Streifenschakal

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Streifenschakal

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Hunde (Canidae)
Gattung: Wolfs- und Schakalartige (Canis)
Art: Streifenschakal
Wissenschaftlicher Name
Canis adustus
Sundevall, 1847

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Streifenschakal (Canis adustus) zählt innerhalb der Familie der Hunde (Canidae) zur Gattung Wolfs- und Schakalartige (Canis). Im Englischen wird die Art Side-striped Jackal genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Streifenschakal erreicht je nach Unterart und Geschlecht eine Körperlänge von 65 bis 81 Zentimeter, eine Schulterhöhe von 41 bis 50 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 31 bis 40 Zentimeter sowie ein Gewicht von 6,5 bis 12,0 Kilogramm. Weibchen bleiben kleiner und leichter als Männchen. Zudem sind die Eckzähne größer als bei den Weibchen. Das Fell ist dorsal graubraun gefärbt. Namengebendes Merkmal sind die weißlichen lateralen Streifen, die unterhalb schwarz abgesetzt sind. Der Schwanz ist deutlich dunkler gefärbt als das Fell, wobei sich eine weiße Schwanzspitze zeigt. Ventral ist das Fell weißlich bis cremefarben gefärbt. Im Gegensatz zum Schabrackenschakal (Canis mesomelas) ist die Schnauze des Streifenschakals ein wenig kürzer, breiter und wirkt stumpfer. Ansonsten ähneln sich beide Arten in der äußeren Morphologie. Das kräftige Gebiss der Streifenschakale besteht meist aus 42 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i3/3, c1/1, p4/4, m2/3. Die Reißzähne weisen 2 distale Höcker auf. Weibchen verfügen zum Säugen des Nachwuchses über 4 Paare Zitzen. Im Gesichtsfeld und im Analogenitalbereich Duftdrüsen, deren Sekret der Reviermarkierung dient.

Lebensweise

Streifenschakale sind ausgesprochen nachtaktiv und leben in einer monogamen Einehe. Nicht selten hält eine Ehe ein Leben lang. Eine Familiengruppe umfasst ein Pärchen und dessen Nachwuchs. Dies können bis zu 6 Welpen sein. Trotz der sozialen Lebensweise gehen die erwachsenen Mitglieder einer Familiengruppe einzelgängerisch auf die Jagd. Streifenschakale können als ausgesprochen territorial angesehen werden, die Tiere beanspruchen daher ein großes Revier für sich. Aufgrund der nachtaktiven Lebensweise ruhen die Tiere tagsüber in ihren Erdbauten oder ähnlich geschützten Unterschlüpfen. Die Hauptaktivität entfalten die Tiere in den ersten Stunden nach Einbruch der Nacht und gegen Morgengrauen. Zu den typischen Lauten gehört ein klagendes oder jammerndes Kläffen, das besonders häufig zu hören ist. Ansonsten sind Streifenschakale nur wenig stimmfreudig.

Unterarten

Im folgenden die Unterarten nach Wilson & Reeder, 2003. <1>

Verbreitung

Streifenschakale sind vom westlichen bis östlichen und weiter bis ins südliche Afrika weit verbreitet. Die Tiere kommen jedoch in den zentralafrikanischen Regenwäldern nicht vor. Hier werden allenfalls die Ränder von Waldgebieten besiedelt. Nach Angaben der IUCN kommt die Art in Angola, Botswana, Burkina Faso, Burundi, Kamerun, in den Zentralafrikanische Republik, im Kongo, in Äthiopien, Gabun, Gambia, Ghana, Kenia, Malawi, Mali, Mosambik, Namibia, Niger, Nigeria, Ruanda, im Senegal, in Sierra Leone, Somalia, Südafrika, im Sudan, in Swasiland, Tansania, Togo, Uganda, Sambia und in Simbabwe vor. In einigen Regionen kommt der Streifenschakal zusammen mit dem Goldschakal (Canis aureus) und dem Schabrackenschakal (Canis mesomelas) vor. Die Gesamtpopulation wird auf etwa 3 Millionen Individuen geschätzt. Die Siedlungsdichte liegt bei 0,07 und 1 Tier pro km². Streifenschakale besiedeln eine Vielzahl an Lebensräumen. Es handelt sich dabei um überwiegend semiaride Lebensräume wie lichte Trockenwälder, Baum- und Buschsavannen, Agrarflächen und ähnliches. In einigen Regionen wird jedoch auch Sumpfland oder der Siedlungsraum der Menschen bewohnt. Streifenschakale kommen sowohl in der Ebene als auch in Höhenlagen bis in Höhen von 2.700 Metern über NN vor. Offene Savannen, Wüsten und geschlossene Wälder werden hingegen gemieden. Der durchschnittliche Niederschlag liegt durchschnittlich bei 400 bis 700 mm pro Jahr (Estes, 1991; Kingdon, 1997; Liebenberg, 1990).

Ernährung

Beliebtes Beutetier: der Kaphase (Lepus capensis)
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Beliebtes Beutetier: der Kaphase (Lepus capensis)

Ursprünglich sah man Streifenschakale als reine Aasfresser an. Dieses Bild der Streifenschakale kann heute aufgrund zahlreicher Feldforschungen jedoch nicht mehr aufrechterhalten werden. Neben einer eher kleinen Menge an Aas erjagen Streifenschakale hauptsächlich Beute oder betätigen sich als eifrige Früchtesammler. Zu den beliebten Beutetieren gehören beispielsweise Nagetiere (Rodentia) wie Kaphasen (Lepus capensis), Ratten (Rattus) und andere Kleinsäuger, aber auch Vögel (Aves) bis zur Größe eines Helmperlhuhns (Numida meleagris). Darüber hinaus stehen Insekten (Insecta) wie Heuschrecken (Orthoptera), Käfer (Coleoptera) und Termiten (Isoptera) auf der Speisekarte. Nicht verschmäht werden auch die Eier und die Küken von am Boden brütenden Vögeln sowie Kriechtiere (Reptilia), insbesondere juvenile Schildkröten (Testudinata) (Kappeler, 2003). Für einen Caniden jedoch höchst erstaunlich ist die Tatsache, dass ein Großteil der Nahrung auf Früchte entfällt. Nach Kappeler (2003) werden vor allem Mobola-Pflaumen (Parinari curatellifolia), Schokoladenbeeren (Vitex payos), Natal-Feigen (Ficus natalensis) und Wasserbeeren (Syzigium guineense) bevorzugt gefressen. Die Nahrungssuche erfolgt in der Regel einzelgängerisch.

Fortpflanzung

Streifenschakale erreichen die Geschlechtsreife mit gut 7 bis 8 Monaten. Die Paarungszeit erstreckt sich je nach Lebensraum und Verbreitungsgebiet über unterschiedliche Jahreszeiten. In der Regel ist dies die Regenzeit. Streifenschakale bringen ihre Jungen in unterirdischen Bauten zur Welt. Seltener werden auch andere Höhlen und Felsspalten genutzt. Bei den Erdbauten handelt es sich meist über die verlassenen Bauten anderer Tiere wie dem Erdferkel (Orycteropus afer), seltener auch über Termitenbauten. Ein Bau verfügt über einen Wohnkessel und mehrere Ein- und Ausgänge bzw. Fluchttunnel. Nach einer relativ kurzen Tragezeit von 57 bis 70 Tagen bringt das Weibchen 1 bis 6 (3-4) Welpen zur Welt. In der Regel überleben meist nur ein oder zwei Jungtiere. Als Hauptgründe sind hier Nahrungsmangel und Tötung durch andere Räuber zu nennen. Als äußerst sozial verantwortliche Tiere pflegen sowohl Männchen als auch Weibchen ihren Nachwuchs. Die Welpen werden nackt und blind geboren. Erst nach gut 2 Wochen öffnen sie erstmals ihre Augen. Nach 3 Monaten folgen sie den Eltern auf ihren Streifzügen. Die reine Säugezeit erstreckt sich über 8 bis 10 Wochen. Mit knapp einem Jahr sind sie selbständig. In Freiheit kann ein Streifenschakal ein Alter von bis zu 12 Jahren erreichen, in Gefangenschaft liegt die Lebenserwartung bei mehr als 12 Jahren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Der Streifenschakal gehört noch nicht zu den gefährdeten Caniden. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als solches (LC, Least Concern) geführt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen listet die Art in keinem Anhang auf. Der Streifenschakal gilt als Überträger der Tollwut. Die Tollwut ruft sowohl bei Tieren als auch beim Menschen eine oftmals tödlich verlaufende Encephalitis (Gehirnentzündung) hervor. Aufgrund dessen wird die Art von Menschen verfolgt und getötet. In fast allen Regionen des Großen Verbreitungsgebietes kommt der Streifenschakal immer noch häufig vor. Daran konnte auch die Bejagung bis heute nichts ändern. Es verwundert nicht, dass die Tiere ausgesprochen anpassungsfähig und sogar im menschlichen Siedlungsraum anzutreffen sind Bingham et al. 1995).

Anhang

Siehe auch

  • Die Familie der Hunde (Canidae)
  • Die Ordnung der Raubtiere (Carnivora)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • [1] Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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