Sotalia

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Sotalia

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Wale (Cetacea)
Unterordnung: Zahnwale (Odondoceti)
Familie: Delfine (Delphinidae)
Unterfamilie: Cephalorhynchinae
Gattung: Sotalia
Art: Sotalia
Wissenschaftlicher Name
Sotalia fluviatilis
Gervais & Deville, 1853

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Sotalia (Sotalia fluviatilis) zählt innerhalb der Familie der Delfine (Delphinidae) zur Gattung Sotalia.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Der Sotalia erreicht eine Körperlänge von 140 bis 190, selten auch bis 210 Zentimeter sowie ein Gewicht von 40 bis 80 Kilogramm. Mit diesen Maßen gehört der Sotalia eher zu den kleineren Delfinarten. Die Unterart Amazonas-Sotalia (Sotalia fluviatilis fluviatilis) bleibt mit 140 bis 150 Zentimeter Länge und einem Gewicht von bis zu 60 Kilogramm deutlich kleiner und leichter als der Guyana-Delfin (Sotalia fluviatilis guianensis). Die Rückenfinne weist eine dreieckige Form auf und ist recht kurz. Sie erreicht allenfalls eine Höhe von bis zu 15 Zentimeter. Die Brustflossen (Flipper) sind hingegen ausgesprochen groß. Dorsal ist die Haut überwiegend gräulich bis dunkelgrau oder blaugrau gefärbt. An den Flanken und ventral ist die Haut deutlich heller und weist einen leicht fleischfarbenen Farbton auf. Die Zähne des Sotalia sind konisch geformt, je Kiefer sind rund 28 bis 34 Zähne vorhanden. Der Schnabel ist sehr lang und schlank gebaut.

Verhalten

Der Sotalia lebt in kleinen bis mittleren, sozial ausgerichteten Gruppen. Er ist tagaktiv und weist eine Hauptaktivität in den frühen Morgen- und Abendstunden auf. Diese Aktivität deckt sich mit der Zeit der Nahrungssuche. Im Gegensatz zu anderen Delfinarten ist der Sotalia ein eher behäbiger Schwimmer, der jedoch eine hohe Manövriertätigkeit aufweist. Sprünge wie bei anderen Delfinen sind beim Sotalia selten zu beobachten. Auch wenn die Tiere hauptsächlich in sozialen Gruppen leben, so kommt es recht häufig vor, dass geschlechtsreife Männchen einzelgängerisch leben oder sich nur kurze Zeit einer Gruppe anschließen und dann weiter ziehen. Die Orientierung erfolgt vor allem bei der Nahrungssuche über die bei Delfinen allgemein übliche Echoortung. Dabei werden Klicks ausgesandt. Die zurückkommenden Signale werden dann ausgewertet und dienen der Orientierung. Es werden bis zu 70 Klicks pro Sekunde ausgesandt, die in Frequenzbereichen zwischen 10 und 95 Kilohertz (kHz) liegen. Der Sotalia ist ein soziales Tier, nur zur Paarungszeit kann es unter den Männchen zu Scharmützeln kommen, die in aller Regel aber ohne Verletzungen enden.

Schulen

Die beiden Unterarten, der Guyana-Delfin und der Amazonas-Sotalia leben in unterschiedlichen Sozialstrukturen. Der Guyana-Delfin lebt im Meer in größeren Gruppen, den sogenannten Schulen. Eine Schule umfasst in der Regel zwischen 20 und 30 Individuen. Eine Gruppe setzt sich in der Regel aus mehreren Männchen und Weibchen sowie deren Nachwuchs zusammen. Der Amazonas-Sotalia lebt in deutlich kleineren Gruppen. So besteht eine Schule hier aus lediglich drei bis fünf, selten auch bis zehn Tieren. Die Zusammensetzung einer Gruppe scheint sich dabei mit der der Guyana-Delfine zu decken.

Wanderungen

Der Guyana-Delfin, der in der Regel nur an den Küsten in Salzgewässern anzutreffen ist, ist bekannt dafür, ausgiebige Wanderungen in größere Flüsse zu unternehmen. Über mit Sendern markierte Tiere hat man festgestellt, dass er teilweise weit über 100 Kilometer in einzelne Flussläufe eingedrungen ist. Dies trifft hauptsächlich auf die Zeit des Hochwassers zu, da der Guyana-Delfin in allzu flaches Wasser nicht anzutreffen ist. Zudem würde extrem flaches Wasser seine Manövrierfähigkeit zu stark einschränken. Neben den strukturellen und saisonalen Wanderungen ist in kleinem Rahmen auch eine tägliche Wanderung zu beobachten. Dabei kommt es vor allem am Vormittag und am späten Nachmittag zu kleineren Wanderungen, die offensichtlich mit der Nahrungssuche zusammenhängen. Beim Amazonas-Sotalia kommt es lediglich zu täglichen Wanderungen, die sich mit der Nahrungssuche begründen lassen.

Unterarten

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Verbreitung

Vorkommen

Der Sotalia ist mit seinen zwei Unterarten in Südamerika verbreitet. Der Amazonas-Sotalia (Sotalia fluviatilis fluviatilis) lebt im Amazonasbecken insbesondere in den Flüssen Amazonas, Rio Negro, Rio Madeira, Rio Xingu und Rio Tapajos. Guyana-Delfin (Sotalia fluviatilis guianensis) lebt in den marinen, küstennahen Gewässern von Mittelamerika bis zum nördöstlichen Südamerika. Er ist insbesondere an den Küsten von Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Ecuador, Französich Guiana, Guyana, Honduras, Nicaragua, Panama, Peru, Suriname, Venezuela und Trinidad und Tobago. Je nach Unterart lebt der Sotalia in Süß- oder Salzwasser. Der Guyana-Delfin dringt jedoch stellenweise auch in Brackgewässer größerer Mündungsdelta vor. Die beiden Unterarten unterscheiden sich insbesondere in der Größe. Die marine Unterart erreicht eine deutlich größere Körperlänge.

Lebensraum

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Der Guyana-Delfin bevorzugt küstennahen Gewässer. Er ist insbesondere in flachen Buchten nahe dem Ufer und Mündungsdelta größerer Flüsse anzutreffen. Er ist dabei selten tiefer als rund 20 Meter zu beobachten. Selbst in Gewässern mit Tiefen von weniger als fünf Metern Tiefe fühlen sie sich wohl. Es wurde beobachtet, dass der Guyana-Delfin auch weit über 100 Kilometer in Flüsse hinein schwimmt. Das beweist, dass er sowohl in Süß- als auch Salzwasser leben kann. Der Amazonas-Sotalia ist nur in den Flussläufen des Amazonasbeckens anzutreffen. Ins Salzwasser schwimmt er nicht hinaus. Er bewohnt sowohl die sogenannten Weißwasser- als auch Schwarzwasserflüsse und wandert auch zwischen diesen umher. Mit der schlechten Sicht in Schwarzgewässern scheint er keine Probleme zu haben. Auch Überschwemmungszonen und mit Flüssen verbundene Seen werden besiedelt. Schnell fließende Gewässer werden hingegen gemieden.

Gefährdung, Schutz

Allgemeines

Der Sotalia untersteht dem Washingtoner Artenschutzabkommen. Er wird in Anhang I geführt. In Brasilien wird die Art zudem durch das Bundesfischerei-Gesetz geschützt. In der Roten Liste der IUCN wird der Sotalia noch nicht als gefährdet geführt, da offensichtlich nicht genügend Daten zu Verfügung stehen, um die Art mit einem Gefährdungsstatus zu versehen.

Fang, Beifang

Der Sotalia wird zwar nicht in nennenswertem Umfang bejagt, jedoch stellt die Fischerei indirekt ein großes Problem dar. Gefischt wird meist mit Langleinen und Schleppnetzen. Darin verfangen sich Jahr für Jahr Tausende Delfine und ertrinken qualvoll. Auch in Fischreusen und Garnelenfallen wurden diese Delfine bereits gefunden. Dies gilt nicht nur für die Küstengewässer, sondern vor allem für die Flussläufe des Amazonas und seiner Nebenflüsse. Das Problem ist natürlich, dass sich die Delfine durch die mit ihrer Nahrung gefüllten Netze angelockt fühlen. Bei dem Versuch Fische aus einem Netz zu ziehen, verfangen sie sich nicht selten. Dadurch komme sie in der Regel nicht mehr an die Wasseroberfläche zum Atmen und ertrinken. Dies alles ist um so erschreckender, da der Sotalia und der Mensch keine direkten Nahrungskonkurrenten sind. Die bevorzugte Nahrung des Sotalia wird zumeist vom Menschen nicht gefangen und landet allenfalls als Beifang im Netz.

Lebensraumvernichtung

Die Vernichtung der natürlichen Lebensräume ist insbesondere in Brasilien ein großes Problem. Seen und Altarme werden trocken gelegt, Flüsse werden aufgestaut. Die Zukunft des Sotalia sieht düster aus, da nach Regierungsplänen in Brasilien die Flusssysteme umfangreich aufgestaut werden sollen. Durch die Dämme und andere Aufstauungen würde es zur Zerteilung der Lebensräume dieser Delfine kommen. Ein Austausch über die Grenzen einzelner Populationen wäre nicht mehr gewährleistet. Viele Fischarten, die die Nahrungsgrundlage für den Sotalia bilden, würden aussterben, da Laichwanderungen unterbrochen wären.

Wasserverschmutzung

Ein großes Problem stellt heute die weitflächige Wasserverunreinigung dar. Hauptverursacher sind dabei am Wasser liegende Industriebetriebe, die Abwässer meist ungeklärt in die Flüsse oder ins Meer leiten. Aber auch die Landwirtschaft trägt zur Verschmutzung der Umwelt und des Wassers bei. Hier bilden vor allem Pflanzenschutzmittel das größte Gefährdungspotential. Gifte fließen nicht nur unkontrolliert in den Boden und ins Wasser, sondern dringen auch in die Nahrungskette ein. Am Ende werden vergiftete Fische oder Krebstiere von Sotalia gefressen und schädigen zum Teil erheblich das Erbmaterial und das Immunsystem der Tiere. An den Küsten sind insbesondere die Regionen um die großen Metropolen wie Sao Paulo und Rio de Janeiro betroffen. Schwermetalle bilden die gefährlichsten Rückstände im Wasser. Im Landesinnern stellt der Goldabbau ein großes Problem dar. Bei der Goldgewinnung werden Goldpartikel durch das hochgiftige Quecksilber gelöst und gelangt ungeklärt ins Grundwasser und in die Flüsse. Quecksilber setzt sich vor allem in der Leber des Sotalia fest. In weiten Teilen der Verbreitungsgebiete ist auch die illegale Verklappung von Altölen Gang und Gäbe.

Ernährung

Der Sotalia ernährt sich hauptsächlich von Fischen wie Sardellen und ähnliche Fische, diversen Kopffüßern, Weichtieren und Krebstieren wie Garnelen. Die Beutetiere zwischen den beiden Unterarten unterscheiden sich dabei erheblich. Beutetiere werden in der Regel aktiv gejagt. Sotalias orten ihre Beute über ein spezielles Echoortungssystem.

Fortpflanzung

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Geschlechtsreif ist der Sotalia für gewöhnlich mit sechs bis sieben Jahren. Die Paarungszeit erstreckt sich in den subtropischen und tropischen Gewässern zwischen Oktober und Dezember. Der Sotalia lebt polygam. Ein Weibchen paart sich meist mit mehreren Männchen und umgekehrt. Nach einer Tragezeit von 340 bis 360 Tagen bringt ein Weibchen ein Jungtier zur Welt. Das Kalb weist je nach Unterart eine Körperlänge von gut 60 bis 80 Zentimeter auf. Das Gewicht liegt zwischen sechs und acht Kilogramm. Unmittelbar nach Beendigung der Geburt drückt die Mutter ihr Neugeborenes an die Wasseroberfläche, damit es atmen kann. Ein Jungtier wird von der Mutter für rund zwölf Monate gesäugt. Das Jungtier nimmt aber bereits ab dem sechsten oder siebten Monat auch feste Nahrung zu sich. Ein Jungtier hat ein sehr inniges Verhältnis zu seiner Mutter in der Regel bleibt es zwei bis drei Jahre bei ihr und lernt die Fähigkeiten fürs Leben.

Anhang

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Karl Müller: Wale und Delfine. Karl Müller Verlag, Kön (2004) ISBN 3833601329

Links

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