Sumpf-Reisratte

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Sumpf-Reisratte

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Überfamilie: Hamster- und Mäuseartige (Muroidea)
Familie: Wühler (Cricetidae)
Unterfamilie: Neuweltmäuse (Sigmodontinae)
Tribus: Oryzomyini
Gattung: Reisratten (Oryzomys)
Art: Sumpf-Reisratte
Wissenschaftlicher Name
Oryzomys palustris
Harlan, 1837

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Sumpf-Reisratte (Oryzomys palustris) gehört innerhalb der Familie der Wühler (Cricetidae) zur Gattung der Reisratten (Oryzomys). Im Englischen wird diese Langschwanzmaus Marsh Rice Rat genannt. Reisratten sind auf molekulargenetischer Ebene nah mit den Sumpfratten (Holochilus) verwandt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Sumpf-Reisratte erreicht eine Gesamtlänge von 22 bis 30 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 11 bis 15,5 Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 2,8 bis 3,7 Zentimeter sowie ein Gewicht von 45 bis 80 Gramm. Das Fell weist eine graubraune bis bräunliche Färbung auf, ventral ist das Fell weißlich bis cremefarben gefärbt. Der lange Schwanz ist nackt und deutlich sichtbar geschuppt. Die Ohren sind behaart und sitzen weit hinten am Kopf. Die großen runden Knopfaugen sitzen seitlich am Kopf und ermöglichen eine gute Rundumsicht. Der Kopf ist zur Schnauze hin spitz zulaufend, im Bereich der Schnauzenspitze befinden sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen, die der Orientierung dienen. Die Weibchen verfügen zum Säugen ihres Nachwuchses über acht Paar Zitzen. Das Gebiss besteht aus 16 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet 1/1, 0/0, 0/0, 3/3. Die Füße der Vorderbeine enden in vier Zehen, die Füße der Hinterbeine in fünf Zehen.

Lebensweise

Die nachtaktiven Sumpf-Reisratten führen eine semiaquatische Lebensweise. Sie sind in der Regel in unmittelbarer Nähe eines Gewässers anzutreffen. Daher verwundert es kaum, dass Sumpf-Reisratten ausgezeichnete Schwimmer und Taucher sind. Habitate mit Riedgrasgewächsen (Cyperaceae) werden von den Tieren eindeutig bevorzugt. Sumpf-Reisratten beanspruchen ein Revier in einer Größe von 0,2 bis 0,4 Hektar. Die Reviere von Männchen und Weibchen können sich dabei durchaus überlappen. Die Siedlungsdichte liegt bei zwei bis fünf Tieren pro Hektar. Sumpf-Reisratten leben in ihren natürlichen Lebensräumen in Koexistenz mit zahlreichen anderen Nagetieren. Dazu gehört beispielsweise die Wiesenwühlmaus (Microtus pennsylvanicus) oder die Baumwollratte (Sigmodon hispidus). Sie leben sowohl in Lebensraum- als auch in Nahrungskonkurrenz zu diesen Tieren. Sumpf-Reisratten gelten als sehr reinliche Tiere. Ein nicht unerheblicher Teil ihrer aktiven Zeit wird für die Fellpflege aufgewandt. Kot und Urin werden an immer den gleichen Stellen abgelassen. Die Ruhephasen verbringen Sumpf-Reisratten in ihren Nestern. Die kugelförmigen Nester entstehen an geschützter Stelle in dichter Bodenvegetation aus Gräsern und anderen weichen Materialien. Meist dienen kleinere Vertiefungen oder natürliche Höhlen als Unterschlupf. Es kann auch vorkommen, dass eine Sumpf-Reisratte ein Nest eines am Boden brütenden Vogels übernimmt. Beliebt sind dabei die Nester der Zaunkönige (Troglodytes troglodytes).

Unterarten

Wissenschaftlicher Name Erstbeschreiber Vorkommen
Oryzomys palustris coloratus Bangs, 1898 südliches Florida
Oryzomys palustris natator Chapman, 1893 Florida
Oryzomys palustris palustris Harlan, 1837 nördliches Florida, Mississippi, Alabama, Kentucky, Tennessee, Georgia,
South Carolina, North Carolina, Virginia, Maryland, Pennsylvania
Oryzomys palustris planirostris Hamilton, 1955 Florida
Oryzomys palustris sanibeli Hamilton, 1955 Florida
Oryzomys palustris texensis Allen, 1894 östliches Texas, östliches Oklahoma, südöstliches Kansas, Arkansas,
Louisiana, südöstliches Missouri

Verbreitung

Sumpf-Reisratten sind im Osten, Südosten und Süden der USA weit verbreitet. Sie kommen insbesondere in Florida, Mississippi, Alabama, Kentucky, Tennessee, Georgia, South Carolina, North Carolina, Virginia, Maryland, Pennsylvania, Texas, Oklahoma, Kansas, Arkansas, Louisiana und Missouri vor. Sumpf-Reisratten bevorzugen ausgesprochen feuchte Lebensräume und sind daher vor allem in Sumpfgebieten, Mangroven, Feuchtwiesen, an Gewässern aller Art und lichten Feuchtwäldern anzutreffen. An Küstenlinien sind sie auch im Dünenbereich weit verbreitet. In semiariden Regionen treten sie eher selten auf, aride Habitate werden vollständig gemieden.

Prädatoren, Parasiten

Eulen (Strigiformes) wie die Schleiereule (Tyto alba) und der Streifenkauz (Strix varia) oder Greifvögel (Falconiformes) wie die Kornweihe (Circus cyaneus) gehören zu den wichtigsten Fleischfressern der Sumpf-Reisratte. In geringerem Umfang fallen die Tiere den Schlangen (Serpentes) wie zum Beispiel der Wassermokassinotter (Agkistrodon piscivorus) zum Opfer. Sie hat es vor allem im Wasser auf Sumpf-Reisratten abgesehen. Unter den Säugetieren (Mammalia) gelten Nordamerikanische Waschbären (Procyon lotor), Amerikanische Nerze (Mustela vison), Streifenskunks (Mephitis mephitis) und Rotfüchse (Vulpes vulpes) zu den natürlichen Fleischfressern.

Sumpf-Reisratten werden von zahlreichen Parasiten befallen. Zu den Endoparasiten gehören vor allem verschiedene Milben (Acari), Tierläuse (Phthiraptera) und Flöhe (Siphonaptera). Als Ektoparasiten treten eine Reihe von Fadenwürmern (Nematoda), Saugwürmern (Trematoda), Zungenwürmern (Pentastomida) und Kokzidien (Coccidia) auf.

Ernährung

Sumpf-Reisratten gehören zu den Allesfressern unter den Nagetieren (Rodentia). Es wird sowohl tierische als auch pflanzliche Nahrung zu sich genommen. Sie fressen neben Insekten (Insecta) auch Winkerkrabben (Uca), kleine Fische (Actinopterygii) und Schnecken (Gastropoda). An pflanzlicher Kost nehmen sie die Sämereien von Sauergrasgewächsen (Cyperaceae), Schlickgräsern (Spartina), Queller (Salicornia) und Quecken (Elymus) zu sich. Hin und wieder stehen auch Pilze aus der Gattung Endogone auf der Speisekarte. Auch Aas und die Eier von am Boden brütenden Vögeln (Aves) werden von den Sumpf-Reisratten keineswegs verschmäht. Der Anteil fleischlicher und pflanzlicher Nahrung hält sich in etwa die Waage. Auf Nahrungssuche gehen die Tiere ausschließlich in der Nacht.

Fortpflanzung

Die Sumpf-Reisratte erreicht die Geschlechtsreife bereits im Alter von rund 50 bis 60 Tagen. Die Paarungszeit erstreckt sich in den meisten Verbreitungsgebieten über das ganze Jahr. Nur in den nördlichen Regionen erfolgt im Winter keine Aufzucht von Jungtieren. Die Geschlechter der Sumpf-Reisratten führen eine polygame Beziehung, sie kommen letztlich nur zur Paarung zusammen. Um die Aufzucht des Nachwuchses kümmert sich daher ausschließlich das Weibchen. Ein Weibchen bringt nach einer Tragezeit von 24 bis 27 Tagen zwischen vier und sechs Jungtiere zur Welt. Die Geburt erfolgt im schützenden Nest. Während einer Saison kann es dabei zu drei bis fünf Würfen kommen. Sumpf-Reisratten gelten daher als ausgesprochen fruchtbar. Der nur wenig entwickelte Nachwuchs kommt sowohl nackt als auch blind auf die Welt, ihr Geburtsgewicht beträgt rund drei bis vier Gramm. Die Jungtiere wachsen jedoch sehr schnell heran und öffnen ihre Augen zwischen dem achten und dem elften Tag. Bereits im Alter vom 12 oder 13 Tagen erfolgt die Entwöhnung von der Muttermilch. Die Vibrissen wachsen ab dem fünften Tag. Ausgewachsen sind Sumpf-Reisratten im Alter von drei Monaten. Aufgrund der zahlreichen Fleischfresser erreichen Sumpf-Reisratten selten das erste Lebensjahr. Unter günstigen Bedingungen ist ein Alter von gut zwei Jahren möglich.

Gefährdung und Schutz

Sumpf-Reisratten gehören noch nicht zu den bedrohten Arten. Jedoch ist seit Jahrzehnten zu beobachten, dass weitflächig Sumpf- und Feuchtgebiete zugunsten von landwirtschaftlichen Flächen und Siedlungsraum vernichtet werden. Nur in den Everglades in Florida ist der natürliche Lebensraum überwiegend intakt.

Anhang

Literatur und Quellen

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