Spekegazelle

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Spekegazelle

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Gazellenartige (Antilopinae)
Gattung: Gazellen (Gazella)
Art: Spekegazelle
Wissenschaftlicher Name
Gazella spekei
Blyth, 1863

IUCN-Status
Endangered (EN)

Die Spekegazelle (Gazella spekei) zählt innerhalb der Familie der Hornträger (Bovidae) zur Gattung der Gazellen (Gazella). Die Art wurde nach dem britischen Forscher John Hanning Speke (1827-1864) benannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Spekegazellen erreichen eine Körperlänge von 95 bis 105 Zentimeter, eine Schulterhöhe von 55 bis 60 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 15 bis 20 Zentimeter sowie ein Gewicht von 15 bis 25 Kilogramm. Die Hörner, die beim Männchen stärker ausgebildet sind, weisen eine gefurchte, aber insgesamt gerade Form auf und erreichen eine Länge von 15 bis 30 Zentimeter. Weibchen bleiben insgesamt leichter als Männchen, in der Größe ähneln sich die Geschlechter. Ihre Hörner erreichen meist nur eine Länge von bis zu 25 Zentimeter. Das Fell ist überwiegend graubraun gefärbt. Im Bereich der unteren Flanke zeigt sich ein dunkelbrauner bis schwarzbrauner Längsstreifen. Der Streifen trennt optisch die weißliche Bauchseite vom graubraun gefärbten Fell. Die Weißliche Färbung setzt sich bis zur unteren Brust und auf die Innenseite der Extremitäten fort. Der kurze Schwanz weist eine schwarzbraune Färbung auf. Spekegazellen sind insgesamt sehr lebhaft gefärbt. Der Kopf ist überwiegend bräunlich gefärbt. Der Nasenrücken weist etwa in der Mitte eine dunkelbraune Färbung auf. Seitlich dieses braunen Streifens ist das Fell weißlich gefärbt. Die langen und trichterartigen Ohren sind innen mit schwarzweißem Fell besetzt und sitzen weit hinten am Kopf. Die Spekegazelle ist von schlanker Statur mit dünnen langen Beinen und kleinen Hufen.

Lebensweise

Die tagaktiven Spekegazellen leben in kleinen Herden von 15 bis 20 Tieren. Angeführt wird eine Gruppe von einem dominanten Männchen. Eher selten weist eine Gruppe mehr als ein erwachsenes Männchen auf. Ansonsten treten auch Junggesellengruppen auf, in denen sich geschlechtsreife Männchen zusammenschließen. Vor allem während der Paarungszeit kommt es unter den Böcken zu teils heftigen Kommentkämpfen um das Paarungsrecht mit den Weibchen einer Herde. Spekegazellen sind ausgesprochen territorial. Sie markieren ihr Revier mittels Urin und einem Sekret aus Körperdrüsen. Spekegazellen sind zwar tagaktiv, jedoch fällt ihre aktivste Zeit in die frühen Morgen- und Abendstunden. Während der warmen Tageszeit ruhen die Tiere an schattigen Plätzen.

Verbreitung

Die Spekegazelle findet ihre Verbreitung am Horn von Afrika. Sie sind insbesondere in Somalia und im südöstlichen Äthiopien anzutreffen. Grassteppen, Baum- und Strauchsteppen, Halbwüsten und steinige Habitate gehören zu ihren bevorzugten Lebensräumen.

Prädatoren

Spekegazellen bilden die Nahrungsgrundlage für eine Reihe von Raubtieren. Zu den bekanntesten Fressfeinden zählen Geparden (Acinonyx jubatus), Löwen (Panthera leo), Leoparden (Panthera pardus), Schabrackenhyänen (Hyaena brunnea) und Tüpfelhyänen (Crocuta crocuta). Geparden haben es allerdings meist auf Jungtiere abgesehen. Spekegazellen sind sehr scheu und wachsam. Bereits bei den geringsten Anzeichen von Gefahr flüchten sie.

Ernährung

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Neben Gräsern und Kräutern gehört auch das Laub zur natürlichen Nahrung der Spekegazellen. Der Wasserbedarf wird fast ausschließlich über die Nahrung gestillt. Als tagaktive Gazellen gehen Spekegazellen nur am Tage auf Nahrungssuche. Weit oben auf der Speisekarte stehen unter anderem Federgras (Stipa tenacissima) und ähnliche Gewächse.

Fortpflanzung

Die Weibchen der Spekegazelle erreichen die Geschlechtsreife mit bereits neun Monaten. Männchen brauchen mit 18 Monaten deutlich länger und kommen aufgrund der notwendigen Stärke bei den Rivalenkämpfen meist erst mit drei bis vier Jahren zu ihrer ersten Paarung. Während der Paarungszeit kommt es unter den Männchen zu heftigen Gefechten, die mit den Hörnern ausgetragen werden und nicht selten blutig enden. Die Geburt der Kälber erstreckt sich über die Regenzeit. Nach einer Tragezeit von 190 bis 205 Tagen bringt das Weibchen an einer geschützten Stelle ein Jungtier zur Welt. Es ist deutlich dunkler als adulte Gazellen gefärbt. Die ersten zwei Wochen bleibt das Jungtier im hohen Gras verborgen, da sie nicht kräftig genug sind, der Herde zu folgen. Die Mutter kommt mehrmals am Tag zum Kalb um es zu säugen. Später, wenn das Kalb kräftig genug ist, führt die Mutter ihr Junges an die Gruppe heran. Die Säugezeit erstreckt sich über 70 bis 90 Tage. In Freiheit erreicht die Spekegazelle ein Alter von rund 9 bis 12 Jahren, in Gefangenschaft können sie auch 15 Jahre alt werden.

Gefährdung und Schutz

Spekegazellen gehören heute zu den stark bedrohten Gazellenarten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als gefährdet geführt. Vor allem der Lebensraumverlust und die Bejagung durch die Eingeborenen haben die Art an den Rand der Ausrottung gebracht. Schutzmaßnahmen sind im Lebensraum bisher kaum angelaufen. Hauptgrund hier ist der anhaltende Bürgerkrieg und die politischen Unruhen in der Region. Genaue Schätzungen liegen nicht vor. Man schätzt die freilebenden auf wenige Hundert bis Tausend Individuen. In Zoos laufen bereits seit den 80er Jahren Zuchtprogramme. Ob bereits Tiere ausgewildert wurden ist nicht bekannt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999

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