Sibirischer Tiger

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Sibirischer Tiger
Juveniler männlicher Amurtiger, Zoo Leipzig.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Unterordnung: Katzenartige (Feloidea)
Familie: Katzen (Felidae)
Unterfamilie: Großkatzen (Pantherinae)
Gattung: Panthera
Art: Tiger (Panthera tigris)
Unterart: Sibirischer Tiger
Wissenschaftlicher Name
Panthera tigris altaica
Temminck, 1845

IUCN-Status
Endangered (CR) - IUCN

Der Sibirische Tiger (Panthera tigris altaica), treffender auch als Amurtiger, Ussuritiger und Mandschurischer Tiger bezeichnet, ist die am nördlichsten verbreitete und größte Unterart des Tigers (Panthera tigris) und damit der größte Vertreter aus der Familie der Katzen (Felidae) überhaupt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Körpergröße und Gewicht

Der Sibirische Tiger ist die größte Unterart des Tigers und die größte heute lebende Katze. Wie bei allen Katzen werden Kater deutlich größer und schwerer als die Kätzinnen und sind auch kräftiger gebaut. Er erreicht eine Körperlänge von 200 bis 250 cm, eine Schwanzlänge von 90 cm, ein Stockmaß von gut 90 cm sowie ein Gewicht von 180 bis 300 Kg.

Fell

Das Fell des Amurtigers ist deutlich heller als das der weiter südlich lebenden Unterarten. Der Grundton ist ein helles orange, das insbesondere im Winter blassgelb bis fast weiß gefärbt ist, durch den Schnee in seinem Lebensraum häufig aber als besonders dunkel und kontrastreich wahrgenommen wird. Wie bei allen Tigern sind die Unterseite sowie die Innenseiten der Gliedmaßen weiß gefärbt, jedoch dehnt sich der Weißanteil beim Amurtiger stärker aus und bezieht auch große Teile der Flanken mit ein.Die Ohren sind schwarz mit einem weißen zentralen Punkt auf der Rückseite. Die Streifen sind im Gegensatz zu den tropischen Unterarten deutlich schmaler und nicht tiefschwarz, sondern eher dunkelbraun gefärbt. Insbesondere Kater haben einen ausgeprägten Backenbart, der jedoch nicht so deutlich ausgebildet ist wie beim Sumatratiger (Panthera tigris sumatrae) und verlängerte Nackenhaare. Eine Mähne wie beim Löwen wird jedoch nicht ausgebildet. Als Anpassung an seinen Lebensraum weisen Sommer- und Winterfell erhebliche Unterschiede auf. Das Sommerkleid ist meist etwas dunkler und kräftiger gefärbt, die Haare sind recht kurz. Ihre Länge variiert zwischen weniger als 2 cm am Rücken, etwas über 4 cm am Bauch und rund 8 cm am Backenbart. Das Winterkleid dagegen ist deutlich länger mit einer dichten Unterwolle und erreicht am Bauch Längen von über 10 cm. Weiße Tiger, wie sie gelegentlich beim Bengaltiger vorkommen, sind beim Amurtiger nicht bekannt. Allerdings besitzt ein Großteil der in menschlicher Obhut gehaltenen weißen Tiger einen beträchtlichen Teil Amurtigergene, da es sich häufig um Hybride zwischen Bengal (weiße Farbe)-, Amur (Größe)- und Sumatratigern (mächtiger Backenbart) handelt, um diese "Showtiger" besonders eindrucksvoll erscheinen zu lassen.

Gefährdung Schutz

Drei von den neun Unterarten gelten bereits als ausgestorben. Dazu gehören der Java-Tiger (Panthera tigris sondaica), der Kaspische Tiger (Panthera tigris virgata) und der Bali-Tiger (Panthera tigris balica). Um die verbleibenden sechs Unterarten ist es sehr schlecht gestellt. Der Sibirische Tiger ist in Freiheit mit nur noch rund 300 Exemplaren vertreten. Trotz intensiver Schutzmaßnahmen sinken die Bestände immer weiter ab. Die Knochen und andere Körperteile werden viel in der traditionellen „Medizin“ in Südostasien verwendet.

Verbreitung

Sibirischer Tiger
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Sibirischer Tiger

Vor 200 Jahren erstreckte sich das Verbreitungsgebiet des Sibirischen Tigers über ganz Sibirien und weitere große Teile von Russland. Nach langer Zeit der intensiven Bejagung dieser Katzen, leben kaum mehr als 300 Tiere im Amur- bzw. Ussuri-Gebiet. Zumeist leben die Tiger hier in Wäldern, doch sie sind auch in spärlich bewachsenen Gebieten anzutreffen.

Nahrung

Die Hauptnahrung des Sibirischen Tigers sind Hirsche und Wildschweine, aber auch kleinere Säuger und Vögel werden oft erbeutet. In nahrungsknappen Zeiten machen die Tiger sogar Jagd auf andere Räuber wie Wölfe oder Vielfraße. Vereinzelt wurde sogar berichtet, dass Amurtiger einen jungen Braunbären erbeutet haben sollen. Bei der Jagd schleicht sich ein Tiger meist gegen den Wind, eng an den Boden gepresst an die Beute heran. Sobald er dem Opfer nah genug ist, tötet er es nach einem kurzen Sprint zumeist mit einem Nacken- oder Kehlbiss. Angriffe auf Menschen sind für diese Unterart kaum beschrieben worden, jedoch erbeuten sie bei Gelegenheit Haus- und Jagdhunde.

Sibirischer Tiger
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Sibirischer Tiger

Fortpflanzung

Bei Tiger erreichen die Männchen die Geschlechtsreife mit etwa 3 1/2 - 5 und die Weibchen mit 2 1/2 - 4 jahren . Die Paarungszeit beginnt meist im Frühjahr. Ein Männchen verpaart sich für gewöhnlich mit mehreren Weibchen in seinem Revier. Mit der Aufzucht der Jungen hat er nur selten etwas zu tun, überlässt aber dem Weibchen und seinen Jungtieren oft seine Beute. Nach einer Tragezeit von 108-111 Tagen bringt das Weibchen 2-3 (1-6) Jungtiere an einer geschützten Stelle zur Welt. Sie weisen ein Geburtsgewicht von 1,4-1,5 Kilogramm auf. Das erste Fleisch nehmen sie ab einem Alter von 55-60 Tagen zu sich. In einem Alter von gut acht Wochen folgen die Jungtiere der Mutter auf ihren Streifzügen. Ab dem achtzehnten Monat sind sie selbständig, bleiben aber in der Regel noch ein bis zwei Jahre bei der Mutter. Die Lebenserwartung liegt bei dieser nördlichen Unterart bei ca. 16 Jahren.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X
  • Puschmann, Wolfgang et al.: Zootierhaltung. Tiere in menschlicher Obhut. Säugetiere, Verlag Harri Deutsch, Frankfurt am Main 2009 ISBN 978-3808557440

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