Teichmolch

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Teichmolch

Systematik
Klasse: Amphibien (Amphibia)
Unterklasse: Lissamphibia
Ordnung: Schwanzlurche (Caudata)
Unterordnung: Salamanderverwandte (Salamandroidea)
Familie: Echte Salamander (Salamandridae)
Gattung: Europäische Wassermolche (Triturus)
Art: Teichmolch
Wissenschaftlicher Name
Triturus vulgaris
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Teichmolch (Triturus vulgaris), auch unter dem Synonym Lissotriton vulgaris bekannt, zählt innerhalb der Familie der Echten Salamander (Salamandridae) zur Gattung der Europäischen Wassermolche (Triturus). Im Englischen wird der Teichmolch Smooth Newt geannnt.

Der Teichmolch wurde am 11. November 2009 von der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) in Kooperation mit dem NABU zum Lurch des Jahres 2010 gewählt.

Inhaltsverzeichnis

Evolutuion, Systematik

Die ältesten fossilen Funde von Salamanderverwandten (Salamandroidea) stammen aus dem Ladin im mittleren Trias, das die zweite Stufe des Mittleren Trias markiert. Die ältesten Funde weisen in etwa ein Alter von 235 Millionen Jahren auf. Jedoch sind die Funde eher lückenhaft und lassen mehr Fragen offen, als beantwortet werden. [1]

Der Teichmolch gehört zur Ordnung der Schwanzlurche (Caudata). Schwanzlurche sind eine von drei rezenten Ordnungen, zu denen neben den Schwanzlurchen noch die Froschlurche (Anura) und die Schleichenlurche (Gymnophiona) gehören. Namensgebend ist die Tatsache, dass alle Molche und Salamander über einen Schwanz verfügen. Die Länge des Schwanzes ist dabei variabel, nicht selten erreicht er eine Länge, die die Kopf-Rumpf-Länge übersteigt. Ein weiteres Merkmal sind die in etwa gleich langen Extremitäten. Einzige Ausnahme bilden hier die Armmolche (Sirenidae), denen die hinteren Gliedmaßen und die Beckenknochen fehlen. Die Extremitäten enden je nach Art in vier oder fünf Zehen. Insgesamt kennt man heute rund 450 rezente Arten. Der Teichmolch wird innerhalb der Ordnung der Schwanzlurche der Unterordnung der Salamanderverwandten (Salamandroidea) zugeordnet. Die Salamanderverwandten zeichnen sich durch eine innere Befruchtung über sogenannte Spermatophoren aus. Zudem sind die Wirbelkörper im Wirbelzentrum auf beiden Seiten konkav geformt (amphicoel). Den adulten Salamandern und Molchen fehlen die äußeren Atmungsorgane und die Gaumenzähne bilden auf den Pflugscharbeinen zwei Längsreihen, die etwa in Höhe der Nasenöffnung beginnen und nach hinten schräg auseinanderlaufen.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Teichmolche ist ein eher kleinbleibender Schwanzlurch, der eine Gesamtlänge von bis elf Zentimeter erreicht, meistens jedoch kleiner bleibt. Teichmolche sind wahre Leichtgewichte, denn sie bringen nur um die zwei Gramm auf die Waage. Sie weisen einen klaren Geschlechtsdimorphismus auf. Die Männchen sind auf dem Rücken und an den Flanken bräunlich, gräulich oder olivgrün gefärbt und mit zahlreichen großen dunklen, mehr oder weniger kreisrunden Flecken versehen. Die Weibchen sind hingegen eher sand- bis lehmfarben und tragen nur kleine dunkle Flecken.

weiblicher Teichmolch Landform
vergrößern
weiblicher Teichmolch Landform

Auf der Bauchseite ist das Männchen von der Mitte bis zu den Flanken abnehmend intensiv rot gefärbt. Die schwarzen großen Flecken setzen sich auch hier fort. Das Weibchen ist in diesen Bereichen gelb bis hellorange gefärbt, auch hier nimmt die Intensität von der Mitte nach Außen ab. Die kleinen schwarzen Flecken setzen sich auch beim Weibchen auf dem Bauch fort. Die Kloake des Männchens ist stets dunkel, die des Weibchens ist heller gefärbt als der Bauch. Der Teichmolch ändert sein Aussehen und seine Hautstruktur in den unterschiedlichen Lebensräumen, in denen er sich bewegt. Von Ende Februar bis Mai lebt der Teichmolch im Wasser, um sich fortzupflanzen. Man unterscheidet die Wassertracht und die Landtracht. In der Wassertracht sind die Farben intensiver, die Haut kann Wasser aufnehmen und ist glatt. In der Wassertracht trägt das Männchen einen Kamm, der vom Hals bis zur Schwanzspitze und von der Kloake bis zur Schwanzspitze gewellt und zackig verläuft. Der Kamm des Weibchens ist nur schwach ausgebildet. In der Landtracht sind die Farben etwas blasser, die Haut ist gekörnt und ausgesprochen rau. Die Haut ist während des Landaufenthaltes zum Schutz vor Austrocknung wasserabweisend. Beide Geschlechter tragen in der Landtracht keinen Kamm.

Lebensweise

Im März, oft auch schon Ende Februar, erwacht der Teichmolch aus seinem Winterschlaf. Zuerst erwachen die Männchen, etwas später folgen die Weibchen. Dann erfolgt die Wanderung zum Geburtsgewässer. Oft kommt es auch vor, dass der Teichmolch in ein neues Gewässer gelangt, in dem er sich zur Fortpflanzung einfindet. Dies ist wohl der Grund für die große Verbreitung dieser Art. Er ist auch als Kulturfolger bekannt. Nach der Laichzeit gehen Teichmolche wieder an Land. Im Oktober oder November ziehen sie sich dann zum Winterschlaf zurück, der in terrestrischen frostsicheren Unterschlüpfen vollzogen wird. Sie sind an Land vorwiegend nachtaktiv, bei feuchtwarmer Witterung aber auch tagaktiv. Sie halten sich jedoch grundsätzlich in Gewässernähe auf. Im Wasser lieben sie sonnendurchflutete, flache und ruhige Gewässer, in denen sie sich mit Ihrem Ruderschwanz wie Fische bewegen können. Der Boden ist in der Regel schlammig und mit krautigen Pflanzen besetzt. Hier können sie sich bei Gefahr blitzschnell zurückziehen. Der Winterschlaf wird an Land sowie auch im Wasser abgehalten. Entscheidend ist hierbei das jeweilige Entwicklungsstadium. An Land geben die Tiere Quaklaute von sich, wenn sie unsanft gepackt werden. Dies dient warscheinlich zur Verunsicherung von Fleischfressern.

Unterarten

Wissenschaftlicher Name Erstbeschreiber IUCN-Status Vorkommen
Triturus vulgaris ampelensis Fuhn, 1951 DD Östliche Karpaten, Siebenbürgen
Triturus vulgaris graecus Bolkay, 1927 LC Westlicher Balkan bis Griechenland
Triturus vulgaris kosswigi Freytag, 1955 LC Östliche Türkei, Anatolien
Triturus vulgaris lantzi Krasavtzev, 1940 DD Kaukasus
Triturus vulgaris meridionalis Boulenger, 1882 LC Italien bis Mittelitalien und nördlicher Balkan
Triturus vulgaris schmidtlerorum Thorn & Raffaëlli, 2000 LC Westliche Türkei
Triturus vulgaris vulgaris Linnaeus, 1758 LC Europaweit inklusive britische Inseln, südöstlich bis zum Balkan

Verbreitung

Der Teichmolch ist der am weitesten verbreitete der vier einheimischen Molcharten. Über ganz Deutschland ist er bis auf wenige Regionen sehr stark verbreitet.
Feuchtbiotop - Lebensraum
vergrößern
Feuchtbiotop - Lebensraum
Nur sehr lückenhaft kommt der Teichmolch in den Trockengebieten Frankens und der Bayrischen Alpen über 900 Meter NN. Der Umstand, dass sie in den Alpen nicht über 900 Meter NN vorkommen, ist wohl auch der Grund, dass die Zahlen in Östereich und der Schweiz rückläufig sind, da der Teichmolch die Alpen nicht überqueren kann. Die Verbreitung in Europa schließt nur die heißen und sehr kalten Bereiche wie Spanien und Portugal, im Süden Italiens und im Norden Skandinaviens aus. Er hält sich in der Landform gerne in naturnahen Gärten, in Parks, Entwässerungsgräben, in Hecken und an Waldrändern auf. Bewaldete Gegenden meidet er strikt. Der Teichmolch ist an sich sehr standorttreu und wird auf seiner Wanderung vom Laichgewässer 400 Meter Entfernung meist nicht überschreiten. Wird durch Umwelteinflüsse oder menschliche Eingriffe das Laichgewässer zerstört, suchen die Molche ein neues Gewässer auf. Dabei kann es gelegentlich zu Massenwanderungen kommen.



Prädatoren

Teichmolche sind in jedem Stadium vielen Gefahren ausgesetzt. Die Eier der Molche werden von Raubinsekten und manchmal auch von Artgenossen vertilgt, die Larven werden von Fischen (Pisces), dem Gelbrandkäfer (Dytiscus marginalis) und Libellenlarven gejagt. Die Jungtiere und die adulten Tiere werden vom Reiher (Ardeidae), Weißstorch (Ciconia ciconia), Enten (Anatinae), Möwen (Laridae), Hühnervögel (Galliformes), Ringelnatter (Natrix natrix), Ratten (Rattus), Katzen (Felis silvestris forma catus) und von räuberisch lebenden Fischen (Pisces) gejagt. Durch die Eingriffe des Menschen werden viele Biotope zerstört, oder die Wanderwege unpassierbar gemacht.

Ernährung

In der Wasserform ernährt sich der Teichmolch von Kleinkrebsen, aber auch von Froschlaich und Kaulquappen. Selbst Artgenossen werden dabei nicht verschont. In der Landform ernährt er sich nachtaktiv von Würmern wie dem Tauwurm (Lumbricus terrestris), kleinen Insekten (Insecta), Spinnentieren (Arachnida) und Schnecken (Gastropoda).

Fortpflanzung

Balz

Wenn die Teichmolche, meist im Februar, die Laichwanderung beginnen, machen sich zuerst die männlichen Tiere, kurze Zeit später dann auch die weiblichen Tiere auf den Weg zu den Laichgewässern. Dort beginnen sie mit einem komplizierten Balzritual, sobald die Wassertemperatur über fünf Grad Celsius steigt. Das Balzritual ist eine sehr schnelle Abfolge von Verfolgung und Riechen, indem sich das Männchen quer vor das Weibchen stellt, um sich zu präsentieren, dabei fächelt er ihr mit dem Schwanz Sexualduftstoffe entgegen. Dies wiederholt sich in einer festen Form bis es zur Begattung kommt. Die Begattung findet nicht im Körper statt. Durch Entgegenschwimmen zum Männchen zeigt das Weibchen Paarungsbereitschaft an. Daraufhin legt das Männchen eine Spermatophore auf den Grund ab und führt das Weibchen darüber. Von dem Weibchen wird dies mit der Kloake aufgenommen, womit dann die Begattung vollzogen ist. Es erfolgt also eine innere Befruchtung.

weiblicher Teichmolch Landform
vergrößern
weiblicher Teichmolch Landform

Eiablage

Das Weibchen kann sich bis zu sieben Mal mit verschiedenen Männchen paaren und legt dann bis in den Juni hinein einzelne Eier an Pflanzen ab. In Summe werden zwischen 200 und 300 Eier abgelegt. Sie nimmt mit den Hinterbeinen ein Blatt und formt es zu einer Tasche, in die dann ein einziges Ei abgelegt wird. Dieses Ei hat eine Anfangsgröße von etwa 1,5 Millimeter und kann bis zu vier Millimeter anschwellen.

Schlupf und Entwicklung

Aus diesen Eiern schlüpfen dann nach etwa 30 Tagen etwa sechs Millimeter lange Larven, die über Außenkiemen verfügen. Die Außenkiemen sitzen als kleine Büschel am Hinterkopf. Anfangs sind die Larven noch schwimmunfähig, bilden aber bald den Kamm am Ruderschwanz aus. Von da an ernähren sie sich räuberisch. Im Gegensatz zu den Froschlurchen bilden sich in den folgenden 10 Wochen zuerst die Vorderbeine und dann erst die Hinterbeine aus. Nach vollzogener Metamorphose bleibt der Jungmolch oft im Wasser und überwintert im ersten Jahr auch dort. Bis zur Geschlechtsreife, die im dritten Lebensjahr erreicht wird, werden von den bis zu 300 Eiern nur noch etwa 0,5 Prozent übrig bleiben, die restlichen Individuen fallen den Fleischfressern zum Opfer.

Ökologie

Der Teichmolch vertilgt vielerlei Insekten im Wasser und an Land, er trägt somit seinen Teil dazu bei, die Populationen von Schadinsekten zu regulieren. Bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von zehn Jahren sind das erhebliche Mengen. Auf der anderen Seite bilden Teichmolche die Nahrungsgrundlage für eine Reihe von Vögeln, die in Feuchtgebieten auf Jagd gehen.
Bauchansicht des weiblichen Teichmolches Landform
vergrößern
Bauchansicht des weiblichen Teichmolches Landform
Gerade für diese Vögel ist diese Nahrungsquelle von außerordentlichen Wichtigkeit, da sie sonst ihre Jungen nicht aufziehen könnten. Somit ist der Teichmolch ein wichtiger Teil im Ablauf des komplizierten Ökosystems Feuchtbiotop. Nur da, wo ein Feuchtbiotop in allen Nischen besetzt ist, wird die Nahrungskette geschlossen. In dieser Nahrungskette belegt der Teichmolch eine wichtige Rolle.

Gefährdung und Schutz

Der Teichmolch ist in Deutschland in der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) als besonders geschützt eingeordnet. Trotz des relativ hohen Aufkommens dieser Art, sind immer häufiger rückläufige Populationen zu beobachten. Dies rührt daher, dass immer mehr Feuchtflächen trockengelegt werden, um beispielsweise eine intensivere Landwirtschaft zu betreiben oder Feuchtbiotope in Anglerteiche umzuwandeln. Des weiteren werden Hecken und Knicks (Wallhecken) gerodet. Hinzu kommt noch, dass gebietsfremde Fische in Teichen oder Flüssen ausgesetzt werden und nicht zuletzt tragen die intensive Bebauung von Wohnsiedlungen und Strassen zur Zersiedelung von natürlichen Lebensräumen bei. Ebenso fallen viele Teichmolche auf der Laichwanderung dem Strassenverkehr zum Opfer. Langfristig wird diese Art nur in den Naturschutzgebieten eine Überlebenschance haben. Dass die Bestände in Österreich und in der Schweiz so stark rückläufig sind, liegt vermutlich an der durch die Alpen natürlichen Eingrenzung des Bestandes. Dies nennt man auch phylogeografisch. In Österreich gilt die Art mittlerweile als gefärdet und in der Schweiz als stark gefärdet.

Literatur und Quellen

  • [1] Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3
  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2

Qualifizierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge