Tasmanischer Langnasenbeutler

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Tasmanischer Langnasenbeutler

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Beutelsäuger (Metatheria)
Überordnung: Australidelphia
Ordnung: Nasenbeutler (Peramelemorphia)
Familie: Eigentliche Nasenbeutler (Peramelidae)
Gattung: Langnasenbeutler (Perameles)
Art: Tasmanischer Langnasenbeutler
Wissenschaftlicher Name
Perameles gunnii
Gray, 1838

IUCN-Status
Near Threatened (NT)

Der Tasmanische Langnasenbeutler (Perameles gunnii) zählt innerhalb der Familie der Eigentlichen Nasenbeutler (Peramelidae) zur Gattung der Langnasenbeutler (Perameles). Im Englischen wird die Art Eastern Barred Bandicoot genannt.

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Die ältesten fossilen Funde der Tasmanischen Langnasenbeutler stammen aus dem Pleistozän und weisen ein Alter von rund 19.000 Jahren auf. Sie wurden auf den Hunter Islands nördlichen von Tasmanien gefunden. Jüngere Funde stammen von den Prime Seal Island und wurden auf ein Alter von 8.000 bis 17.000 Jahren datiert. Spätpleistozäne Fossilien wurden im südöstlichen South Australia gefunden. Weitere Funde stammen von den Flinders Island und aus New South Wales, dem westlichen Victoria und Tasmanien, die dem frühen Holozän zugeordnet werden.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Tasmanische Langnasenbeutler erreicht eine Gesamtlänge von 38,0 bis 47,7 (41,0) Zentimeter, eine Schwanzlänge von 6,3 bis 10,8 (8,7) Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 6,3 bis 8 (7,1) Zentimeter, eine Ohrlänge von 3,2 - 4,8 (4,0) Zentimeter sowie ein Gewicht von 750 bis 1.000 Gramm. Die auf Tasmanien anzutreffenden Individuen werden im Schnitt etwas schwerer. Weibchen bleiben nur unwesentlich kleiner und leichter als Männchen. Markantes Merkmal sind drei dorsolaterale gelblichbraune bis hellbraune Streifen. Das grobe Fell ist dorsal überwiegend dunkelbraun gefärbt, zuweilen auch mit einem leicht gelblichen Touch, der Kopf und die Körperseiten weisen eine gelblichbraune bis hellbraune Färbung auf. Ventral und im Bereich der Kehle und des Halses zeigt sich eine weißliche bis leicht gräuliche Färbung. Aufgrund der drei Streifen ist der Tasmanische Langnasenbeutler gut von den anderen Vertretern der Langnasenbeutler (Perameles) zu unterscheiden. Die Schnauze ist typischerweise spitz zulaufend. Das Gebiss besteht aus 48 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i5/3, c1/1, p3/3, m4/4.

Der Schädel ist ausgesprochen schlank und sitzt auf einem kurzen Hals. Die Schultern und die Vorderbeine sind kräftig und muskulös entwickelt. Die Füße sind hingegen schlank und schmal gebaut. Die erste und fünfte Zehe der Vorderfüße weisen keine Klauen auf, an der zweiten und dritten Zehe zeigt sich jeweils eine lange, kräftige und gebogene Klaue. Die Klaue der vierten Zehe ist reduziert. Die Füße der Hinterbeine weisen ebenfalls 5 Zehen auf, wobei die Klauen der einzelnen Zehen deutlich kleiner und stärker reduziert sind als an den Vorderfüßen. Nur die Klaue der vierten Zehe ist relativ kräftig entwickelt. Tasmanische Langnasenbeutler verfügen über 50 Wirbel, die sich in 7 Halswirbel (Cervical vertebrae), 13 Brustwirbel (Thoracic vertebrae), 6 Lendenwirbel (Lumbar vertebrae), 2 Kreuzbeinwirbel (Sacral vertebrae) und 22 Steißbeinwirbel (Coccygeal vertebrae) gliedern. Tasmanische Langnasenbeutler weisen 13 Paare Rippen auf, ein Schlüsselbein ist nicht vorhanden.

Lebensweise

Die nachtaktiven Tasmanischen Langnasenbeutler leben einzelgängerisch und die Geschlechter treffen nur kurz zur Paarung aufeinander. Die Aufzucht des Nachwuchses obliegt daher ausschließlich den Weibchen. Der Familienverband aus Muttertier und Jungtieren löst sich mit der Selbständigkeit des Nachwuchses auf. Die Reviere der Männchen sind mit rund 25 Hektar deutlich größer als die der Weibchen (3,2 Hektar) und überschneiden sich mit denen mehrerer Weibchen. Das Kernrevier eines Männchens weist dabei eine Größe von 4 bis 5 Hektar auf, bei den Weibchen 1,5 bis 2,5 Hektar. Je nach Lebensraumqualität ergibt sich daraus eine Siedlungsdichte von 0,35 bis 4,8 Tiere je Hektar. Während der Ruhephasen halten sich die Tiere in den meist selbst gegrabenen Erdbauten oder oberirdischen Nestern auf. Innerhalb des eigenen Reviers werden in der Regel mehrere Erdbauten unterhalten, von denen die meisten nur temporär genutzt werden. Trotz ihrer relativ kurzen Extremitäten sind Tasmanische Langnasenbeutler durchaus schnelle Läufer. Auch Sprünge bis zu einer Höhe von 1,5 Metern stellen kein Problem für die Tiere dar. Bei der Kommunikation und Orientierung spielt der olfaktorische Sinn (Geruchssinn) eine große, wenn nicht die entscheidende Rolle. Auch Beutetiere werden über den Geruchssinn lokalisiert. In ihrem Lebensraum leben Tasmanische Langnasenbeutler in Nahrungs- und Lebensraumkonkurrenz mit Kleinen Kurznasenbeutler (Isoodon obesulus).

Unterarten

Verbreitung

Tasmanische Langnasenbeutler sind auf Tasmanien und im Südwesten des australischen Bundesstaates Victoria endemisch. Viele Forscher gehen von 2 Unterarten aus, da die beiden Populationen seit rund 10.000 Jahren getrennt leben. Ursprünglich war die Art im südlichen Australien weit verbreitet, insbesondere in South Australia und Victoria. Bei den australischen Vorkommen handelt es sich heute nur noch um Reliktvorkommen. Tasmanische Langnasenbeutler leben im Grasland oder in lichten Wäldern mit grasigen Flächen. Die Vegetation zeichnet sich im Lebensraum der Tiere vor allem durch Süßgräser (Poaceae) wie Danthonia, Themeda, Pfriemengräser (Stipa) und Rispengräser (Poa) aus. Aber auch Liliengewächse (Liliacae), Korbblütler (Compositae) und ähnliches sind im Lebensraum zahlreich anzutreffen. Die durchschnittliche Vegetationshöhe liegt bei etwa 50 Zentimeter. An größeren Pflanzen sind zumeist Akazien (Acacia), Banksien (Banksia), Kasuarinengewächse (Casuarinaceae), Schleierfarne (Hymenophyllales) und Eukalypten (Eucalyptus) anzutreffen.

Prädatoren und Parasiten

Zu den natürlichen Fleischfressern gehören je nach Vorkommen Dingos (Canis lupus dingo), Schlangen (Serpentes), Rotfüchse (Vulpes vulpes), verwilderte Hauskatzen (Felis catus) und Haushunde (Canis familiaris). Ebenfalls zu den Fleischfressern gehören carnivore Beutelsäuger (Metatheria) wie Raubbeutlerartige (Dasyuromorphia), insbesondere Tüpfelbeutelmarder (Dasyurus viverrinus) oder der Riesenbeutelmarder (Dasyurus maculatus).

Neben den Prädatoren stellen auch Protozoen wie Toxoplasma gondii eine große Gefahr für die Tiere dar und bilden die Haupttodesursache sowohl in Freiheit als auch in Gefangenschaft. Der Erreger tritt auf Tasmanien und in Australien auf. An Ektoparasiten wurden bislang 4 Arten aus den Gattungen Haemolaelaps und Mesolaelap nachgewiesen sowie 2 Arten Zecken (Ixodida) wie Ixodes tasmani ein Vertreter der Sternadixodes. Flöhe (Siphonaptera) der Gattungen Pygiopsylla and Stephanocircus konnten ebenfalls identifiziert werden. Eine Langzeitstudie in den 90er Jahren über einen Zeitraum von 10 Jahre hat die Gründe der Mortalität erforscht. Demnach starben die Tiere aus folgenden Gründen: 63% Tod im Straßenverkehr, 18% Risse durch Katzen, 8% durch Krankheiten, 5% durch aufgestellte Fallen, 4% durch Landmaschinen wie Mähdrescher, und 2% Risse durch Haushunde (Dufty 1994).

Nahrung

Der Tasmanische Langnasenbeutler ist ein typischer Allesfresser. Er nimmt neben pflanzlicher Nahrung auch wirbellose Tiere zu sich. Unter den Beutetieren finden sich vor allem Regenwürmer (Lumbricidae). Je nach Jahreszeit stehen jedoch auch Insekten (Insecta) wie Schaben (Blattodea), Grillen (Gryllidae), Käfer (Coleoptera) und Schmetterlinge (Lepidoptera) sowie die Larven vieler Insekten auf der Speisekarte. Gefressen werden darüber hinaus auch Früchte und die Beeren von verschiedenen Rosengewächsen (Rosaceae). Die Nahrung wird üblicherweise zwischen die Vorderpfoten genommen und zum Maul geführt. Auf Nahrungssuche gehen Tasmanische Langnasenbeutler aufgrund ihrer Nachtaktivität fast ausschließlich in der Nacht.

Fortpflanzung

Tasmanische Langnasenbeutler erreichen die Geschlechtsreife mit 4 bis 6 Monaten und paaren sich für gewöhnlich ganzjährig. Die Paarungszeit ist demnach nicht an eine bestimmte Jahreszeit gebunden. Auf Tasmanien entfallen die Paarungen üblicherweise über den Herbst und den frühen Winter. Im australischen Bundesstaat Victoria fallen die meisten Geburten in die Regenzeit. Dies ist meist im Herbst der Fall. Die Tragezeit erstreckt sich über durchschnittliche 12,5 Tage, die Wurfgröße liegt zwischen 1 und 5 (2,5) Jungtiere. Der Östrus der Weibchen beträgt 26 Tage. Das Geschlechterverhältnis der Jungtiere liegt meist bei 1:1. Das Geburtsgewicht beträgt etwa 200 mg, die Körperlänge liegt bei 13,5 Millimeter, wobei der Kopf eine Länge von 5,75 Millimeter aufweist. Der Schwanz zeigt eine Länge von 3 bis 4 Millimeter. Unmittelbar nach der Geburt kriecht der nackte und rötlichpink gefärbte Nachwuchs über eine vom Weibchen geleckte feuchte Spur in den Beutel und saugt sich hier an eine der Zitzen fest. Die Augen öffnen sich nach 30 bis 35 Tagen, das Fell ist mit 35 bis 40 Tagen voll entwickelt. Nach etwa 55 Tagen verlassen die Jungtiere erstmals den Beutel, die Entwöhnung ist mit 70 bis 80 Tagen abgeschlossen. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Tasmanischen Langnasenbeutler liegt in Freiheit bei 2 bis 3 Jahre, in Gefangenschaft bei 5 bis 6 Jahre.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Die Populationen bzw. die Unterart auf dem australischen Festland gilt heute als kritisch gefährdet und steht kurz vor der Ausrottung. Die tasmanischen Populationen gelten als gefährdet (VU, Vulnerable) und werden als solches in der Roten Liste der IUCN geführt. Die Hauptursache für die starke Gefährdung liegt wahrscheinlich an den eingeschleppten Raubtieren wie den Füchsen und Katzen, die den Tieren massiv nachstellen. Das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) stellt die Art in Anhang I des Abkommens unter besonderem Schutz.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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