Tasmankrähe

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Tasmankrähe

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Rabenvögel (Corvidae)
Tribus: Corvini
Gattung: Raben und Krähen (Corvus)
Art: Tasmankrähe
Wissenschaftlicher Name
Corvus tasmanicus
Mathews, 1912

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Tasmankrähe (Corvus tasmanicus) zählt innerhalb der Familie der Rabenvögel (Corvidae) zur Gattung der Raben und Krähen (Corvus). Im Englischen wird die Tasmankrähe forest raven genannt. Dieses Taxon wurde in zwei Spezies gesplittet: Corvus tasmanicus und Corvus boreus. Es gibt keine bekannten Unterarten, demnach ist die Art monotypisch.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Die Tasmankrähe zählt neben der Tasmankrähe erreicht eine Körperlänge von etwa 50,0 bis 52,0 Zentimeter. Zwischen dem Weibchen und dem Männchen besteht in Größe und Aussehen kaum ein nennenswerter Dimorphismus. Der gesamte Körper des Vogels weist ein glänzend schwarzes Gefieder auf. Die Tasmankrähe unterscheidet sich von den anderen Krähen durch den größeren Schnabel und den kürzeren Schwanz. Während der Mauser weist das Gefieder eine graue Färbung auf. Der kräftige Schnabel ist von einer schwarzen Tönung und die Iris der Augen zeigt eine weißliche Färbung. Während die Küken dagegen eine hellblaue Iris der Augen aufweisen. Ebenfalls sind die Extremitäten schwarz geschönt und enden in vier Zehen, von denen eine Zehe nach hinten zeigt und drei Zehen nach vorn zeigen. Bei der Fütterung der Nistlinge kann man deutlich einen rosafarbenen Schnabelgrund erkennen. Während der ersten Jahre weisen die Jungvögel im Allgemeinen eine graue Färbung auf. Die Geschlechtsreife erreicht die Tasmankrähe mit etwa drei Jahren.

Lebensweise

Die Tasmankrähe ist sehr scheu und fliegt sofort auf, wenn sich Menschen nähern. Sie ist ein ausgesprochen geselliger Vogel. Dies gilt sowohl während als auch außerhalb der Paarungszeit. Kern einer Gemeinschaft ist ein Familienverband. Mehrere Familiengruppen schließen sich zu Schwärmen zusammen. Während der Paarungszeit ziehen sich einzelne Familien in kleine Brutgebiete zurück, die an lose Kolonien erinnern. Männchen und Weibchen legen während der Paarungszeit ein territoriales Verhalten an den Tag.
Cradle Mountain - Tasmanien
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Cradle Mountain - Tasmanien
Die Partner bleiben ein Leben lang zusammen. Während der Nacht versammeln sich große Schwärme in Schlafbäumen, um gemeinsam Nachtruhe zu halten. Jungvögel und Altvögel ohne feste Paarbindung leben ganzjährig in größeren Gemeinschaften. Solch eine Gemeinschaft kann aus etwa 30 Individuen bestehen. Die Aufzucht des Nachwuchses erfolgt gemeinschaftlich, an der auch der Nachwuchs aus dem Vorjahr mit eingebunden wird. Der Nachwuchs wird sozusagen von den Altvögeln als Bruthelfer rekrutiert. Erst mit Erreichen der Geschlechtsreife verlassen die Jungvögel den Familienverband. Ein Brutareal umfasst in der Regel eine Größe von 0,5 Hektar. Die Nester von Nachbarn liegen also in Sichtweite. Am Tage spalten sich die Schwärme in kleine Familiengruppen auf oder die Vögel gehen einzelgängerisch auf Nahrungssuche. Die meiste Zeit des Tages wird für die Nahrungssuche und Nahrungsaufnahme aufgewandt. Tasmankrähen gehören wie alle Raben und Krähen zu den intelligentesten Vögeln überhaupt. Daher sind sie auch ausgesprochen anpassungsfähig und können sich geänderten Gegebenheiten schnell anpassen.

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN ist die Tasmankrähe im Südosten Australiens und in Tasmanien heimisch. Die Tasmankrähe kommt in folgenden Lebensräumen vor: Gemäßigte Wälder, subtropische und tropische Trockenwälder, subtropische und tropische feuchte Tieflandwälder, subtropisches und tropisches Grünland in höher gelegenen Lagen, Ackerland, Weiden, Plantagen sowie urbanisierte Flächen.

Ernährung

Hellyer Gorge, nordöstlich vom Savage River National Park - Tasmanien
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Hellyer Gorge, nordöstlich vom Savage River National Park - Tasmanien

Tasmankrähen gehören wie alle Raben und Krähen zu den Allesfressern. Gefressen wird alles was auch nur annähernd als fressbar erscheint. Es werden hauptsächlich kleinere Vögel (Aves), deren Eier, Muscheln (Bivalvia), Schnecken (Gastropoda), Nagetiere (Rodentia), Lurche (Amphibia), Reptilien (Reptilia), Fische (Osteichthyes), Krebstiere (Crustacea), Insekten (Insecta) und andere Gliederfüßer (Arthropoda) verspeist. Aas steht ebenfalls weit oben auf der Speisekarte. An pflanzlicher Nahrung werden beispielsweise Sämereien, Körner aller Art, Nüsse, Früchte und Beeren verzehrt. Tasmankrähen gehen hauptsächlich am frühen Morgen und am frühen Abend auf Nahrungssuche. Die Nahrungssuche erfolgt fast ausschließlich auf dem Erdboden. In den Bäumen werden allenfalls Nester ausgeraubt oder Früchte sowie Blütennektar der Eukalyptusbäume zu sich genommen. Auf Nahrungssuche geht die Tasmankrähe meist einzelgängerisch, nur selten sind kleine Gruppen zu beobachten. Der Nachwuchs wird überwiegend mit Insekten (Insecta) und deren Larven und anderen kleinen Fleischhappen gefüttert.

Fortpflanzung

Tasmankrähen erreichen die Geschlechtsreife mit etwa drei Jahren. In einer Saison kann es zu ein oder zwei Jahresbruten kommen. Männchen treffen in der Regel ein bis zwei Wochen früher als die Weibchen in den Brutgebieten ein und stecken als erstes ihr Brutrevier ab. Gebrütet wird in losen Kolonien. Jedoch gilt jedes Nest dabei als ein kleines Revier. Die Vögel leben in monogamer Einehe, die ein Leben lang hält. Die Balz ist beim Männchen durch hängende Flügel, Heben und Senken des Kopfes und ausgebreitetem Schwanz geprägt. Ganz ähnlich verhält sich das Weibchen, jedoch überwiegt bei ihr eine demütige Haltung. Der Nistplatz wird für gewöhnlich vom Weibchen gewählt. Die Nester werden meist in hohen Bäumen oder in größeren Sträuchern errichtet.
Avon River, südöstlich von Stratford, in Gippsland, Victoria, Australien
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Avon River, südöstlich von Stratford, in Gippsland, Victoria, Australien
Eher selten kann ein Nest auch an geschützter Stelle am Boden entstehen. Das Nest ist ein schalenförmiges Konstrukt und wird überwiegend aus kräftigem Reisig, Gräsern und anderen Pflanzenteilen gebaut. Der Auspolsterung dienen Federn, Tierhaare und weiche Pflanzenteile, Moose, Flechten, Federn und Tierhaare. Das Weibchen legt zwischen drei bis sechs Eier. Die durchschnittliche Brutzeit beträgt etwa 19 bis 21 Tage. Dabei wärmt ausschließlich das Weibchen die Eier. Das Männchen sorgt während dieser Zeit für Nahrung und Schutz. Der Schlupf der Küken erfolgt in der Regel innerhalb eines Tages. Die geschlüpften Küken werden in den ersten Tagen von der Mutter gehudert, da sie noch nackt und blind sind. Um die Nahrungsbeschaffung kümmern sich beide Altvögel. Flügge sind die Jungvögel nach rund sechs Wochen. Allerdings werden die Jungvögel etwa noch vier Monate von den Altvögeln mit Nahrung versorgt. Die Jungvögel bleiben meist bis zur nächsten Paarungszeit im Familienverband, einige Jungkrähen verdingen sich bei der nächsten Brut auch als Helfer.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN gehört die Tasmankrähe heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Sie ist in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt die Tasmankrähe selten oder nur spärlich vor. In der Roten Liste der IUCN wird die Tasmankrähe als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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