Tapire

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Tapire
Schabrackentapir (Tapirus indicus)

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Unpaarhufer (Perissodactyla)
Familie: Tapire
Wissenschaftlicher Name
Tapiridae
Gray, 1821

Tapire (Tapiridae) zählen innerhalb der Klasse der Säugetiere (Mammalia) zur Ordnung der Unpaarhufer (Perissodactyla). Es existieren heute noch 4 rezente Arten in der Gattung Tapirus. Diese sind die letzten 4 Arten einer alten Abstammungslinie, die ihren Ursprung vor 55 Millionen Jahren im frühen Eozän hat. Aus dieser Zeit stammen auch die ältesten fossilen Funde, die in Nordamerika gefunden wurde. Man geht davon aus, dass der bewegliche Rüssel der Schlüssel zum Erfolg war. Tapire gelten als die nächsten Verwandten der Nashörner (Rhinocerotidae). Gegen Ende des Paläogen trennte sich der gemeinsame Stamm.

Inhaltsverzeichnis

Evolution

Die heutigen Tapire weisen eine große Ähnlichkeit mit der ausgestorbenen Ordnung der Urhuftiere (Condylarthra) auf. Die Urhuftiere stellen einen Übergang von insektenfressenden Säugern zu höher entwickelten Huftieren dar. Diese Entwicklung wurde wahrscheinlich durch das trockner und kühler gewordene Klima ausgelöst. In der Folge entstanden pflanzenfressende Paarhufer mit effizienteren Verdauungssystemen. Der größte Vertreter dieser Tiergruppe war zu dieser Zeit Megatapirus augustus, der im östlichen Asien lebte und in etwa die Größe eines Pferdes auswies. Die ausgestorbene Gattung Protapirus mit den Arten P. bavaricus, P. cetinensis, P. obliquidens, P. simplex und P. validus lebte im Oligozän auch in Europa. Die ersten Vertreter der rezenten Gattung Tapirus tauchten erstmals im Miozän auf. Hierzu rechnet man insbesondere Tapirus veroensis, der im Pleistozän ausstarb, sowie die 4 rezenten Arten.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Je nach Art erreichen Tapire eine Körperlänge von 180 bis 250 Zentimeter, eine Ohrlänge von bis zu 12 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 5 bis 10 Zentimeter, eine Schulterhöhe von 75 bis 120 Zentimeter sowie ein Gewicht von 150 bis 300 Kilogramm. Tapire sind fast ausschließlich in der Nacht aktiv. Dies stellt eine Anpassung an die zahlreichen Fleischfresser und dem Menschen dar. In vom Menschen unberührten Regionen sind Tapire aber auch am Tage oder in der Dämmerung aktiv. Bergtapire sind für gewöhnlich nur am Tage aktiv. In ihrem Lebensraum sind Tapire aufgrund ihrer Färbung und Zeichnung sehr gut getarnt. Dies trifft vor allem auf Jungtiere zu, die eine charakteristische Streifung und Fleckung auf einem bräunlichen bis rotbraunen Untergrund tragen. Bei den adulten Schabrackentapiren zeigt sich dorsal ein markanter weißlicher Sattel, der bis zum Bauch reicht und auch das Hinterteil abdeckt, der restliche Körper ist dunkel gefärbt. So kann man vor allem in der Nacht seine Umrisse nur schwer erkennen.
Bergtapir (Tapirus pinchaque)
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Bergtapir (Tapirus pinchaque)
Bis auf den Bergtapir sind die anderen Arten im Wesentlichen nur kurz behaart. Beim Bergtapir zeigt sich eine recht lange und wollige Behaarung, die dunkelbraun bis schwarzbraun gefärbt ist. In seinem Lebensraum, Nebelbergwäldern, ist er so kaum auszumachen.

Der Sehsinn ist nur mäßig ausgeprägt. Scharf sehen können Tapire daher nur auf kurzen Entfernungen. Hoch entwickelt sind jedoch der Hörsinn und die olfaktorischen Sinne. Bereits frühzeitig können Fleischfresser wahrgenommen werden. Die Nahrung wird über den olfaktorischen Sinn lokalisiert. In Höhenlagen, besonders an steilen Hängen bewegen sich Tapire ausgesprochen trittsicher. Ihr Gleichgewichtssinn ist daher gut entwickelt. Steilhänge mit Neigungen von bis zu 70 Grad können mühelos erklommen werden. In ihrem Lebensraum befinden sich grundsätzlich Salzlecken, an denen sie notwendige Mineralien aufnehmen. Diese Plätze sind auch beliebte Treffpunkte während der Paarungszeit.

Das kräftige Gebiss der Tapire besteht je nach Art aus 42 bis 44 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet 3/3, 1/1, 4/3-4, 3/3. Sowohl die Molaren als auch die Prämolaren sind niederkronig, die Eckzähne weisen eine kegelartige Form auf. Die Schneidezähne sind meißelartig geformt. Zwischen den Eckzähnen und den Prämolaren zeigt sich ein deutlich sichtbarer Zwischenraum (Distema). Markantes Merkmal aller Tapire ist die rüsselartige Verlängerung der Oberlippe. Diese dient zum Greifen pflanzlicher Nahrung. Tapire weisen einen eher plumpen Körperbau auf. Dieser Eindruck wird durch die relativ kurzen Extremitäten unterstrichen. Gleichwohl sind die Extremitäten kräftig ausgebildet. Die Füße an den Hinterbeinen enden in 3 Zehen, die der Vorderbeine in 4 Zehen.

Lebensweise

Die Aktivitätsphase wurde bereits angesprochen. Zudem leben Tapire in der Regel einzelgängerisch und legen eine zurückgezogene und verschwiegene Lebensweise an den Tag. Während der Ruhephasen ziehen sich Tapire in dichte Vegetation zurück. Vor allem die Nähe zum Menschen wird strikt gemieden. Die Geschlechter treffen nur während der Paarungszeit aufeinander und trennen sich nach der Kopulation wieder. Tapire sind zwar territorial, die Reviere einzelner Individuen überlappen sich jedoch. Zu einem Aufeinadertreffen kommt es jedoch eher selten. Die Reviere weisen je nach Lebensraumqualität eine Größe von einigen Hundert Hektar bis einigen Quadratkilometern auf.

Verbreitung

Tapire sind heute nur noch in Mittelamerika sowie im nördlichen und zentralen Südamerika sowie in Südostasien verbreitet. Zu den natürlichen Lebensräumen zählen feuchte tropische Regenwälder und Grasland.
Guter Schwimmer: der Mittelamerikanische Tapir (Tapirus bairdii)
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Guter Schwimmer: der Mittelamerikanische Tapir (Tapirus bairdii)
Sie sind sowohl auf Meereshöhe als auch im Hochland bis in Höhen von gut 5.000 Metern über NN. anzutreffen. Der Flachlandtapir ist in Südamerika östlich der Anden vom nördlichen Kolumbien bis ins südliche Brasilien verbreitet. Der Bergtapir kommt in den gebirgigen Regionen von Kolumbien, Ecuador, und im nordwestlichen Peru vor. Der Mittelamerikanische Tapir ist in Mittelamerika von südlichen Mexiko bis ins nördliche Kolumbien anzutreffen. Der Schabrackentapir ist die einzige Art, die in Asien verbreitet ist. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Myanmar, Thailand, Malaysia sowie den Inseln Sumatra und Malay Peninsula. Er lebt wie die anderen 3 Arten in tropischen und subtropischen Regenwäldern.

Alle Arten bevorzugen die unmittelbare Nähe zu einem Gewässer und gelten als ausgezeichnete Schwimmer. Dies können Flüsse, aber auch Seen und größere Teiche sein. Aber auch überschwemmte Wälder gehören durchaus häufig zum Lebensraum der Tapire. Wasser und Schlammlöcher dienen vor allem der Körperpflege. In Schlammlöchern wälzen sich Tapire, um sich so lästige Parasiten zu entledigen. Gewässer dienen auch als Rückzugspunkt, wenn die Tiere von Fleischfressern bedroht werden. Die Lebensräume der Tapire weisen eine Niederschlangsmenge von 2.000 bis 4.000 mmm/Jahr auf und es herrscht eine relative Luftfeuchtigkeit von 75 oder mehr Prozent. Die durchschnittliche Temperatur liegt im Tiefland zwischen 25 und 30 Grad. In den Bergregenwäldern liegt die durchschnittliche Temperatur deutlich darunter.

Prädatoren und Parasiten

Prädator: der Jaguar (Panthera onca)
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Prädator: der Jaguar (Panthera onca)

Zu den natürlichen Fleischfressern der Tapire gehören insbesondere der Brillenbär (Tremarctos ornatus), der Jaguar (Panthera onca), der Puma (Puma concolor) und in Asien auch der Tiger (Panthera tigris). Schutz vor Fleischfressern suchen Tapire in dichter Vegetation, noch häufiger jedoch in Gewässern wie Seen und Flüssen. Mitunter sind Tapire aber auch im Wasser nicht sicher: Große Anakondas (Eunectes murinus) und Krokodile (Crocodilia) haben es vor allem auf Jungtiere oder juvenile Tiere abgesehen. Bekannte Parasiten sind beim Flachlandtapir beispielsweise Buisonella tapiri, Protozoen wie Balantidium coli und Blepharocorys spp. sowie Prototapirella spp. aus der Familie der Cycloposthiidae,

Ernährung

Tapire sind reine Pflanzenfresser. Zu ihrer bevorzugten Nahrung gehören beispielsweise Farne, Palmfrüchte und Palmherzen, Schachtelhalme, sowie die Blättern zahlreicher Strauch- und Baumarten. Weit oben auf der Speisekarte stehen verschiedenste Bromeliengewächse (Bromeliaceae) und deren Früchte. Dabei betätigen sich Tapire als eifrige Samenverbreiter und tragen so zu einem gesunden Wachstum im Regenwald bei.

Sehr gut erforscht sind die Ernährungsgewohnheiten beim Flachlandtapir. Auf seiner Speisekarten stehen zahlreiche Pflanzen und Früchte wie Mombinpflaumen (Spondias), Buriti-Palmen (Mauritia flexuosa), Kaschus (Anacardium), Goldpflaumengewächse (Chrysobalanaceae), Jenipapo-Baum (Genipa americana) oder auch Sapotengewächse (Sapotaceae).

Fortpflanzung

Tapire erreichen die Geschlechtsreife mit gut 3, spätestens jedoch im Alter von 4 Jahren. Weibchen sind etwa alle 2 bis 3 Monate brünftig. Während der Paarungszeit, die meist mit der Regenzeit beginnt, kommt es unter den Männchen zu teils heftigen Kommentkämpfen. Die anschließende Balz ist durch knurrende und pfeifende Geräusche beider Geschlechter und gegenseitiges Beschnuppern der Genitalien geprägt. Bei der eigentlichen Kopulation kommt es zu typischen Bissen in den Nackenbereich, in die Ohren und in die Flanken. Tapire leben polygam. Eine feste Paarbindung ist bei den Tieren nicht bekannt. Nach der Begattung trennt sich ein Paar wieder. Nach einer Tragezeit von 335 bis 439 Tagen bringt ein Weibchen ein, sehr selten auch zwei Jungtiere zur Welt. Der Nachwuchs kommt mit dem Kopf voran auf die Welt.
Flachlandtapir (Tapirus terrestris)
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Flachlandtapir (Tapirus terrestris)
Er ist bereits voll behaart, verfügt über geöffnete Augen und kann bereits kurz nach der Geburt der Mutter folgen. Das Geburtsgewicht liegt bei 3.200 bis 6.500 Gramm. Das erste Fell ist bräunlich bis rötlichbraun gefärbt und weist helle, meist weißliche Streifen und Flecken auf. Gesäugt wird der Nachwuchs für 6 bis 12 Monate. Ein Jungtier bleibt 1 bis 2 Jahre bei der Mutter. Die Lebenserwartung liegt bei 25 bis 30 Jahren.

Gefährdung und Schutz

Alle 4 rezenten Arten der Tapire gehören heute zu den gefährdeten oder gar stark gefährdeten Tierarten. Neben der Vernichtung der natürlichen Lebensräume trägt an dieser Situation vor allem die starke Bejagung durch Wilderer und die indigene Bevölkerung bei. Tapire hinterlassen auf ihre Wanderungen gut sichtbare Spuren in der Vegetation und auf dem Boden. Daher sind sie von Jägern leicht aufzuspüren. Das Fleisch landet auf den Tellern der einheimischen Bevölkerung, andere Teile der Tiere finden Käufer im internationalen Handel. In der Nähe des Menschen erkranken Tapire häufig an Krankheiten, die von den Haustieren der Menschen übertragen werden. Tapire haben dem offensichtlich nicht viel entgegenzusetzen. Das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) stellt die einzelnen Tapirarten in Anhang I oder II unter besonderem Schutz. Ein Handel mit Tieren oder Teilen der Tiere ist damit erschwert oder verboten. Die Bejagung geht trotz des Verbotes jedoch munter weiter. Eine der wenigen gesicherten Rückzugspunkte stellen heute Nationalparks dar. Aber auch hier ist der Lebensraum lokal durch Abholzung bedroht.

Systematik und Gefährdungsgrad der Tapire

Familie: Tapire (Tapiridae)

Gattung: Tapire (Tapirus)
Art: Flachlandtapir (Tapirus terrestris) - IUCN: VU - Vulnerable
Art: Bergtapir (Tapirus pinchaque) - IUCN: EN - Endangered
Art: Mittelamerikanischer Tapir (Tapirus bairdii) - IUCN: EN - Endangered
Art: Schabrackentapir (Tapirus indicus) - IUCN: VU - Vulnerable
Gattung: Eotapirus
Gattung: Protapirus
Gattung: Palaeotapirus
Gattung: Miotapirus
Gattung: Plesiotapirus
Gattung: Tapiravus
Gattung: Tapiriscus
Gattung: Megatapirus

Anhang

Literatur und Quellen

Links

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