Tapezierspinne

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Tapezierspinne

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
Familie: Tapezierspinnen (Atypidae)
Gattung: Atypus
Art: Tapezierspinne
Wissenschaftlicher Name
Atypus affinis
Eichwald, 1830

LSID-Kennung
LSID: [urn:lsid:amnh.org:spidersp:000078]

Die Tapezierspinne (Atypus affinis), auch unter der Bezeichnung Gemeine Tapezierspinne bekannt, zählt innerhalb der Familie der Tapezierspinnen (Atypidae) zur Gattung Atypus. Im Englischen wird die Tapezierspinne purseweb spider genannt. Die Art ist monotypisch, demnach sind keine Unterarten bekannt.

Von der Arachnologischen Gesellschaft e.V. und in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) wird die Tapezierspinne zur Spinne des Jahres 2013 gewählt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Tapezierspinne ist eine recht große Spinne, denn das Weibchen erreicht eine Körperlänge von etwa 10,0 bis 15,0 Millimeter, wobei das Männchen etwas kleiner ist und eine Körperlänge von etwa 7,0 bis 10,0 Millimeter erreicht. Beide Geschlechter haben sehr große und mächtige Cheliceren (Kieferklauen), die fast so lang wie der Körper sind. Der Kieferklauenträger (Chelicerata) ist ebenfalls höher als der Körper. Auf der Unterseite des Kieferklauenträgers gibt es eine Reihe von groben Zähnen. Der Kieferklauenträger und die Giftklausen sind parallel nach außen gerichtet und werden zum Graben und Schneiden der Beute verwendet. Die Giftklauen bewegen sich vertikal, d. h. von oben nach unten und nach innen. Die Beine sind kurz und scharf. Die acht Augen befinden sich in einer kleinen kompakten Gruppe, die bis in die Mitte des vorderen Körpers reicht. Die Tapezierspinne hat zwei Paar Buchlungen, die als helle Flecken auf der Vorder der Unterseites des Abdomens sichtbar sind. Ferner weist die Tapezierspinne drei Paar Spinnwarzen auf, die an der Rückseite des Abdomens sitzen und etwas weiter nach vorn gerichtet sind. Des Weiteren sind sie viel länger als bei den meisten anderen Spinnen und bestehen aus drei unterschiedlich langen Segmenten. Die Außenfarbe ist braun. Durch die farblose Chintin-Decke scheinen der Körper und die Beine ein wenig semi-transparent zu sein. Das Männchen ist im Gegensatz zum Weibchen etwas dunkler gefärbt. Einige Exemplare sind zum Teil schwarz getönt. Ferner weist das Männchen einen kleineren Körper und längere Beine auf.

Lebensweise

Beutetier: Gemeiner Steinkriecher (Lithobius forficatus)
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Beutetier: Gemeiner Steinkriecher (Lithobius forficatus)

Die Tapezierspinne gräbt mit ihren kräftigen Cheliceren einen unterirdischen Fang- und Wohnschlauch. Der Fangschlauch ist etwa 13 bis 17 Zentimeter lang und der Wohnschlauch etwa 20 bis 45 Zentimeter lang. Der Eingang zur Wohnhöhle ist meist mit Heidekraut, Gräsern, Moosen oder mit alten Blättern bedeckt und sieht äußerlich wie ein Stück Wurzel aus. Das Weibchen verbringt die meiste Zeit in der Wohnhöhle. Das Männchen wandert nach der Reifehäutung auf der Suche nach einer potenziellen Partnerin umher, somit ist das Männchen daher weit weniger sesshaft. Beutetiere, die in der Nähe einer Wohnhöhle umherkriechen, können problemlos wahrgenommen werden. Ist ein Beutetier erspäht, wird es in hoher Geschwindigkeit überwältigt und mit einem Giftbiss außer Gefecht gesetzt. Die Tapezierspinne ist äußerst selten und scheu und verbringt den Großteil des Lebens in der Erdhöhle. Das Risiko von dieser Art gebissen zu werden ist sehr gering, da die Art sehr selten und auch scheu ist und auch nicht in unmittelbarer Umgebung des Menschen lebt. Das Weibchen kann ein Alter von etwa 5 bis 7 Jahren erreichen, während die Lebenserwartung des Männchens etwa 3 bis 4 Jahre beträgt.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet dieser Art erstreckt sich über ganz Europa. Sie kommt in Schweden, im Norden von Dänemark, Norwegen und im Süden von Schottland vor. Ferner ist die Art im Süden von Nordafrika, in Marokko, Algerien sowie im Osten von Weißrussland und in der Ukraine zu finden. Bevorzugt werden von der Tapezierspinne von der Sonne aufgeheizte, windgeschützte, nach Süden gerichtete, extrem steile Hänge.

Prädatoren

Beutetier: Landassel (Oniscus asellus)
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Beutetier: Landassel (Oniscus asellus)

In den nördlichen Ländern hat die Tapezierspinne kaum natürliche Feinde. In den südlichen Ländern zählen zu den natürlichen Feinden die Wegwespen (Pompilidae), die insbesondere Eier und Spiderlinge erbeuten. Auch Vögel (Aves) und Mäuse (Mus) zählen zu den natürlichen Feinden dieser Art.

Ernährung

Zu den Beutetieren der Tapezierspinne zählen unter anderem Bienen (Apiformes), Fliegen (Brachycera), Käfer (Coleoptera), Ameisen (Formicidae), Ohrwürmer (Dermaptera) und andere Insekten (Insecta), aber auch Asseln (Isopoda) und Tausendfüßer (Myriapoda). Die Beute wird ergriffen und mit einem Giftbiss gelähmt. Merkwürdigerweise bevorzugt diese Art besonders Asseln (Isopoda) und Tausendfüßer (Myriapoda). Die die meisten anderen Spinnen eher meiden. Gelegentlich verspeist die Tapezierspinne auch Regenwürmer (Lumbricidae).

Fortpflanzung

Im Herbst, von Ende August bis November, gehen die Männchen auf Suche nach einer potenziellen Partnerin. Gelegentlich gehen auch die Männchen erst im Frühling auf Partnersuche. Durch das Aufnehmen von Pheromonen des Weibchens, findet das Männchen zu seiner potenziellen Partnerin. Ist das Weibchen paarungsbereit, so kommt es zur Paarung. Die Paarung vollzieht sich innerhalb der Erdhöhle des Weibchens. Das Männchen hebt nun den Vorderkörper des Weibchens so weit nach oben, dass es mit den Bulben an die Geschlechtsöffnung der Unterseite des weiblichen Hinterleibs (Opisthosoma) gelangt und diese in die Geschlechtsöffnung einführen kann. Dort übergibt das Männchen das Samenpaket und trennt sich wieder vom Weibchen. Jedoch verweilt das Männchen noch eine zeitlang bei dem Weibchen in der Wohnhöhle. Nach erfolgreicher Paarung legt das Weibchen etwa 10 Monate nach der Paarung 80 bis 150 Eier. Das Weibchen produziert eine spezielle Tasche aus Spinnfäden. Die Tasche wird im oberen Teil nahe der Oberfläche platziert. Im Spätsommer schlüpfen die Spiderlinge und im folgenden Frühling, wenn die Spiderlinge die Selbständigkeit erreicht haben, verlassen sie die Erdhöhle des Weibchens. Das Weibchen scheint in der Lage zu sein, mehrere Generationen zu produzieren. Allerdings dauert es jedoch eineinhalb Jahre bis die Spiderlinge die Erdhöhle verlassen. Folglich dauert es fast zwei Jahre bis sich das Weibchen wieder mit einem Männchen verpaart.

Synonyme und Chresonyme nach Norman I. Platnick

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Tapezierspinne
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Tapezierspinne

Update 19. November 2011 <1>

  • Atypus donggukensis - Kim & Kim, 1996
  • Atypus thaleri - (Braun, 1963)
  • Oletera atypus - Walckenaer, 1805
  • Oletera atypa - Walckenaer, 1806
  • Atypus anachoreta - Ausserer, 1871a
  • Atypus blackwalli - Simon, 1873b
  • Atypus bleodonticus - Simon, 1873b
  • Atypus coriaceus - Simon, 1881e
  • Atypus cedrorum - Simon, 1889f
  • Atypus affinis - Chyzer & Kulczynski, 1897
  • Atypus affinis - Bösenberg, 1902
  • Atypus affinis - major Simon, 1909b
  • Atypus affinis - Simon, 1914a
  • Atypus affinis - Bristowe, 1933d
  • Atypus affinis - Ehlers, 1937
  • Atypus affinis - Locket & Millidge, 1951
  • Atypus affinis - Schenkel, 1953b
  • Atypus affinis - Wiehle, 1953
  • Atypus affinis - Hallander, 1958
  • Atypus affinis - Cohen, 1962
  • Atypus affinis - Braendegaard, 1966
  • Atypus affinis - Niculescu-Burlacu, 1968
  • Atypus affinis - Loksa, 1969
  • Atypus affinis - Kraus & Baur, 1974
  • Atypus affinis - Kraus, 1978
  • Atypus affinis - Roberts, 1985
  • Atypus affinis - Wunderlich, 1986
  • Atypus affinis - Schwendinger, 1990b
  • Atypus affinis - Heimer, 1990
  • Atypus affinis - Wunderlich, 1991
  • Atypus affinis - Heimer & Nentwig, 1991
  • Atypus affinis - Roberts, 1995
  • Atypus affinis - Roberts, 1998
  • Atypus affinis - Hendrickx et al., 2002
  • Atypus affinis - Almquist, 2005
  • Atypus affinis - Le Peru, 2011

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Rainer F. Foelix, Biologie der Spinnen, Thieme, 1979 ISBN 313575801X
  • [1] Platnick, Norman I. (20011): [urn:lsid:amnh.org:spidersp:000078], version 12.5. American Museum of Natural History.
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