Taubenteiste

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Taubenteiste

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neornithes)
Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
Unterordnung: Charadrii
Teilordnung: Charadriides
Parvordnung: Charadriida
Familie: Alkenvögel (Alcidae)
Unterfamilie: Alcinae
Gattung: Cepphus
Art: Taubenteiste
Wissenschaftlicher Name
Cepphus columba
Pallas, 1811

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Taubenteiste (Cepphus columba) zählt innerhalb der Familie der Alkenvögel (Alcidae) zur Gattung Cepphus. Cepphus leitet sich vom griechischen Kepphus ab und bedeutet Seevogel, columba leitet sich vom lateinischen ab und bedeutet Taube. Die englische Bezeichnung der Taubenteiste lautet Pigeon Guillemot.

Die Taubenteiste ähnelt sehr der Gryllteiste (Cepphus grylle) und kann leicht mit dieser Art verwechselt werden. Die Gryllteiste (Cepphus grylle) wirkt allerdings etwas größer als die Taubenteiste, und die Brutgebiete beider Arten überlappen sich nicht. Das Brutverbreitungsgebiet der Gryllteiste (Cepphus grylle) reicht von den Küsten des Nordwestatlantiks bis ins russische Nordpolarmeer, jedoch nicht bis ins östlichste Sibirien, wo bereits die Taubenteiste auftritt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Die Taubenteiste ist ein mittelgroßer stämmiger schwarzer Vogel und erreicht eine durchschnittliche Körperlänge von etwa 32 bis 33 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 52 bis 58 Zentimeter und ein Gewicht von etwa 320 bis 485 Gramm. Zwischen dem Männchen und dem Weibchen besteht kaum ein nennenswerter Dimorphismus. Das Prachtkleid der Altvögel weist ein schwarzes Gefieder auf. Die Flügel zeigen große weiße Flecken und sind nur durch schwarze Streifen unterbrochen. Besonders im Flug sind die großen weißen Flügelflecken gut zu erkennen. In den weißen Flügelflecken ist ein kleiner dunkler Keil sichtbar. Markantes Merkmal bei beiden Geschlechtern sind die leuchtend roten Extremitäten und die mit Schwimmhäuten versehenen Füße sowie der korallenrote Schnabelgrund. Der Schnabel selbst ist lang, schwarz und spitz. Zu allen Jahreszeiten sind die Extremitäten, die Füße, der Schnabel und der Schnabelgrund gleich gefärbt. Im Winter weisen die Altvögel in ihrem Schlichtkleid zum Teil ein weißes Gefieder auf, besonders das Gesicht ist weißlich gefärbt, das zudem einen dunklen Augenstreif erkennen läßt. Der Rücken ist überwiegend dunkelbraun gesprenkelt, während die Flügel schwärzlich getönt und mit weißen Flecken versehen sind. Die Unterseite und die Flanken sind ebenfalls weißlich getönt. Die Jungvögel ähneln in ihrem jugendlichen Federkleid stark den Altvögeln, allerdings ist das Gefieder marmoriert und die Flügel sind mit weniger Flecken versehen. Des weiteren sind der Hals und der Schnabel der Jungvögel um einiges kürzer als bei den Altvögeln.

Lebensweise

Die Taubenteiste ist ein pelagischer Vogel. Bei der Nahrungssuche erbeutet sie zumeist ihre Beutetiere unter Wasser. Dabei liegt die normale Tauchtiefe zwischen 15 und 20 Meter und in Extremfällen kann sie aber auch von bis zu 50 Meter tief tauchen. Die Taubenteiste kommt nur zur Reproduktion an Land. Auch wenn die Taubenteiste sich überwiegend in küstenfernen Hochseeregionen aufhält, so kann die Taubenteiste an Land in aufrechter Position sehr gut laufen. Im Frühjahr zur Paarungszeit vollführen die Geschlechter einen spektakulären Wassertanz, indem sie für einige Sekunden eine Linie auf dem Wasser bilden und dann plötzlich ins Wasser eintauchen, sich unter Wasser jagen und dann blitzschnell wieder auftauchen und weiter schwimmen. Dabei bringen sie hohe Pfeiftöne oder auch zischende Laute hervor.

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Unterarten

Verbreitung

Im allgemeinen brütet die Taubenteiste nahe an felsigen Ufern entlang der Pazifikküste von Südalaska bis in den Süden von Kalifornien. Das Verbreitungsgebiet der Taubenteiste erstreckt sich von Kamtschatka bis nach Nordamerika. Im Winter zieht die Taubenteiste von Alaska zu den eisfreien Meereszonen im Süden. Die Populationen aus Kalifornien ziehen dagegen nach Norden in das Gebiet von British Columbia. Die Taubenteisten bevorzugen steile und felsige Küstenabschnitte. Hier brüten die Vögel in den Felsnischen, zwischen den Felsspalten und in natürlichen Höhlen.

Ernährung

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Die Tauchteiste ernährt sich hauptsächlich von Fischen in passender Größe. Dazu gehören insbesondere Sprotten (Sprattus), Sardellen (Engraulidae), Heringe (Clupeidae), Sandaale (Ammodytidae), Stinte (Osmeridae) sowie Groppen (Cottidae). Die Fische können dabei durchaus eine Länge von 12 bis 18 Zentimeter aufweisen. Darüber hinaus werden auch Schnecken (Gastropoda) und Muscheln (Bivalvia), Weichtiere (Mollusca), kleine Kraken (Octopoda), Krabben (Brachyura), Schwämme (Porifera), Krebstiere (Crustacea), Quallen sowie Würmer gefressen. Auch wenn der Schnabel ziemlich dünn wirkt, so ist der Schnabel der Taubenteiste doch kräftig genug, um selbst hartschalige Muscheln und Krebstiere zu knacken. Beutetiere werden tauchend gejagt. Die mit Schwimmhäuten versehenen Füße und die kurzen aber kräftigen Flügel dienen dem Vogel unter Wasser als Antriebsorgan, aber auch für die Steuerung. Die Nahrung wird zumeist bereits unter Wasser verschlungen. Bei den Tauchgängen können die Vögel durchaus Tiefen von bis zu 50 Meter erreichen. Normalerweise tauchen Taubenteisten in Tiefen zwischen 15 und 20 Meter. Die Tauchzeiten können leicht zwei Minuten erreichen.

Prädatoren

Die Hauptbedrohung stellen die Möwen (Laridae) dar, die die Nester der Taubenteisten plündern und zumeist das Gelege fressen. Des weiteren gehören zu den natürlichen Fleischfressern der Weißkopfseeadler (Haliaeetus leucocephalus), der Wanderfalke (Falco peregrinus) sowie der Nordamerikanische Fischotter (Lontra canadensis), die ebenfalls die Nester der Taubenteisten plündern.

Fortpflanzung

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Taubenteisten kommen meist schon im Februar oder im März in die Brutgebiete zurück. Während dieser Zeit kommt es nur zu einer Jahresbrut. Als Kolonienbrüter sind Taubenteisten in den Brutgebieten immer in großer Anzahl zu beobachten, manchmal von bis zu 50 Paaren. Es können sich aber auch kleine Brutkolonien oder auch nur einzelne Paare bilden, die dann alleine brüten. Das Nest wird zwischen Felsspalten, an Steilhängen, am Fuß von Felsklippen auf felsigen Insel in der Nähe von Salzwasser errichtet. Manchmal werden auch verlassene Bruthöhlen der Alkenvögel (Alcidae) bezogen. Es kommt auch vor, dass die Nester unter Eisenbahnschwellen oder in Lehmbänken der Puget Sound Region (Sund im Nordwesten des US-amerikanischen Bundesstaats Washington) gebaut und für viele Jahre benutzt werden. Bereits kurz nach der Kopulation legt das Weibchen ein bis zwei Eier. Die Eier weisen eine cremig bis hell blau-grüne Färbung auf, die mit grauen, braunen und grünlichen Flecken versehen sind. Mit Ablage des letzten Eies beginnt die eigentliche Brut, die über einen Zeitraum von 26 bis 32 Tage dauert und durch beide Partner gewährleistet wird. Nach dem Schlupf werden die Küken von dem Männchen und von dem Weibchen mit hochgewürgter Nahrung gefüttert. Später werden sie mit kleinen Fischen versorgt. Während der Nestlingszeit wandern die Jungvögel aber schon in der Nähe des Nestes umher. Normalerweise kriechen oder flattern sie nachts zum Wasser. Die Jungvögel sind in der Lage sofort zu schwimmen und zu tauchen. Etwa nach 29 bis 54 Tagen haben die Jungvögel die Flugfähigkeit erreicht und sind in der Lage längere Flüge zu unternehmen. Die Jungvögel ähneln in ihrem jugendlichen Federkleid stark den Altvögeln, allerdings ist das Gefieder marmoriert und die Flügel sind mit wenigen Flecken versehen. Des weiteren sind der Hals und der Schnabel der Jungvögel um einiges kürzer als bei den Altvögeln.

Gefährdung und Schutz

Die Taubenteiste gehört heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten und der Bestand ist somit gesichert. Das globale Verbreitungsgebiet der Taubenteiste erstreckt sich annähernd von über 1.000.000 bis 10.000.000 Quadratkilometern. Die Taubenteiste ist in weiten Teilen dieses großen Areals meist häufig anzutreffen, einschließlich geschätzte 470.000 Taubenteisten (del Hoyo et al. 1996). Die globale Population wurde jedoch bisher noch nicht ermittelt, aber die Populationen scheinen stabil zu sein (del Hoyo et al. 1996). In der Roten Liste der IUCN wird die Taubenteiste als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Anhang

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Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049

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