Seewespe

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Seewespe

Systematik
Klasse: Würfelquallen (Cubozoa)
Ordnung: Chirodropida
Familie: Chirodropidae
Gattung: Chironex
Art: Seewespe
Wissenschaftlicher Name
Chironex fleckeri
Southcott, 1956

Die Seewespe (Chironex fleckeri) zählt innerhalb der Familie Chirodropidae zur Gattung Chironex. Im Englischen wird die Seewespe sea wasp genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Die Würfelquallen (Cubozoa) wurden bis vor kurzem als Ordnung der Schirmquallen (Scyphozoa) geführt. Wie bei den Schirmquallen gibt es auch bei den Würfelquallen zwei verschiedene Erscheinungsformen, und zwar die Meduse und der weniger bekannte Polyp. Zu den Würfelquallen zählt unter anderem auch die Seewespe, die etwa 20 Zentimeter hoch wird und eher einer Glocke ähnelt als einem Würfel. Jedoch genauer betrachtet, erscheint die Glocke im Querschnitt beinahe quadratisch. Der Schirmrand ist nicht eingekerbt und die Subumbrellarkante stülpt sich unter Bildung eines Velariums nach innen. Das Velarium fungiert wie das Velum der hydrozoischen Medusen, indem es den Wirkungsgrad beim Schwimmen erhöht, jedoch unterscheidet es sich in seinem Bau von diesem. Die Ansatzstelle jeder Tentakel ist zu einem abgeflachten, widerstandsfähigen Blatt differenziert, das Pedalium genannt wird. In jeder der vier Ecken unter dem Schirm oder Glocke befindet sich je ein Pedalium, daran hängen mehr als 15 Tentakel und jeder Tentakel weist eine Länge von 3 Metern auf. Zusätzlich sind die Tentakel mit feinen Nesselzellen besetzt. Die Rhopalien (kolbenförmige Sinnesorgane) sind am Rand des Schirms oder der Glocke vorhanden. Sie sehen wie Stielaugen aus. Jedes Rhopalium weist zwei hoch entwickelte Linsenaugen auf, ein oberes kleines Linsenauge und ein unteres großes Linsenauge, zusätzlich zwei Paar einfache Grubenaugen. Die Linsenaugen enthalten ciliartypische Sehzellen aus drei Teilen, einem äußeren Segment aus einem modifizierten Cilium, einem Pigment aus einer granulathaltigen Region stammend und aus einem inneren Segment. Die Linsenaugen können fokussieren, ob sie Farben erkennen können, ist noch nicht geklärt. Die Seewespe ist mit einem visuellen System spezialisierter Augen ausgestattet und weist von allen anderen Nesseltieren aufwendige Linsenaugen auf, die denen höherer Tiere gleichen. Darüber hinaus besitzt die Seewespe Sehzellen in den Augen, die wie bei den Wirbeltieren Stäbchen und Zapfen aufweisen. Bemerkenswert ist auch, dass die Augen nach innen gerichtet sind. Des Weiteren können die Linsenaugen fokussieren, ob sie Farben erkennen können ist noch nicht ganz geklärt. Auch ist unklar wie die Seewespe die optischen Signale interpretiert, da sie kein Gehirn besitzt. Es ist auch kein zentrales Nervensystem vorhanden, jedoch ist ein Nerv in ihrem Gewebe, der einfache Reflexe steuert. Es wird vermutet, dass die Seewespe ihr Schwimmverhalten ändert, wenn ein Schatten das Auge überquert. Versuche einzelner Gruppen von bis zu zwölf Seewespen wurden in Tanks unter kontrollierten Lichtbedingungen mit unterschiedlichen großen schwarzen oder weißen Formen an jedem Ende und außerhalb des Tanks durchgeführt. Diese ergaben, dass die Tiere bei großen dunklen Formen sich schnell zurückzogen und weiße Formen völlig ignorierten. Die Seewespe vermeidet also am ehesten größere schwarze Gestalten wie Meeresschildkröten (Cheloniidae) oder Fische (Pisces) oder auch Hindernisse. Die Seewespe ist ein kraftvoller und schneller Schwimmer und kann bis zu fünf Meter pro Sekunde erreichen. Aufgrund der hellblauen Färbung und der Transparenz ist die Seewespe kaum im Wasser des Ozeans zu erkennen. Die Seewespe besteht aus zartem Gewebe, das leicht durch Abrieb beschädigt werden kann. Ferner ist die Seewespe anfällig für bakterielle Infektionen.

Die dunkel-violette Färbung sind die reproduktiven Teile dieser Qualle. Auch wenn die meisten Tentakel verschwunden sind, so ist die Qualle doch noch gefährlich.
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Die dunkel-violette Färbung sind die reproduktiven Teile dieser Qualle. Auch wenn die meisten Tentakel verschwunden sind, so ist die Qualle doch noch gefährlich.

Die Seewespe gehört mit zu den giftigsten Tieren, kein anderes Tier kann einen Menschen innerhalb von vier Minuten oder weniger töten. Im vergangenen Jahrhundert wurden etwa 65 Personen getötet und bis 1956 war diese Art noch nicht bekannt und man glaubte lange Zeit, dass es sich um die ebenfalls hochgiftige Portugiesische Galeere (Physalia physalis) handelt, die zur Gattung der Seeblasen (Physalia) und zur Ordnung der Staatsquallen (Siphonophorae) zählt. Erst nach genaueren Beobachtungen und Untersuchungen der Tentakel sowie der Artbeschreibung, stellte man fest, dass es eine andere Art ist. Die Seewespe besitzt eine Batterie von Stechzellen oder Nesselkapseln, die eine doppelwandige Struktur mit einem spiralförmig gefalteten hohlen Gewinde und mit einem kleinen Widerhaken am Ende versehen sind. An der Außenseite der Nesselzelle ist ein Sensor projiziert, der wie ein Bewegungsmelder reagiert, wenn man den Kontaktpunkt berührt. Wenn dies durch stimulierte physikalische oder chemische Reize ausgelöst wird, explodiert die Zelle. Die winzigen feinen Nesselzellen werden mit einer großen Geschwindigkeit und Kraft von bis zu zwei Metern pro Sekunde herausgeschleudert und die Widerhaken der Nesselzellen dringen in die Haut der Beute oder des Feindes ein, dabei wird ein Gift injiziert. Eine Zelle hat nur wenig Wirkung, aber Hunderte oder Tausende werden gleichzeitig aktiviert.

Toxizität

Ist ein Opfer mit einer Seewespe in Berührung gekommen, sind in der Regel die quälenden Schmerzen unerträglich. Das Opfer versucht die Tentakel zu entfernen, handelt dabei irrational, verliert das Bewußtsein und ertrinkt. Lokale Symptome sind mehrere rote, violette oder braune Punkte, die sich innerhalb von Sekunden netzartig über 5 Millimeter breit entwickeln. Diese charakteristischen Markierungen vergrößern sich dann in einigen Stunden zu großen Striemen oder Fäden. Nach 7 bis 10 Tagen entwickeln sich Nekrosen und Ulzerationen und das Opfer bekommt ein weißliches frostartiges Aussehen. Die Hautveränderungen können noch Monate andauern und verursachen einen ständigen Juckreiz. Die Pigmentflecken und Narben können auch von Dauer sein. Die allgemeinen Symptome sind unerträgliche Schmerzen dominierend mit einem klinischen Bild, das häufig zur Beeinträchtigung des Bewußtseins und sogar bis zum Koma und Tod führen kann. Die Schmerzen nehmen in den ersten 15 Minuten an Intensität zu, oft kommen diese in Wellen und nehmen etwa in 4 bis 12 Stunden ab. Nach dem Stich tritt in den meisten Fällen eine Amnesie ein und wenn der Tod eintritt, geschieht dies in der Regel innerhalb der ersten zehn Minuten infolge des Herz-Kreislauf-Versagens und der Atemstörungen. Ein Überleben ist möglich, wenn sofort erste Hilfe geleistet wird.

Der Geschädigte entwickelt einen kardialen Schock, einen kalten Schweiß, einen schnellen Puls und eine Störung des Bewußtseins. Des Weiteren treten Hypertonie, Tachykardie, schnelle Atmung und der normale Venendruck entwickelt sich zur Hypotonie, Bradykardie, Apnoe und erhöhter Venendruck. Zusätzlich stellen sich Atemnot, Lungenstauung, Ödeme und Zyanose ein. Auch eine Lähmung und Bauchschmerzen sowie ein Unwohlsein und eine Unruhe treten auf. Die körperliche Gesundheit benötigt etwa eine Woche. Die Reizbarkeit und die Schwierigkeiten mit der psychologischen Anpassung können dagegen Wochen oder sogar Monate dauern.

Prädatoren

Prädator: Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata)
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Prädator: Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata)

Obwohl die Seewespe hochgiftig ist, wurde beobachtet, dass die Lederschildkröte (Dermochelys coriacea) aus der Ordnung der Schildkröten (Chelonia) und die Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata) ein Vertreter der Meeresschildkröten (Cheloniidae) Seewespen verspeisen. Wissenschaftler vermuten, dass die Haut der Schildkröten zu dick und zu hart für das Durchbohren der Nesselzellen ist und dass diese Nahrung einen gewissen Schutz für das Verdauungs-System der Schildkröten bietet.

Verbreitung

Die Seewespe lebt eingeschränkt in warmen Gewässern des indopazifischen Raumes und kommt vom November bis April in den Gewässern vor der Küste Nord-Australiens vor. Des Weiteren findet man die Seewespe noch in anderen Gebieten nördlich von Australien, dazu zählen unter anderem Papua-Neuguinea, Indonesien, die Philippinen und Malaysia.

Ernährung

Die Seewespe ernährt sich vorwiegend von kleinen Krebstieren und von kleinen Fischen und erscheint bei ruhigem Wetter in Ufernähe. Bei Flut und nach dem Regen hält sich die Seewespe in der Nähe von Flussmündungen und in den Mündungen von Bächen auf. Es wird vermutet, dass durch den Regen reichlich Nahrung in die Wasserläufe gespült wird.

Fortpflanzung

Ende des Sommers geben die adulten Seewespen Eier und Spermien in das Wasser ab. Nach der Befruchtung bildet sich eine Larvenform, die sogenannte Planula. Die Planula schwimmt oder rotiert dann in das Mündungs-Gewässer und heftet sich auf einem festen Untergrund wie Steine fest und bildet somit eine Haftscheibe. Danach erfolgt die Metamorphose zum Polypen. Dieser Zustand dauert den ganzen Winter über, indem der Polyp ungeschlechtlich neue Polypen bildet. Im Frühjahr lösen sich die Polypen von ihrem festen Untergrund und gehen zum Leben als Medusen auf dem Meeresgrund über.

Anhang

Literatur und Quellen

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