Tansania-Dickschwanzskorpion

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Tansania-Dickschwanzskorpion

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Skorpione (Scorpiones)
Familie: Buthidae
Gattung: Parabuthus
Art: Tansania-Dickschwanzskorpion
Wissenschaftlicher Name
Parabuthus liosoma
(Ehrenberg, 1828)

Der Tansania-Dickschwanzskorpion (Parabuthus liosoma), auch unter dem Synonym Parabuthus leiosoma bekannt, zählt innerhalb der Familie Buthidae zur Gattung Parabuthus. Im Englischen wird der Tansania-Dickschwanzskorpion east african black-tipped thicktail scorpion oder african black-tipped scorpion genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Tansania-Dickschwanzskorpion erreicht eine Körperlänge von etwa 12,0 bis 14,0 Zentimeter und weist eine dunkel braungelbe Färbung mit einer dunkel gefärbten abgesetzten Schwanzspitze auf. Die Geschlechter lassen sich äußerlich leicht unterscheiden. Das Männchen ist in der Regel deutlich schlanker und länglicher gebaut. Gleiches gilt auch für die Gliedmaßen und die Scheren der Pedipalpen. Besonders deutlich werden die Unterschiede, wenn das Männchen und das Weibchen nebeneinander verglichen werden können. Wie alle Skorpione verfügt auch der Tansania-Dickschwanzskorpion über ein Paar Mittelaugen und über 2 bis 5 Paar Seitenaugen. Die Augen liegen im Bereich des Vorderkörperrückens. Der Sehsinn spielt jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Die Tansania-Dickschwanzskorpione gehören eher zu den Tasttieren.
Tansania - Serengeti Nationalpark
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Tansania - Serengeti Nationalpark
Spezielle Becherhaare dienen hauptsächlich der Orientierung und können selbst feinste Luftströmungen registrieren. Die empfindlichsten Becherhaare liegen im Bereich der Kiefertaster. Weniger empfindliche Tasthaare liegen auch an den Laufbeinpaaren und an den Mundwerkzeugen. Die vier Paar Fächertracheen liegen bauchseitig in den Körpersegmenten 9 bis 12. Der Stachel dient nicht nur als Waffe und dem Beutefang, sondern auch der Körperpflege sowie während der Balz, um den Partner zu stimulieren. Die Cheliceren setzen an der Stirnwand an und zeichnen sich durch auffällig lange und mehrfach gefaltete Gelenkhäute aus. Dadurch sind die Cheliceren sehr beweglich und können weit nach vorne geschoben werden. Die bauchseitigen Kämme, die während der Paarung eine große Rolle spielen, dienen Systematikern mitunter der Artunterscheidung, da sie meist eine arttypische Bauweise aufweisen. Die Kämme sind aus umgewandelten Hinterleibsgliedmaßen des neunten Körpersegmentes entstanden und bilden kompliziert gebaute Sinnesorgane. Derartige Kämme sind unter den Spinnentieren, ja sogar unter allen Gliederfüßern nur bei den Skorpionen vorhanden. Der Tansania-Dickschwanzskorpion ist in der Lage über sogenannte Stridulationsorgane Laute zu erzeugen, indem er mit seinem Stachel auf dem Rückenpanzer der ersten beiden Hinterleibssegmente kratzt. Im Übrigen stridulieren beide Geschlechter. Man geht davon aus, dass das Stridulieren der Partnerfindung und der Balz dient. Das Stridulieren kann aber auch Teil des Drohverhaltens sein. Abschließende Forschungen stehen hier jedoch noch aus.


Markantes Merkmal des Tansania-Dickschwanzskorpion ist zweifelsohne der Giftstachel am schwanzartigen Hinterleibsende. Der Stachel wird in der Regel über dem Rücken getragen, seltener auch seitlich nach vorne gebogen. Dies gilt sowohl während der Aktivitätsphasen als auch für die Ruhephasen. Der Stachel ist somit immer einsatzbereit. Nach hinten abgesenkt wird das Hinterleibsende nur selten. Allenfalls auf der Flucht senkt der Tansania-Dickschwanzskorpion sein Hinterleibsende ab. Anatomisch besteht der Stachel an der Basis aus einem mehr oder weniger blasenartig aufgetriebenen Gebilde und geht zur Spitze hin in einen dornenartigen Fortsatz über.
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Der Fortsatz ist meist leicht nach vorne gekrümmt. Im blasenartigen Teil des Giftstachels liegen zwei Giftdrüsen, die von Muskelsträngen umgeben wird. Durch Kontraktion dieser Muskeln wird das Gift durch den dornenartigen Fortsatz nach außen gepresst. Die Mündungen, von denen 2 vorhanden sind, liegen seitlich der Stachelspitze. Der Giftstachel dient dem Tansania-Dickschwanzskorpion in erster Linie als Waffe der Verteidigung, eher selten auch dem Beutefang. Beim Beutefang versucht er zunächst ein Beutetier mit den kräftigen Palpenscheren zu überwältigen. Ist die Beute zu groß oder ausgesprochen wehrhaft, so kommt der Giftstachel zum Einsatz. Er wird dorsal, über die Scheren hinweg in das Beutetier eingeführt. Handelt es sich bei einem Beutetier um ein gepanzertes Tier, so tastet der Tansania-Dickschwanzskorpion mit dem Stachel entlang der Chitinplatten und sucht nach einer weichhäutigen Verbindung zwischen den Chitinplatten. Erst jetzt wird ein Stich angesetzt. Es stellt sich die Frage, warum Tansania-Dickschwanzskorpion eher selten von seinem Gift Gebrauch macht. Der Grund liegt auf der Hand: Zum einen verfügt er über eine relativ geringe Giftmenge, zum anderen wird abgegebenes Gift nur langsam ersetzt. Das Ersetzen des Giftvorrates kann bis zu 4 Wochen dauern.

Lebensweise

Die Tansania-Dickschwanzskorpione sind in der Dämmerung und in der Nacht aktiv. Am Tage verstecken sich die Tiere unter Steine, in Felsspalten oder an ähnlich geschützten Stellen. Durch den dorsal abgeflachten Körper kommen Tansania-Dickschwanzskorpione auch in engste Spalten hinein. Ruhende Tansania-Dickschwanzskorpione sitzen mit angewinkelten Beinen in ihrem Versteck. Das schwanzartige Hinterleibsende ist dabei entweder eng an den Rücken gelegt oder schneckenförmig eingerollt. In der Lauerstellung gleicht der Tansania-Dickschwanzskorpion einem ruhenden Tier. Im Unterschied zu einem ruhenden Tier ist die Lauerstellung durch gespreizte Laufbeine und ein frei über den Rücken gehaltener Stachel geprägt.

Unterarten

Habitat im Sudan
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Habitat im Sudan
  • Parabuthus liosoma liosoma - (Ehrenberg, 1828)
  • Parabuthus liosoma dmitrievi - (Birula, 1903)

Verbreitung

Der Tansania-Dickschwanzskorpion kommt in Afrika vor, dazu zählen unter anderem Ägypten, Äthiopien, Kenia, Somalia, Sudan und Tansania. Des Weiteren ist der Tansania-Dickschwanzskorpion in Asien zu finden, dazu zählen Saudi Arabien und der Jemen. Die Habitate des Tansania-Dickschwanzskorpion sind die Wüsten und Halbwüsten, die Trocken-Savannen sowie die Trockengras-Landschaften. Dort sucht er Schutz unter Steinen oder in Felsspalten. Durch den dorsal abgeflachten Körper kommt der Tansania-Dickschwanzskorpion auch in engste Spalten hinein.

Ernährung

Tansania-Dickschwanzskorpione leben räuberisch, meist als Lauerjäger, von Gliederfüßern (Arthropoda) wie Insekten (Insecta), Spinnentiere (Arachnida) und Tausendfüßer (Myriapoda). Die Orientierung beim Beutefang erfolgt hauptsächlich über die Trichobothrien. Bei diesen Sinneshaaren handelt es sich um sehr lange Härchen, im Bereich der Scheren und der Taster. Ebenfalls der Orientierung dienen Chemorezeptoren an den Kämmen und den Laufbeinen. Ist ein Beutetier in Reichweite der Scheren, so packen diese blitzschnell zu. Ist ein Beutetier mit den Scheren gegriffen, so wird es zwischen den Palpen regelrecht zerquetscht. Größere Beutetiere oder sich vehement wehrende Beutetiere werden durch einen Stich mit dem Stachel außer Gefecht gesetzt. Ein Beutetier wird, nachdem es getötet wurde, von den Pedipalpen an die Cheliceren übergeben.
Habitat im Sudan
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Habitat im Sudan
Beim Fressvorgang arbeiten die Cheliceren auffallend alternierend. Einem Beutetier wird zunächst die Körperwand geöffnet. Aus dieser Körperöffnung holen die Cheliceren abwechselnd kleine Stücke Körpergewebe und führen diese dem Mundraum zu. Im Mundraum vorhandener Verdauungssaft sorgt für die Vorverdauung der Nahrung. Auch wenn Tansania-Dickschwanzskorpione lange Zeit ohne Wasser auskommen können, so trinken sie fast durchaus regelmäßig, wenn Trinkwasser zur Verfügung steht. In den zahlreichen Lappen der sechs Paare Mitteldarmblindschläuche kann reichlich Nahrung gespeichert werden. Daher können Tansania-Dickschwanzskorpione mit einer Mahlzeit große Mengen Nahrung aufnehmen. Die sonst quergefalteten, häutigen Seitenwände der normal breiten Hinterleibssegmente sind dann prall gespannt. Ein derart genährter Tansania-Dickschwanzskorpion ist problemlos in der Lage, bis zu einem Jahr zu fasten.

Fortpflanzung

Tansania-Dickschwanzskorpione erreichen die Geschlechtsreife durchschnittlich mit der siebten Häutung. Diese letzte Häutung vor dem Erlangen der Geschlechtsreife nennt man Reifehäutung. Das Alter beträgt dann etwa 2 bis 3 Jahre. Das Aufeinandertreffen der Geschlechter während der Paarungszeit erfolgt mehr oder weniger zufällig. Der eigentlichen Kopulation geht ein artspezifisches Vorspiel, dem sogenannten Paarungstanz, voraus. Im Zuge des Paarungstanzes stellt sich das Männchen vor dem Weibchen und richtet sein schwanzartiges Hinterteil auf. Diese Stellung geht mit ruckenden Bewegungen des schwanzartigen Hinterteils einher.
Habitat im Sudan
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Habitat im Sudan
Geht ein Weibchen auf das Paarungsritual ein, so stellt es den Hinterleib ebenfalls hoch erhoben auf. Auch hierbei kommt es zu den charakteristischen ruckenden und zuckenden Bewegungen des Hinterleibes. Im weiteren Verlauf der Balz greift das Männchen mit seinen Palpenscheren nach den Scheren des Weibchens und beide Partner bewegen sich an den Scheren haltend hin und her. Ein solcher Paarungstanz kann sich über bis zu einer Stunde oder mehr erstrecken. Unmittelbar vor der Paarung beugt das Männchen sein Hinterleibsende weit nach vorn und sticht das Weibchen mit dem Stachel zwischen die Gelenkhaut der Pedipalpen. Das Weibchen reagiert darauf mit einem symbolisiertem Abwehrverhalten. Das Weibchen wird immer näher an das Männchen herangezogen. Ist das Weibchen nah genug, so greifen die vorderen Beine des Männchens seitlich um den Körper des Weibchens und betrillert an deren Bauchseite die Kämme und die Geschlechtsöffnung. Nun setzt das Männchen eine Spermatophore ab, über die nun das Weibchen gezogen wird. Eine Spermatophore weist eine Länge von einem halben Zentimeter auf. Die bauchseitigen Kämme des Weibchens tasten am Boden nach der Spermatophore und führen diese zielsicher in die Geschlechtsöffnung. Während der Einführungsphase in die Geschlechtsöffnung wird der Kopf der Spermatophore abgerissen und die Spermien werden freigesetzt. Zu diesem Zeitpunkt trennen sich die Geschlechter. Sie lassen sich also an den Palpenscheren los und der Paarungsakt gilt als beendet.


Nach einer geglückten Übertragung der Spermien, beginnt die Trächtigkeit, die sich zumeist über einen Zeitraum von fünf bis acht Monaten erstreckt. Die Entwicklung der Eier erfolgt im Uterus des Weibchens. Das Weibchen bringt je nach Alter und Ernährungszustand zwischen 20 und 40 Jungtiere zur Welt. Die frisch geschlüpften Jungtiere weisen eine helle, meist weißliche bis cremefarbene Färbung auf.
Habitat in Tansania
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Habitat in Tansania
Im Grunde ähneln die Jungtiere zwar den adulten Tieren, jedoch weist der Körper andere Proportionen auf, die erst im Zuge der ersten Häutungen denen der adulten Tiere angeglichen werden. Insbesondere der Mittelleib ist aufgrund der Nahrungsvorräte deutlich größer. Ein weiterer Unterschied zu den adulten Tieren ist das Fehlen der Krallen an den Tarsen der Laufbeinpaare sowie das Fehlen der Behaarung. Bei den Tansania-Dickschwanzskorpionen zeigt sich eine ausgesprochen ausgefeilte Brutfürsorge. In der ersten Zeit werden die Jungtiere von der Mutter auf dem Rücken getragen. Den Rücken verlassen die Jungtiere erstmals nach ihrer ersten Häutung. Nach der ersten Häutung sind sie zudem voll entwickelt und weisen alle Merkmale der erwachsenen Tansania-Dickschwanzskorpione auf. Schutz suchen sie jedoch auch nach der ersten Häutung weiter auf dem Rücken der Mutter. Erst ab der zweiten Häutung lösen sich die Jungtiere nach und nach von der Mutter und werden selbständig. Ab der dritten Häutung ernähren sie sich selbständig und gehen auf die Jagd nach Beutetieren.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Klasse der Spinnentiere (Arachnida)
  • Hauptartikel: die Ordnung der Skorpione (Scorpiones)

Literatur und Quellen

  • Rainer F. Foelix, Biologie der Spinnen, Thieme, 1979 ISBN 313575801X
  • Prof. Dr. Irenäus Eibl-Eibesfeldt, Prof. Dr. Bernhard Grzimek, Prof. Dr. Otto Koehler, Prof. Dr. Otto Kraus, Prof. Dr. Bernhard Rensch, Prof. Dr. Peter Rietschel und Prof. Dr. Erich Thenius: Grzimeks Tierleben. Niedere Tiere. Erster Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
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