Sichelhuhn

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Sichelhuhn

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neornithes)
Teilklasse: Neoaves
Ordnung: Hühnervögel (Galliformes)
Familie: Fasanenartige (Phasianidae)
Unterfamilie: Tetraoninae
Gattung: Sichelhühner (Falcipennis)
Art: Sichelhuhn
Wissenschaftlicher Name
Falcipennis falcipennis
(Hartlaub, 1855)

IUCN-Status
Near Threatened (NT)

Das Sichelhuhn (Falcipennis falcipennis), auch unter den Synonymen Dendragapus falcipennis und Tetrao falcipennis bekannt, zählt innerhalb der Familie der Fasanenartigen (Phasianidae) zur Gattung der Sichelhühner (Falcipennis). Im Englischen wird das Sichelhuhn siberian grouse genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Sichelhuhn erreicht eine Körperlänge von etwa 38,0 bis 43,0 Zentimeter und ein Gewicht von etwa 380,0 bis 780,0 Gramm. Äußerlich ähneln sich die beiden Arten: das Sichelhuhn und das Tannenhuhn (Falcipennis canadensis), jedoch gibt es einige Unterschiede in der Gefiederfärbung. Die Schwungfedern erster Ordnung verleihen dem Tannenhuhn eine eigentümliche Gestalt. Bei dem Sichelhuhn verschmälern sich dagegen die Schwungfedern nach der Spitze zu allmählich. Eine etwas sichelförmige Ausschweifung der Innenfahne erreicht den höchsten Grad bei der zweiten und dritten, die auch demnach die spitzesten sind. Bei der fünften und sechsten beginnt diese Ausbuchtung erst kurz vor der Spitze. Bei dem Sichelhuhn ist der Schnabel verhältnismäßig konstant kleiner als bei dem Tannenhuhn, obwohl von beiden Arten die erstere sicher nicht die kleinste Art ist. Vielmehr scheint das Sichelhuhn der größere Vogel zu sein. Während die Steuerfedern bei dem Tannenhuhn einen kleineren, hellen rotbraunen Spitzenfleck zeigen, dessen feine schwarze Umrandung, zumal an den Seiten sehr deutlich in die Augen fällt, erscheint dieser Spitzenfleck bei dem Sichelhuhn rein weiß, größer und bis zum Rand des Bartes reichend. Die gescheckte Zeichnung des Spitzenteils der Steuerfedern tritt bei dem Sichelhuhn weit stärker hervor und reicht höher hinauf als bei dem Tannenhuhn, wo sie nur die äußerste Spitze einnimmt. <1>

Total verschieden ist bei beiden Arten die Färbung des Rückens, Bürzels und der oberen Schwanzdeckfedern. Bei dem Tannenhuhn erscheinen diese Körperpartien einfach grau und schwarz quer gebändert und zeigen einen deutlichen weißen Spitzensaum. Dagegen erscheinen bei dem Sichelhuhn die Federn dieser Körperpartien schwarz, fein braun gescheckt, mit einem schmalen hellbraunen Saum und zeigen in der Mitte einen strichartig schmalen, mal mehr oder weniger einen weißen und hell bräunlichen Schaftfleck. Das kleine Gefieder des Flügels zeigt dieselben Längsschmitze sehr deutlich. Doch lassen sich auch Spuren davon bei einzelnen Exemplaren vom Tannenhuhn erkennen.
Sichelhuhn
vergrößern
Sichelhuhn
Bei adulten, ausgefärbten Männchen des Tannenhuhn fehlt sie aber gänzlich. Bei dem Sichelhuhn sind die Bänder der Hals,- Schulter- und Rückenfedern hell braun, bei dem Tannenhuhn sind diese grau gefärbt. Der weiße Fleck hinter dem Auge ist bei beiden Arten vorhanden. Der schwarze Teil der Oberbrust ist bei dem Tannenhuhn gleichmäßig rein schwarz, während bei dem Sichelhuhn dieser Teil braunschwarz getönt ist und nach unten zu heller wird. Die nach unten zu breit weiß gerandeten Federn bei dem Tannenhuhn (eine Art Binde über das obere Epigastrium bildend) zeigen bei dem Sichelhuhn nur einen feinen weiß-bräunlichen Saum, der noch weiter nach unten reicht. Bei dem Tannenhuhn zeigt sich im Bereich des oberen Bauches ein rein schwarzer Mittelfleck, während dieser bei dem Sichelhuhn fast gänzlich fehlt. Dagegen treten bei dem Sichelhuhn breit weiß gesäumte, unregelmäßige Binden auf und in der Mitte des Unterbauches erscheint ein einfarbig schwarzbrauner Fleck, welcher bei dem Tannenhuhn nur sehr undeutlich erkennbar ist. <1>

Eine der wichtigsten Untrerscheidungsmerkmale in der Färbung beider Vögel zeigen die Seitenfedern des Körpers. Bei dem Sichelhuhn zeigen sich auf braunschwarzem Grund breite, kurze fast dreieckige Flecken, deren Spitze nach unten und hinten zu gekehrt ist, während bei dem Tannenhuhn auf hellgrauem Grund schmalere, längere, gestrecktere weiße Flecken erscheinen, deren Spitze nach oben und vorn gekehrt ist und in einen verlängerten weißen Schaftstrich ausläuft. Die breite, stumpfe Seite dieser Flecken liegt also nach unten und hinten zu. Bei dem Sichelhuhn sind diese weißen Flecken sehr breit glänzend schwarz gerandet, während bei dem Tannenhuhn diese Flecken nur schwach und wenig hervortreten. All diese Unterschiede der Zeichnungen sind auch bei dem weiblichen Vogel vorhanden. Auch hier tritt wie bei dem Männchen, anstatt der grauen und grünlichen Färbung bei dem Tannenhuhn, die braune und bräunliche Färbung bei dem Sichelhuhn hervor. Die haarartige Federbekleidung der Fußwurzel ist bei dem Sichelhuhn viel länger und dichter als bei dem Tannenhuhn. Bei dem Sichelhuhn erscheinen die Zehen fast ganz überfedert. <1>

Lebensweise

Im Winter und im Frühling ist das Beifußhuhn eine soziale Art. Im Winter leben die Gruppen getrennt geschlechtlich, das heißt Männchen und Weibchen leben in verschiedenen Gruppen, man kann auch manchmal Einzelindividuen beobachten. Im Frühjahr, während der Brutzeit, rekombinieren die Gruppen zu einem Lek-System. Zur Paarungszeit bilden die Männchen innerhalb des Territoriums "Leks" oder Balzarenen, um sich den Weibchen zur Schau zu stellen und paarungsbereite Weibchen zu gewinnen, um sich mit diese dann zu paaren. Das Sichelhuhn ist in der Regel sesshaft, aber in den Wintermonaten wandert das Sichelhuhn, um gute Nahrungsplätze mit ausreichendem Grünfutter zu finden. Der interessanteste Aspekt des Sichelhuhn ist das Paarungsverhalten.
Nest mit Gelege
vergrößern
Nest mit Gelege

Wie bereits erwähnt, ist das Sichelhuhn eine "Lekking"-Spezies. Dies bedeutet, dass während der Paarungszeit die Areale den Männchen als Balzplatz dienen, auf dem sie die Weibchen umwerben. Das dominante Männchen belegt in der Regel das Territorium im Zentrum der Balzarena, wo das Männchen die besten Chancen hat, die dort fortpflanzungsbereiten Weibchen auf sich aufmerksam zu machen und sich mit ihnen zu paaren. Der äußere Bereich des Territoriums wird von den nicht dominanten Männchen besetzt, die bei der Paarung weniger erfolgreich sind. Im Verlauf der Paarungsperiode gelingt es den jüngeren Männchen allmählich, das dominante Männchen oder die dominanten Männchen von den begehrten Balzplätzen zu verdrängen und selbst in die oberen Ränge aufzurücken. Im frühen Frühjahr beginnen die Männchen ihre Lek-Plätze und Territorien abzustecken. Es wurde festgestellt, dass die älteren und erfahrenen Hähne 75 bis 80 Prozent der Gebiete in einem bestimmten Lek erreichen. Die Männchen halten sich von März bis Mai in den Leks, also in den Balzarenen auf, wobei die meisten Männchen in der Morgendämmerung und in den Abendstunden aktiv werden. Die Weibchen halten sich für gewöhnlich zwei bis drei Tage in den Balzarenen auf, während dieser Zeit wählt das Weibchen ein Männchen und paart sich mit diesem nur einmal. Danach verläßt das Weibchen die Balzarena, um sich nach einem geeigneten Nistplatz umzuschauen und dort ihre Eier abzulegen. Der Balztanz der Männchen besteht aus Federspreizen und Schwanzfächern.

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN tritt die Art im fernöstlichen Russland, etwa 120° östlicher Breite, an den Ufern des Ochotskischen Meeres und auf der Insel Sachalin sowie nördlich bis etwa 60° nördlicher Breite und südlich in der unteren Amur-Region sowie im Sikhote-Alin-Gebirge und in den Xiao Ling Hinggan Bergen von Heilongjiang, China auf. Das Sichelhuhn bewohnt die Nadelwälder, vorwiegend Fichten, zum Beispiel Picea jezoensis und Ostsibirische Tannen (Abies nephrolepis). Obwohl das Sichelhuhn in Sekundärwäldern vorkommt, meidet das Sichelhuhn Freiflächen als Folge der Waldrodung. Das Sichelhuhn tritt bei niedrigen Dichten, zwischen 6 und 25 Vögel, pro 100 Quadratkilometer innerhalb eines relativ kleinen Bereiches auf. Wegen der versteckten Lebensweise gestaltet sich die Zählung dieser Art sehr schwierig. Es wird angenommen, dass aufgrund des großen Kahlschlages für Holz, der Waldbrände und aufgrund der Bejagung wegen des Fleisches und weil die Art kaum den Menschen fürchtet, das Sichelhuhn einen mäßig schnellen Rückgang erfährt.

Ernährung

Henne im Nest mit Küken
vergrößern
Henne im Nest mit Küken

Die Nahrung der Sichelhühner besteht hauptsächlich aus grünen Pflanzenteilen, Blüten, Beeren, Knospen, Sämereien, Körnern und Tannennadeln und aus jungen Trieben. Während der Brutzeit ernähren sich die Sichelhühner auch von einer Vielzahl von Insekten (Insecta). Die Nahrungssuche erfolgt tagsüber ausschließlich am Boden. Die Küken ernähren sich in den ersten Lebenswochen fast ausschließlich von Spinnentieren sowie von Insekten und deren Larven.

Fortpflanzung

Vor der Paarung werden in den Balzarenen von den Männchen aufwendige Balztänze präsentiert, um so die paarungsbereiten Weibchen zu beeindrucken und sie zur Paarung zu gewinnen. Das Weibchen hält sich zwei bis drei Tage in der Balzarena auf und sucht sich ein passendes Männchen. Nach der Paarung verläßt das Weibchen den Balzplatz und schaut sich nach einem geeigneten Nistplatz um. Das Nest wird etwa zwei bis sechs Meter vom Balzplatz entfernt angelegt. Sobald das Nest konstruiert ist, legt die Henne etwa alle 1,3 Tage für 9 Tage ein Ei. Dies führt in der Regel bei den Weibchen etwa zu 5 bis 7 Eier. Die Legezeit und die Inkubationszeit der Eier dauert für gewöhnlich etwa 37 Tage. Nach dem Schlupf versorgt die Henne die Küken allein. In etwa einer Woche sind die Jungen in der Lage, kurze Strecken zu fliegen. Zu diesem Zeitpunkt werden die Jungen zu den Feuchtwiesen geführt, wo sie reichlich Nahrung finden. Die Jungen bleiben bis zum Herbst mit ihrer Mutter zusammen, erst im Winter, wenn sie die Geschlechtsreife erreicht haben, verlassen sie die Mutter und gesellen sich zu den getrennt geschlechtlichen Gruppen. Im folgenden Frühjahr suchen die Jährlinge die äußeren Bereiche der Balzarenen auf und beginnen ebenfalls wie die dominanten Männchen mit ihren Balztänzen.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN gilt die geheimnisvolle Art als gering gefährdet. Wegen der Bejagung und der Waldrodung erfährt diese Art einen mäßig schnellen Rückgang.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • [1] Journal für Ornithologie. Ein Centralorgan für die gesammte Ornithologie in Verbindug mit Prof. Dr. J. H. Blasius in Braunschweig, Justitiar F. Boie in Kiel, Prinz Ch. L. Bonaparte zu Paris, Staats-R. Academiker Prof. Dr. Brandt in Petersburg, Pastor Ch. L. Brehm in Thüringen, Notar Dr. Brach in Mainz, Dr. Giebel in Halle, Bar. E. v. Homeyer, Dr. Hartlaub in Bremen, Dr. Kaup in Darmstadt, Geh.-R. Prof Dr. Lichtenstein in Berlin, Bar. Dr. J. W. v. Müller, Prof. Dr. J. Fr. Naumann bei Cöthen, Hof-R. Prof. Dr. L. Reichenbach in Dresden, Dr. H. Schlegel in Leiden, Dr. L. Thienemann bei Dresden, und andern Ornithologen des In- und Auslandes, herausgegeben von Dr. Jean Cabanis, erstem Cusios am Königl. Zoologischen Museum der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. III. Jahrgang: 1855. Cassel 1855. Druck und Verlag von Theodor Fischer. London, Paris, New York.
  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

Qualifizierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge