Sperlingskauz

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Sperlingskauz

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Eulen (Strigiformes)
Familie: Eigentliche Eulen (Strigidae)
Gattung: Sperlingskäuze (Glaucidium)
Art: Sperlingskauz
Wissenschaftlicher Name
Glaucidium passerinum
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Sperlingskauz (Glaucidium passerinum) zählt innerhalb der Ordnung der Eulen (Strigiformes) zur Unterordnung der Eigentlichen Eulen (Strigidae) und zur Gattung der Sperlingskäuze (Glaucidium). Erstmals wissenschaftlich beschrieben hat ihn der Naturwissenschaftler Carl von Linné im Jahre 1758.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Mit etwa Starengröße ist der Sperlingskauz die kleinste Eule Europas. Ihr kleiner Kopf mit der flachen Stirn zeigt keine ausgeprägten Gesichtsschleier und ist braun mit vielen grauen Tupfen. Die Körperoberseite ist hellbraun bis dunkelbraun und mit weißen bis hellgrauen Tupfen übersät. Die flauschigen Federn am Bauch sind überwiegend weiß, einige braune Federn unterbrechen das weiße Gefieder. Die Augen des Sperlingskauz sind gelb, der Schwanz trägt fünf helle Querbinden. Der Sperlingskauz fliegt spechtartig in Bögen oder gerade aus zwischen den Bäumen des Waldes her. Der Schnabel variiert zwischen gelb und grau. Die Stimme des Sperlingskauz kann je nach Einsatz variieren. Zur Brutzeit ruft er leicht nachpfeifbare "pjü pjü pjü"-Töne, außerhalb der Brutzeit kann man vom Sperlingskauz eine Art Tonleiter, eine schnell ansteigende Reihe von hellen Pfeiftönen, hören. Bei Gefahr rufen Sperlingskäuze in einem "gjü"-Ton, Weibchen oft mit einem feinen "tsii".

Lebensweise und Fortpflanzung

Der Sperlingskauz ist überwiegend dämmerungsaktiv, oft aber auch am Tag zu sehen. Das Revierverhalten des Sperlingskauz ist meist sehr auffällig, oft "thront" er förmig auf einem hohen Baum über seinem Revier, um die Übersicht zu behalten. Sperlingskäuze betreiben auch Körperpflege. Regelmäßig werden Wasserbäder genommen und das Gefieder kekratzt und geschüttelt. Gegenüber Artgenossen weisen Sperlingskäuze ein extremes Revierverhalten auf, selbst unter einem paarungsbereiten Paar gibt es oft größere Aggresionen. Ein Männchen kann ein Revier von zwei bis drei Quadratkilometern besitzen.

Sperlingskäuze sind im Alter von rund fünf Monaten geschlechtsreif. Die Paarungszeit ist im Frühjahr bis Frühsommer, von April bis Juni und beginnt mit den Revierrufen und anschließenden Paarungsrufen beider Geschlechter. Hat sich ein Paar gefunden, setzt sich das Männchen auf einen Ast oder auf eine Anhöhe vor der Bruthöhle des Weibchens und versucht dieses mit verschiedenen Rufen aus der Höhle zu locken. Ist sie bereit zur Paarung, fliegt sie zu dem Männchen und nimmt eine paarungsfordernde Stellung ein.
Sperlingskauz
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Dann springt das Männchen auf den Rücken der Partnerin und beißt sich oft im Gefieder fest. Die Paarung findet dann unter heftigem Flügelschlagen des Männchens statt. Ein Paar kann sich über mehrere Jahre lang paaren. Sind die Eier befruchtet worden und nach einigen Wochen "ausgereift", legt das Weibchen drei bis sieben Eier in die Bruthöhle. Die Brutdauer beträgt etwa 28 bis 29 Tage, die Nestlingszeit 30 bis 34 Tage.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet beginnt im Westen in Frankreich, wo der Sperlingskauz lückenhaft große Gebiete besiedelt. Nach Osten hin zieht sich sein Verbreitungsgebiet über Deutschland, Skandinavien, weite Teile Osteuropas und über das ganze mittlere Russland entlang des südlichen Sibiriens bis an die Ostküste Asiens am Pazifischen Ozean. Er ist ein ausgesprochenes Waldtier und kommt nur sehr selten in kleine Dörfer. Er besiedelt große Wälder, sowohl boreale Nadelwälder (Taiga), als auch Laubwälder und Laubmischwälder. Dort ist er, besonders in der Brutzeit, oft in hohen Bäumen an Lichtungen aufzufinden. Eine Vorraussetzung für das Vorkommen des Sperlingskauz ist ein Bestand mit Totholz, in welchem er Brut- und Wohnhöhlen anlegen kann oder alte Spechthöhlen beziehen kann, selten werden auch kleine höhlenartige Einbuchtungen in Felsen oder Klippenspalten dazu genutzt. Sperlingskäuze ziehen im Winter nicht nach Süden, sondern bleiben das ganze Jahr über in ihrem Verbreitungsgebiet, nur die nördlichsten Populationen suchen in extrem kalten Wintern manchmal südlichere Gegenden auf. Auf der Reviersuche kann ein Sperlingskauz auch längere Distanzen zurück legen.

Unterarten

Ernährung und Prädatoren

Der Sperlingskauz ist überwiegend ein dämmerungs- und tagaktiver Jäger, welcher seine Beute aus dem Flug mit den Krallen packt. Zu seiner Beute zählen im Sommer vor allem Mäuse (Mus), Ratten (Rattus) und andere Kleinsäuger, welche er auf Lichtungen und im lichten Wald jagd und fängt. Im Winter jagd der Sperlingskauz überwiegend Vögel, weil sich Kleinsäuger größtenteils oder ganz zurückziehen. Zu den Vögeln, welche regelmäßig vom Sperlingskauz gefangen werden, zählen zum Beispiel Meisen (Paridae) und Finken (Fringillidae). Zu den Prädatoren eines Sperlingskauz zählen vor allem große Greifvögel (Falconiformes) und Raubtiere wie Marder (Mustelidae), Katzen (Felidae), manchmal auch Füchse (Vulpes). Sein größter Feind ist jedoch der Waldkauz (Strix aluco).

Gefährdung und Schutz

Abgesehen von den bereits genannten natürlichen Prädatoren ist der Sperlingskauz vor allem, wie leider in den meisten Fällen, durch den Menschen bedroht. Er nimmt ihnen mit dem Abholzen großer Waldflächen den Lebens- und Brutraum, was mancherorts bereits dazu geführt hat, dass es dort keine Käuze mehr gibt. Auch kann Industrie- und Straßenlärm dazu führen, dass die Käuze sich bedroht fühlen und verschwinden. Der Sperlingskauz wird beim IUCN noch nicht als bedroht geführt. Zu Schutzmaßnahmen gehören Unterschutzstellungen von Wäldern mit Sperlingskauz-Vorkommen und das stehenlassen von Totholzbeständen. In Deutschland ist der Sperlingskauz zwar weit verbreitet, aber nicht häufig zu finden.

Anhang

Literatur und Quellen

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