Tarantel

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Tarantel
Typische Angriffshaltung

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Unterklasse: Micrura
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Teilordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Familie: Wolfspinnen (Lycosidae)
Gattung: Lycosa
Art: Tarantel
Wissenschaftlicher Name
Lycosa tarentula
Linnaeus, 1758

Die Tarantel (Lycosa tarentula), auch Apulische Tarantel genannt, zählt innerhalb der Familie der Wolfspinnen (Lycosidae) zur Gattung Lycosa. Erstmals beschrieben wurde die Art im Jahre 1758 von dem schwedischen Naturwissenschaftler Carl von Linné.

Im Englischen trägt sie den Namen tarantula. Der Name Tarantel stammt von dem Ort Tarent, Apulische Tarantel ist auf die Gegend Apulien zurückzuführen, Tarent liegt in Apulien (Italien).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Maße und Aussehen

Die Tarantel erreicht in der Regel eine Länge um die zwei bis drei Zentimeter in der Körperlänge, aber in einigen Literaturen werden auch Längen von um die vier Zentimeter angegeben. Mit diesen Längen ist die Tarantel die größte Art der Wolfsspinnen. Wie für die meisten Wolsspinnen typisch zeichnet sich auch bei der Tarantel ein heller, mittig zentrierter Streifen auf der dunkleren, grau bis schwarzen Kopfbrust (Cephalothorax) ab. Auf dem hellgrauen Hinterleib (Abdomen) zeigen sich deutlich dunkle und gewinkelte Streifen, die Seiten des Hinterleibs können dunkler sein. Die Beine der Tarantel können deutlich gestreift sein, was jedoch nicht zwangsläufig der Fall ist, denn die Streifen können auch sehr undeutlich sein. Die Tarantel besitzt zwei große und sechs kleine Augen, wobei die großen vor allem wärend der Jagd engesetzt werden und die kleinen wahrscheinlich nur Licht wahrnehmen.

Lebensweise und Fortpflanzung

Die Tarantel ist eine in der Regel nachtaktive Spinne und versteckt sich am Tage in einer Wohnröhre. Nachts kommt sie dann zur Jagd aus ihrem Versteck, man kann sie jedoch gelegentlich auch am Tage antreffen. Wenn man in ihrem Habitat eine Wohröhre findet kann man mit etwas Glück eine Tarantel daraus hinausschauen sehen, sie wird sich jedoch auf Grund der Erschütterungsempfindlichkeit schnell tief in die Röhre hineinfallen lassen. Will man die Spinne genauer betrachten, lässt sie sich leicht mit einem Grashalm herauslocken, doch Vorsicht ist mit den eigenen Fingern geboten, auch wenn das Gift nicht gefährlich ist.

Die Paarungsbereitschaft macht ein Männchen anhand des Geruchs aus. Hat sich ein Paar gefunden, führt das Männchen zur Befruchtung die mit Samen gefüllten Pedipalpen
Weibchen mit Jungtieren auf dem Rücken
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Weibchen mit Jungtieren auf dem Rücken
in die Geschlechtsöffnung des Weibchens, die Epigyne, ein, um dort das Samenpaket abzusetzen. Nach der Paarung trennt sich das Paar wieder und das Weibchen übernimmt das Austragen der Eier, dazu hält sie den Eikokon und später auch die Jungspinnen am Hinterleib feste und bewacht und verteidigt diese.

Toxizität, Tarantella

Die Tarantel verfügt, wie fast alle Spinnen, über Giftdrüsen und über einen Giftkanal, der die Chelizeren, die Fangklauen, mit den Giftdrüsen verbindet. Ein Biss der Tarantel ist so gut wie nie tödlich, wenn man nicht allergisch auf das Gift reagiert, und mit ärztlicher Hilfe ist selbst dann die Gefahr schwindend gering. Ein Biss kann jedoch sehr starke Schmerzen zur Folge haben, von Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Entzündungen, über Geschwülste mit oder ohne Blasenbildung, bis hin zu Angstzuständen und Bewusstlosigkeit reicht die Spanne an Symptomen. Tritt Bewusstseinsverlust ein, kann der Biss einer Tarantel lebensgefährlich sein. In einem Fall wurde eine Nekrose nachgewiesen. Zumeist treten jedoch nur Lokalsymptome wie Schmerzen, Schwellung und Juckreiz auf. Am häufigsten von Bissen geplagt sind die südeuropäischen Feldarbeiter, die barfuß auf den Feldern laufen. Als wirksame "Selbsthilfe-Gegenmaßnahmen" gelten angeblich äußerlich das Einreiben mit Kampferliniment, in der Bisswunde Salmiakgeist (unter 10%; volksmedizinisch und nicht zu empfehlen!), viel kaltes Wasser und heißen starken Kaffee trinken, wobei Wasser immer gut ist, und auch Fliedertee soll helfen. Ein Arztbesuch sollte jedoch nicht gemieden werden, wenn die Beschwerden zunehmen oder lange anhalten.

Der Name Tarantella ist auf den Ort Tarent in Apulien zurückzuführen. Der Sage nach soll der Biss einer Tarantel rasende Tanzsucht hervorrufen. Die Tarantella ist ein Volkstanz der Einheimischen und durch die Bisse der Tarantel soll sich dieser Volkstanz entwickelt haben bzw. ausgelöst worden sein. Man nimmt jedoch an, dass der Biss oft nur vorgetäuscht wurde. Es kann aber auch Verwechslungen mit Bissen der gefährlicheren südeuropäischen Latrodectus-Arten gegeben haben.

Verbreitung

Die Tarantel kommt in Teilen Südeuropas wie vor allem in Italien, aber auch in Frankreich und Spanien, vor. Dort besiedelt sie trockene Wiesen und Weiden, steinige Ödländer und Steinhalden.

Ernährung

Die Tarantel ernährt sich von allerlei Kleingetier wie Insekten (Insecta) und besonders Käfer (Coleoptera), von anderen Spinnen (Aranaea) sowie sehr kleinen Kriechtieren (Reptilien, Reptilia), Lurchen (Amphibia) und jungen Mäusen (Mus musculus). Die Tarantel geht, im Gegensatz zu einigen anderen Wolfspinnen wie der Piratenwolfspinne (Pirata latitans), nur an Land auf Jagd nach Beute, dabei klettert sie auch nicht. Sie geht aktiv auf Jagd und verlässt dazu auch ihr Versteck unter der Erde. Wolfsspinnen jagen in aller Regel überwiegend objektiv, sie orientieren sich also vor allem mit dem für Spinnen sehr guten Sehsinn, aber über den Boden und über ihre Haare sind sie in der Lage auch kleinste Vibrationen wahrzunehmen und so Jagd auf etwas größere Beute oder auf Beute auf Boden, der die Erschütterungen gut weiterleitet, zu machen. Wurde ein Beutetier erspät, springt die Spinne mit einem Satz auf das Beutetier und beißt blitzschnell zu und injiziert ihr für das Beutetier tödliche Gift. Dieses lößt die Beute innerlich auf, so dass die Spinne sie aussaugt, übrig bleibt nur die Haut oder der Chitinpanzer (Insektenpanzer aus Chitin) sowie die Knochen, sofern das Beutetier über welche verfügte.

Ökologie

Die Tarantel ist weder gefährdet, noch steht sie unter Artenschutz, auch die rote Liste des IUCN führt die Art nicht. Zu den Hauptgefährdungen dieser Spinne gehören neben den natürlichen Fleischfressern der Rückgang der Lebensräume und Pestiziede.

Die Tarantel wird unter der Drogenbezeichnung Lycosa tarentula, auch schlicht als Wolfsspinne oder Tarantula bezeichnet, in dem Heilkundegebiet der Homöopathie eingesetzt. Dazu wird als Grundsubstanz die gesamte Spinne zu einem Mittel verarbeitet, welches zum Beispiel bei Eierstockentzündungen, Kopfschmerzen und bei nervösen Herzbeschwerden eingesetzt werden kann. Dabei sind die häufigst angewandten Potenzen D6 bis D12.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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