Sharpe-Greisbock

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Sharpe-Greisbock
Weibchen (ohne Hörner)

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Böckchen (Neotraginae)
Gattung: Raphicerus
Art: Sharpe-Greisbock
Wissenschaftlicher Name
Raphicerus sharpei
Thomas, 1897

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Sharpe-Greisbock (Raphicerus sharpei) zählt innerhalb der Familie der Hornträger (Bovidae) zur Gattung Raphicerus. Im Englischen wird der Sharpe-Greisbock Sharpe's Grysbok oder Northern Grysbok genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Sharpe-Greisbock erreicht je nach Geschlecht eine Körperlänge von 65 bis 75 Zentimeter, eine Schulterhöhe von 45 bis 55 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 5 bis 8 Zentimeter sowie ein Gewicht von 8 bis 15 Kilogramm. Männchen bleiben nur unwesentlich kleiner und leichter als Weibchen. Männchen verfügen über kleine Hörner, die eine Länge von 5 bis 7 Zentimeter aufweisen. Das Fell weist eine rötlichbraune Grundfärbung auf. Lateral geht die Färbung in ein Graubraun über. Insgesamt weisen zahlreiche Haare weißliche Spitzen auf, so dass das Fell einen leicht weißlichen bis leicht gräulichen Anstrich erhält. Die Bauchseite und die Innenseiten der Extremitäten sind weiß gefärbt. Eine ähnliche Färbung zeigt sich auch im Kinn- und Kehlbereich. Der Nasenrücken und der Oberkopf sind meist gräulich gefärbt. Die langen trichterartigen Ohren sitzen weit hinten, leicht seitlich am Schädel. Die Innenseiten der Ohren, insbesondere die inneren Kanten, weisen eine weißliche Färbung auf. Die großen mandelförmigen Augen sind mit einem kaum sichtbaren weißlichen Augenring umgeben. Eine ähnliche Färbung zeigt sich im Bereich der Lippen. Das Gebiss besteht aus 32 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet 0/3, 0/1, 3/3, 3/3.

Lebensweise

Sharpe-Greisböcke sind dämmerungs- und nachtaktiv. Am Tage ruhen sie an geschützten Stellen in dichter Vegetation. Dies stellt ein Schutz vor Fleischfressern dar. Zudem leben die Tiere einzelgängerisch, die Geschlechter treffen nur während der Paarungszeit aufeinander. Nur selten bleibt ein Pärchen über die reine Paarungszeit hinaus zusammen. Sharpe-Greisböcke können durchaus als territorial bezeichnet werden, da das beanspruchte Revier erbittert gegenüber Rivalen und Eindringlingen verteidigt wird. Dies ist vor allem während der Paarungszeit zu beobachten. Bei den Rivalenkämpfen werden mit dem Kopf und den Hörnern Hiebe und Stöße ausgeteilt. Das eigene Revier wird neben Kot und Urin vor allem mit einem Sekret aus Gesichtsdrüsen markiert. Vorn an beiden Augen liegen Drüsen, die aussehen wie Rinnen, die von einem fleischigen Lid bedeckt sind. Bei Gefahr verhalten sich Sharpe-Greisböcke ruhig und legen sich flach auf den Boden. Die Flucht ergreifen sie meist erst im allerletzten Moment. Der wichtigste Sinn bei der Ortung von Raubtieren ist das Gehör, es ist ausgesprochen hoch entwickelt.

Unterarten

Die Einteilung in die beiden folgenden Unterarten gilt als umstritten.

Verbreitung

Das natürliche Verbreitungsgebiet des Sharpe-Greisbocks erstreckt sich über das zentrale und südöstliche Afrika. Er kommt insbesondere in Botswana, der Republik Kongo, in Malawi, Mosambik, Südafrika, Swasiland, Tansania, Sambia und Simbabwe vor. Die Tiere leben in zum Teil höchst unterschiedlichen Lebensräumen. Bewohnt wird sowohl die Ebene als auch das Hügelland. Bevorzugte Lebensräume sind grasige Flächen mit entsprechend hoher und dichter Bodenvegetation, Buschland, lichte Wälder und Savannen. Völlig offene Bereiche werden strikt gemieden, da diese keinen Sichtschutz bieten.

Prädatoren

Zu den wichtigsten Fleischfressern der Sharpe-Greisböcke gehören Katzen (Felidae) und Hyänen (Hyanidae) wie Löwen (Panthera leo), Geparden (Acinonyx jubatus), Schabrackenhyäne (Hyaena brunnea) und Tüpfelhyäne (Crocuta crocuta). Kleinere Caniden haben es vor allem auf alte und schwache oder Juntiere abgesehen. Dazu gehören der Streifenschakal (Canis adustus), der Schabrackenschakal (Canis mesomelas) und der Karakal (Caracal caracal). Es ist auch anzunehmen, dass Jungtiere auch von großen Greifvögeln (Falconiformes) gerissen werden können. Der einzige Schutz vor Fleischfressern ist die verschwiegene Lebensweise. Sharpe-Greisböcke halten sich überwiegend in dichter Vegetation und im Unterholz auf. Schutz vor Fleischfressern suchen sie gelegentlich auch in den Erdhöhlen der Erdferkel (Orycteropus afer).

Ernährung

Der Sharpe-Greisbock ist ein reiner Pflanzenfresser. Der Großteil der Nahrung entfällt mit mehr als zwei Drittel auf Blätter und junge Triebe. Zu einem kleineren Teil stehen auch Wurzeln, Rinde und Früchte sowie Gräser und Kräuter auf der Speisekarte. Wurzeln werden durch Scharren mit den Vorderhufen ausgegraben. Auf Trinkwasser sind sie nicht angewiesen, da der Wasserbedarf über die Nahrung gedeckt wird. Ist jedoch Wasser vorhanden, so trinken Sharpe-Greisböcke durchaus täglich. Auf Nahrungssuche gehen die Tiere in der späten Dämmerung oder in der Nacht.

Fortpflanzung

Die Geschlechter der Sharpe-Greisböcke erreichen die Geschlechtsreife zu unterschiedlichen Zeiten. Weibchen können sich im Alter von 6 bis 12 Monaten erstmals fortpflanzen, Männchen benötigen zwischen 8 und 18 Monaten. Die Paarungszeit erstreckt sich in den meisten Verbreitungsgebieten über das ganze Jahr, die meisten Geburten fallen jedoch zwischen September und Januar bzw. fallen in die Regenzeit. Während dieser Zeit ist Nahrung reichlich vorhanden und die Jungen haben die besten Überlebenschancen. In der Regel kommt es in einer Saison nur zu einem Wurf. Während der Paarungszeit kommt es unter den Männchen regelmäßig zu Kommentkämpfen um das Paarungsrecht mit einem Weibchen. Das Paarungs- und Fortpflanzungsverhalten kann als polygam bezeichnet werden. Diese enden meist glimpflich. Nach einer Tragezeit von etwa 175 bis 210 Tagen bringt das Weibchen an einer geschützten Stelle meist 1 bis 2 (1,5) Jungtiere zur Welt. Der Nachwuchs kann zwar kurz nach der Geburt stehen, es folgt aber nicht gleich der Mutter, sondern bleibt in den nächsten rund zwei, selten auch drei Wochen in der Deckung versteckt. Die Mutter kommt zwischendurch immer wieder zum Säugen vorbei. Nach zwei bis drei Wochen ist das Jungtier kräftig genug und kann der Mutter folgen. Die Säugezeit erstreckt sich für gewöhnlich über einen Zeitraum von etwa drei Monaten. Kurze Zeit später sind die Jungtiere selbständig und suchen sich ein eigenes Revier. Die Lebenserwartung eines Sharpe-Greisbocks liegt wahrscheinlich bei gut zehn Jahren. Aufgrund der vielen Prädatoren wird ein solch hohes Alter jedoch nur selten erreicht.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

In der Nähe des Menschen sind Sharpe-Greisböcke nicht gerne gesehen, da sie auf landwirtschaftlichen Flächen gelegentlich Getreide und andere Erzeugnisse fressen. Daher werden die Tiere von den Einheimischen gejagt und erlegt. Das Fleisch dient zudem der Ernährung der zum Teil sehr armen Bevölkerung. Unter Jägern und Trophäenjägern sind Sharpe-Greisböcke begehrte Jagdobjekte. Ein weiteres Problem stellt die Vernichtung der natürlichen Lebensräume dar. Weitflächig musste in den letzten Jahrzehnten Wald- und Buschland Siedlungsraum, Weideflächen und landwirtschaftliche Flächen weichen. Dennoch gilt der Sharpe-Greisbock heute noch nicht als gefährdet. Sichere Rückzugsgebiete liegen vor allem in den großen Nationalparks wie beispielsweise dem Krüger-Nationalpark. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als nicht gefährdet (LC, Least concern) geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

Links

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