Beutelteufel

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Beutelteufel

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Beutelsäuger (Metatheria)
Ordnung: Raubbeutlerartige (Dasyuromorphia)
Familie: Raubbeutler (Dasyuridae)
Unterfamilie: Dasyurinae
Gattung: Sarcophilus
Art: Beutelteufel
Wissenschaftlicher Name
Sarcophilus harrisii
Owen, 1838

IUCN-Status
[[Least Concern] (LC) - IUCN

Der Beutelteufel (Sarcophilus harrisii) zählt innerhalb der Familie der Raubbeutler (Dasyuridae) zur Gattung Sarcophilus. Der Beutelteufel ist auch unter dem Namen Tasmanischer Teufel bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Beutelteufel erreicht je nach Geschlecht eine Körperlänge von 53 bis 65 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 20 bis 25 Zentimeter, eine Schulterhöhe von gut 30 Zentimeter sowie ein Gewicht von 6 bis 13 Kilogramm. Weibchen bleiben ein wenig kleiner und leichter als Männchen. Der Körperbau dieser kurzbeinigen Raubbeutler ist äußerst kräftig. Der Kopf ist groß und ist durch ein Maul gekennzeichnet, das weit aufgesperrt werden kann. Zudem sind die Kiefer kräftig ausgeprägt und können leicht selbst harte Knochen durchbeißen. Im Bereich der Schnauze zeigen sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen, die der Orientierung dienen.
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Die rundlichen Ohren liegen weit hinten seitlich am Kopf und weisen eine stehende Form auf, die relativ kleinen Augen sind nach vorne gerichtet. Das Fell ist im wesentlichen schwarzbraun bis schwärzlich gefärbt. Im Bereich der Kehle und am Hinterteil zeigen sich zumeist weißliche Flecken. Der Schwanz ist vollständig mit Fell besetzt. Er ist an der Wurzel ausgesprochen breit und verjüngt sich zur Spitze hin leicht.

Verhalten

Beutelteufel leben zumeist einzelgängerisch und sind nur während der Nacht aktiv. Die Geschlechter treffen meist nur zur Paarungszeit aufeinander. Am Tage halten sie sich in ihren Erdbauten oder an ähnlich geschützten Plätzen auf. Bei der Nahrungssuche kann es aber durchaus oft vorkommen, dass sich mehrere Beutelteufel an einem Fressplatz treffen und sich dort um die Beute streiten. Als territorial gelten Beutelteufel dabei aber keineswegs. Sie bewohnen kein festes Revier, sondern durchstreifen ein sogenanntes Streifrevier, das eine Größe von drei bis fünf Quadratkilometer aufweisen kann. In einem solchen Streifrevier halten sich üblicherweise mehrere Beutelteufel auf. Die Drohgebärden schließen lautes Knurren, Zähnefletschen und Fauchen mit ein. Nicht selten kommt es bei Auseinandersetzungen auch zu Beißereien. Der Geruchssinn ist äußerst gut entwickelt. Er leitet die Beutelteufel zielsicher zu ihrer Beute, die üblicherweise aus Aas besteht.

Verbreitung

Der Beutelteufel war einst auf dem Australischen Kontinent verbreitet. Aufgrund von fossilen Funden wurde festgestellt, dass der Beutelteufel hier vor rund 600 Jahren ausstarb. Wahrscheinlich überlebte er aufgrund der Bejagung durch die einheimische Bevölkerung und der Nachstellung der Dingos nicht. Heute ist der Beutelteufel nur noch auf Tasmanien, insbesondere im nördlichen Teil der Insel, anzutreffen. Tasmanien liegt vor der südöstlichen Küste Australiens. Der Beutelteufel gilt hier als endemisch. Es werden hauptsächlich leicht bewaldete Küstenregionen und landeinwärts auch bewaldetes Hügelland besiedelt. In der Nähe des Menschen ist der Beutelteufel aber auch auf landwirtschaftlichen Flächen anzutreffen. Als Unterschlupf dienen zumeist Baumhöhlen oder selbst gegrabene Erdhöhlen. In der Wahl seines Lebensraumes ist der Beutelteufel jedoch nicht wählerisch, solange er genug Nahrung findet. Letztlich hat der Beutelteufel auf Tasmanien nur überlebt, da eingeschleppte Fressfeinde wie Dingo fehlen. Die natürlichen Fressfeinde richten nur einen unbedeutenden Schaden unter den Tieren an.

Prädatoren

Fressfeind: Riesenbeutelmarder (Dasyurus maculatus)
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Fressfeind: Riesenbeutelmarder (Dasyurus maculatus)

Ausgewachsene Beutelteufel haben auf Tasmanien keine natürlichen Fressfeinde. Jungtiere fallen gelegentlich Greifvögeln wie Habichte und Milane (Accipitrinae) wie der Keilschwanzadler (Aquila audax) sowie größeren Eulen (Strigiformes) zum Opfer. Als ein hartnäckiger Gegner hat sich auch der Riesenbeutelmarder (Dasyurus maculatus) herausgestellt. In der Vergangenheit galt der heute ausgestorbene Beutelwolf (Thylacinus cynocephalus) als gefährlichster Gegner. Beutelteufel gelten als sehr wehrhafte und aggressive Tiere, die keinen Kampf mit einem Gegner scheuen und es auch mit größeren Tieren aufnehmen. Mit ihren kräftigen Kiefern können sie einen Angreifer mit Leichtigkeit schwer verletzen oder gar töten.

Ernährung

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Beutelteufel ernähren sich fast ausschließlich von Fleisch. Nur gelegentlich werden Knollen, Wurzeln, Beeren und Früchte gefressen. Aktiv auf die Jagd gehen Beutelteufel so gut wie nicht. Aber falls ihnen ein Frosch oder ein Reptil über den Weg läuft, verschmähen sie diese nicht. Die fleischliche Nahrung besteht zu einem großen Anteil aus Aas. Über ihren hoch entwickelten Geruchssinn werden Beutelteufel zu einem verendeten Tier beziehungsweise zu einem Kadaver geleitet. Die Größe des Opfers ist ihnen dabei egal. In der Regel handelt es sich um Schafe und Ziegen, Kängurus (Macropodidae), Kurzschnabeligel (Tachyglossus aculeatus), Fuchskusu (Trichosurus vulpecula) oder auch schon mal ein Nacktnasenwombat (Vombatus ursinus). Mit den kräftigen Kiefern können sie mühelos große Fleischbrocken aus einem Kadaver herausreißen. Gekaut wird kaum, mundgerechte Happen werden in der Regel im Ganzen verschlungen. Auch das Fell und die Knochen der Beutetiere werden dabei nicht verschmäht. Übrig bleibt am Ende so gut wie nichts. Eine Vorliebe für bestimmte Beutetiere hat der Beutelteufel nicht entwickelt, gefressen wird alles was fressbar ist.

Fortpflanzung

Beutelteufel erreichen die Geschlechtsreife mit gut zwei Jahren. Als einzelgängerisch lebende Tiere treffen die Geschlechter nur während der Paarungszeit aufeinander. Die Paarungszeit beginnt in den natürlichen Lebensräumen Ende März oder im April. Während dieser Zeit kommt es zwischen rivalisierenden Männchen zu heftigen Gefechten um das Paarungsrecht mit den Weibchen. Nicht selten enden solche Kämpfe tödlich. In einer Saison kommt es bei den Beutelteufeln nur zu einer Geburt. Die Tiere führen im Grunde eine polygame Lebensweise, da sich ein Männchen meist mit mehreren Weibchen paart. Auch bei der eigentlichen Paarung geht es sehr ruppig zu. Ein Männchen begattet ein Weibchen ausgesprochen gewaltsam und verlässt es kurz nach der Begattung wieder. Mit der Aufzucht des Nachwuchses hat er nichts weiter zu tun.

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Nach einer Tragezeit von lediglich 20 bis 22 Tagen bringt ein Weibchen zwei bis drei, selten auch bis vier Jungtiere zur Welt. Die Jungtiere sind nur wenig entwickelt und machen sich unmittelbar nach der Geburt auf den Weg in den Beutel der Mutter, wobei der Beutel der Mutter sich nach hinten öffnet. Hier saugen sich die Jungtiere an eine der vier Zitzen fest. Die Jungtiere verbleiben in den nächsten vier bis fünf Monaten im Beutel der Mutter. Ab diesem Zeitpunkt lässt sich der Nachwuchs das erste Mal blicken und erkundet bereits die nähere Umgebung. Ist die Mutter auf Nahrungssuche, so bleiben die Jungtiere alleine in der Höhle. Das endgültige Absetzen von der Muttermilch erfolgt spätestens ab dem sechsten Lebensmonat. Nun werden sie von der Mutter mit hochgewürgter Nahrung gefüttert. Im Alter von acht bis neun Monaten sind die Jungtiere selbständig und verlassen die Mutter. Die Sterblichkeit ist im ersten Lebensjahr besonders hoch. Viele der unerfahrenen Jugendlichen fallen Fressfeinden zum Opfer. In Freiheit kann ein Beutelteufel ein Alter von gut acht Jahren erreichen.

Ökologie

Seit jeher wurde der Beutelteufel von den Menschen verfolgt. Zunächst nur von den Eingeborenen und später von den Europäern, die Tasmanien besiedelten. Man sagte den Beutelteufeln nach, sie würden Haustiere wie Schafe und Geflügel töten und fressen. Vor allem Schafbauern stellten den Beutelteufeln jahrzehntelang massiv nach. Jedoch fallen Beutelteufel keine Schafe an, sondern machen sich nur über Kadaver her. Erst im Jahre 1941, kurz vor der Ausrottung der Beutelteufel, wurden die Tiere unter Schutz gestellt. Man hatte anscheinend aus den Versäumnissen beim Beutelwolf gelernt. Heute stellen die Vernichtung der natürlichen Lebensräume und Krankheiten wie DFTD (Devil Facial Tumour Disease) die größten Bedrohungen für die Populationen dar. DFTD ist eine Tumorerkrankung, die sich vor allem im Gesichtsfeld ausbreitet und zum Tode führt.

Beutelteufel gelten in ihren Lebensräumen als Gesundheitspolizei, da sie sich überwiegend von Aas ernähren und so die Umwelt sauber halten.

Gefährdung und Schutz

Im Jahre 1941 wurde der Beutelteufel unter Schutz gestellt. Noch rechtzeitig vor ihrer Ausrottung. Die Bestände erholten sich bis zum Ende des Jahrhunderts deutlich. In den letzten Jahren hat jedoch die Tumorerkrankung DFTD (Devil Facial Tumour Disease) im Osten Tasmaniens nahezu 50 Prozent der adulten Beutelteufel dahin gerafft. Vereinzelt ist die Krankheit auch schon in anderen Gebieten ausgebrochen. Momentan laufen die ersten Arterhaltungsmaßnahmen an. Man hat mehrere Zuchtgruppen gebildet, auf die im schlimmsten Fall zurückgegriffen werden kann. In der Roten Liste der IUCN wird der Beutelteufel als nicht gefährdet geführt. Jedoch ist die dramatische Entwicklung der Bestände seit 1999 noch nicht in den Gefährdungsgrad eingeflossen.

Anhang

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999

Links

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