Tibetfuchs

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Tibetfuchs

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
Familie: Hundeartige (Canidae)
Gattung: Echte Füchse (Vulpes)
Art: Tibetfuchs
Wissenschaftlicher Name
Vulpes ferrilata
Hodgson, 1842

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Tibetfuchs (Vulpes ferrilata) zählt innerhalb der Familie der Hundeartigen (Canidae) zur Gattung der Echten Füchse (Vulpes). Im Englischen wird die Art tibetan fox, sand fox oder tibetan sand fox genannt. Die Art ist monotypisch, demnach sind keine Unterarten bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Tibetfuchs erreicht eine Körperlänge von 57 bis 70 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 40 bis 47 Zentimeter sowie ein Gewicht von 3.000 bis 4.000 Gramm. Ein Dimorphismus ist zwischen den Geschlechtern nicht zu erkennen. Markantes Merkmal der Tibetfüchse ist der leicht viereckig geformte Kopf. Forscher können sich bis heute nicht die Kopfform erklären. Das dichte und lange Fell, dass durch eine dichte Unterwolle die Tiere vor Kälte und Nässe schützt, ist dorsal hellbraun bis bräunlich, zuweilen auch gelblichbraun oder rostbraun gefärbt, die Flanken weisen eine gräuliche Färbung auf, ventral zeigt sich eine weißliche bis hellgraue Färbung. Die Außenseiten der Extremitäten sind bräunlich bis hell rostbraun gefärbt. Der buschige Schwanz ist bräunlich und weist eine weißliche Spitze auf. Das kräftige Gebiss der Tibetfüchse besteht aus 42 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i3/3, c1/1, p4/4, m2/3. Die oberen Eckzähne sind ausgesprochen lang (Novak, 1999).

Lebensweise

Tibetfüchse leben einzelgängerisch oder paarweise. Die monogame Ehe der Tiere hält für gewöhnlich ein Leben lang. Ob eine Neuverpaarung erfolgt, wenn ein Partner stirbt, ist nicht bekannt. Hat ein Paar Nachhwuchs, so wird dieser für 8 bis 10 Monate betreut. Tibetfüchse sind nicht ausgesprochen territorial. Sie beanspruchen jedoch ein Streifrevier, dessen Größe unbekannt ist. Die Jagdreviere einzelner Paare können sich durchaus überschneiden. Die Markierung der Reviere erfolgt durch Duftmarken. Auch wenn Tibetfüchse als tagaktiv angesehen werden, so liegt ihre Hauptaktivität in den frühen Morgen- und späten Nachmittagsstunden (Schaller, 2000; Wang, et al., 2003).

Verbreitung

Tibetfüchse sind auf dem tibetischen Hochplateau in China, Tibet, Indien und Nepal verbreitet. In Indien wird jedoch nur der äußerste Nordwesten bewohnt. In Nepal wird der Distrikts Mustang besiedelt, in China kommt die Art in den Provinzen Xinjiang, Gansu, Qinghai und Sichuan vor. Tibet wird landesweit besiedelt. Die Tiere bewohnen Lebensräume bis in Höhen von etwa 2.500 bis 5.300 Metern über NN. Als Lebensraum dienen den Tibetfüchsen hauptsächlich Grasland, Halbwüsten, Steppengebiete, ausgetrocknete Flussbette und flache Berghänge. In den Ruhephasen halten sich die Tiere in natürlich Höhlen, in Felsspalten oder ähnlich geschützten Plätzen auf (Gong und Hu, 2003; Wang, 2003; Clark et al., 2008).
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Die Siedlungsdichte der Tibetfüchse korreliert mit der Verfügbarkeit von Schwarzlippenpikas (Ochotona curzoniae). Schwarzlippenpikas sind die Hauptbeute der Tibetfüchse. Ist Nahrung reichlich vorhanden, so kann die Siedlungsdichte leicht 2 bis 4 Tiere je km² betragen (Liu et al., 2007). Die Gesamtpopulation wird auf rund 37.000 Individuen geschätzt.

Ernährung

Als Fleischfresser ernähren sich Tibetfüchse nur von Fleisch. Die Nahrungsgrundlage bilden fast ausschließlich Schwarzlippenpikas (Ochotona curzoniae), die zur Familie der Pfeifhasen (Ochotonidae) gehören. Nur selten werden auch andere kleine Tiere wie Nagetiere (Rodentia) oder Vögel (Aves) erbeutet. Aufgrund dieser Tatsache ist auch zu verstehen, dass Tibetfüchse ausschließlich im Verbreitungsgebiet der Schwarzlippenpikas vorkommen. Zu einem kleinen Teil steht auch Aas auf der Speisekarte. Die Jagd erfolgt in der Regel paarweise, seltener auch einzelgängerisch (Schaller, 2000).

Fortpflanzung

Tibetfüchse erreichen die Geschlechtsreife wahrscheinlich im zweiten Lebensjahr. Die Paarungszeit erstreckt sich in den natürlich Lebensräumen über den späten Winter oder dem sehr zeitigen Frühling. Dies ist im tibetischen Hochland von Februar bis März der Fall. In einer Saison kommt es lediglich zu einem Wurf. Tibetfüchse leben in einer monogamen Einehe, die in der Regel ein Leben lang hält. Nach einer Tragezeit von 50 bis 60 (55) Tagen bringt ein Weibchen 2 bis 5 Jungtiere im Bau der Familie zur Welt. Zu den Geburten kommt es meist zwischen Ende April und Anfang Mai. Einige Wochen nach der Geburt lassen sich die Jungtiere erstmals vor dem Bau sehen und erkunden spielerisch die nähere Umgebung. Der Zeitpunkt für die Entwöhnung von der Muttermilch ist nicht bekannt. Um die Aufzucht des Nachwuchses kümmern sich beide Elternteile. Die Selbständigkeit erreicht der Nachwuchs im Alter von 8 bis 10 Monaten. Die Lebenserwartung wird unter günstigen Umständen auf etwa 10 Jahre geschätzt (Schaller, 2000).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

In seinem natürlichen Lebensraum spielt der Tibetfuchs eine durchaus wichtige Rolle. Er kontrolliert insbesondere die Populationen an Nagetieren, insbesondere der Schwarzlippenpikas (Ochotona curzoniae). Natürliche Feinde hat der Tibetfuchs nicht. Die einzige Gefahr geht heute vom Menschen aus. Getötet werden die Tiere vom Menschen vor allem wegen des dichtes Pelzes, aus den meist Hüte produziert werden. International spielt der Pelz keine Rolle, da das Fell ausgesprochen grob und damit von minderwertiger Qualität ist. Trotz der massiven Nachstellung durch den Menschen zählt der Tibetfuchs noch nicht zu den bedrohten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. Im Washingtoner Artenschutzabkommen wird der Tibetfuchs nicht gelistet.

Anhang

Siehe auch

  • Die Familie der Hunde (Canidae)
  • Die Ordnung der Raubtiere (Carnivora)

Literatur und Quellen

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