Strauchkaninchen

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Strauchkaninchen

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Hasenartige (Lagomorpha)
Familie: Hasen (Leporidae)
Unterfamilie: Leporinae
Gattung: Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus)
Art: Strauchkaninchen
Wissenschaftlicher Name
Sylvilagus bachmani
(Waterhouse, 1839)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Das Strauchkaninchen (Sylvilagus bachmani) zählt innerhalb der Familie der Hasen (Leporidae) zur Gattung der Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus) und hier zum Subgenus Microlagus. Im Englischen wird die Art Brush Rabbit oder Riparian Brush Rabbit genannt. Die Art weist 6 Unterarten auf.

Inhaltsverzeichnis

Erkennung

Das Strauchkaninchen ist eine mittelgroße Art der Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus) mit kurzen Hinterbeinen und schlanken Hinterfüßen. Die Ohren sind mittellang und innen nur spärlich behaart. Die Vibrissen sind schwarz. Der Schwanz ist kurz, oberseits zeigt sich eine schwarze Färbung, ventral ist der Schwanz weißlich gefärbt. Das Rostrum ist relativ kurz (Chapmans, 1974).

Fossile Funde

Die ältesten fossilen Funde eines Strauchkaninchens stammen aus dem Pleistozän und wurden in LaBrea in Kalifornien gefunden. Nach Hay (1927) und Dice (1925) handelt es sich bei diesem Fund um die Unterart Sylvilagus bachmani cinerascens (Chapmans, 1974).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Geschlechter der Strauchkaninchen unterscheiden sich in der Größe kaum. Männchen bleiben 1 bis 2,1% kleiner als Weibchen. Männchen erreichen eine Gesamtlänge von 303 bis 356 (332) mm, eine Schwanzlänge von 10 bis 28 (19) mm, eine Hinterfußlänge von 71 bis 86 (79) mm, eine Ohrlänge von 45 bis 63 (57) mm, eine Jochbeinbreite von 31,7 bis 33,9 (33,1) mm, eine Hirnschädelbreite von 22 bis 23,2 (22,6) mm und ein Gewicht von 511 bis 797 g. Weibchen erreichen eine Gesamtlänge von 307 bis 369 (338) mm, eine Schwanzlänge von 12 bis 30 (20) mm, eine Hinterfußlänge von 76 bis 85 (81) mm, eine Ohrlänge von 54 bis 61 (58) mm, eine Jochbeinbreite von 32,3 bis 34,3 (33,4) mm, eine Hirnschädelbreite von 22,8 bis 23,7 (23,1) mm und ein Gewicht von 560 bis 915 g. Das Gebiss verfügt über 28 Zähne, die zahnmedizinische Formel lautet i2/1, c0/0, p3/2, m3/3. Weibchen verfügen über 4 Paar Zitzen. 2 Paar liegen abdoninal (Bauch), je ein Paar liegt pektoral und inguinal, also im Bereich der Brust und der Leiste (Chapmans, 1974; Nowak, 1999).

Lebensweise

Strauchkaninchen halten sich in ihrem Lebensraum für gewöhnlich bedeckt. Nur während der Nahrungssuche betreten sie unter größter Aufmerksamkeit auch offenes Gelände. Die Art ist ganzjährig aktiv, eine Winterruhe oder -schlaf wird nicht gehalten. Die Tiere sind dabei hauptsächlich dämmerungsaktiv. Am Nachmittag tauchen Strauchkaninchen eher selten auf. Innerhalb von ihres Reviers bewegen sich Strauchkaninchen meist über feste Wege. Auf der Flucht vor natürlichen Feinden erreichen Strauchkaninchen Geschwindigkeiten von 32 bis 40 km/h (Chapmans, 1974).

Unterarten

Verbreitung

Das Strauchkaninchen kommt im äußersten Westen Nordamerikas vor. Das Verbreitungsgebiet der einzelnen Unterarten erstreckt sich von Oregon und Kalifornien in den USA bis nach Baja California und Baja California Sur in Mexiko. Strauchkaninchen leben in dichtem Strauch- und Buschland. Das Revier der Tiere ist relativ klein, wobei die Reviere der Männchen größer sind. Ein Revier kann eine Größe von bis zu 2.000 m² aufweisen. Die Größe der Reviere hängt von den Nahrungsressourcen und der Lebensraumqualität ab. Die Tiere leben auf Seehöhe und in Höhenlagen bis in Höhen von etwa 2.070 m über NN. Zu den typischen Pflanzen im Lebensraum der Tiere gehören je nach Vorkommen Nordamerikanische Roteiche (Quercus lobata), Weiden (Salix), Rosengewächse (Rosaceae) wie Rubus und Rosa. Ein bezugter Lebensraum sind Weidendickichte entlang von Flüssen (Chapmans, 1974; IUCN, 2011).

Biozönose

Prädator: Graufuchs(Urocyon cinereoargenteus)
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Prädator: Graufuchs
(Urocyon cinereoargenteus)

Konkurrenz, Sympatrie

Strauchkaninchen leben in Lebensraum- oder Nahrungskonkurrenz zu anderen kleinen Säugetieren wie Feldmäuse (Microtus), Amerikanische Erntemäuse (Reithrodontomys) und Amerikanische Buschratten (Neotoma) wie Neotoma fuscipes (Chapmans, 1974).

Prädatoren

Zu den natürlichen Feinden der Strauchkaninchen zählen der Rotluchs (Lynx rufus), der Kojote (Canis latrans), der Graufuchs (Urocyon cinereoargenteus), das Langschwanzwiesel (Mustela frenata) sowie Greifvögel (Falconiformes) wie der Rotschwanzbussard (Buteo jamaicensis), Rundschwanzsperber (Accipiter cooperii) und Eulen (Strigiformes) wie die Schleiereule (Tyto alba) und der Virginia-Uhu (Bubo virginianus). Kleinere Vögel (Aves) wie Rabenvögel (Corvidae), insbesondere der Westliche Buschhäher (Aphelocoma californica) stellen Jungtieren nach. auch Reptilien (Reptilia) wie Klapperschlangen (Crotalus) oder die Gophernatter (Pituophis catenifer) erbeuten gelegentlich ein Strauchkaninchen (Chapmans, 1974).

Ekto- und Endoparasiten

Bekannte Ektoparasiten schließen Flöhe (Siphonaptera) wie Hoplopsyllus powersii und Hoplopsyllus minutus mit ein. Nachgewiesen ist der Befall auch durch Endoparasiten. Hier sind insbesondere Bandwürmer (Cestoda) wie Moscouyia spp. und Taenia pisiformis sowie Fadenwürmer (Nematoda) wie Passalurus ambiguous zu nennen (Chapmans, 1974).

Ernährung

Strauchkaninchen ernähren sich als reine Pflanzenfresser überwiegend von Gräsern und anderen Pflanzenteilen. Die Nahrungsaufnahme variiert dabei saisonal und richtet sich nach der Verfügbarkeit der Nahrungsressourcen. Zu den bevorzugten Futterpflanzen zählen in Abhängigkeit saisonaler Verfügbarkeit Gewächse wie beispielsweise Liebesgräser (Eragrostis hypnoides), Weiche Trespe (Bromus hordeaceus), Gewöhnliche Sumpfbinse (Eleocharis palustris), Mäusegerste (Hordeum murinum), Flug-Hafer (Avena fatua), Rosen (Rosa california), Gänsefüße (Chenopodium ambrosioides), Dorn-Gänsedistel (Sonchus asper), Binsen (Juncus) sp., Gefleckter Schierling (Conium maculatum), Brombeeren (Rubus). Ist jedoch Klee (Trifolium) verfügbar, so wird dieser jeder anderen Nahrung vorgezogen (Chapmans, 1974).

Fortpflanzung

Strauchkaninchen erreichen die Geschlechtsreife im Alter von 4 bis 5 Monaten. Die Paarungszeit erstreckt sich in Kalifornien von Dezember bis Mai, gelegentlich auch bis in den Juni hinein. In Oregon reicht die Paarungszeit von Februar bis August. Ein Weibchen bringt 2 bis 4 (2,6) Jungtiere zur Welt. Die Tragezeit erstreckt sich über 24 bis 30 (27) Tage. Neugeborene erreichen eine Gesamtlänge von 120 bis 135 mm, eine Hinterfußlänge von 18 bis 19 mm, eine Vibrissenlänge von 6 bis 8 mm, eine Ohrlänge von 10 bis 11 mm und ein Gewicht von 24,3 bis 30,2 g. Der Nachwuchs kommt mit einem feinen und dünnen Fell zur Welt. Die Geburt erfolgt im Nest der Mutter. Das Nest liegt in einer Mulde an geschützter Stelle und weist eine Größe von etwa 75 mal 150 mm auf. Es ist ausgepolstert mit trockenen Gräsern. Die Jungtiere werden von der Mutter ausschließlich in der Nacht gesäugt. Nach 2 Wochen verlassen die Jungtiere erstmals das Nest. Pro Jahr bringt ein Weibchen rund 15 Jungtiere zur Welt (Chapmans, 1974).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Strauchkaninchen zählen heute noch nicht zu den bedrohten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art in der Kategorie LC, Least Concern, geführt. Die größten Gefahren gehen von der Verbnichtung und Zersiedelung sowie von der Bejagung durch den Menschen aus. Aber auch die Ausweitung der landwirtschaftlichen Aktivitäten, Waldbrände, die Aufstauung von Flüsse durch Dämme und die Einfuhr von nichtendemischen Tierarten wie verwilderte Hauskatzen (Felis catus) stellen eine große Gefahr dar (IUCN, 2011).

Synonyme

Nach Wilson & Reeder (2005) ist die Art unter zahlreichen Synonymen bekannt. Dies sind macrorhinus Orr, 1935, riparius Orr, 1935, trowbridgii Baird, 1855, virgulti Dice, 1926, mariposae Grinnell & Storer, 1916, peninsularis (Allen, 1898), rosaphagus Huey, 1940 und tehamae Orr, 1935. Die genannten Synonyme sind ungültig (Wilson & Reeder, 2005).

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: Familie der Hasen (Leporidae)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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