Waglers Lanzenotter

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Waglers Lanzenotter
Männchen

Systematik
Klasse: Kriechtiere (Reptilia)
Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
Familie: Vipern (Viperidae)
Unterfamilie: Grubenottern (Crotalinae)
Gattung: Tropidolaemus
Art: Waglers Lanzenotter
Wissenschaftlicher Name
Tropidolaemus wagleri
(Boie, 1827)

Waglers Lanzenotter (Tropidolaemus wagleri), auch unter dem Synonym Trimeresurus wagleri und unter den Bezeichnungen Tempelotter sowie Waglers Tempelotter bekannt, zählt innerhalb der Familie der Vipern (Viperidae) zur Gattung Tropidolaemus. Im Englischen wird Waglers Lanzenotter bamboo snake, temple snake, temple pitviper, temple viper, temple pit viperoder, speckled pit viper und wagler's pit viper genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Männchen erreicht eine Körperlänge von etwa 75,0 Zentimeter, während das Weibchen eine Körperlänge von etwa 1,0 Meter erreicht. Markantes Merkmal bei dieser Art ist der große dreieckförmige Kopf mit einem relativ dünnen Körper. Waglers Lanzenotter ist fast ausschließlich ein Baumbewohner, indem der Schwanz als Greiforgan beim Hochklettern von Bäumen dient. Zwischen den Jugendlichen und Erwachsenen bestehen einige Unterschiede. Junge Schlangen sind eher schlank und lebhaft grün mit einer roten Linie gezeichnet. Diese Linie verläuft vom Kopf durch die rot gefärbten Augen und erstreckt sich dann als weißes-türkisfarbenes Band über die gesamte Länge des Körpers. Die Erwachsenen weisen einen etwas kräftigeren Körper auf und die Färbung dunkelt mit zunehmenden Alter nach. Sie verlieren die rote Linie auf dem Kopf und die Streifen erscheinen gedämpfter. Die Zeichnung sowie die Färbung sind sehr variabel und jedes einzelne Exemplar kann unterschiedlich sein. Die Färbung der Erwachsenen kann grün, türkis oder schwarz auf gelb und ist zusätzlich noch mit hellgrünen und schwarzen Flecken verziert.

Lebensweise

Bei Tageslicht ruht Waglers Lanzenotter unter Laub völlig regungslos, oft noch für mehrere Tage am selben Ort. Selbst, wenn sie in der Nacht jagt, so kehrt sie häufig im Morgengrauen zu ihrem bevorzugten Ruheplatz zurück. Waglers Lanzenotter ist eine weniger aggressive Schlange, selten schlägt sie zu, aber ihr Gift ist potent, so dass diese Schlange nicht unterschätzt werden sollte und mit Vorsicht zu behandeln ist. Ihr Gift ist ein starkes Hämotoxin und ist potentiell tödlich für den Menschen.

Verbreitung

Waglers Lanzenotter - Weibchen
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Waglers Lanzenotter - Weibchen

Waglers Lanzenotter findet man im Süden Thailands westlich von Malaysia sowie in Indonesien auf Sumatra und auf den Inseln des Riau-Archipel, Bangka, Billiton, Nias, auf den Mentawai-Inseln (Siberut), Natuna, Karimata, Borneo (Sabah, Sarawak und Kalimantan), Sulawesi und Buton und auf den Philippinen, auf den Inseln Balabac, Basilan, Bohol, Dinagat, Jolo, Leyte, Luzon, Mindanao, Negros, Palawan, Samar und Tumindao. Sie ist eine baumbewohnende und nachtaktive Schlange. Des Weiteren ist sie sehr träge und kann für längere Zeit regungslos auf Beute wartend, verharren. Wenn eine Beute sich der Schlange nähert oder wenn sie gestört wird, dann kann sie blitzschnell zuschlagen.

Ernährung

Ihre Nahrung besteht vorwiegend aus kleinen Säugetieren wie zum Beispiel Gewöhnliches Spitzhörnchen (Tupaia glis). Des Weiteren ernährt sich Waglers Lanzenotter von Vögeln und von Eidechsen. Die Gruben auf den Seiten des Kopfes zwischen den Augen und Nasenlöchern sind in der Lage Temperaturdifferenzen von weniger als 0,003 Grad Celsius zu erkennen.

Fortpflanzung

Waglers Lanzenotter zählt zu den lebendgebärenden Schlangen. Die Paarungszeit ist in den tropischen und subtropischen Verbreitungsgebieten an keine bestimmte Jahreszeit gebunden und kann ganzjährig erfolgen. Jedoch erfolgt die Paarungszeit in der Regel während der Regenzeit. Bei den Populationen, die in nördlichen Verbreitungsgebieten eine Winterruhe abhalten, erfolgt die Paarungszeit kurz nach der Winterruhe. Nach einer Trächtigkeit von 120 bis 150 Tagen bringt das Weibchen zwischen fünfzehn und zwanzig Jungtiere zur Welt. Je nach Alter des Weibchens weisen die Jungschlangen eine Körperlänge von bis zu 12,0 bis 15,0 Zentimeter auf. Die Jungschlangen sind unmittelbar nach dem Schlupf auf sich alleine gestellt.

Gefährdung und Schutz

In den meisten Verbreitungsgebieten kommen Waglers Lanzenottern noch recht häufig vor. Die noch gesunden Populationen können aber nicht darüber hinwegtäuschen, das weite Teile der natürlichen Lebensräume durch Urbanisierung und Trockenlegung bedroht sind. Waglers Lanzenottern steuern in ihrem Lebensraum die Populationen hauptsächlich von kleinen Säugetieren, Eidechsen und von Vögeln. Von daher sind sie ein wichtiger Bestandteil in ihrem Ökosystem. Waglers Lanzenotter selbst ist die Nahrungsgrundlage für eine Reihe von natürlich lebenden Feinden.

Weitere Synonyme

Waglers Lanzenotter - Männchen
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Waglers Lanzenotter - Männchen
Waglers Lanzenotter
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Waglers Lanzenotter
  • Cophias wagleri - H. Boie, 1826
  • Cophias wagleri - F. Boie, 1827
  • Tropidolaemus wagleri - Wagler, 1830
  • Trigonocephalus wagleri - Schlegel, 1837
  • Trimesurus maculatus - Gray, 1842
  • Trimesurus philippensis - Gray, 1842
  • Trimesurus subannulatus - Gray, 1842
  • Tropidolaemus hombronii - Guichenot in Jacquinot & Guichenot, 1853
  • Tropidolaemus wagleri - Duméril, Bibron & Duméril, 1854
  • Tropidolaemus hombroni - Duméril, Bibron & Duméril, 1854
  • Tropidolaemus schlegelii - Bleeker, 1857
  • Tropidolaemus philippensis - Peters, 1861
  • Tropidolaemus subannulatus - Peters, 1861
  • Trimeresurus wagleri - Günther, 1864
  • Tropidolaemus schlegeli - Theobald, 1868
  • Trigonocephalus hombroni - Jan, 1859
  • Bothrops wagleri - Müller, 1880
  • Lachesis wagleri - Boulenger, 1896
  • Trimeresurus wagleri alboviridis - Taylor, 1917
  • Trimeresurus philippensis - Taylor, 1922
  • Trimeresurus wagleri wagleri - Taylor, 1922
  • Trimeresurus wagleri philippensis - Taylor, 1922
  • Trimeresurus wagleri subannulatus - Taylor, 1922
  • Bothrops philippensis - Maslin, 1942
  • Tropidolaemus wagleri - Hoge & Romano-Hoge, 1981
  • Tropidolaemus philippinensis - David & Vogel, 1996
  • Trimesurus philippinensis - David & Vogel, 1996
  • Trimeresurus philippinensis - David & Vogel, 1996
  • Tropidolaemus wagleri - David & Vogel, 1996

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Mark O'Shea: Giftschlangen. Alle Arten der Welt in ihren Lebensräumen. Franckh-Kosmos Verlag, 2006 - ISBN 3440106195
  • Jonathan A. Campbell: Amphibians and Reptilies of Northern Guatemala, the Yucatán, and Belize (Animal Natural History) - Gebundene Ausgabe (Oktober 1998) von Jonathan A. Campbell. Verlag: Univ of Oklahoma Pr. ISBN 0806130644
  • Roland Bauchot: Schlangen. Weltbild Verlag, 1999, ISBN 3-8289-1501-9
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