehr Tiere als Zuckmückenlarven.
  • Güteklasse 4: Übermäßig verschmutztes Wasser wird von fast allen Tieren und Pflanzen gemieden. Hier leben zumeist nur Schwefelbakterien, Geißeltierchen und Wimperntierchen.

Am Schutz des Wassers, und damit auch am Schutz der Seen, kann sich jeder, wenn auch in kleinem Stil, beteiligen. Altöl ist pures Gift für das Wasser, denn ein Liter Altöl kann Zehntausende Liter Wasser verseuchen. Natürliche Seen, in denen seltene oder geschützte Tiere und Pflanzen leben, sollten mehr geschützt werden, um Lebewesen sichere Rückzugsmöglichkeiten und natürliche Lebensräume weiterhin bieten zu können.

Bildergallerie

Literatur und Quellen

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