Tapinauchenius gigas

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Tapinauchenius gigas

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
Familie: Vogelspinnen (Theraphosidae)
Unterfamilie: Aviculariinae
Gattung: Tapinauchenius
Art: Tapinauchenius gigas
Wissenschaftlicher Name
Tapinauchenius gigas
Caporiacco, 1954

LSID-Kennung
LSID: [urn:lsid:amnh.org:spidersp:002482]

Die Art Tapinauchenius gigas zählt innerhalb der Familie der Vogelspinnen (Theraphosidae) zur Gattung Tapinauchenius. Im Englischen wird die Art orange treespider tarantula genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Tapinauchenius gigas gehört mit zu den großen Arten aus dieser Gattung und erreicht eine Gesamtlänge von etwa 12 Zentimeter. Die Grundfärbung der Spinne ist rostrot. Typisch für die baumbewohnende Spinne ist der schlanke flache Körperbau, die nicht vorhandenen Brennhaare und die ausgedehnten Haftpolster an den Beinen. Die Coxen der Taster prolateral sind ohne Stridulationsorgan. Des Weiteren sind die hinteren Sternalsigillen sehr groß ausgeprägt und weisen eine ovale oder runde Form auf. Sie befinden sich nur wenig vom Sternumrand entfernt. Das Labium ist breiter als lang. Der Carapax weist eine etwas dunkel graubraune Färbung auf und ist mit einem Sternmuster versehen. Auf dem Opisthosoma zeigen sich dunkle Streifen und der letzte dieser Streifen ist dunkelorange. Die Tarsen sind dunkler getönt als die übrigen Beinsegmente. Das Männchen weist im Gegensatz zum Weibchen eine braune Färbung auf. Der Carapax wirkt etwas grau und das Opisthosoma weist eine rötliche Tönung auf. Das adulte Männchen besitzt unterhalb an dem vorderen Beinpaar Tibialhaken für die Paarung. Die Jungspinnen weisen einen schwarzen Carapax auf. Ferner ist das Opisthosoma rötlich gefärbt und mit schwarzen Streifen besetzt. Die Färbung der Jungspinnen ändert sich nach der letzten Häutung. Die Jungspinnen reifen sehr schnell heran. Das Männchen ist etwa mit 1,0 bis 1,5 Jahren geschlechtsreif und das Weibchen erreicht die Geschlechtsreife etwa mit 1,5 bis 2,5 Jahren.

Lebensweise

Tapinauchenius gigas lebt wie fast alle Vogelspinnen einzelgängerisch. Die baumbewohnende Vogelspinne kann sich aufgrund ihres flachen Körperbaus in Rissen und Spalten der Baumrinde aufhalten. Sie bewohnt aber auch kleine Baumhöhlen. Ihren Unterschlupf spinnt die Spinne nur leicht aus. Bei Gefahr läßt sich die Spinne direkt fallen und sucht am Waldboden ein Versteck auf. Die Art ist eine ruhige und friedliche Spinne, jedoch kann sie schnell klettern und auch springen.

Verbreitung

Tapinauchenius gigas kommt in Französisch-Guyana und in Venezuela vor. Sie lebt dort in den Regenwäldern. Die Temperaturen am Tag betragen dort etwa 25 bis 28 Grad Celsius und in der Nacht etwa 22 bis 24 Grad Celsius und die Luftfeuchtigkeit etwa 70 bis 80 Prozent. Die Spinne kann aufgrund ihrer Haftpolster an den Beinen sehr gut klettern und hält sich die meiste Zeit auf Bäumen auf.

Ernährung

Zum Nahrungserwerb verläßt sich Tapinauchenius gigas auf ihren Tastsinn. Nachts sitzt sie, mit dem Wohngespinst immer in Kontakt, vor ihrer Höhle und wartet auf Beute. Ihrer baumbewohnenden Lebensweise entsprechend erbeutet Tapinauchenius gigas häufig Frösche (Rana), Geckos (Gekkonidae), Eidechsen (Lacertidae), kleine Vögel (Aves) wie zum Beispiel Kolibris (Trochilidae) und andere kletternde oder fliegende Wirbeltiere.

Fortpflanzung

Bis zur Geschlechtsreife durchläuft Tapinauchenius gigas mehrere Häutungen. Bereits zu diesem Zeitpunkt webt das Männchen ein sogenanntes Spermanetz, in das es sein Sperma füllt. Dieses Sperma wird in die Bulben aufgenommen, indem das Männchen mit seinen Pedipalpen die Spermaflüssigkeit in die Bulben pumpt. Nun geht es auf die Suche nach einem Weibchen. Das Männchen ermittelt die Anwesenheit eines Weibchens, indem es die chemischen Substanzen (Pheromone) des Weibchens wahrnimmt. Hat das Männchen ein Weibchen ausgemacht, umwirbt das Männchen das Weibchen mit seinen Tastern durch kräftiges Trommeln und spasmodischen Bewegungen des dritten Beinpaares, teilweise trommelt das Männchen auch noch mit dem ersten und zweiten Beinpaar und prüft zugleich die Paarungsbereitschaft des Weibchens. Vermutlich wird die seismische Kommunikation über den Boden durch Stridulation einiger Organe produziert. Die durch das Trommeln ausgelösten Vibrationen (seismische, akustische Signale) werden über die Hörhaare wahrgenommen.

Nach ungefähr acht Wochen nach der Kopulation versiegelt das Weibchen die Zugänge des Nestes und webt mit Seide innerhalb des Nestes einen Eikokon. Ungefähr drei Monate nach der Kopulation legt sie etwa 100 bis 200 Eier im natürlichen Lebensraum in den Kokon ab. Während dieser Zeit betreibt das Weibchen Brutpflege. Im Innern des Eikokons durchlaufen die Nymphen mehrere Entwicklungsstadien, in denen sie sich zweimal häuten. Die Nymphen schlüpfen noch im Innern des Eikokons. Dies geschieht bereits nach drei Wochen. Nach insgesamt rund zehn Wochen schlüpfen die jungen Spiderlinge, wie sie nach dem Schlupf genannt werden. Die Spiderlinge wachsen nach dem Schlupf sehr schnell heran und können schon eine beachtliche Beinspannweite aufweisen. Sie häuten sich in der Folge alle zwei bis drei Wochen und leben in der ersten Zeit von Kleinstinsekten. Wenige Tage nach dem Schlupf verlassen sie das Nest. Die Spiderlinge sind während dieser Zeit sehr verletzbar. Das Weibchen dieser Art kann innerhalb eines Häutungszyklus häufig einen zweiten, manchmal sogar einen dritten Eikokon bauen. Allerdings schlüpfen meist weniger Spiderlinge als aus dem ersten Kokon.

Synonyme und Chresonyme nach Norman I. Platnick

Update 4. November 2008 <1>

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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