Steppenwaran

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Steppenwaran

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Eigentliche Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Autarchoglossa
Familie: Warane (Varanidae)
Gattung: Warane (Varanus)
Art: Steppenwaran
Wissenschaftlicher Name
Varanus exanthematicus
Bosc, 1792

Die Steppenwaran (Varanus exanthematicus) zählt innerhalb der Familie der Warane (Varanidae) zur Gattung der Warane (Varanus). Die englische Bezeichnung des Steppenwarans lautet Savannah monitor.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Steppenwaran erreicht eine durchschnittliche Gesamtlänge von 100 bis 130 Zentimeter. Das Gewicht kann dabei rund 1.500 Gramm betragen. In der Literatur tauchen gelegentlich Längenangaben von 150 bis 200 Zentimeter auf. Diese erscheinen eher als übertrieben. Der sehr lange Schwanz erreicht in etwa die 1,5-fache Länge des Körpers. Weibchen bleiben zwar kleiner als Männchen, sie sind jedoch deutlich kräftiger gebaut. Die Körperoberfläche weist eine gräuliche bis gelblichbraune Grundfärbung auf. Umfangreiche Muster überziehen vor allem den Rücken. Die mehr oder weniger hellen Muster sind meist dunkel umrandet. Der Schwanz zeigt sich in einer hellen Querbänderung. Die Schuppen in der Schwanzregion sind stärker gekielt als auf dem Rücken. Die Bauchseite und die Innenseite der Extremitäten weisen eine gelbliche Färbung auf. Der Kopf ist relativ kurz, ist aber kräftig ausgeprägt. Die Beschuppung im Nackenbereich ist deutlich vergrößert. Die Augen sitzen seitlich, etwa in der Mitte des Schädels. Die oval geformten Nasenlöcher liegen in der Mitte zwischen den Augen und der Schnauzenspitze. Die lange Zunge weist eine bläuliche Färbung auf.

Lebensweise

Steppenwarane sind tagaktiv und ausgesprochen territorial. Dies trifft vor allem während der Paarungszeit auf die Männchen zu, die ihr Revier gegenüber Kontrahenten vehement verteidigen. Nicht selten kommt es dabei unter konkurrierenden Männchen zu heftigen Kommentkämpfen, die in der Regel jedoch glimpflich enden. Schwere Verletzungen können jedoch auftreten. Vor einem Kampf kommt es zumeist zu Drohgebärden, die mit Kopfnicken und zischenden Lauten einhergehen. Weibchen sind deutlich weniger territorial. Die aktivste Zeit erstreckt sich über die Regenzeit, die regional bis zu 8 Monate andauern kann. Während der Trockenzeit ist Nahrung Mangelware. Daher ziehen sich Steppenwarane während der Trockenzeit in Erdhöhlen und an ähnlich geschützte Orte zurück. Die Orientierung erfolgt über Wahrnehmung von Gerüchen, die über die gegabelte Zunge wahrgenommen werden.

Unterarten

Verbreitung

Steppenwarane kommen in Afrika südlich der Sahara, jedoch nördlich des tropischen Regenwaldes vor. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom Senegal im westlichen Afrika bis in den Sudan im Osten Afrikas. Halbwüsten, Baum- und Strauchsteppen sowie karges Grasland gehören zu den natürlichen Lebensräumen. Reine Wüsten wie die Sahara und geschlossene Wälder werden strikt gemieden. Während der Ruhephasen halten sich Steppenwarane vorzugsweise in Erdhöhlen oder in Baumhöhlen auf. Sie gelten als gute Kletterer und gehen daher gelegentlich auch in Bäumen auf Beutefang. In der Nähe des Menschen sind sie nicht anzutreffen, da sie sehr scheu sind.

Ernährung

Als reine Fleischfresser ernähren sich Steppenwaran je nach Größe vorwiegend von Insekten (Insecta), Schnecken (Gastropoda), Eidechsen (Lacertidae), kleineren Schlangen (Serpentes), Vögel (Aves) sowie die Eier von Vögeln und Reptilien. Beutetiere werden zwischen den kräftigen Kiefern zerdrückt und im Ganzen verschlungen. Hin und wieder wird auch Aas nicht verschmäht.

Fortpflanzung

Steppenwarane gehören zu den eierlegenden Echsen. Der Zeitpunkt der Geschlechtsreife lässt sich nur schwer bestimmen. Für gewöhnlichen erreichen die Echsen die Geschlechtsreife mit einer Länge von 60 bis 70 Zentimetern. In den natürlichen Verbreitungsgebieten erstreckt sich die Paarungszeit über die Regenzeit. Als strikte Einzelgänger treffen die Geschlechter nur während der Paarungszeit aufeinander. Treffen sich ein Männchen und ein Weibchen, so verfolgt das Männchen seine potentielle Partnerin energisch und bedrängt sie. Unter den geschlechtsreifen Männchen kommt es dabei nicht selten zu heftigen Kommentkämpfen, die mit Umschlingen, Schwanzschlägen und Bissen einhergehen. Bei der eigentlichen Kopulation besteigt ein Männchen das Weibchen, verbeißt sich in ihren Nacken und führt seinen Hemipenis in die Kloake des Weibchens ein. Nach erfolgreicher Kopulation trennen sich die Geschlechter wieder. Kurz vor der Eiablage sucht sich das Weibchen an geschützter Stelle einen geeigneten Eiablageplatz. Sie gräbt ein Mulde mit einer Tiefe von 20 bis 30 Zentimeter und legt darin zwischen 15 und 30, selten auch mehr Eier ab. Nach erfolgter Eiablage wird die Grube sorgsam verschlossen. Es wurde auch schon beobachtet, dass ein Weibchen ihre Eier in einem Termitenbau abgelegt hat. Dies dürfte allerdings nur selten auftreten. Nach einer temperaturabhängigen Inkubationszeit von 150 bis 180 Tagen schlüpfen die Jungwarane, die eine Gesamtlänge von 15 bis 17 Zentimeter aufweisen. Die Lebenserwartung liegt in freier Wildbahn bei gut 10 Jahren.

Gefährdung und Schutz

Der Steppenwaran gilt heute in seinen natürlichen Verbreitungsgebieten als bedrohte Art. Dennoch wird er nicht in der Roten Liste der IUCN als solches geführt. Steppenwarane werden von der einheimischen Bevölkerung wegen des Fleisches und der Haut stark bejagt. Ein weiteres Problem stellt der zum Teil dramatische Ausmaße annehmende Wildfang dar. Steppenwarane werden vor allem nach Nordamerika und Europa exportiert und dort im Haustierhandel angeboten. Die genauen Wildbestände sind derzeit nicht bekannt.

Anhang

Siehe auch

  • Die Familie der Warane (Varanidae)

Literatur und Quellen

  • Kurt Deckert, Gisela Deckert, Günther E. Freytag: Urania Tierreich, 7 Bde., Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania, Freiburg (1991) ISBN 3332003763
  • Daniel Bennett: Warane der Welt. Chimaira (1996) ISBN 3930612054
  • Bernd Eidenmüller: Warane. Lebensweise - Pflege - Zucht. Herpeton, Auflage 2 (2003) ISBN 3936180032
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