Taiwan-Serau

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Taiwan-Serau

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Ziegenartige (Caprinae)
Gattung: Seraue (Capricornis)
Art: Taiwan-Serau
Wissenschaftlicher Name
Capricornis swinhoei
Gray, 1862

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Taiwan-Serau (Capricornis swinhoei) zählt innerhalb der Familie der Hornträger (Bovidae) zur Gattung der Seraue (Capricornis). Im Englischen wird der Taiwan-Serau Taiwan Serow oder Formosan Serow genannt. Die Art ist mit dem Japanischen Serau (Capricornis crispus) verwandt und spaltete sich wahrscheinlich während der letzten Eiszeit vor rund 16.000 Jahren ab. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Taiwan-Serau erreicht je nach Geschlecht eine Körperlänge von 140 bis 175 Zentimeter, eine Schulterhöhe von 85 bis 94 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 10 bis 15 Zentimeter, eine Hornlänge von 15 bis 20 Zentimeter sowie ein Gewicht von 40 bis 100 Kilogramm. Innerhalb der Gattung der Seraue ist der Taiwan-Serau die kleinste Art. Weibchen bleiben kleiner und leichter als Männchen. Das dichte und weiche Fell weist eine braune bis schwarzbraune Färbung auf. Das Kinn sowie der Hals und der Nackenbereich sind meist gelblichbraun gefärbt. Die großen und spitz zulaufenden Ohren sitzen weit hinten, leicht seitlich am Schädel. Die Höner, die bei beiden Geschlechtern vorhanden sind, sitzen zwischen den Ohren und sind gerade geformt und nach hinten gerichtet. Sie weisen einen kreisrunden Querschnitt auf. Vor den Augen sitzen Drüsen, über die ein Sekret abgegeben wird, das der Reviermarkierung dient. Das Weibchen verfügt zum Säugen des Nachwuchses über 4 Zitzen.

Lebensweise

Taiwan-Seraue leben meist einzelgängerisch oder während der Fortpflanzungsperiode paarweise oder in kleinen Familiengruppen. Selten kommt es bei der Nahrungssuche auch zur Gruppenbildung. Beobachtet wurden Gruppen mit einer Stärke von vier bis acht Tieren. In Gefangenschaft werden die Tiere meist in kleinen Herden gehalten. Hier wurde beobachtet, dass in den Gruppen eine strikte Hierarchie herrscht und von einem dominanten Männchen angeführt wird. Taiwan-Seraue sind zwar tagaktiv, ihre aktivste Zeit weisen die Tiere jedoch in den frühen Morgen- und Abendstunden auf. Während dieser Zeit gehen sie auch auf Nahrungssuche. Nicht auszuschließen ist auch eine Nachtaktivität, da in Gefangenschaft auch in der Nacht Nahrung aufgenommen wird. Taiwan-Seraue sind zwar nicht sehr territorial, sie beanspruchen jedoch ein Streifrevier, das mit einem Sekret aus Körperdrüsen markiert wird. Dazu reiben sie sich meist an Bäumen oder Sträuchern, um ihre Duftspur zu hinterlassen. Der Taiwan-Serau ist ein ausgezeichneter Kletterer. Selbst in unzugänglichen Felsregionen bewegen sie sich trittsicher.

Verbreitung

Der Taiwan-Serau ist auf Taiwan, einer Insel vor dem chinesischen Festland endemisch. Hier sind die Tiere vor allem im Landesinnern in einigen Provinzen anzutreffen. Bevorzugter Lebensraum sind die schroffen Felsmassive bis in Höhen von gut 3.800 Metern über NN. Für gewöhnlich siedeln die Tiere in Höhen von 1.000 bis 2.000 über NN. Laub- und Nadelwälder in den gebirgigen Regionen bilden den Lebensraum und das Nahrungshabitat. Vor allem die alpinen Weiden werden vom Taiwan-Serau regelmäßig aufgesucht.

Prädatoren und Nahrungskonkurrenten

Ursprünglich galt vor allem der Nebelparder (Neofelis nebulosa) als Fleischfresser des Taiwan-Serau. Der Nebelparder ist auf Taiwan jedoch völlig verschwunden. Zu den Nahrungskonkurrenten zählen große Pflanzenfresser wie der Sambar (Rusa unicolor) oder auch der deutlich kleinere Chinesische Muntjak (Muntiacus reevesi). Die großen Pflanzenfresser treffen jedoch nur in wenigen Regionen, insbesondere in niedrigen Lagen aufeinander.

Ernährung

Junge Triebe von Nadelbäumen und Sträuchern sowie Gräser, Kräuter und Blumen gehören zur bevorzugten Kost des rein vegetarisch lebenden Taiwan-Serau. Die Nahrungssuche erfolgt sowohl in Wäldern als auch im offenen Bereich wie alpine Wiesen und Weiden. Gerne gefressen werden beispielsweise Brennnesselgewächse (Urticaceae), Knöterichgewächse (Polygonaceae), Spindelbaumgewächse (Celastraceae), Begonien (Begonia) und ähnliche Gewächse. Aufgrund ihrer Größe benötigen sie zwischen 2.000 und 2.500 Gramm an Nahrung pro Tag.

Fortpflanzung

Der Taiwan-Serau erreicht die Geschlechtsreife mit rund 2 bis 2,5 Jahren, In Gefangenschaft bereits mit 18 Monaten. Die Paarungszeit erstreckt sich in seinen natürlichen Lebensräumen von September bis Ende November oder Anfang Dezember. Taiwan-Seraus führen in der Regel eine monogame Saisonehe. Eher selten kommt es zu einer polygamen Lebensweise, bei der ein Männchen mehrere Weibchen begattet. Nach einer Tragezeit von 210 Tagen bringt das Weibchen an einer geschützten Stelle ein, sehr selten auch zwei Jungtiere zur Welt. Das Kalb wiegt bei der Geburt rund 1.300 Gramm und bleibt in der Regel ein Jahr im Familienverband. Bereits am ersten Lebenstag kann ein Jungtier den Eltern folgen. Die Säugezeit erstreckt sich über rund fünf bis sechs Monaten, jedoch nehmen Jungtiere bereits ab dem zweiten Lebensmonat zusätzlich feste Nahrung zu sich. Der Taiwan-Serau hat in Freiheit eine Lebenserwartung von acht bis zehn Jahren. In Gefangenschaft kann er durchaus auch ein Alter von 15 bis 20 Jahren erreichen.

Gefährdung und Schutz

Der Taiwan-Serau gehört heute zu den bedrohten Hirscharten. Die Hauptgründe sind in der Vernichtung der natürlichen Lebensräume und in der Bejagung zu suchen. Zudem sind endemische Tiere immer deutlich gefährdeter als Tiere mit einem großen Verbreitungsgebiet. In den felsigen Schluchten auf Taiwan kommen Taiwan-Seraue, vor allem unerfahrene und Jungtiere, beim Klettern in den Felsen ums Lebens. Sie stürzen entweder ab oder kommen bei einem Steinschlag ums Leben. In der Roten Liste der IUCN wird der Taiwan-Serau als gefährdet (VU, Vulnerable) geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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