Tiger-Klapperschlange

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Tiger-Klapperschlange

Systematik
Klasse: Kriechtiere (Reptilia)
Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
Familie: Vipern (Viperidae)
Unterfamilie: Grubenottern (Crotalidae)
Gattung: Klapperschlangen (Crotalus)
Art: Tiger-Klapperschlange
Wissenschaftlicher Name
Crotalus tigris
Kennicott, 1859

Die Tiger-Klapperschlange (Crotalus tigris) zählt innerhalb der Familie der Vipern (Viperidae) zur Gattung der Klapperschlangen (Crotalus). Im Englischen wird diese Klapperschlange Tiger Rattlesnake oder Tiger Rattler genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Tiger-Klapperschlange gehört zu den kleineren Klapperschlangen und erreicht eine Körperlänge von 60 bis 88 Zentimeter. Männchen bleiben insgesamt ein wenig kleiner als Weibchen. Der Körper, der einen leicht dreieckigen Querschnitt aufweist, wirkt überaus gedrungen und massig, der Schwanz ist typischerweise recht kurz. Der leicht dreieckige Kopf ist im Vergleich zum Körper eher klein, er setzt sich dennoch deutlich sichtbar vom schlanken Hals ab. Wie bei allen Klapperschlangen, so sind auch die Schuppen der Tiger-Klapperschlange stark gekielt. Die Färbung der Beschuppung kann je nach Lebensraum und Verbreitungsgebiet stark variieren. Es gibt sowohl graubraune, graue, blaugraue als auch rötlichbraune bis orangebraune Farbvariationen. Dorsal und lateral zeigt sich die namensgebende tigerartige Querstreifung, die aus dunkleren Elementen besteht. Die Zeichnung nimmt lateral ab und ist ventral völlig verschwunden. Auf dem Oberkopf ist eine Zeichnung nur undeutlich wahrnehmbar.

Die Bauchseite ist weißlich bis cremefarben bis leicht pfirsichfarben gefärbt. Seitlich am Kopf verlaufen je eine dunkle Linie hinter und vor dem Auge schräg nach hinten. Die Pupillen der Augen sind senkrecht geschlitzt - ein Indiz für ihre Nachtaktivität. Die Augen liegen sehr weit vorne am Kopf. Oberhalb der Augen befinden sich gut sichtbare Überaugenhöcker. Am Schwanzende befindet sich eine sehr große Rassel, die bei jeder Häutung um ein Glied anwächst. Bei Gefahr bewegt die Tiger-Klapperschlange ihren Schwanz und es tritt das arttypische Rasseln zu Tage. Wie alle Grubenottern besitzen Tiger-Klapperschlangen ein sogenanntes Grubenorgan, mit dessen Hilfe sie warmblütige Beutetiere aufspüren können. Das Grubenorgan befindet sich im Kopfbereich im oberen Kiefer zwischen den Augen und den Nasenlöchern und weist eine Tiefe von gut vier Millimetern auf. Das Innere des Grubenorgans ist durch eine Membrane geschützt. Mit dem Organ kann die Tiger-Klapperschlange selbst geringfügigste Temperaturunterschiede wahrnehmen. Die Nasenlöcher sitzen weit vorne, seitlich der Schnauze.

Lebensweise

Die Tiger-Klapperschlange ist eine überwiegend dämmerungs- und nachtaktive Schlangenart. Nur während der kühlen Jahreszeit, insbesondere im Frühjahr und Herbst ist sie gelegentlich auch am Tage unterwegs. Die Tiger-Klapperschlange gilt als nur wenig aggressiv und angriffslustig, jedoch keineswegs ungefährlich. Dies gilt sowohl gegenüber Konkurrenten als auch gegenüber potentiellen Feinden und dem Menschen. In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet gilt sie als eine gefährliche Schlange. Jedoch ist die Anzahl der Bissunfälle im Gegensatz zu anderen Klapperschlangen im Südosten der USA relativ gering. Die Tiger-Klapperschlange verhält sich in erster Linie defensiv und warnt einen Feind mit dem typischen Gerassel. Zeigt das keine Wirkung, so beisst sie auch zu. Ein Biss ist für einen Menschen durchaus gefährlich oder gar tödlich. Unter den Männchen der Tiger-Klapperschlange kommt es während der Paarungszeit zu ritualisierten Kämpfen, die jedoch nie tödlich enden. Dabei richten sie sich auf und schlagen mit ihrem Oberkörper nach dem Konkurrenten. Während der kühlen Jahreszeit hält die Tiger-Klapperschlange eine mehrmonatige Winterruhe. Die Länge der Winterruhe variiert je nach Verbreitungsgebiet und erstreckt sich zumeist von November bis Februar. Zur Winterruhe zieht sich die Tiger-Klapperschlange in schützende Felsspalten, Felshöhlen oder in Nagerbauten zurück. Auf Nahrungssuche gehen Tiger-Klapperschlangen in der kühlen Jahreszeit überwiegend am Tage, im Sommer eher in der Nacht oder der Dämmerung. Daher auch die senkrecht geschlitzten Pupillen. Tiger-Klapperschlangen beanspruchen ein Streifrevier in einer Größe von einigen Hektar.

Gift

Die Tiger-Klapperschlange verabreicht mit einem Biss nur eine geringe Menge Toxin. Dieses Gift ist jedoch um so wirksamer. Es gilt als eines der potentesten unter allen Klapperschlangen. Das Gift ist ein Neurotoxin, welches im wesentlichen die Herz- und Lungenfunktion unterdrückt. Es verfügt zudem über Substanzen wie Fibrinolytische Enzyme und Prothrombin-Aktivator. Der LD50-Wert liegt bei 0.6 mg/kg. Weiterführende und umfangreiche Informationen sind im Hauptartikel Schlangen - Gebiss, Gift und Giftigkeit zu entnehmen.

Verbreitung

Die Tiger-Klapperschlange ist im wesentlichen in Arizona, USA, und im nördlichen Mexiko in der Sonora verbreitet. Kleinere Populationen sind auch in Kalifornien auf der Isla Tiburón im Golf von Kalifornien anzutreffen. Im Südwesten von New Mexiko wurde die Tiger-Klapperschlange ebenfalls vereinzelt beobachtet. Sie bewohnt sowohl die Ebene als auch Höhenlagen bis in Höhen von 1.700 Metern über NN. Felsige Wüstenregionen, die vereinzelt mit Agaven und ähnlichen Pflanzen bewachsen sind, gehören zu den natürlichen Habitaten.

Prädatoren

Fleischfresser: Kojote (Canis latrans)
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Fleischfresser: Kojote (Canis latrans)

Tiger-Klapperschlangen stehen wie alle Klapperschlangen zwar am oberen Ende der Nahrungskette, dennoch haben auch sie einige natürliche Feinde. Zu den natürlichen Fleischfressern adulter Tiger-Klapperschlangen gehören unter anderem Kojoten (Canis latrans), Rotluchse (Lynx rufus), Greifvögel (Falconiformes) und auch andere Klapperschlangen (Crotalus). Unter den Klapperschlangen gehört vor allem die Texas-Klapperschlange (Crotalus atrox) zu den natürlichen Fleischfressern. Auch der Wegekuckuck (Geococcyx californianus) ist für die Schlange ein potentiell gefährlicher Gegner. Jungschlangen werden vor allem von Greifvögeln (Falconiformes) und räuberisch lebenden Vögeln gefressen. Nicht selten werden Tiger-Klapperschlangen in ihren Winterquartieren von Fleischfressern aufgespürt und gefressen. Die Tiger-Klapperschlange verlässt sich insbesondere auf ihre ausgezeichnete Tarnung und hält sich während der Ruhephasen an geschützten Orten verborgen. Fühlt sich die Schlange bedroht so rasselt sie für Klapperschlangen typisch mit der Schwanzspitze und gibt zischende Laute von sich. An letzter Stelle stehen dann Abwehrbisse, die für einen Angreifer oder auch einen Menschen tödlich enden können, da sie zu den potentiell gefährlichsten Klapperschlangen gehört. Die abgegebene Giftmenge ist zwar nicht hoch, es ist jedoch hoch wirksam.

Ernährung

Beliebter Snack: Audubon-Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus audubonii)
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Beliebter Snack: Audubon-Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus audubonii)

Die Tiger-Klapperschlange ernährt sich als Lauerjäger überwiegend von kleinen Säugetieren (Mammalia) und kleinen Reptilien (Reptilia). Dazu gehören insbesondere Mäuse (Mus), Ratten (Rattus), Eichhörnchen (Sciurus), jungen Kaninchen (Leporinae) wie das Audubon-Baumwollschwanzkaninchen (Sylvilagus audubonii) sowie Tiere ähnlicher Größe. Hauptnahrung bilden in jedem Fall Nagetiere (Rodentia). Die Tiger-Klapperschlange findet ihre Beute wie alle Grubenottern zum einen über ihren Geruchssinn und zum anderen über das sogenannte Grubenorgan. Grubenorgane sind wärmeempfindliche Rezeptoren, mit denen die Tiger-Klapperschlange ihre Beute über die Wärmeabstrahlung lokalisiert. Die Grubenorgane liegen in etwa zwischen den Nasenlöchern und den Augen. Gerüche werden über die gespaltene Zunge wahrgenommen. Das Beutetier wird gebissen. Dabei wird über die hohlen Giftzähne ein hochwirksames Neurotoxin abgegeben. Wie für Schlangen üblich, wird die Beute mit dem Kopf voran im Ganzen verschlungen.

Fortpflanzung

Tiger-Klapperschlangen erreichen die Geschlechtsreife mit etwa drei, spätestens jedoch nach vier Jahren. Die Paarungszeit beginnt sehr spät im Jahr, meist zwischen Juni und September. Tiger-Klapperschlangen gehören zu den ovoviviparen Schlangen, das heißt die Entwicklung der Eier erfolgt im Leib des Weibchens und die Jungschlangen schlüpfen über die Kloake. Pro Saison kommt es dabei nur zu einem Wurf. Als einzelgängerisch lebende Schlangen treffen die Geschlechter nur zur Paarungszeit aufeinander. Ein Männchen lokalisiert ein paarungsbereites Weibchen über den Geruchssinn. Konkurrieren mehrere Männchen um ein Weibchen, so kommt es zu zum Teil heftigen Kommentkämpfen, bei dem ein Konkurrent niedergerungen wird. Nach erfolgreicher Kopulation kommt es zunächst zu einer Keimruhe, bei der die Embryonalentwicklung zum Ruhen kommt. Die reine Trächtigkeit beginnt kurz nach der Winterruhe und erstreckt sich dann über gut vier bis fünf Monate. Das Weibchen bringt je nach Alter und Ernährungszustand an einer geschützten Stelle zischen zwei und sechs Jungschlangen zur Welt. Sie sind mit dem Schlupf auf sich alleine gestellt, eine Brutpflege wird seitens des Weibchens nicht betrieben. In den ersten beiden Jahren kommt es bei den Jungschlangen zu mehreren Häutungen pro Jahr. Bei jeder Häutung wächst das Endglied des Schwanzes um ein Element. Später kommt es nur noch zu einer Häutung pro Jahr. Die Lebensdauer der Tiger-Klapperschlange liegt unter günstigen Umständen bei bis zu 15 Jahren. In Gefangenschaft ist auch ein Alter von bis zu 20 Jahren möglich.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Tiger-Klapperschlangen spielen in ihrem Ökosystem eine wichtige Rolle, da sie die Populationen insbesondere von Nagetieren regulieren. Dieses wirkt sich vor allem in landwirtschaftlich geprägten Regionen positiv aus. Auf der anderen Seite sind sie die Nahrungsgrundlage für einige Fleischfresser. In der Medizin nutzt man das Gift der Tiger-Klapperschlangen, um daraus ein Antivenin zu gewinnen. In Zoos und Vivarien sind Klappenschlangen aufgrund ihrer Giftigkeit im allgemeinen ein Publikumsmagnet, Furcht und Faszination liegen hier eng beieinander. Aber auch in privater Haltung sind Klapperschlangen wie die Tiger-Klapperschlange häufig zu finden. Dies ist selbstverständlich nur etwas für Reptilienspezialisten, da ein Biss der Tiger-Klapperschlange durchaus tödlich enden kann, vor allem für Kinder, Kranke und geschwächte Menschen. Die Tiger-Klapperschlange scheint in weiten Teilen ihrer Verbreitungsgebiete noch nicht gefährdet zu sein. Daher wird sie in der Roten Liste der IUCN nicht geführt. Jedoch wirken sich die Vernichtung der natürlichen Lebensräume und die starke Bejagung langfristig negativ auf die Bestände in Freiheit aus.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Mark O'Shea, Giftschlangen. Alle Arten der Welt in ihren Lebensräumen, Franckh-Kosmos Verlag, 2006 - ISBN 3440106195
  • Ludwig Trutnau, Schlangen im Terrarium, in 2 Bdn., Bd.2, Giftschlangen,
    Verlag: Ulmer (Eugen); Auflage: 4., Aufl. (1998) - ISBN 3800173719
  • W. P. Mara, Das Große Buch der Giftschlangen, Verlag: Bede (Februar 2002) - ISBN 3927997536
  • Roland Bauchot: Schlangen, Weltbild Verlag, 1999, ISBN 3-8289-1501-9

Links

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