Steinböckchen

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Steinböckchen

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Böckchen (Neotraginae)
Gattung: Raphicerus
Art: Steinböckchen
Wissenschaftlicher Name
Raphicerus campestris
Thunberg, 1811

IUCN-Status
Least Concern (LC/DD) - IUCN

Das Steinböckchen (Raphicerus campestris) zählt innerhalb der Familie der Hornträger (Bovidae) zur Gattung Raphicerus.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Steinböckchen ist eine kleine Antilopenart und erreicht eine Körperlänge von 70 bis 90 Zentimeter, eine Schulterhöhe von 45 bis 60 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 5 bis 8 Zentimeter sowie ein Gewicht von 8 bis 16 Kilogramm. Das Fell weist überwiegend eine braune Grundfärbung auf. Die Bauchseite, die Unterseite des Schwanzes, die Innenseite der Beine sowie der Kehlbereich sind weißlich gefärbt. Markantes Merkmal sind die sehr großen Ohren, die innen weißlich behaart sind. Auch die Augen erscheinen sehr groß und sind mit langen Wimpern versehen. Das Fell rund um die Augen ist weiß gefärbt. Der unbehaarte Nasenrücken und die Nasenspitze weisen eine schwarze Färbung auf. Männchen verfügen über gerade geformte und glatte Hörner, die eine Länge von 10 bis 19 Zentimeter aufweisen können. Weibchen verfügen über keine Hörner.

Verhalten

Steinböckchen sind tagaktiv, verlegen ihre Aktivitäten bei hohen Temperaturen allerdings auf die frühen Morgen- und Abendstunden. Die Tiere leben hauptsächlich einzelgängerisch oder paarweise. Sie sind ausgesprochen territorial und verteidigen ihr Revier gegenüber Artgenossen vor allem während der Paarungszeit. Ein Revier kann je nach Verbreitungsgebiet und Nahrungsangebot eine Größe von bis zu einem Quadratkilometer aufweisen. Die Reviermarkierung erfolgt mittels Kot- und Duftmarkierungen. Von allen Säugetieren ist das Steinböckchen mit den wohl erstaunlichsten Duftdrüsen ausgestattet. Eine ist als schwarzer Fleck im Fell unter den Ohren sichtbar und strömt einen Duft aus, der bei jedem Tier individuell ist. Vorn an beiden Augen liegen Drüsen, die aussehen wie Rinnen, die von einem fleischigen Lid bedeckt sind. Diese Gesichtsdrüsen werden zu Abgrenzung des Territoriums benutzt. Dabei beißt ein Männchen einen Grashalm in Kopfhöhe ab, um seine Duftdrüse auf dem gestutzten Halm zu reiben und diesen mit einer klebrigen, schwarzen Masse zu überziehen. Diese Markierung erneuert jedes Tier periodisch an denselben Halmen, um den kräftigen Duft zu erhalten. Weitere Duftdrüsen befinden sich an den Füßen und den Afterklauen der Hinterbeine. Zusammen mit Drüsen an den Knien werden "Duftpfade" im Gras hinterlassen, die den Herdenmitgliedern helfen, den Anschluss nicht zu verlieren. Die Männchen besitzen außerdem rechts und links von den Hodensäcken jeweils eine büschelige, sackähnliche Drüse. Reviermarkierungen sind entlang der Grenzen männlicher Territorien am häufigsten zu finden, werden aber auch im Stammterritorium verstreut gesetzt. In Angstsituationen, bei Aggressionsverhalten und in der Paarungszeiten treten sie verstärkt auf. Trotzdem sind genauere Funktionen der Düfte noch ungeklärt. Das breite Spektrum an Duftdrüsen bei Steinböckchen soll eine Anpassung an das Leben im Grasland sein.

Unterarten

Verbreitung

Steinböckchen kommen im südlichen und südöstlichen Afrika in zwei voneinander getrennten Gebieten vor. Die Nominalform Raphicerus campestris campestris lebt im südlichen Afrika in Angola, im westlichen Sambia, Simbabwe, im südlichen Mosambik und in weiten Teilen von Südafrika. Die Unterart Raphicerus campestris neumanni kommt ausschließlich im südöstlichen Afrika, insbesondere im südlichen Kenia und in Tansania vor. Trockene Savannen, lichte Wälder und deren Ränder gehören zu den natürlichen Lebensräumen. In Höhenlagen kommt das Steinböckchen bis in Höhen von über 4.000 Metern vor.

Fressfeind: Karakal (Caracal caracal)
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Fressfeind: Karakal (Caracal caracal)

Prädatoren

Steinböckchen und deren Nachwuchs sind beliebte Beutetiere größerer Raubtiere. Zu den bekanntesten gehören zweifelsohne Leoparden (Panthera pardus), Karakale (Caracal caracal), Schabrackenschakale (Canis mesomelas) und Steppenpaviane (Papio cynocephalus). Steinböckchen vertrauen in erster Linie auf ihre Tarnung und halten sich zum Schutz im Dickicht verborgen. Erst im allerletzten Moment flüchten sie bei nahender Gefahr und schlagen dabei Haken, um ihren Verfolgern zu entkommen.

Ernährung

Das Steinböckchen ernährt sich vom Laub und jungen Trieben verschiedenster Sträucher und Bäume. Zu den bevorzugten Pflanzenarten gehören unter anderem Akazien (Acacia), Flügelnüsse (Combretum), Kreuzdorngewächse (Rhamnaceae) und Johannisbrotgewächse (Caesalpinioideae). Gelegentlich werden auch Früchte, Wurzeln, Knollen, Gräser und Kräuter gefressen. Seinen Wasserbedarf stillt das Steinböckchen hauptsächlich über die Nahrung. Ist Wasser in der Nähe, so nehmen die Tiere durchaus auch Trinkwasser zu sich.

Fortpflanzung

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Die Geschlechter erreichen die Geschlechtsreife zu unterschiedlichen Zeiten. Weibchen sind bereits ab dem sechsten Lebensmonat geschlechtsreif, Männchen benötigen zumeist neun bis zehn Monate. Die Paarungszeit erstreckt sich in den meisten Verbreitungsgebieten über das ganze Jahr. Jedoch fallen die meisten Geburten in die Regenzeit. Während dieser Zeit ist Nahrung reichlich vorhanden und die Jungen haben die besten Überlebenschancen. Gelegentlich kommt es in einer Saison auch zu zwei Würfen. Nach einer Tragezeit von etwa 170 bis 175 Tagen bringt das Weibchen an einer geschützten Stelle meist ein Jungtier zur Welt. Zwillingsgeburten sind selten, wurden aber bereits dokumentiert. Das Jungtier weist ein Geburtsgewicht von gut 900 bis 1.000 Gram auf und kann schon kurz nach der Geburt stehen. Das Jungtier folgt aber nicht gleich der Mutter, sondern bleibt in den nächsten zwei Wochen in der Deckung versteckt. Die Mutter kommt zwischendurch immer wieder zum Säugen vorbei. Nach zwei Wochen ist das Jungtier kräftig genug und kann der Mutter folgen. Die Säugezeit erstreckt sich für gewöhnlich über einen Zeitraum von etwa drei Monaten. Die Lebenserwartung eines Steinböckchens liegt zwischen sieben und zehn Jahren. Aufgrund der vielen Fressfeinde wird ein solch hohes Alter jedoch nur selten erreicht.

Anhang

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Faktum Lexikon Institut: Enzyklopädie der Natur - Die Geheimnisse der Natur entdecken, entschlüsseln, erklären. Orbis, Niedernhausen/Ts., 2001

Links

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