Blaukehl-Hüttensänger

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Blaukehl-Hüttensänger
Weibchen

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Fliegenschnäpper (Muscicapidae)
Unterfamilie: Eigentliche Drosseln (Turdinae)
Gattung: Hüttensänger (Sialia)
Art: Blaukehl-Hüttensänger
Wissenschaftlicher Name
Sialia mexicana
Swainson, 1832

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Blaukehl-Hüttensänger (Sialia mexicana) zählt innerhalb der Familie der Fliegenschnäpper (Muscicapidae) zur Gattung der Hüttensänger (Sialia).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Blaukehl-Hüttensänger erreicht eine Körperlänge von 17 bis 19 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 25 bis 31 Zentimeter sowie ein Gewicht von 25 bis 35 Gramm. Die Größe kann je nach Unterart leicht variieren, die Geschlechter an sich weisen jedoch keinen Unterschied in der Größe auf. In der Gefiederfärbung weisen die Geschlechter sehrwohl einen Dimorphismus auf. Die Männchen weisen im Bereich des Kopfes, der Kehle und auf dem Schwanz eine kobaltblaue Grundfärbung auf, das restliche Gefieder ist bräunlich bis hellbraun, der Bauch ist blaugrau gefärbt. Weibchen sind deutlich dezenter gefärbt, sie weisen eine überwiegend gräuliche bis blaugraue Färbung auf. Der lange und spitz zulaufende Schnabel und die Extremitäten sind schwarz gefärbt. Juvenile Vögeln ähneln den adulten Vögeln.

Lebensweise

Blaukehl-Hüttensänger gelten in den meisten Verbreitungsgebieten als Standvogel. Nur in den nördlichen Verbreitungsgebieten, insbesondere im südwestlichen Kanada (British Columbia und Alberta) sowie in den nordwestlichen US-Bundesstaaten, kann es zu Teilzügen kommen. Dazu ziehen sie über kürzere Strecken in südliche Gefilde. Populationen, die in Höhenlagen leben, ziehen in Tallagen. Außerhalb der Paarungszeit leben Blaukehl-Hüttensänger gesellig in kleinen Gruppen. Größere Gruppen sieht man selten, da sich die Gruppenstärke nach dem Nahrungsangebot richtet. Innerhalb dieser Gruppe findet im Winter auch die Paarfindung statt. Während der Paarungszeit ziehen sich Blaukehl-Hüttensänger paarweise oder in kleinen Familiengruppen zurück und führen ein territoriales Leben. Eine Familiengruppe besteht üblicherweise aus einem Pärchen und dem Nachwuchs aus dem Vorjahr. Das Revier wird insbesondere vom Männchen gegenüber Artgenossen und Fressfeinden verteidigt. Die Kommunikation erfolgt untereinander über verschiedenste Ausrufe. Jungvögel können sich bereits ab der Dritten Lebenswoche artikulieren. Die Ausrufe dienen auch der Revierabgrenzung und der Warnung in Richtung von ins Revier eindringenden Artgenossen und Fleischfressern.

Unterarten

Weibchen
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Weibchen

Verbreitung, Lebensraum

Blaukehl-Hüttensänger sind im westlichen Teil Nordamerikas weit verbreitet. Ihr Verbreitungsgebiet reicht vom südwestlichen Kanada, über die westlichen Bundesstaaten der USA bis ins zentrale Mexiko. Lichte Wälder und deren Ränder gehören zu ihren natürlichen Lebensräumen. Sie sind sowohl in reinen Nadel- als auch in Mischwälder anzutreffen. Sie leben in Wäldern der Ebene als auch in Bergwäldern bis in Höhen von annähernd 3.000 Metern über NN. Offene Flächen werden hingegen strikt gemieden.

Prädatoren

Fressfeind: Douglas-Hörnchen (Tamiasciurus douglasii)
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Fressfeind: Douglas-Hörnchen (Tamiasciurus douglasii)

Neben räuberisch lebenden Vögeln haben es vor allem diverse Säuger auf die Eier und Brut der Blaukehl-Hüttensänger abgesehen. Dazu gehören insbesondere Hörnchen-Arten wie Aberthörnchen (Sciurus aberti), Grauhals-Chipmunk (Tamias cinereicollis), Townsend-Chipmunk (Tamias townsendii), Gelber Fichten-Chipmunk (Tamias amoenus), Douglas-Hörnchen (Tamiasciurus douglasii) und Gemeines Rothörnchen (Tamiasciurus hudsonicus). Bei Angriffen durch derartige Fleischfresser reagieren Blaukehl-Hüttensänger äußerst aggressiv und versuche durch Flügelschlagen und Hieben mit dem Schnabel einen Feind zu vertreiben. Dies trifft insbesondere auf die Männchen zu, die sich hauptsächlich um den Schutz des Geleges kümmern.

Ernährung

Als Allesfresser suchen Blaukehl-Hüttensänger ihre Nahrung meist nur am Boden, selten auch im Geäst der Bäume. Nicht selten erfolgt die Jagd auf bodenlebende Beutetiere von einer Ansitzwarte aus. Sie ernähren sich von Früchten, Beeren, Würmern, Insekten (Insecta) und deren Larven, Schnecken (Gastropoda) und reifen Beeren. Die Nahrung besteht zu zwei Drittel aus pflanzlicher Kost und zu einem Drittel aus tierischer Nahrung. Dabei kann die Zusammensetzung der Nahrung jahreszeitlich stark schwanken. Im Frühjahr und im Sommer werden überwiegend Insekten und Larven gefressen, im Winter hauptsächlich Beeren.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreicht der Blaukehl-Hüttensänger für gewöhnlich mit einem Jahr, jedoch brüten viele Vögel erst im Alter von zwei Jahren. Die Nichtbrüter schließen sich in der Regel ihren Familien an und helfen bei der Aufzucht der Brut. Die Paarungszeit erstreckt sich in den meisten Verbreitungsgebieten von Mai bis Ende Juli oder Anfang August. Während dieser Zeit kommt es zu ein bis zwei Jahresbruten. Blaukehl-Hüttensänger leben in einer monogamen Einehe, die auch über mehr als eine Saison halten kann. Die Nester entstehen meist in Baumhöhlen, in hohlen Baumstümpfen oder an ähnlichen Stellen. Ausgepolstert wird ein Nest mit weichen Pflanzenteilen.

Etwa 10 Tage nach der Paarung beginnt die Eiablage, Das Weibchen legt in das fertige Nest zwischen drei und sechs Eier. Ein durchschnittliches Gelege besteht aus fünf Eiern. Sie werden zumeist von dem Weibchen alleine über einen Zeitraum von 13 bis 15 Tagen ausgebrütet. In Höhenlagen kann sich dieser Zeitraum auch auf bis zu 18 Tagen erstrecken. Während dieser Zeit wird das Weibchen vom Männchen oder den Bruthelfern mit Nahrung versorgt. In den Brutpausen des Weibchens wird das Gelege von einem Helfer bebrütet. Die geschlüpften Küken sind beim Schlupf noch nackt und blind. Sie werden vom Weibchen in den ersten Tagen gehudert. Die Nestlingszeit erstreckt sich für gewöhnlich über drei Wochen. Die Küken werden nach Erreichen der Flugfähigkeit noch zwei weitere Wochen versorgt ehe sie selbständig sind. Um die Versorgung der Brut mit Nahrung kümmern sich beide Elternteile und die Bruthelfer gleichermaßen.

Gefährdung und Schutz

Blaukehl-Hüttensänger gehören heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als nicht gefährdet geführt. In weiten Teilen ihrer Verbreitungsgebiete ist jedoch eine Zerstörung der Lebensräume, insbesondere der Bruthabitate zu beobachten. Vor allem die waldreichen US-Bundesstaaten haben mit dem Schwund der Wälder zu kämpfen. Die Wälder werden entweder durch Abholzen oder Waldbrände zerstört. Dieses hatte in weiten Teilen der Verbreitungsgebiete bereits massive Populationsrückgänge zur Folge.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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