Tarantulafalke

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Tarantulafalke
Männchen

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
Unterordnung: Taillenwespen (Apocrita)
Überfamilie: Wespen (Vespoidea)
Familie: Wegwespen (Pompilidae)
Unterfamilie: Pepsinae
Gattung: Pepsis
Art: Tarantulafalke
Wissenschaftlicher Name
Pepsis formosa
Say, 1832

Der Tarantulafalke (Pepsis formosa), auch als Tarantula-Wespe oder als Tarantula-Falke-Wespe bekannt, zählt innerhalb der Familie der Wegwespen (Pompilidae) zur Gattung Pepsis. Der Tarantulafalke verdankt seinen Namen wegen seiner tödlichen Jagdfähigkeit auf Vogelspinnen.

Die Wegwespen (Pompilidae), frühere Bezeichnung Psammocharidae, stellen eine einheitliche Familie dar. Mehrere tausend Arten sind aus allen Teilen der Welt bekannt. Über 250 Arten dieser Gattung wurden in Südamerika gefunden. Fünfzehn treten in den Vereinigten Staaten auf, davon leben neun vorwiegend in Wüsten. Der Tarantulafalke erscheint nur in den Gebieten, in denen auch Vogelspinnen leben. Er zählt zu den größten Wespen weltweit. Pepsis thisbe sieht dem Tarantulafalken zum Verwechseln ähnlich und ist sehr schwierig vom Tarantulafalken zu unterscheiden.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Weibchen des Tarantulafalken erreicht eine Körperlänge von bis zu 50 Millimeter. Die Körperlänge des Männchens beträgt etwa 35 Millimeter. Die Wespe wirkt im ganzen ziemlich robust. Der Körper weist eine metallisch glänzend schwarze Färbung mit langen hellen orangefarbenen bis rostfarbenen Flügeln auf. Die Färbung kann aber zwischen metallisch blau-schwarz und rot-schwarz oder auch mahagonifarben variieren. Die Hinterleibsringe sind ebenfalls blau-schwarz gefärbt. Die auffällig metallisch schimmernde Färbung der Wespe ist zugleich eine aposematische Färbung (Warnfärbung) für mögliche Fleischfresser und bedeutet, daß sie schmerzhaft, giftig und ungenießbar ist. In der Färbung ähnelt sie der Ameisenwespe (Dasymutilla klugii), auch Samtameise genannt. Nur einige wenige Tiere, dazu zählt unter anderem auch der Wegekuckuck (Geococcyx californianus), lassen sich von der Warnfärbung des Tarantulafalken nicht beeindrucken oder abschrecken und verzehren den Tarantulafalken mit Genuss ohne Nebenwirkungen. Kennzeichnend sind die auffällig langen, bedornten Beine, deren Klauen einen Strahlenkamm aus Borsten tragen, die beim Ergreifen, Festhalten und Verscharren der Beute optimal konstruiert und eine wichtige Rolle bei der Jagd spielen. Während des Fluges hängen die überlangen Beine baumelnd herunter. Die riesigen Flügel des Tarantulafalken erreichen eine beträchtliche Flügelspannweite bis zu zehn Zentimeter. Die Flügel werden beim Laufen schräg nach oben gestellt. Wie bei allen Wespen, so besitzt das Männchen des Tarantulafalken keinen Stachel und folglich jagt das Männchen auch nicht. Dafür ist das Weibchen mit einem stattlichen Stachel versehen. Der Stachel eines weiblichen Tarantulafalken kann bis zu sieben Millimeter lang sein. Die Antennen der Wespe weisen eine rötliche bis bläuliche Färbung auf. Die gekräuselten Antennen des Weibchens sind im Gegensatz zu den geraden Antennen des Männchens gebogen.

Lebensweise

Männliche Tarantulafalken führen ein faszinierendes und eigenständiges Leben. Sie harren stundenlang auf einem erhöhten Aussichtspunkt bis ein empfängnisbereites Weibchen vorbeifliegt. Während dieser Zeit ist das Männchen stark territorial und verteidigt das Revier vehement gegenüber Rivalen. Der Tarantulafalke ist trotz seiner leistungsfähigen Stiche nicht aggressiv. Die Wespe sticht nur zu, wenn sie berührt wird, sich bedroht fühlt, erregt ist, ihr Nest verteidigt oder eine Vogelspinne gesichtet hat. Der Stich eines Tarantulafalken gilt als der schmerzlichste Stich unter den Wespen, da das Gift innerhalb von Sekunden brennende Schmerzen verursacht. Die brennenden Schmerzen können bis zu drei Minuten anhalten. Zu Schwellungen wie nach einem Hornissen- oder Bienenstich kommt es allerdings nicht. Es ist nur ein tiefer Druckschmerz. Auch ist der Stich für den Menschen nicht lebensgefährlich. Die Wespe ist im Sommer während des Tages am aktivsten, obgleich sie die Hitze meidet.

Übersicht der Giftwerte

Asclepias speciosa
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Asclepias speciosa
Familie Trivialname Art LD50(mg/kg)
Mutillidae Ameisenwespe Dasymutilla klugii 71
Apidae Europäische Honigbiene Apis mellifera 2,8
Formicidae Ernteameise Pogonomyrmex maricopa 0,12
Vespidae Hornisse Vespa crabro 10
Pompilidae Tarantulafalke Pepsis formosa 38
  • LD=Letale Dosis
  • 50 steht für 50 Prozent, ist ein Mittelwert für eine tödliche Dosis eines Giftstoffes und wird in Milligramm angegeben
  • Bei einem niedrigen LD50-Wert folgt eine höhere Giftigkeit.


Unterarten

Verbreitung

Tarantulafalke (Pepsis formosa)
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Tarantulafalke (Pepsis formosa)

Den Tarantulafalken trifft man nördlich in Oregon, New Mexico und in den Colorado-Wüsten von Kalifornien den Vereinigten Staaten, in Mittelamerika wie Mexiko und südwärts bis nach Argentinien in Südamerika an. Er ist aber auch in sehr hohen Höhen anzutreffen. Beliebte Habitate des Tarantaulafalken sind trockene Hänge und trockene Ebenen. Der Tarantulafalke hält sich gerne an sonnigen Sandstellen auf.

Ernährung

Im Gegensatz zur Larve des Tarantulafalken, die zu den Fleischfressern gehört, und sich von der Körperflüssigkeit und den Organen der Rotblauen Vogelspinne (Grammostola iheringi) ernährt, nimmt der adulte Tarantulafalke nur den Nektar der Blumen sowie den Blütenstaub und die Säfte verschiedener Früchte zu sich. Besonders vernarrt ist der Tarantulafalke in Milkweed-Blumen wie zum Beispiel Asclepias speciosa, die Blume ist auch unter anderem eine wichtige Nahrungsquelle für den Tarantulafalken. Gelegentlich werden auch kleine Insekten verspeist, was aber selten vorkommt.


Fortpflanzung

Wie alle weiblichen Wegwespen so benötigt auch der weibliche Tarantulafalke eine Spinne, die als Wirt für seine Larve dient. Das Weibchen findet eine Vogelspinne über ihren gut ausgeprägten Geruchssinn. Hat das Weibchen eine Vogelspinne lokalisiert, so wird die handtellergrosse wehrhafte Vogelspinne überwältigt. Der Kampf geht dabei nicht immer zugunsten des Weibchens aus. Gelingt es der Vogelspinne, ihre giftgefüllten Kiefer in den Körper der Wespe zu schlagen, so ist der weibliche Tarantulafalke verloren. Geht der Kampf zugunsten des weiblichen Tarantulafalken aus, so wird das Opfer mit einem blitzschnellen Stich in die weichhäutige Verbindung zwischen Vorderkörper und Hinterleib oder in die Beinansätze paralysiert (gelähmt). Wodurch das eingespritzte Gift die schnelle Bewegungsunfähigkeit der Vogelspinne auslöst, ist noch völlig unklar. Früher glaubte man, die Wespe müsse dabei mit ihrem Stich das Nervenzentrum der Spinne treffen. Diese Auffassung wurde aber widerlegt. Es stellte sich nämlich heraus, dass eine Spinne auch dann gelähmt wird, wenn man ihr das Wespengift an einer beliebigen Stelle des Hinterleibs einspritzte. Ausschlaggebend ist wohl, dass das Gift in den Blutstrom gelangt.

Rotblaue Vogelspinne (Grammostola iheringi)
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Rotblaue Vogelspinne (Grammostola iheringi)

Eine Vogelspinne, die von dem weiblichen Tarantulafalken gelähmt wurde, lebt für gewöhnlich noch viele Wochen, das heißt, wenn die Vogelspinne nicht gleich von der Larve nach dem Ausschlüpfen verzehrt wird. Es wurde beobachtet, dass eine gestochene Spinne noch nach vier Monaten lebte. Hat ein weiblicher Tarantulafalke eine Vogelspinne erbeutet, so packt das Weibchen die Vogelspinne mit ihren Kiefern an einem Bein und schleppt sie im Rückwärtsgang fort. Die Beförderung der Beute erfolgt nie im Flug. Um die sperrige Last leichter ziehen zu können, kann es vorkommen, dass sie der Vogelspinne die langen Beine vom Körper abtrennt. Nur wenige Wegwespen wie die einheimische Blaugraue Wegwespe (Pompilus plumpeus) tragen die Spinne vorwärts laufend. Erst nach erfolgreicher Jagd beginnt der weibliche Tarantulafalke mit der Anlage eines Nestes. Das gelähmte Opfer wird vorübergehend an einer geeigenten Stelle versteckt. In der Nähe der versteckten Vogelspinne hebt dann das Weibchen an einem gut gewählten Platz eine Nestkammer aus, wobei ihre Vorderbeine im Wechseltakt schnell den Sand beiseite schaffen. Von Zeit zu Zeit überprüft das Weibchen die Vogelspinne. Ist das Nest fertiggestellt, so holt das Weibchen die Vogelspinne, um sie nach einem Griffwechsel an den Spinnwarzen in das Nest hineinzuziehen. Die bewegungslose Vogelspinne wird mit einem einzelnen Ei versehen und dann durch Einreissen der Gangwände lebendig begraben. Am Ende verschliesst das Weibchen durch hämmernde Bewegungen mit ihrem Hinterleib den Nesteingang mit Sand. Nach dem Schlupf zieht die Wespenlarve in den Körper der noch lebenden Vogelspinne ein und ernährt sich von den Innereien der Spinne, das heißt die Larve frißt sich von innnen nach außen. Zusätzlich saugt die Larve die Körperflüssigkeit der Vogelspinne auf. In der Zeit stirbt die Spinne. Ist die Vogelspinne verzehrt, verpuppt sich die Wespenlarve in einen Puppenkokon und verläßt im nächsten Frühjahr den Kokon als voll entwickelter schöner, leistungsfähiger und tödlicher Tarantulafalke.

Literatur

  • Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben, Insekten, Band II. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München. Unveränderter Nachdruck der dtv-Ausgabe von 1979/1980 ISBN 3-423-05970-2
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