Springhasen

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Springhasen
Springhase (Pedetes capensis)

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung: Euarchontoglires
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Dornschwanzhörnchenartige (Anomaluromorpha)
Überfamilie: Springhasenartige (Pedetoidea)
Familie: Springhasen
Wissenschaftlicher Name
Pedetidae
Gray, 1825

Springhasen (Pedetidae) zählen in der Klasse der Säugetiere (Mammalia) zur Ordnung der Nagetiere (Rodentia) und gehören hier zu den Dornschwanzhörnchenartige (Anomaluromorpha). In der Familie wird in einer Gattung nur eine rezente Art geführt.

Inhaltsverzeichnis

Evolution, Entwicklung und Systematik

Springhasen sind vom frühen Miozän bis ins Pleistozän in Afrika durch fossile Funde nachgewiesen. Die meisten fossilen Funde konnten der Gattung Megapedetes sowie der nah verwandten Familie Parapedetidae zugeordnet werden. Eine historische Verbreitung außerhalb von Afrika konnte bislang nicht nachgewiesen werden. Die Zugehörigkeit innerhalb der Ordnung der Nagetiere (Rodentia) galt lange Zeit als unklar. Erst durch neuere molekulargenetische Untersuchungen konnte eine zweifelsfreie Verwandschaft mit den Dornschwanzhörnchen (Anomaluridae) festgestellt werden. Vorher sah man Springhasen in der Systematik eher in der Nähe der Altweltlichen Stachelschweine (Hystricidae) oder der Springmäuse (Dipodidae). Dennoch sind nicht alle Rätsel gelöst, da die Einordnung der Dornschwanzhörnchenartigen (Anomaluromorpha), zu denen die Dornschwanzhörnchen und die Springhasen gerechnet werden, weitestgehend unklar ist.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Springhase erreicht eine Körperlänge von 35 bis 43 Zentimeter, eine Schulterhöhe von gut 30 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 37 bis 47 Zentimeter sowie ein Gewicht von 3.000 bis 4.000 Gramm. Zwischen den Geschlechtern zeigt sich kein Dimorphismus, weder in der Größe noch in der Fellfärbung. Die spitz zulaufenden Ohren erreichen eine Länge von gut 7 bis 8 Zentimeter, die Füße der Hinterbeine weisen eine Länge von gut 11 Zentimeter auf. Die Ohren liegen weit hinten am hasenartigen Kopf. Die großen mandelförmigen Augen liegen seitlich am Kopf und ergeben ein weites Sichtfeld. Der lange Schwanz mit der dunklen Quaste dient bei der springenden Fortbewegung als Balancierorgan. Sie bewegen sich ähnlich wie ein Känguru hüpfend fort. Die Nahrungsaufnahme erfolgt jedoch auf allen Vieren. Beim Putzen des Felles setzen sich die Tiere auf das Hinterteil, die Hinterbeine sind dabei nach vorne gestreckt. Die Pfoten der Hinterbeine enden in jeweils 4 Zehen. Die Vorderbeine sind deutlich kürzer, sie erreichen kaum mal ein Viertel der Länge der Hinterbeine und enden in jeweils 5 Zehen. Die Vorderbeine werden hauptsächlich als Grabwerkzeug und Putzinstrument genutzt. Springhasen sind in der Lage Sprünge von durchschnittlich 2 bis 3 Metern zu absolvieren. Auch die erreichbare Geschwindigkeit ist durch en hüpfenden Gang recht hoch. Der Körperbau ähnelt sowohl einem Känguru, einem Hasen als auch einem Hörnchen. Daher war die systematische Einordnung lange Zeit nicht klar. Nach neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen sind jedoch die nächsten noch lebenden Verwandten die Dornschwanzhörnchen. Die Sinne der Springhasen sind hoch entwickelt. Dies gilt vor allem für den Geruchs- und Gehörsinn. Das kurze Fell weist eine bräunliche bis gelblichbraune, zuweilen auch eine rötlichbraune Färbung auf. Ventral ist das Fell cremefarben bis fast weißlich gefärbt. Gleiches gilt für die Innenseiten der Extremitäten. Das Gebiss besteht aus 20 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i1/1, c0/0, p1/1, m3/3.

Lebensweise

Springhasen sind nachtaktive Nagetiere. Am Tage ruhen die Tiere in ihren schützenden Erdbauten. Nur selten lassen sie sich auch am Tage blicken. Den Eingang ihrer Höhle verschließen sie mit Pflanzenteilen oder ähnlichen Materialien. Springhasen leben hauptsächlich einzelgängerisch. Die Geschlechter treffen sich dabei nur zur Paarung. Die Erdbauten reichen oft bis in Tiefen von 50 bis 122 (78) Zentimeter. Die Gänge können 10 Meter oder auch deutlich länger sein. Nachgewiesen sind Tunnel in einer Länge von bis zu 45 Metern. Ein Erdbau verfügt in der Regel über mehrere Ein- und Ausgänge. Dies können zwischen 2 und 11 (9,3) Tunnel sein und dienen vor allem als Fluchttunnel. Die Tunnel weisen eine Breite von 10 bis 23 Zentimeter und eine Höhe von 17 bis 25 Zentimeter auf. Während ihrer aktiven Phasen bewegen sich Springhasen von ihren Bau selten weiter weg als 250 Meter. Die durchschnittliche Entfernung liegt bei etwa 25 bis 60 Meter. Nur bei Nahrungsknappheit kommt es zu weiteren Wanderungen in der Nacht, in Extremfällen 30 bis 40 Kilometer pro Nacht. In der Nacht kommt an es an der Erdoberfläche bei der Nahrungssuche nicht selten zu einer Gruppenbildung. Die lose zusammengesetzten Gruppen weisen 2 bis 6 Tiere auf. Die Nahrungssuche und -aufnahme erfolgt wahrscheinlich aus Wachsamkeit vor Fleischfressen in Gruppen, da eine nahende Gefahr in einer Gruppe früher bzw. besser entdeckt werden kann.

Verbreitung

Springhasen sind südlich des Äquators im südlichen und südöstlichen Afrika weit verbreitet. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Angola, Botswana, dem südlichen Kongo, Kenia, Mosambik, Namibia, Südafrika, Tansania, Sambia und Simbabwe. Springhasen bewohnen eine Vielzahl an Lebensräume. Es werden sowohl Sumpfgebiete, Süßwassersedimente und Überschwemmungsbereiche als auch reine Baum- und Strauchsavannen sowie Weideland besiedelt. In der Nähe des Menschen sind die Tiere auch auf landwirtschaftlichen Flächen anzutreffen. Hier werden sie als Schädlinge betrachtet. Sandige und lockere Böden werden bevorzugt besiedelt. Tagsüber halten sich die Tiere in unterirdische Bauten auf. Nachts werden sie aktiv und gehen auf Nahrungssuche. Vor allem in ariden und warmen Regionen ist die Nachtaktivität eine Anpassung dar, wodurch die Springhasen kaum Wasser verlieren und auf Trinkwasser grundsätzlich nicht angewiesen sind. Die Nachtaktivität ist auch eine Anpassung an die zahlreichen Fleischfresser.

Prädatoren

Prädator: die Zebramanguste (Mungos mungo)
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Prädator: die Zebramanguste (Mungos mungo)

Springhasen stehen auf der Speisekarte zahlreicher fleischfressender Tiere. Zu den natürlichen Hauptfeinden zählen insbesondere Zebramangusten (Mungos mungo), Schlangen (Serpentes) sowie größere Eulen (Strigiformes) und Greifvögel (Falconiformes). Gelegentlich stellen auch Löwen (Panthera leo), Afrikanische Wildhunde (Lycaon pictus) und ähnliche Räuber den Tieren nach. Versucht ein Fressfeind in den Erdbau zu gelangen, so flüchtet ein Springhase durch einen der vielen Ein- und Ausgänge. Außer der Flucht haben Springhasen einem Fleischfresser nichts entgegenzusetzen.

Ernährung

Springhasen ernähren sich überwiegend von pflanzlicher Kost Zu ihrer bevorzugten Nahrung zählen insbesondere Gräser und Kräuter, Wurzeln und Knollen sowie Körner und fettreiche Sämereien aller Art. Ihren Proteinbedarf decken Springhasen neben proteinreichen Gräser gelegentlich auch mit Insekten (Insecta) wie Käfern (Coleoptera) gefressen. Tierische Kost wird jedoch nur zu einem sehr kleinen Teil, meist in Mangenzeiten, zu sich genommen. Auf Nahrungssuche gehen Springhasen ausschließlich während der Nacht. Die Tiere gelten als ausgesprochen vorsichtig und wachsam. Bei Gefahr flüchten sie in ihre Erdbauten.

Fortpflanzung

Springhasen erreichen die Geschlechtsreife erreichen Springhasen m Alter von 26 bis 32 Monaten. Männchen sind rund 6 Monate vor den Weibchen geschlechtsreif. Die Paarungszeit der Springhasen ist an keine bestimmte Jahreszeit gebunden, eine Paarung kann somit ganzjährig erfolgen. Die meisten Geburten sind jedoch zur Regenzeit zu beobachten. Zu dieser Zeit ist reichlich frisches Gras vorhanden. In einer Saison kann es zu 3 bis 4 Würfen kommen. Zwischen 2 Würfen liegen durchschnittlich 101 Tage. Weibchen können bis zum siebten Lebensjahr Nachwuchs zur Welt bringen. Nach einer Tragezeit von 78 bis 82 Tagen bringt ein Weibchen in ihrem Bau in der Regel ein Jungtier zur Welt. Zwillingsgeburten sind sehr selten, aber bereits dokumentiert. Die durchschnittliche Anzahl an Jungen in einem Jahr pro Weibchen liegt bei 3,6 Jungtiere. Der Nachwuchs weist ein Geburtsgewicht von rund 250 bis 300 Gramm auf. Die Augen öffnen sich bereits wenige Tage nach der Geburt. Im Alter von rund 46 Tagen wird der Nachwuchs von der Muttermilch entwöhnt. Die Lebenserwartung in Freiheit ist nicht bekannt, in Gefangenschaft ist ein Alter von 12 bis 14 Jahren möglich. Das höchste bisher erreichte Alter liegt bei 19 Jahren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Springhasen gehören heute noch nicht zu den bedrohten Arten. In den meisten Verbreitungsgebieten sind sie noch recht häufig anzutreffen. Aufgrund der rasanten Vernichtung der natürlichen Lebensräume und der starken Bejagung durch den Menschen gerät die Art jedoch immer stärker unter Druck. In den letzten 10 Jahren sank die Gesamtpopulation um etwa 20 Prozent. In den meisten Lebensräumen ergibt sich heute noch eine Tierdichte von etwa 8 bis 10 Exemplaren pro Hektar. Die Tiere werden vom Menschen wegen des Fleisches und der Haut gejagt, die zu Leder verarbeitet wird. In der Nähe landwirtschaftlicher Flächen sind Springhasen keine gern gesehenen Gäste, da sie durchaus größeren Schaden auf Getreidefeldern anrichten können. Springhasen werden daher als Ernteschädling verfolgt. In der Roten Liste der IUCN wird die Art aktuell (Stand 2007) als nur wenig gefährdet geführt.

Sstematik der Springhasen

Anhang

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X
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