Smilodon

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Smilodon
Säbelzahnkatze (Smilodon californicus)

Lebenszeitraum
Pliozän bis Pleistozän
2,5 Mio. Jahre bis 11.000 Jahre

Fossilfundorte
  • Nord- und Südamerika
Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Familie: Katzen (Felidae)
Unterfamilie: Säbelzahnkatzen (Machairodontinae)
Tribus: Smilodontini
Gattung: Smilodon
Wissenschaftlicher Name
Smilodon
Lund, 1842

Smilodon ist eine ausgestorbene Gattung aus der Familie der Katzen (Felidae). Die ersten Vertreter dieser Gattung erschienen vor 2,5 Mio. Jahren; die letzten starben vor 11.000 Jahren aus. Umgangssprachlich wird Smilodon auch als Säbelzahntiger bezeichnet. Der Begriff "Tiger" ist hier jedoch unpassend, da Smilodon eine nahe Verwandschaft zu den Löwen aufweist.

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Die meisten fossilen Funde stammen von Smilodon fatalis und wurden in Kalifornien, insbesondere in den Asphaltsümpfen Rancho La Brea gefunden. Sie sind ausgesprochen gut erhalten. Fossilien von Smilodon populator wurden ebenfalls zahlreich gefunden und stammen aus Brasilien, Argentinien und Bolivien (Tarija-Formation).

Warum Smilodon gegen Ende des Pleistozän ausstarb, ist noch weitestgehend unklar. Man geht jedoch davon aus, dass die Aussterbewelle gegen Ende des Pleistozän nicht durch klimatische Veränderungen, sondern durch den Menschen ausgelöst wurde. Man bezeichnet dieses auch als Bejagungs- oder Overkill-Hypothese. Andere Forscher folgen eher der These, das die Tiere aufgrund von Klima- und Vegetationänderungen ausstarben.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Smilodon erreicht je nach Art eine Schulterhöhe von gut 120 bis 150 Zentimetern sowie ein Gewicht von 60 bis 360 Kilogramm. Als größte Art gilt Smilodon populator. Weibchen blieben kleiner und leichter als Männchen. Das Fell wies eine sandfarbene Grundfärbung auf. Zahlreiche bräunliche bis hellbraune Flecken durchzogen das Fell. Der Schwanz war nur wenige Zentimeter lang und hatte demnach den Charakter eines Stummelschwanzes. Die Fangzähne erreichten eine Länge von bis zu 25 Zentimeter und ragten seitlich aus dem Maul heraus. Zum Beißen waren die Zähne jedoch nicht geeignet. Die Fangzähne waren recht empfindlich und konnten bei Kontakt mit Knochen brechen. Die hinteren Extremitäten waren kürzer als die vorderen Beine. Letztere waren äußerst kräftig gebaut und dienten mit den scharfen Krallen zum Niederringen von Beutetieren. Aufgrund dieser Konstellation konnte Smilodon wahrscheinlich nicht sehr schnell laufen. Dies traf vor allem auf die ausgewachsenen Männchen zu. Ein dominantes Männchen beteiligte sich jedoch nicht an der Jagd seines Rudels. Er beanspruchte ein Teil der Beute, die seine Weibchen erlegt hatten, für sich. Im Bereich des Maules zeigten sich zahlreiche Schnurrhaare, die sogenannten Vibrissen, die der Orientierung dienten.

Lebensweise

Smilodon lebte ähnlich wie die heutigen Löwen (Panthera leo) in Rudeln. Das Brüllen eines Smilodon war in der offenen Savanne über einige Kilometer zu hören. Es diente zum einen der Abschreckung und zum anderen der Kommunikation über weite Strecken mit anderen Rudeln. Die einzelnen Rudel beanspruchten große Territorien für sich und verteidigten diese gegenüber anderen Gruppen, Eindringlingen oder Fleischfressern. Die Grenzen des Reviers wurden mit Urin markiert. Ein Rudel wies ein dominantes Männchen, mehrere Weibchen und deren Nachwuchs auf. Unter rivalisierenden Männchen kam es häufig zu lebensgefährlichen Kämpfen, die nicht selten mit dem Tode endeten. Unterlag das dominante Männchen einer Gruppe einem Rivalen, so übernahm dieser das Rudel und tötete alle Jungtiere.

Arten

Der Artstatus von Smilodon californicus und Smilodon floridanus gilt als umstritten. Die meisten Forscher sehen beide als Unterarten von Smilodon fatalis.

Verbreitung

Säbelzahnkatze (Smilodon californicus)
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Säbelzahnkatze (Smilodon californicus)

Smilodon lebte in den weiten Steppen des südlichen Nordamerikas bis ins zentrale Südamerika. Zur Zeit des Smilodon herrsche über weite Strecken eine Eiszeit. Durch die weit nach Süden reichenden Polkappen erstreckten sich bis nach Süden steppen- und tundraartige Lebensräume. Die heutigen tropischen Regenwälder trockneten mit der Zeit aus und verwandelten sich in lichte Trockenwälder, Prärien oder in Baum- und Strauchsavannen. Riesige Grasflächen dominierten in weiten Teilen von Nord- und Südamerika. In diesen Lebensräumen galt Smilodon neben den Terrorvögeln (Phorusrhacos) als einer der gefährlichsten Räuber.

Prädatoren

Smilodon hatte nur wenige natürliche Feinde. Jungtiere oder subadulte Tiere fielen gelegentlich einem Vertreter aus der Familie der Terrorvögel (Phorusrhacidae) zum Opfer.

Ernährung

Zu den bevorzugten Beutetieren zählte Macrauchenia, ein südamerikanisches Huftier der Taxa Meridiungulata. Auch ein Mylodon, ein Riesenfaultier konnte in der Gruppe durchaus überwältigt werden. Ein Mylodon war aufgrund seiner Größe jedoch nicht leicht zu erlegen. Es ist anzunehmen, dass auch Bisons (Bison) und ähnlich große Huftiere erbeutet wurden. Auch Kamele der Gattung Camelops, die im Pleistozän in Nordamerika lebten, standen wahrscheinlich auf Speisekarte der Smilodonten. Ob auch größere Säugetiere wie das Präriemammut (Mammuthus columbi), das Wollhaarmammut (Mammuthus primigenius) oder Mastodonten (Mastodontoidea) auf der Speisekarte standen, ist ungewiss.

Nicht selten zogen Smilodonten bei der Jagd den Kürzeren. Beutetiere wurden mit den Fangzähnen gepackt und mit einem Biss in den Nacken getötet. Die Beutetiere starben jedoch nicht aufgrund einer Bissverletzung, sondern weil ihre Kehle und Luftröhre zugeschnürt wurde. Meist verletzten die Säbelzähne die Blutgefäße und die Verbindung zum Gehirn unterbrach. Die Beutetiere wurden mit den kräftigen Vorderbeinen am Boden gehalten. Das Gebiss war hoch spezialisiert. Die leicht vorstehenden Vorderzähne dienten zum Abziehen des Fleisches vom Knochen. Die Fangzähne kamen dem Smilodon dabei nicht in die Quere. Smilodon aß ein Beutetier nie ganz auf. Der Kontakt zum Knochen eines Beutetieres wurde in der Regel vermieden. Das restliche Fleisch an den Knochen kam den zahlreichen Aasfressen in den weiten Ebenen zu Gute. Auf die Jagd gingen nur die Weibchen. Meist jagten zwei bis drei Weibchen zusammen.

Fortpflanzung

Über die Fortpflanzung ist sehr wenig bekannt. Smilodon lebte in Haremsgruppen, die von einem geschlechtsreifen Männchen dominiert wurden. Alle Weibchen einer Gruppe wurden vom Männchen begattet. Es ist also eine polygame Lebensweise anzunehmen. Ein Weibchen brachte wahrscheinlich zwei bis vier Jungtiere zur Welt. Im Falle der Machtübernahme des Harems durch ein anderes Männchen kam es zur Tötung des Nachwuchses. Denn nur so waren die Weibchen für das neue dominante Männchen paarungsbereit.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Tim Haines: Die Erben der Saurier. Im Reich der Urzeit. Styria, 2002 ISBN 3222128138

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