Springmäuse

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Springmäuse
Kleine Wüstenspringmaus (Jaculus jaculus)

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Teilordnung: Myodonta
Überfamilie: Springmausartige (Dipodoidea)
Familie: Springmäuse
Wissenschaftlicher Name
Dipodidae
Waldheim, 1817

Springmäuse (Dipodidae), zu denen auch Hüpfmäuse und Birkenmäuse gehören, zählen innhalb der Klasse der Säugetiere (Mammalia) zur Ordnung der Nagetiere (Rodentia) und zur Unterordnung der Mäuseverwandten (Myomorpha). Der Familie werden 51 rezente Arten in 7 Unterfamilien und 17 Gattungen untergeordnet.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Springmäuse erreichen je nach Art und Geschlecht eine Körperlänge von 3,6 bis 26,3 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 6,5 bis 30,8 Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 1,4 bis 9,8 Zentimeter sowie ein Gewicht von 6 bis 420 Gramm. Zu den größten Vertretern gehören Springmäuse. Hüpfmäuse und Birkenmäuse gehören zu den kleinsten Vertretern. Das Fell ist je nach Art dem Lebensraum angepasst und reicht von sandfarben über graubraun bis hin zu braun oder rotbraun. Bei den Springmäusen ist das Fell seidig weich, bei den anderen Unterfamilien eher rau und grob. Die meisten Vertreter der Springmäuse haben sich so entwickelt, dass sie sich hüpfend oder springend fortbewegen. Die Hinterfüße der meisten Arten sind ausgesprochen lang. Ein weiteres markantes Merkmal ist der lange Schwanz, der den Tieren bei den Sprüngen der Stabilisierung dient. Waldhüpfmäuse (Napaeozapus) können Sprünge von bis zu 3 Metern bewältigen. Die meisten Arten schaffen jedoch nur kleine Hüpfer und bewegen sich eher auf allen Vieren fort. Birkenmäuse können auch in Büsche klettern. Beim Klettern halten sich Birkenmäuse mit ihren äußeren Zehen und dem Schwanz an Vegetationsteilen fest. Die Beine der Springmäuse erreichen etwa die vierfache Länge der Vorderbeine. Bei den meisten Arten der Springmäuse sind die drei Mittelfußknochen zum Kanonenbein verwachsen. Die Füße können so eine größere Kraft entwickeln. Bei den Arten, die in sandigen Wüsten leben, zeigt sich an den Fußsohlen eine dichte Behaarung, die die Tiere vor dem Einsinken in Sand bewahrt. Haarbüschel an den Ohren verhindern zudem das Eindringen von Sand in die Ohren.
Waldbirkenmaus (Sicista betulina)
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Waldbirkenmaus (Sicista betulina)
Das Gebiss der Springmäuse verfügt über 16 bis 18 Zähne, die zahnmedizinische Formel lautet i1/1, c0/0, p0-1/0, 3/3. Die oberen Schneidezähne sind bei den meisten Arten gefurcht, die Funktion der Furchen ist jedoch unklar. Die Furchung fehlt nur bei den Birkenmäusen (Sicista). Die Molaren der Birkenmäuse sind ausgesprochen niederkronig, die aller anderen Gattungen weisen hohe Kronen auf. Die Arten in kalt-gemäßigten Regionen halten während der kalten Jahreszeit einen Winterschlaf, der sich artabhängig über 6 bis 9 Monate im Jahr erstrecken kann.

Lebensweise

Wie bereits erwähnt halten die Vertreter der Hüpfmäuse während der kalten Jahrezeit einen Winterschlaf. Im Spätsommer und Herbst fressen sie sich eine dicke Fettschicht an, von der sie im Winterschlaf zehren. Während dieser Zeit fällt ihre Körpertemperatur knapp über den Gefrierpunkt. Auch der Herzschlag und die Atemfrequenz sinken dramatisch ab. Der Winterschlaf wird von Zeit zu Zeit, meist alle 2 Wochen, durch kurze Pausen unterbrochen. Diese Pausen nutzen die Tiere zum Absetzen von Urin. Im Frühjahr endet der Winterschlaf, aus dem die Männchen gut 2 Wochen vor den Weibchen erwachen. Die meisten Arten sind in der Nacht aktiv. Dies dient im Wesentlichen dem Schutz vor Fleischfressern. Am Tage halten sich die Tiere in ihren Nestern oder in ihren Bauen auf.

Maße und Gewichte auf Gattungsebene

Große Wüstenspringmaus (Jaculus orientalis)
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Große Wüstenspringmaus (Jaculus orientalis)

In der nachstehenden Tabelle sind alle rezenten Gattungen aufgeführt. Die angeführten Maße entsprechen jeweils der kleinsten und der größten Arten innerhalb einer Gattung, bei monotypischen Arten die zum Teil unterschiedlichen Maße der Geschlechter.

Gattungs-Name dt. Wissenschaftliche Bezeichnung Körperlänge in cm Schwanzlänge in cm Hinterfußlänge in cm Gewicht in Gramm
Birkenmäuse Sicista 5 - 9 6,5 - 11 1,4 - 1,8 6 - 14
Echte Hüpfmäuse Zapus 7,5 - 11 6,5 - 10,8 2,8 - 3,5 13 - 20
Chinesische Hüpfmäuse Eozapus 8 - 10 10 - 15 2,5 - 3,3  ?
Waldhüpfmäuse Napaeozapus 8 - 10 6 - 11,5 2,8 - 3,4 17 - 26
Fünfzehen-Zwergspringmäuse Cardiocranius 5 - 7,5 7 - 7,8 2,5 - 3  ?
Dreizehen-Zwergspringmäuse Salpingotus 4,1 - 5,7 9,3 - 12,6 2,1 - 2,5  ?
Belutschistan-Zwergspringmäuse Salpingotulus 3,6 - 4,7 7,2 - 9,4 1,8 - 1,9  ?
Kammzehen-Springmäuse Paradipus 5,5 - 11 20,6 - 21 7,3 - 8,2  ?
Riesenohr-Springmäuse Euchoreutes 7 - 9 6,2 - 15 4 - 4,6 0
Raufuß-Springmäuse Dipus 5,7 - 10,5 9 - 14 6 - 7 70 - 110
Lichtenstein-Springmäuse Eremodipus 10 - 11 5,5 - 12,8 5 - 5,4  ?
Wüstenspringmäuse Jaculus 9,5 - 16 12,8 - 25 5 - 7,5 55 - 134
Dickschwanz-Springmäuse Stylodipus 10 - 13 6,3 - 13,2 4,5 - 6 60 - 70
Pferdespringer Allactaga 9 - 26,3 14,2 - 30,8 4,6 - 9,8 44 - 420
Bobrinski-Springmäuse Allactodipus 11,3 - 20 7 - 16,5 5,8  ?
Erdhasen Alactagulus 8,8 - 12,5 8,5 - 10,7 3,4 - 5,2 44 - 61
Fettschwanz-Springmäuse Pygeretmus 7,5 - 12,2 7,8 - 12,8 3 - 4,5  ?

Verbreitung

Springmäuse sind in Nordamerika, Eurasien und Afrika verbreitet. Hüpfmäuse sind bis auf eine in China beheimatete Art in Nordamerika anzutreffen, Birkenmäuse in Europa und Asien, Springmäuse im nördlichen Afrika und in Asien. Je nach Art werden höchst unterschiedliche Lebensräume besiedelt. Hüpfmäuse sind auf Wiesen, landwirtschaftlichen Flächen, in Mooren, Steppen, im subalpinen Grasland, in lichten Wäldern und Dickichten weit verbreitet, Birkenmäuse leben auf Wiesen, in lichten Wäldern und Steppengebieten. Springmäuse bevorzugen offene Landschaften wie Wüsten und Halbwüsten, Salz- und Lehmwüsten sowie steppenartige Habitate.

Prädatoren

Zu den natürlichen Fleischfressern der Hüpfmäuse zählen insbesondere Habichtartige Greifvögel (Accipitridae) wie der Rotschwanzbussard (Buteo jamaicensis) und Eulen (Strigiformes) wie die Schleiereule (Tyto alba), der Virginia-Uhu (Bubo virginianus) oder die Waldohreule (Asio otus). Unter den Säugetieren (Mammalia) stellen vor allem Rotluchse (Lynx rufus), Marder (Mustelidae), Kojoten (Canis latrans), Nordamerikanische Waschbären (Procyon lotor), Rotfüchse (Vulpes vulpes) und Hauskatzen (Felis catus) den Tieren nach.

Ernährung

Springmäuse ernähren sich zu einem großen Teil von den Larven der Schmetterlinge (Lepidoptera) sowie von Laufkäfern (Carabidae) und Rüsselkäfern (Curculionidae). Die Vertreter einiger Gattungen ernähren sich zusätzlich auch von Pilzen (Fungi) der Gattung Endogone. Je nach Art steht jedoch auch ein großer Anteil von Sämereien auf der Speisekarte, die meist von Gräsern stammen. Beeren, Blätter und Pflanzenstängel stehen bei einigen Arten ebenfalls hoch im Kurs. Die Arten, die in reinen Wüstengebieten leben, beziehen Wasser ausschließlich aus der Nahrung, andere Arten nehmen durchaus auch Trinkwasser zu sich.

Fortpflanzung

Springmäuse erreichen die Geschlechtsreife mit 2 bis 3 Monaten. Die Paarungszeit beginnt bei den meisten Arten im späten Frühjahr und kann sich bis in den Spätsommer erstrecken. Während dieser Zeit kommt es artabhängig zu 1 bis 3 Würfen. Männchen erwachen etwa ein bis zwei Wochen vor den Weibchen aus dem Winterschlaf und stecken zunächst ihr Revier ab. Die Reviere der Männchen sind deutlich größer als die der Weibchen und überlappen sich mit diesen. Die Lebensweise kann als polygam bezeichnet werden, da ein Männchen mehrere Weibchen begattet und mit der Aufzucht des Nachwuchses nichts zu tun hat. Hüpfmäuse bringen ihre Jungen in Nestern zur Welt, die mit feinen Gräsern oder Blättern ausgepolstert werden. Die Nester liegen an der Erdoberfläche an geschützter Stelle oder unter der Erde in kleinen Röhren oder Vertiefungen. Je nach Art erstreckt sich die Tragezeit über einen unterschiedlich langen Zeitraum. Die Trächtigkeit der Springmäuse erstreckt sich über 25 bis 35 Tagen, bei Hüpfmäusen über 17 bis 21 Tagen und bei Birkenmäusen über 18 bis 24 Tage. Ein durchschnittlicher Wurf besteht aus 2 bis 11 Jungtieren, die zum Teil kaum 1 Gramm wiegen. Aufgrund der fettreichen Muttermilch wachsen die Jungtiere schnell heran. Im Alter von spätestens 4 Wochen werden die Jungtiere von der Muttermilch abgesetzt und kurze Zeit später in die Selbständigkeit entlassen. Die Lebenserwartung liegt aufgrund der zahlreichen Fleischfresser bei den meisten Arten zwischen 1 und 2 Jahren, bei Springmäusen bei bis zu 3 Jahren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Die meisten der 51 Arten gelten als nicht gefährdet oder die Bestands- und Gefährdungssituation ist unklar (DD, Data deficient). Zu den Hauptursachen zählen insbesondere die Vernichtung der natürlichen Lebensräume oder die Umweltverschmutzung. Vor allem die Vergiftung der Umwelt durch Pestizide, allen voran DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan) und anderen Insektenvernichtungsmittel, setzt die Art lokal stark unter Druck. Der Populationsschwund durch Fleischfresser spielt hingegen nur eine untergeordnete Rolle. Die Gefährdungssituation im Einzelnen:

Gefährdet (VU, Vulnerable)
Fünfzehen-Zwergspringmaus (Cardiocranius paradoxus)
Eozapus setchuanus
Salpingotus crassicauda
Stark gefährdet (EN, Endangered)
Riesenohr-Springmaus (Euchoreutes naso)
Sicista caudata
Kritisch gefährdet (CR, Critically endangered)
Iranischer Pferdespringer (Allactaga firouzi),
Sicista armenica

Systematik der Springmäuse

Wiesenhüpfmaus (Zapus hudsonius)
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Wiesenhüpfmaus (Zapus hudsonius)

Anhang

Lesenswerte Einzelartikel

Literatur und Quellen

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