Sumpfspitzmaus

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Sumpfspitzmaus

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Spitzmausartige (Soricomorpha)
Familie: Spitzmäuse (Soricidae)
Unterfamilie: Rotzahnspitzmäuse (Soricinae)
Gattung: Wasserspitzmäuse (Neomys)
Art: Sumpfspitzmaus
Wissenschaftlicher Name
Neomys anomalus
Cabrera, 1907

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Die Sumpfspitzmaus (Neomys anomalus) zählt innerhlab der Familie der Spitzmäuse (Soricidae) zur Gattung der Wasserspitzmäuse (Neomys). Im Englischen wird die Art Mediterranean Water Shrew oder Miller's Water Shrew genannt.

Die Sumpfspitzmaus ist leicht mit der nah verwandten Wasserspitzmaus (Neomys fodiens) zu verwecheln. Diese wird jedoch etwas größer und weist zudem eine stärkere Anpassung in Form eines gut ausgeprägten Schwimmborstensaumes an das Leben im und am Wasser auf. Zudem ist der Schwanz bei der Sumpfspitzmaus deutlich kürzer als bei der Wasserspitzmaus.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die relativ große Sumpfspitzmaus erreicht eine Kopf-Rumpflänge von 6,8 bis 8,8 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 5,4 bis 6,3 Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 1,6 bis 1,7 Zentimeter sowie ein Gewicht von 7,5 bis 16,5 Gramm. Die kleinen und rundlich geformten Ohren liegen vollständig im Fell verborgen. Die Hinteren Füße sind mit einen Schwimmborstensaum versehen, was eine Anpassung an den Lebensraum Wasser und wassernahe Bereiche darstellt. Das samtig dichte Fell weist dorsal eine dunkelbraune bis schwarzbraune, zuweilen auch eine anthrazitfarbene Grundfärbung auf. Die Schwanzunterseite und das ventrale Fell sind weißlich bis silbergrau gefärbt. Die lange Schnauze ist wie bei allen Spitzmäusen spitz zulaufend. Die Zahnspitzen sind wie bei allen Rotzahnspitzmäuse (Soricinae) rötlich gefärbt. Die Rotfärbung entsteht aus der Ablagerung von Eisen im Zahnschmelz.

Lebensweise

Sumpfspitzmäuse sind weniger stark als andere Wassermäuse ans Wasser gebunden. Vom Lebensraum her sind sie daher deutlich flexibler, da selbst kleine Feuchtbiotope als Lebensraum dienen können. Bei Nahrungsknappheit kommt es zu häufigen Wanderungen in andere Lebensräume. Über das Sozialverhalten ist nur wenig bekannt. Man geht jedoch davon aus, dass Sumpfspitzmäuse nur wenig territorial und recht verträglich untereinander sind. Dennoch leben die Tiere überwiegend einzelgängerisch. Sie sind sowohl am Tage als auch in der Nacht aktiv. Während der Ruhephasen halten sich die Sumpfspitzmäuse in Erdbauten auf, die entweder selbst gegraben oder von anderen Nagern übernommen wurden. Die Sumpfspitzmaus gilt als ausgezeichnete Schwimmerin und Taucherin. Aufgrund einer dünnen und hoch isolierenden Luftschicht bleibt die Sumpfspitzmaus dabei weitestgehend trocken. Die von besonders strukturierten Grannenhaaren gehaltene Luft umgibt die Maus wie eine Art Taucherglocke. Im kalten Wasser schützt die Luftschicht die Sumpfspitzmaus zudem vor Unterkühlung.

Verbreitung

Sumpfspitzmäuse sind im Wesentlichen in Mitteleuropa, ostwärts bis Kleinasien verbreitet. Laut IUCN erstreckt sich das Verbreitungsgebiet über Albanien, Österreich, Belgien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Tschechien, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Italien, Liechtenstein, Mazedonien, Montenegro, Polen, Portugal, Rumänien, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Schweiz, Türkei und die Ukraine. Die Tiere kommen meist in Mittelgebirgslagen bis in Höhen von etwa 2.000 Metern vor. Sie sind in den Pyrenäen, den Alpen, dem Kaukasus und dem Balkan anzutreffen. Zu den natürlichen Lebensräumen zählen insbesondere feuchte und sumpfige Bergwälder, Moore und feuchte Wiesenhänge. Auch wenn die Sumpfspitzmaus nicht unmittelbar an das Wasser gebunden ist, hält sie sich häufig in unmittelbarer Nähe zu einem Gewässer auf. So werden beispielsweise auch Bach-, See- und Teichufer sowie sumpfige Wiesen besiedelt.

Prädatoren

Zu den natürlichen Fressfeinden der Sumpfspitzmaus zählen vor allem Eulen (Strigiformes) wie der Waldkauz (Strix aluco) und die Schleiereule (Tyto alba). Unter den räuberisch lebenden Säugetieren (Mammalia) zählt man Marderartige (Mustelidae) wie beispielsweise das Mauswiesel (Mustela nivalis) und Räuber ähnlicher Größe.

Nahrung: der Tauwurm (Lumbricus terrestris)
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Nahrung: der Tauwurm (Lumbricus terrestris)

Ernährung

Sumpfspitzmäuse ernähren sich räuberisch hauptsächlich von kleineren Wassertieren aller Art. Die Beutetiere werden sowohl im Wasser als auch auf dem Land erbeutet. Hier werden insbesondere Insekten (Insecta), Schnecken (Gastropoda), Regenwürmern (Lumbricidae) wie den Tauwurm (Lumbricus terrestris) sowie von Spinnentieren (Arachnida) gefressen.

Fortpflanzung

Sumpfspitzmäuse erreichen noch im Jahr der Geburt die Geschlechtsreife. Die Paarungszeit beginnt im Frühjahr und kann sich bis in den September erstrecken. In dieser Zeit kommt es üblicherweise zu 2 bis 3 Würfen. Die Geschlechter treffen sich im Wesentlichen nur zur Paarung, die Aufzucht des Nachwuchses obliegt ausschließlich dem Weibchen. Ein Wurf weist zwischen 4 und 10, selten auch mehr Jungtiere auf. Sie weisen bei der Geburt kaum 0,5 Gramm auf. Im Alter von 3 Wochen, spätestens zu Beginn der vierten Lebenswoche öffnen die Jungtiere ihre Augen. Die Jungen werden für knapp 6 Wochen gesäugt und sind kurz danach selbständig. Die Lebenserwartung liegt im Freiland bei 1,5 bis maximal 2 Jahren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Insgesamt gilt die Sumpfspitzmaus nicht als gefährdet und wird in der Roten Liste der IUCN daher als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. Lokal, insbesondere im zentralen Mitteleuropa, ist die Sumpfspitzmaus jedoch durchaus gefährdet. Die Hauptgefahren gehen durch die Verbauung und Trockenlegung potentieller Lebensräume sowie von der Belastung des Nahrungsangebotes mit Pestiziden und Insektiziden aus. Über die genauen Bestandszahlen und Entwicklungstendenzen ist in weiten Teilen des großen Verbreitungsgebietes insgesamt nur wenig bekannt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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