Stieleiche

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Stieleiche
Stieleiche -Illustration

Systematik
Klasse: Zweikeimblättrige (Magnoliopsida)
Unterklasse: Kätzchenblütige Pflanzen (Hamamelidae)
Ordnung: Buchenartige Gewächse (Fagales)
Familie: Buchengewächse (Fagaceae)
Gattung: Eichen (Quercus)
Art: Stieleiche
Wissenschaftlicher Name
Quercus robur
Linnaeus, 1753

Verbreitungsgebiet
Ursprüngliches Verbreitungsgebiet der Stieleiche

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Die Stieleiche (Quercus robur), auch Sommereiche genannt, ist eine Baumart aus der Familie der Buchengewächse (Fagaceae) und zählt zur Gattung der Eichen (Quercus). Ertsmals beschrieben wurde sie im Jahre 1753 von dem schwedischen Naturwissenschaftler Carl von Linné. Im Englischen wird die Art als English oak tree oder Pedunculate oak tree bezeichnet. Im deutschen Volksmund wird sie auch Deutsche Eiche genannt.

Im Jahre 1989 war sie Baum des Jahres.

Inhaltsverzeichnis

Botanik

Pflanzenbeschreibung

Die Stieleiche erreicht bis zu 40 Meter Höhe, in der Regel jedoch um die 20 bis 30 Meter. Dabei kann der Stammdurchmesser beträchtlich schwanken. So haben um die 30 Meter hohe Individuen oftmals einen mit 90 bis 120 Zentimeter deutlich geringeren Stammdurchmesser als massige Stieleichen mit um die 20 bis 25 Meter Höhe, welche manchmal Durchmesser von etwa 200 Zentimetern und in seltenen Fällen sogar über 300 Zentimeter aufweisen können. Die Krone einer großen und alten Stieleiche ist sehr groß und voluminös, sie kann mehrere Hundert Quadratmeter Fläche auf einmal beschatten und reicht oftmals weit nach unten, wodurch der Stamm vieler Stieleichen kurz erscheint. Häufig beginnt die Beastung der Stieleiche in greifbarer Höhe über dem Boden, hochwüchsige Eichen jedoch, zum Beispiel in Rotbuchen-Misch- bzw. Misch-Hallenwäldern, müssen der Lichtausbeute wegen so viel Laub wie möglich im oberen Teil wachsen lassen, um sich zwischen den anderen hohen Schattenpflanzen, zu welchen die Rotbuche (Fagus silvatica) zählt, behaupten zu können. Die Wurzel der Stieleiche ist stark vergabelt und reicht tief in den Boden hinein. Die Rinde oder Borke ist sehr rau, tief gefurcht und graubraun bis rötlich gefärbt. Das Holz zählt zu den härtesten bekannten Holzarten, durch das Einstellen des Wachstums im Winter bilden sich deutliche Jahresringe im hellen Holz der Stieleiche. Ihre wechselständigen Laubblätter sind bis zu 15 Zentimeter lang, dunkel- bis hellgrün und an den Seiten stark gewellt, nach hinten zu wird die Wellung geringer und das Blatt verjüngt sich von der vom Baum wegzeigenden Seite hin zur Rückseite. Um Verdunstung zu vermeiden werden die Blätter über die Wintermonate von spätestens etwa Oktober/November bis zum April/Mai des nächsten Jahres abgeworfen. Zur Blütezeit zwischen April und Mai kommen weibliche Blüten an einer Art herabhängenden herabhängenden, gelbgrünen, ein- bis fünfblütigen und lang gestielten Ähre und schlaff herunterhängend an bis zu vier Zentimeter langen Kätzchen buschelige männliche Blüten an Jungtrieben zum Vorschein. Die sich daraus entwickelnden Früchte sind oval mit einer Kappe und werden Eicheln genannt, ihre Reifezeit liegt im Herbst. Sie sitzen einzeln, zu zweit oder zu dritt an einem drei bis acht Zentimeter langen Stiel. Die Stieleiche kann ein Alter von 500 bis schätzungsweise 1.200 Jahre erreichen.

Die Stieleiche unterscheidet sich von der Traubeneiche (Quercus petraea) leicht durch ihre gestielten Eicheln und kaum gestielten Laubblätter, die Traubeneiche hat lang gestielte Laubblätter und ungestielte Eicheln.

Die Eiche als Heilpflanze

Heilkräftige Pflanzenteile, Inhaltsstoffe

Zu den heilkräftigen und arzneilich genutzten Pflanzenteilen der Stieleiche zählt so gut wie nur die Rinde junger Triebe, welche unter der arzneilichen Drogenbezeichnung Quercus Cortex geführt wird. Die Hauptwirkstoffe sind einige in der Eichenrinde in großen Mengen
Große Stieleiche
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Große Stieleiche
enthaltene Gerbstoffe, genauer sind es Catechingerbstoffe. Alle anderen Inhaltsstoffe, beispielsweise das Quercin, Quercit, Ellag-, Eichengerb- und Gallussäure, treten in ihrer Wirkintensität hinter diese Gerbstoffe zurück. Der Gerbstoffgehalt nimmt beim Lagern der Rinde langsam ab. Die größten Mengen an Gerbstoffen befindet sich in Glanz- und Spiegelrinde. In den Eicheln ist Eichengerbsäure, Zitronensäure, Quercin und Quercit sowie fettiges Öl vorhanden.

Ernte und Aufbereitung

Die für die Medizin genutzte Rinde wird von als Büsche in speziellen Waldgebieten, den Schäl- oder Lohwäldern, gepflanzten Eichen gewonnen. Dort werden etwa alle zehn Jahre die Pflanzen abgeholzt, wobei durch Stockausschlag darauf geachtet wird, dass neue Sträucher nachwachsen können. Die Rinde schält man im Frühjahr ab, es wird für pharmazeutische Zwecke nur glatte Rinde verwendet, welche noch keine Borke hat. Für den Eigengebrauch ist aus Naturschutzgründen darauf zu achten, dass man die entsprechenden Eichen ebenfalls möglichst aus Lohwäldern heranschafft. Auch hier sollte dies im Frühjahr geschehen, vor allem, weil dann durch die austretenden Säfte die Rinde leichter abzukratzen ist. Der Durchmesser der Zweige sollte sechs Zentimeter nicht überschreiten und es dürfen keine Flechten oder Pilze auf den Ästen sein, diese vermindern Wert und Wirkung der Stieleichen. Vor dem Einsatz muss die Rinde schnell, aber im Schatten getrocknet werden. Ein Tee wird durch das vermischen von ein bis zwei Teelöffel getrocknete und zerschnittene Eichenrinde und heißem Wasser erstellt. Der Ansatz wird für drei bis fünf Minuten zum kochen gebracht, der Tee wird lauwarm verwendet. Innerlich reichen zwei Tassen Tee je Tag. Gurgeln kann man alle drei bis fünf Stunden und Umschläge mit Eichenrindentee sollten zwei bis drei mal täglich erneuert werden. Für die Anwendung am Auge sollte der Tee im Verhältnis 1:1 angewandt werden und bei der Anwendung im Bad rechnet man einen Esslöffel des Tees auf einen Liter Wasser.

Heilwirkung, Anwedung und Hausmittel

Mittel von Stieleichen und im Übrigen auch von anderen Arten aus der Gattung der Eichen besitzen wertvolle Gerbstoffdrogen, welche zu den meist gebrauchten Gerbstoff-Mitteln zählen. Gerbstoffe wirken zusammenziehend und entzündungshemmend. Auch wirken sie gegen Durchfälle und stärken den Darm. Daraus ergeben sich unzählige Anwendungsmöglichkeiten für die Eichen als Heil- und Linderungsmittel. Ein Aufguss, also ein Tee, kann gegen Entzündungen im Mund und Rachenraum gegurgelt werden, dabei wirken die Gerbstoffe, in dem sie die Schleimhäute mehr oder weniger "härtet" und auf diese Art und Weise den Nährboden für die Bakterien entzieht. Die vergerbten Schleimhäute werden später abgestoßen und durch neue und Gesunde ersetzt. Im Darm bekämpfen die Gerbstoffe auf diese Art Gärungserreger. Mit Eichenrindentee und Tee-Umschlägen kann man entzündete Augen, nässende Ekzeme, Verbrennungen und sekundär infizierte Unterschenkelgeschwüre sowie durch Frost geschädigte Hände und Füße behandeln. Auch gegen Hämorrhoiden und Frostbeulen wird Eichenrindentee verwendet und im Bad soll dieser sogar gegen Schweißfüße hilfreich sein. In der Regel ist Eichenrinde als Bestandteil von Tees heutzutage stark im Rückgang und ist kaum mehr in einem Magan-Darm-Tee zu finden, leider. Abgelöst wird die Eichenrinde immer mehr und mehr von wirksameren Kräutern wie Kamille, Pfefferminze und Tausengüldenkraut gegen Magen- und Darmbeschwerden und gegen
Rinde mit Borke
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Rinde mit Borke
Durchfälle von Blutwurz und anderen. Bei äußerlicher Anwendung oder zum Gurgeln im Mund ist Eichenrinde jedoch auch heutzutage noch als sehr sinnvoll angesehen. Das Bundesgesundheitsamt nennt folgende Anwendungsgebiete: Bei Entzündungen von Zahnfleisch und Mundschleimhäuten, vermehrte Fußschweißsekretion und zur ergänzenden Behandlung bei Frostbeulen und Anal- (After-) Fissuren. Aber auch Hämorrhoiden, Unterschenkelgeschwüre und Ekzeme sprechen gut auf Eichenrindenbäder an.

Anwendung in der Tiermedizin

In der Regel werden heutzutage andere Mittel in der Tiermedizin eingesetzt, aber vor allem bis vor einigen Jahren und seltener auch noch in modernen Zeiten wurden und werden Quercus-Präberate in der Tiermedizin gegen Drüsenfieber, Nervenfieber, Wurmkoliken und Durchfälle eingesetzt. Gegebenenfalls sollte Eichenrindentee bei Stuten helfen, wenn sie normal und paarungswillig den Hengst annahmen aber nicht trächtig wurden, dazu hat man einen Halben Liter bis einen Liter Tee pro Tag gegeben. Umschläge aus Eichenrindenabsud wirken hilfreich gegen Milzbrand-Karbunkel.

Andere Verwendung, Ökologie

Durch das sehr langsame Wachstum der Stieleiche und dem dennoch hohen Wert für die Holzindustrie gibt es heutzutage kaum mehr Bäume dieser Art mit einem Alter von über 600 Jahren. Das harte Holz findet und fand zum Beispiel in Funieren, Massivmöbeln und im Fachwerk für Bauernhäuser sowie als Fundament mancher Wasserburgen Verwendung. Die Rinde junger Bäume wurde früher in der Lohgerberei und die Eicheln zum Mästen gebraucht, so man schickte man zum Beispiel in sogenannten Hutewäldern die Hausschweine in einen Eichenwald. Geröstet wurden die Eicheln auch als Kaffeeersatz gebraucht. Tiere wie der Eichelhäher (Garrulus glandarius) und das Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) sammeln jedes Jahr aufs Neue Tausende der Eicheln und vergraben sie als Winter-
Eichen-Mischwald mit Birken (Betula)
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Eichen-Mischwald mit Birken (Betula)
Futtervorrat in der Erde. Dadurch, dass von den Tieren nicht alle wieder gefunden werden, keimen sie zu neuen Bäumchen. So tragen hauptsächlich diese Tiere bei der Ausbreitung der Stieleichen bei. Als Parasit gilt unter anderen die Gallwespe, sie ruft durch ihre Einstiche in Blätter und Blattstiele Auswüchse, die sogenannten Galläpfel, hervor.

Vorkommen

Das Verbreitungsgebiet der Stieleiche erstreckt sich im Westen von dem nördlichen Portugal über Nord- und Ostspanien, ganz Frankreich, Mitteleuropa mitsamt den Alpenländern, fast ganz Italien bis ins südöstlichste Europa und über Osteuropa bis in das vordere Asien. Auch rund um das Schwarze Meer ist die Stieleiche bis auf wenige Ausnahmen zu finden. Im Norden kommt sie auf den gesamten britischen Inseln und in weiten Teilen des südlichen Skandinaviens vor. Das Verbreitungsgebiet beschränkt sich auf niedriger gelegene Gebiete bis in Höhen von maximal etwa 1.000 Meter über dem Meeresspiegel. Damit fehlt die Art in den Gebieten der Hochgebirge der Alpen. Die Stieleiche ist ein typischer Waldbaum, gedeiht aber auch als Einzelpflanze auf Feldern. Sie ist als lichthungrige Pflanze auf sonnige Standorte angewiesen und kommt sowohl mit feuchtem Klima, als auch mit trockenem Klima klar. Dennoch benötigt sie einen feuchteren Boden, wobei ihr die tief in die Erde
Früchte der Stieleiche: Eicheln
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Früchte der Stieleiche: Eicheln
reichenden Wurzeln behilflich sind, sie kommen in der Regel auch dann an Wasser, wenn die Oberfläche des Bodens ausgetrocknet ist. Der Boden wird den Ansprüchen der Stieleiche durch mehr oder weniger hohen Lehmgehalt gerecht. Die Stieleiche kommt entweder in Laub- und Nadelmischwäldern, beispielsweise mit der Hainbuche (Carpinus betulus) im Eichen-Hainbuchen-Wald, oder in reinen Stieleichenbeständen vor. Größere natürliche Eichenwälder oder urwaldähnliche Wälder mit respektvollem Eichenbestand finden sich beispielsweise noch in Polen.

Anhang

Literatur und Quellen

  • M. Pahlow: Das grosse Buch der Heilpflanzen, Bechtermünz Verlag, ISBN 3-8289-1839-5
  • W. Stichmann, U. Stichmann-Marny: Der Kosmos Pflanzenführer, Franckh Kosmos, ISBN 3-440-07364-5
  • W. Eisenreich, A. Handel und U. Zimmer: BLV-Handbuch Tier und Pflanzen, BLV Verlagsgesellschaft mbH, ISBN 3-405-16740-X
  • Richard Willfort: Gesund durch Heilkräuter, 9. Auflage 1967, Rudolf Taruner Verlag Linz, (ohne ISBN-Nummer)
  • Mike une Peggy Briggs: THE NATURAL HISTORY of the BRITISH ISLES, Parragon, ISBN 978-1-4054-8298-1
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