Steppenadler

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Steppenadler

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Gattung: Echte Adler (Aquila)
Art: Steppenadler
Wissenschaftlicher Name
Aquila nipalensis
Hodgson, 1833

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Steppenadler (Aquila nipalensis) gehört zur Gattung der Echten Adler (Aquila)in der Familie der Habichtartigen (Accipitridae). Im Englischen trägt er den Namen Steppe Eagle und im Französischen Aigle des steppes. Wissenschaftlich beschrieben wurde der Steppenadler von Brian Houghton Hodgson im Jahre 1833.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Steppenadler erreicht eine Körperlänge von 60 bis 81 Zentimeter sowie eine Flügelspannweite von 165 bis 214 Zentimeter. Die Länge des Schwanzes liegt zwischen 23 bis 30 Zentimeter. Weibchen werden allgemein etwas größer und schwerer als Männchen (zu 87 Prozent in den Populationen). Das Gewicht liegt bei 2.400 und 3.800 Gramm. Einzelne Exemplare können auch etwas schwerer werden. Der Schnabel weist eine Länge von bis zu vier Zentimeter auf und ist dunkelgrau gefärbt, hat jedoch lange, leuchtend gelbe Schnabelwinkel. Ausgewachsene Steppenadler haben braune Augen (Iris). Steppenadler werden bis zu dreißig Jahre alt. Sie bilden Gruppen auf der Suche nach Nahrung und beim Zug.

Gefiederkleider

  • Männchen, adult (Nominatform): Mittel- bis dunkelbraun, gewöhnlich gelblicher Fleck auf der Kopfrückseite.
  • Männchen, adult (orientalis): Wenig oder gar nicht gelblich gefleckt auf dem Hinterkopf. Auf der Unterseite sind die großen Schwungfedern grau-braun. Dunkle Daumenfittiche. Alle Schwanz- bzw. Schwungfedern mit dunklen Streifen. Gewöhnlich blasse Kehle. Oberseits dunkelbraune (oder graue, weniger gelblich braune) Armschwingen. Die Handschwingen variieren braun oder sind alle dunkelbraun. Sie können noch helle Flecke auf den vorderen Handschwingen aufweisen.
  • Männchen, 3./4. Jahr (immatur): Reste des Federkleides der Juvenilen. Kleine und mittlere Armdecken sind heller braun. Große Armdecken mit weißem Band. Oberschwanzdecken und Armschwingen dunkel mit weißen Spitzen.
  • Weibchen, juvenil (Nominatform): Lehmbraun bis dunkel. Hand- und Armschwingenspitzen sind weiß bis hellbraun. Heller Nackenfleck.
  • Weibchen, juvenil (orientalis): Nicht immer mit Nackenfleck. Weiße Terminalbinde. Unterseite überwiegend hellbraun bis gelblich. Weiße Binden an großen und mittleren Armdecken. Weiße Ober- und Unterschwanzdecken.

Das adulte Gefieder stellt sich meist zwischen dem dritten und vierten Lebensjahr ein. Die Beine sind bis zu den Zehen bräunlich befiedert. Circa 75 Prozent der Steppenadler weisen einen hellen Rückenfleck auf.

vergrößern

Flugverhalten

Steppenadler sind schnelle und gewandte Flieger. Sie können Geschwindigkeiten von über 100 km/h erreichen. Im Normalflug erreichen sie ein Tempo von 50 bis 60 km/h. Im Sturzflug ist eine Geschwindigkeit von bis zu 300 km/h keine Seltenheit. Im Flug halten Steppenadler ihre Flügel, die am Bug zurück gebogen sind, horizontal zum Körper. Dabei wirkt der Handflügelansatz sehr lang und schmal und sieht oft auffallend gekrümmt aus. Sie segeln auf geraden Flügeln, wobei der Handflügel oft leicht gesenkt ist. Trotzdem verbringen sie verhältnismäßig viel Zeit auf dem Boden. Die Altvögel ziehen Mitte Februar bis Mitte März. die jüngeren Tiere ziehen später, bis Mitte April. Der Wegzug erfolgt ab Ende September bis Mitte November.

Verwechslungsmöglichkeiten

Verwechslungsgefahr besteht mit dem Schreiadler (Aquila pomarina) und dem Schelladler (Aquila clanga). Wobei bei letzterem im Jahr 2002 die Unterart hastata, zu einer eigenen Art erklärt wurde. Im Englischen sind die drei Arten namentlich getrennt: Lesser spotted Eagle (Schreiadler, A. pomarina), Greater spotted Eagle (Schelladler, A. clanga) und neu: Indian spotted Eagle (A. hastata). Juvenile Weibchen können zusätzlich mit ebenfalls juvenilen Weibchen des Kaiseradlers (A. healiaca) verwechselt werden. Im Vergleich zu den drei anderen Arten sind im Flug Hals und Kopf des Steppenadlers weiter hervorgestreckt. Die juvenilen Weibchen der Unterart orientalis sind im Vergleich kleiner. Der Schnabel ist kleiner als der des Kaiseradlers, jedoch größer als der Schnabel von Schreiadler oder Schelladlern.

Unterarten

Verbreitung

Verbreitungsgebiet: Brutgebiete (rot), Winterquartiere (blau)
vergrößern
Verbreitungsgebiet: Brutgebiete (rot), Winterquartiere (blau)

Der Steppenadler ist in Europa fast gar nicht mehr anzutreffen. Allenfalls in Südosteuropa am Schwarzen Meer brüten noch einige Paare. Ansonsten erstrecken sich die Brutgebiete von der Ukraine, Tibet, der Mandschurei bis nach Ostasien in die Mongolei. Im Herbst ziehen die Steppenadler in ihre Winterquartiere, die in Südostasien, Indien, im Nahen Osten und in weiten Teilen Ost- und Südostafrikas liegen. Im Nahen Osten sind Steppenadler vorwiegend Durchzügler. Sie bevorzugen offene Grassteppen und Halbwüsten, und freie oder bewaldete Felslandschaften. Steppenadler kommen in 3000 Meter Höhe vor, überwinden aber auch Höhenzüge mit bis zu 7,900 Meter. Die Reviere der Adler weisen eine durchschnittliche Größe von 30 bis 50 Quadratkilometer auf. Sie können aber auch bis 150 Quadratkilometer groß sein. Exemplare außerhalb Russlands sind Ausnahmeerscheinungen oder Gefangenschaftsflüchtlinge.

Nahrung

vergrößern
Bevorzugte Beute: Langschwanzziesel (Spermophilus undulatus)
vergrößern
Bevorzugte Beute: Langschwanzziesel (Spermophilus undulatus)
Auf der Nahrungssuche fliegen Steppenadler zum einen im Suchflug durch ihr Revier oder zum anderen von einer Ansitzwarte aus. Ist ein Beutetier erspäht, so stürzt sich der Steppenadler meist im Sturzflug auf das Tier und nutzt den Überraschungsmoment. Die Beute wird mit den mächtigen Fängen getötet. In der Regel geschieht dies am Boden, selten in der Luft. Ihre bevorzugte Beute ist das Ziesel. Andere Säugetiere werden bedeutend seltener geschlagen. Auch gehören Vögel (z.B.Quelea-Arten in Afrika), Eidechsen, Schlangen, Insekten, wie Termiten oder Grillen, und im Winter Aas zum Nahrungsspektrum der Steppenadler. Sie werden aber seltener angenommen. Es kann vorkommen, dass er anderen Greifvögeln die Beute streitig macht und abnimmt.

In den Brutgebieten sind Steppenadler auf Ziesel spezialisiert. Erst wenn die Nagetiere aus ihrer mehrmonatigen Winterruhe erwachen, ziehen auch die Steppenadler in diese Jagdgründe und sie verlassen diese erst, wenn sich die Ziesel in ihre Baue zur Überwinterung zurückziehen. Die Dichte der Ziesel hat Einfluss auf den Bruterfolg.

Fortpflanzung

Der Steppenadler erreicht die Geschlechtsreife mit rund drei bis vier Jahren. Die Brutgebiete, die in Indien oder in Ostafrika liegen, werden von den Steppenadlern bereits im März besiedelt. Während der Monate April bis Mai ist die Paarungszeit dann voll im Gange. Ein Nest wird immer auf einem leicht erhöhten Punkt errichtet. Das kann eine hügelige Erhebung in der Landschaft sein oder auch ein Strauch, oder ein niedriger Baum von ein bis zwei Meter Höhe oder sogar eine Sandbank. Gebrütet wird dann auf Heu- oder Grashaufen, wobei die Horste 0,80 bis 1,20 Meter im Durchmesser sind und von beiden Partnern erbaut werden. Das Weibchen legt zwischen einem und drei weißliche Eier, die es über einen Zeitraum von gut 45 Tagen ausbrütet. Die Küken haben am Anfang ihres jungen Lebens einen weißen Flaum, der mit der Zeit ins gräuliche abdunkelt. Bis zum 60. Lebenstag ist den Jungvögeln das Jugendgefieder gewachsen und sie sind flügge. In Freiheit können Steppenadler unter günstigen Umständen ein Alter von bis zu 30 Jahren erreichen. Die Zieselbestände haben einen großen Einfluss auf den Bruterfolg der Steppenadler. Ansonsten ist von der Brutbiologie wenig bekannt.

Gefährdung

Die Bestände der Steppenadler leiden unter der Abnahme von Natursteppen aufgrund zunehmender Zerstörung. Allgemein wachsen die Störfaktoren. Viele Brutplätze werden vernichtet, oft durch Verbrennen von Heuhaufen. Dies hat vor allem in weiter westlichen Verbreitungsarealen zu einem starken Rückgang der Population geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Christine Pfützner u.a.: Weltreich der Tiere und Pflanzen. Wolfgang Kunth Verlag, München, 2003
  • Detlef Singer: Greifvögel und Eulen'- Kosmos Naturführer'. Kosmos
  • Detlef Singer: Welcher Vogel ist das? - Kosmos Naturführer. Frankh-Kosmos, Stuttgart (2008)
  • Lars Jonsson: Die Vögel Europas und des Mittelmeerraumes. Frankh-Kosmos, Stuttgart (1992)
  • James Fergueson-Lees, David A. Christie: Princeton Field Guides - Raptors of the World. Princeton University Press, Princeton/Oxford (2005)

Links

'Persönliche Werkzeuge