Sokotrascharbe

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Sokotrascharbe

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Ruderfüßer (Pelecaniformes)
Familie: Kormorane (Phalacrocoracidae)
Gattung: Kormorane (Phalacrocorax)
Art: Sokotrascharbe
Wissenschaftlicher Name
Phalacrocorax nigrogularis
Ogilvie-Grant & Forbes, 1899

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Die Sokotrascharbe (Phalacrocorax nigrogularis) zählt innerhalb der Familie der Kormorane (Phalacrocoracidae) zur Gattung der Kormorane (Phalacrocorax). Im Englischen wird die Sokotrascharbe socotra cormorant oder socotra shag genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Die Sokotrascharbe ist ein ziemlich großer Kormoran und erreicht eine Körperlänge von etwa 80,0 Zentimeter sowie eine Flügelspannweite von etwa 275,0 bis 310,0 Zentimeter. Das Gefieder ist fast völlig schwarz gefärbt. Im Brutkleid zeigt sich auf dem Gefieder ein purpurfarbener Glanz und die Oberseite ist mit einem schiefrig-grünlichen Schimmer bedeckt. Die Haut am Schnabelansatz ist von einer schwärzlichen Färbung. Des Weiteren zeigen sich um die Augen und am Hals ein Paar weiße Federn und ein Paar weiße Streifen an der Hüfte. Die Beine und Füße weisen eine schwarze Färbung auf. Außerhalb der Brutzeit sind Abweichungen von einem reinen Schwarz weniger gekennzeichnet. Zwischen den Zehen weist die Sokotrascharbe Schwimmhäute auf, die sie zu einer hervorragenden Taucherin machen. Schwimmt die Sokotrascharbe an der Wasseroberfläche, so sind in der Regel nur ihr Hals und Kopf zu sehen. Der Körper befindet sich knapp unter der Wasseroberfläche. Das Gefieder saugt sich bei Kontakt mit Wasser voll und hält den Körper unter Wasser. Die Sokotrascharbe verfügt über keine Bürzeldrüse, mit der andere Wasservögel ihr Gefieder einfetten und mehr oder weniger wasserdicht machen. Nach einem Tauchgang kann man die Sokotrascharben an Land mit ausgebreiteten Flügeln beobachten. Meist wedeln sie dabei mit ihren Flügeln, um den Trocknungsprozess zu beschleunigen.

Lebensweise

Die Socotrascharbe ist am Persischen Golf und an der Südostküste der Arabischen Halbinsel endemisch. Gelegentlich sieht man einige Vögel weit nach Westen bis zur Küste des Roten Meeres wandern. Einige Exemplare wurden auch auf der Insel Socotra gesichtet, die dem Vogel seinen Namen gab, ist es jedoch unwahrscheinlich, dass dort die Vögel jemals gebrütet haben. Die Vögel sind sehr gesellig. Am Schlafplatz finden sich mitunter 250.000 Vögel ein und auf See etwa 25.000 Vögel. Es gibt wenig Informationen über die Ernährung dieser Art. Wie alle Kormorane taucht auch diese Art nach Beute. Sie können bis zu drei Minuten unter Wasser bleiben. Die Art ist aber auch in der Lage längere Zeit und auch tief zu tauchen. Die Sokotrascharbe fischt wie fast alle Kormorane in Gruppen.

Verbreitung

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Oman

Laut der Roten Liste der IUCN kommt die Sokotrascharbe in folgenden Verbreitungsgebieten vor: Bahrain, Eritrea, Islamische Republik Iran, Kuwait, Oman, Qatar, Saudi-Arabien, Somalia, Vereinigte Arabische Emirate und Jemen. Als Durchzügler ist die Sokotrascharbe in Indien anzutreffen. Die Sokotrascharbe fischt vorwiegend im westlichen Indischen Ozean. Der Brutbestand wird auf 110.000 Paare (Jennings 2000) geschätzt. Insgesamt ist die Populations-Entwicklung sinkend. Die Sokotrascharbe ist eine sehr gesellige Art und hält sich nur auf flachen einsamen Inseln auf. Seine Nahrung besteht aus kleinen Fischen. Saisonale Bewegungen treten nur in Verbindung mit der Migration der Fische auf. Zecken (Ixodida) führen häufig zum Aufgeben der Brut und somit auch zum Rückgang der Art beiträgt. Zu den Lebensräumen der Sokotrascharbe zählen unter anderem inländische Klippen und Berge, pelagische Zonen, intertidale Sandstrände, Sandbänke, supratidale Klippen und felsige Inseln sowie supratidale Süßwasserseen.

Ernährung

Es gibt wenig Informationen über die Ernährung dieser Art. Die Sokotrascharbe ernährt sich hauptsächlich von kleinen Fischen. Pro Tag brauchen die Sokotrascharben etwa 250 bis 300 Gramm an Nahrung. Auf Beutezug gehen sie unter Wasser. Sie sind ausgezeichnete Taucher. Sie können bis zu drei Minuten unter Wasser bleiben. Die Art ist aber auch in der Lage längere Zeit und auch tief zu tauchen. Die Sokotrascharbe fischt wie fast alle Kormorane in Gruppen. Bei ihren Tauchgängen setzen sie ihre kräftigen Füße als Antrieb ein und nutzen ihren Schwanz zum Steuern.

Fortpflanzung

Die Sokotrascharbe erreicht etwa mit zwei bis drei Jahren die Geschlechtsreife. Die Sokotrascharben sind reine Kolonienbrüter. In den Kolonien werden auch andere Vogelarten geduldet. Die Nester werden aus Algen und Guano gebaut. Das Weibchen legt in der Regel zwei bis drei Eier. Die Eier werden über einen Zeitraum von rund 24 Tagen bebrütet. Bei Gelegeverlust sind Nachgelege durchaus die Regel. Als Nesthocker verbleiben die Küken für 47 bis 50 Tage im Nest und werden von den Eltern gefüttert. Die Flugfähigkeit wird zwar mit 60 Tagen erreicht, die Jungvögel verbleiben aber noch einige Wochen bei den Eltern. Die Jugendlichen sind in der Gefiederfärbung brauner. Des Weiteren fehlt den Jungvögeln die weiße Befiederung an Hals und Kehle. Nach der ersten Mauser weisen die Jungvögel das gleiche Gefieder wie die adulten Vögel auf.

Gefährdung und Schutz

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Laut der Roten Liste der IUCN wird die Art als gefährdet gelistet, da sie einen sehr kleinen Bereich aufweist. Sie brütet nur in neun Standorten. Aufgrund der Entwicklung der Infrastruktur und der Störungen in den Brutkolonien und möglicherweise aufgrund der Meeresverschmutzung durch Öl ist ein ständiger und rascher Rückgang dieser Art zu beobachten. Es gibt zwei Subpopulationen von Phalacrocorax nigrogularis. Die nördliche Subpopulation brütet auf den Inseln vor der Küste des Persischen Golfs Bahrain, in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in Saudi-Arabien, in Katar und möglicherweise in der Islamischen Republik Iran, jedoch wird seit 1972 die Zucht nicht bestätigt. Die südliche Subpopulation ist offenbar viel kleiner und brütet auf einer oder auf mehreren Inseln vor der Küste des Arabischen Meeres Oman und am Golf von Aden vor Jemen (insgesamt etwa 60.000 Vögel). Die Zucht hat sich nie auf Sokotra erwiesen. Die Gesamtpopulation wird auf 110.000 Paare (330.000 Individuen) geschätzt. Die Art belegt einen sehr kleinen Bereich innerhalb der begrenzten Brutgebiete. Nur 13 Kolonien sind dafür bekannt, wo die Vögel noch aktiv sind, das entspricht neun Standorten. Die drei größten Kolonien enthalten mindestens 75 Prozent der Gesamtpopulation. Die nördliche Population wurde in den letzten 30 Jahren in etwa 12 Kolonien nicht mehr gesichtet und gilt daher dort als ausgestorben, was einen möglichen Rückgang von bis zu 80.000 Paaren (etwa 26 Prozent der Subpopulation) entspricht.

In Saudi-Arabien sank die Zahl der Brutpaare in den Jahren von 1980 bis 1992 um mehr als 75 Prozent. Die sehr hohe Entwicklung der Küstengebiete auf den Brutinseln ist die größte Bedrohung, da die Kolonien verdrängt werden und nicht in der Lage sind, anderswo erfolgreich zu verlagern. Die Kolonien leiden unter häufigen menschlichen Störungen und unter der Plünderung der Nester durch große Möwen (Laridae). Die Art ist sehr anfällig für Ölverschmutzung. Weitere potenzielle Bedrohungen sind die Fischerei, die eingeführten Prädatoren, die die Eier und die Nestlinge erbeuten sowie Ektoparasiten, die ein weiteres Problem für einige Kolonien darstellen. Die Art wird auch im Anhang II der CITES geführt. In den meisten Staaten wird die Art geschützt, jedoch nicht in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Forschung im Bereich der Arten hat in den letzten 10 Jahren stark zugenommen und spezifische Maßnahmen zur Erhaltung wurden auch vorgeschlagen und umgesetzt, einschließlich des Schutzes einiger Brutstätten. Doch die Standorte mehrerer Kolonien sollten als Schutzgebiete anerkannt werden. Weitere Grundlagenforschung und Überwachung in seiner Reichweite sind erforderlich. Wichtige Brutkolonien sollten als Schutzgebiete deklariert werden. Die Brutinseln sollten als vorrangige Standorte in bestehende Notfallpläne wie Ölpest mit eingebunden werden. Des Weiteren ist eine Sensibilisierung der Öffentlichkeit erforderlich und eine Untersuchung zur Wiederherstellung bestimmter ehemaliger Kolonien.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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