Siebenschläfer

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Siebenschläfer

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Teilordnung: Bilchverwandte (Glirimorpha)
Familie: Schlafmäuse (Gliridae)
Unterfamilie: Eigentliche Bilche (Glirinae)
Tribus: Gliriini
Gattung: Siebenschläfer (Glis)
Art: Siebenschläfer
Wissenschaftlicher Name
Glis glis
Linnaeus, 1766

Verbreitungsgebiet

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Siebenschläfer (Glis glis, veraltet Myoxus glis) zählt innerhalb der Familie der Schlafmäuse (Gliridae) zur Gattung der Siebenschläfer (Glis).

Im Jahre 2004 wurde der Siebenschläfer von der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild zum Tier des Jahres gewählt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Siebenschläfer erreicht je nach Alter und Geschlecht eine Körperlänge von 15 bis 20 cm, eine Schwanzlänge von 12 bis 16 cm sowie ein Gewicht von gut 200 bis 220 g. Das Fell weist eine überwiegend gräuliche bis graubraune Grundfärbung auf. Die Bauchseite, die Innenseiten der Extremitäten sowie Brust- und Kehlbereich sind weißlich bis cremefarben gefärbt. Das Fell ist insgesamt sehr weich und dicht. Die kleinen Ohren weisen eine rundliche und stehende Form auf. Die Iris der großen Augen sind dunkelbraun bis fast schwarz gefärbt. Im Bereich der Schnauze sind lange Tasthaare zu erkennen. Auffallend ist der lange und buschige Schwanz, der insbesondere als Balancierorgan fungiert. Die Fußsohlen sind unbehaart und recht hart, fast verhornt, ausgeprägt. Dieses ermöglicht dem Siebenschläfer zu außerordentlich guten Kletterfähigkeiten. Die Vorderfüße weisen dabei vier, die Hinterfüße fünf Zehen auf. Sowohl der Seh- und Geruchssinn als auch der Tastsinn sind sehr gut entwickelt.

Verhalten

Als nachtaktives Tier verschläft der Siebenschläfer den Tag an geschützter Stelle. Aktiv wird er mit beginnender Dämmerung und in der Nacht. Er lebt hauptsächlich in den Bäumen und steigt nur selten auf den Erdboden herab. Seine Klettereigenschaften können dabei durchaus als ausgezeichnet bezeichnet werden. Selbst Eichhörnchen weisen im Geäst der Bäume eine solche Beweglichkeit nicht auf. Auch seine Sprungfähigkeit ist bemerkenswert. Er kann ohne Probleme fünf bis sieben Meter weit springen, um einen anderen Baum zu erreichen. Siebenschläfer leben einzelgängerisch oder in kleinen Familiengruppen, die dann meist aus einem Weibchen und deren Nachwuchs bestehen. Die Nahrung wird ausschließlich in Bäumen und Sträuchern gesucht. Beim Fressen setzen sie ihre Vorderfüße geschickt zum Festhalten ein.

Siebenschläfer legen ein ausgesprochen territoriales Verhalten an den Tag. Sie markieren ihr Revier mit Urin und Sekreten aus den Analdrüsen. Ein Revier wird grundsätzlich erbittert gegenüber Artgenossen verteidigt. Nur während der Paarungszeit kommt es dabei zu einer Annäherung der Geschlechter. Im Spätsommer macht sich der Siebenschläfer die ersten Gedanken über einen geeigneten, frostsicheren Platz für den mit bis zu sieben Monaten sehr langen Winterschlaf. Meist werden dazu Baumhöhlen oder Erdlöcher im Boden genutzt. Bis zum Spätsommer haben sie sich einen dicken Winterspeck angefressen. Der Winterschlaf wird nicht durch Wachphasen unterbrochen, sie schlafen während dieser Zeit tief und fest. Ihr Stoffwechsel fährt dabei auf ein Minimum zurück. Die Atmung wird auf durchschnittlich zwei bis drei Atemzüge pro Minuten reduziert. Im späten Frühjahr, wenn die Temperaturen die 20°C-Grenze überschreiten, erwacht er. Weibchen erwachen etwa zwei bis drei Wochen später als Männchen. Sogleich beginnt er mit der Nahrungsaufnahme, da der Körper nach einem Winterschlaf sehr geschwächt ist. Zu den natürlichen Hauptfeinden zählen insbesondere marderartige Räuber und Greifvögel wie Eulen.

Verbreitung

Vorkommen

Das Verbreitungsgebiet des Siebenschläfers erstreckt sich über weite Teile Süd- und Mitteleuropas. Darüber hinaus kommt er im Osten bis in die Ukraine, im Südosten bis in den Nahen Osten vor. In England und Irland wurde er ausgesetzt, die Art hat sich hier bis zum heutigen Tage aber nicht durchsetzen können. Im Mittelmeerraum werden auch die großen Inseln wie Sardinien, Korsika, Sizilien sowie viele größere griechische Inseln besiedelt.

Lebensraum

Der Siebenschläfer bevorzugt Laub- und Mischwälder als Lebensraum. Aber auch in größeren Gärten und in Obstplantagen ist er durchaus häufig anzutreffen. Seine Habitate liegen dabei sowohl im Tiefland als auch in Hügelland und Vorgebirgen. Er hält sich fast ausschließlich in Bäumen auf. Den Tag verbringt er in der Regel an geschützter Stelle wie Baumhöhlen. Erst in der Nacht wird er munter und geht auf Nahrungssuche. Gelegentlich sucht er in landwirtschaftlich geprägten Siedlungsräumen auch in Stallungen und Scheunen sowie auf Dachböden Schutz. In weiten Teilen seiner Verbreitungsgebiete ist der Siebenschläfer heute recht selten geworden. Der hohe Jagddruck und die Vernichtung und Versiegelung seiner Lebensräume haben die Art in den letzten Jahrzehnten deutlich schrumpfen lassen.

Prädatoren

Zu den natürlichen Fleischfressern zählen in Mitteleuropa vor allem Hauskatzen (Felis catus) und Marder (Mustelidae) wie der Europäische Nerz (Mustela lutreola), der Steinmarder (Martes foina) oder auch der Baummarder (Martes martes). Aber auch Eulen (Strigiformes) wie die Schleiereule (Tyto alba) stellen den Siebenschläfern nach.

Ernährung

Während des Winterschlafs verliert der Siebenschläfer bis zu 30% seines Körpergewichts. Um den Winterschlaf zu überleben muss er sich deshalb während seiner aktiven Phase eine dicke Fettschicht anfressen. Der Siebenschläfer ist ein Allesfresser. Zu Beginn seiner aktiven Phase ernährt er sich hauptsächlich von Blättern, Knospen und Früchten (Himbeeren, Brombeeren), während er dann gegen Ende des Sommers auf fettreiche Nahrung wie Eicheln und Bucheckern umschwenkt. Gelegentlich nimmt er auch Insekten (Insecta) und deren Larven zu sich. Vor allem Obstgärten sind für Siebenschläfer ein wahres Paradis, wobei vor allem die reifsten Früchte die Beachtung dieser Bilche finden.

Fortpflanzung

Paarbildung, Balz und Nest

Der Siebenschläfer erreicht die Geschlechtsreife mit zwölf bis achtzehn Monaten. Die Paarungszeit beginnt insbesondere in Mitteleuropa im Juni, wobei es pro Jahr nur zu einem Wurf kommt. Während der Paarungszeit verbreiten Weibchen über Drüsen im Analbereich Düfte, die auf Männchen außerordentlich anziehend wirken. Ein paarungsbereites Männchen erwidert diese Gerüche mit seinen eigenen Gerüchen. Neben Düften spielen auch pfeifende bis zwitschernde Töne bei der Balz und der Paarbildung eine große Rolle. Hat sich ein Paar gefunden, so kommt es zur Kopulation. Dabei kann es recht ruppig zugehen. Weibchen, die sich zieren, werden vom Männchen schon mal mit Bissen und Tatzenhieben bedacht. In diesen Fällen wehrt sich das Weibchen aber dementsprechend. Das Nest wird meist in größeren Astlöchern oder Baumhöhlen eingerichtet. Diese Höhlen befinden sich in der Regel in großer Höhe. Unmittelbar nach der Paarung beginnt das Weibchen damit, ihr Nest vorzubereiten. Die Baumhöhle wird mit weichem Material wie Tierhaaren, Federchen und anderen Materialien ausgepolstert.

Wurf und Aufzucht

Nach einer Tragezeit von etwa 30 bis 32 Tagen bringt das Weibchen zwischen einem und zehn Jungtiere zur Welt. Die durchschnittliche Wurfgröße beträgt dabei zwischen vier und sechs Jungtiere. Die Jungen weisen ein Gewicht von lediglich ein bis zwei Gramm auf und sind nur wenig weit entwickelt. Zudem sind sie sowohl blind und taub als auch ohne Fell. Das Gehör stellt sich nach rund zwölf Tagen ein, die Augen öffnen sich nach rund drei Wochen. Die Zähne bilden sich zwischen dem dreizehnten und dem zwanzigsten Lebenstag aus. Nach rund sechs Wochen werden die Jungtiere von der Muttermilch entwöhnt und nehmen ab diesem Zeitpunkt feste Nahrung zu sich. Zwei Wochen später erreichen die Jungtiere ihre Selbstständigkeit. Siebenschläfer haben eine Lebenserwartung von fünf bis neun Jahren.

Ökologie

Früher, zu Zeiten des Römischen Reiches, wurde der Siebenschläfer wegen seines Fleisches gejagt und galt als Delikatesse. In einigen Gebieten Europas ist das auch heute noch der Fall. Hauptsächlich wird der Siebenschläfer aber wegen seines Pelzes gejagt, um zu Luxusartikel verarbeitet zu werden. Zudem gilt der Siebenschläfer unter den Landwirten und Weinbauern als Schädling, da er erheblichen Schaden an früchtetragenden Bäumen und Weinreben anrichten kann. In der Roten Liste der IUCN wird diese Art als nur gering gefährdet geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • William K. Purves, David Sadava, Gordon H. Orians: Biologie. "Lexikon der Biologie". Spektrum Akademischer Verlag, 2007 ISBN 3827420075
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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