Tigerhai

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Tigerhai

Systematik
Klasse: Knorpelfische (Chondrichtyes)
Unterklasse: Plattenkiemer (Elasmobranchii)
Überordnung: Galeomorphii
Ordnung: Grundhaie (Carcharhiniformes)
Familie: Requiemhaie (Carcharhinidae)
Gattung: Tigerhaie (Galeocerdo)
Art: Tigerhai
Wissenschaftlicher Name
Galeocerdo cuvier
Péron & Lesueur, 1822

IUCN-Status
Near Threatened (NT)

Der Tigerhai (Galeocerdo cuvier) zählt innerhalb der Familie der Requiemhaie (Carcharhinidae) zur Gattung der Tigerhaie (Galeocerdo) . Im Englischen wird dieser Hai Tiger shark genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Tigerhai gehört zu den größten und gefährlichsten Haien. Er erreicht je nach Geschlecht eine Länge von 325 bis 550 Zentimeter sowie ein Gewicht von bis zu 900 Kilogramm. Längen von über 450 Zentimeter und Gewichte über 650 Kilogramm werden jedoch nur selten erreicht. Längenangaben in der Literatur von über 600 Zentimeter und einem Gewicht von jenseits der 900 Kilogramm gehören wahrscheinlich ins Reich der Legenden. Weibchen bleiben insgesamt kleiner und leichter als Männchen.

Die Haut der Tigerhaie weist eine überwiegend gräuliche bis blaugraue oder dunkelgraue Färbung auf. Ventral zeigt sich eine deutlich hellere, meist weißliche bis gelblichweiße Färbung. Markant sind die tigerartigen lateralen Streifen und Punkte, die jedoch nur bei juvenilen Tieren deutlich ausfallen. Mit zunehmendem Alter verblassen diese Markierungen. Der Körperbau wirkt vor allem im hinteren Teil ausgesprochen schlank, im vorderen Körperbereich und der Kopf wirken hingegen massig. Die Schnauze ist kurz und endet stumpf. Im Bereich der Schnauzespitze zeigen sich tiefe labiale Furchen. Die großen Augen liegen seitlich am Kopf und ermöglichen eine weite Rundumsicht. Die Zähne im Ober- und Unterkiefer weisen eine sichelartige Form auf. Fallen sie aus, so wachsen ständig neue Zähne nach. Die Ränder der Zähne sind fein gezackt und wirken so als Widerhaken. Dorsal zeigen sich zwei Rückenflossen, von denen die hintere Rückenflosse deutlich kleiner ausfällt und unmittelbar vor dem Schwanzansatz liegt. Die erste, deutlich größere, Rückenflosse weist eine typische dreieckige Form auf und liegt in etwa in der Mitte des Körpers.
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Die kleine und sichelartige anale Flosse liegt ventral auf Höhe der zweiten Rückenflosse. Die beiden kleinen Bauchflossen liegen ventral in etwa mittig zwischen den beiden Rückenflosse. Die spitz zulaufenden Brustflossen liegen seitlich am Körper unmittelbar hinter den Kiemenausgängen. Die vertikale Schwanzflosse ist tief gegabelt. Die untere Fahne der Schwanzflosse ist sehr kurz, die obere spitz zulaufende Fahne ist sehr lang und weist etwa die fünffache Länge der unteren Fahne auf.

Lebensweise

Tigerhaie leben einzelgängerisch und ziehen unentwegt durch das Meer. Sie legen also kein standorttreues Verhalten an den Tag. Tigerhaie müssen sich ständig bewegen, da sie sonst sinken würden. Nicht selten legen sie pro Tag 60 bis 80 Kilometer zurück. Sie erreichen dabei Schwimmgeschwindigkeiten von gut 30 km/h. Bei der Nahrungsaufnahme geraten Tigerhaie nicht selten in eine Raserei. Daher ist es für Menschen sehr gefährlich, sich den Tieren während der Nahrungsaufnahme ohne Haikäfig oder ähnliche Sicherheitseinrichtungen im Wasser zu nähern.

Verbreitung

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Tigerhaie bewohnen weltweit die küstennahen Gewässer in tropischen und subtropischen Regionen. Der Indische Ozean wird vom südlichen Afrika, über Madagaskar, Indien, Bangladesh bis nach Thailand und Vietnam besiedelt. Im westlichen Teil des Atlantiks sind sie von den südlichen USA bis ins südliche Brasilien sowie im Golf von Mexiko und in der Karibik anzutreffen. Im östlichen Teil des Atlantiks reicht ihre Verbreitungsgebiet vom nördlichen Afrika bis ins westliche Afrika. Im westlichen Teil des Pazifiks tauchen Tigerhaie in ganz Südostasien, Australien und Neuseeland sowie in Ozeanien auf. Auch die Inselwelt des zentralen Pazifiks wird weitflächig besiedelt. Im östlichen Teil reicht das Verbreitungsgebiet von Kalifornien in den USA bis zu den Galápagos-Inseln. Im Allgemeinen werden vor allem Küstengewässer besiedelt. Seltener zieht es den Tigerhai auch in Flussmündungen. Lagunen, Buchten, Atolle und Korallenriffe gehören zu den natürlichen Lebensräumen. Hier ist er nachts zumeist im Flachwasser anzutreffen und auf Nahrungssuche. Am Tage zieht der Tigerhai sich für gewöhnlich in tieferes Wasser zurück. Er ist in Tiefen von bis zu 350 Meter anzutreffen.

Ernährung

Beliebter Snack: Suppenschildkröte (Chelonia mydas)
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Beliebter Snack: Suppenschildkröte (Chelonia mydas)

Tigerhaie sind reine Fleischfresser, die bei der Nahrungsaufnahme leicht in Raserei geraten können. Gefressen wird dabei alles. Zum Nahrungsspektrum gehören neben Fischen (Pisces) und Meeresschildkröten (Testudinata) auch Meeressäuger wie kleine Wale (Cetacea) und Delfine (Delphinidae). Auch andere Haie (Galeomorphii), Kopffüßer (Cephalopoda), Seevögel (Aves), Krebstiere (Crustacea) und selbst Aas wird keineswegs verschmäht. In den Mägen der Tigerhaie hat man schon allerlei Unrat wie Dosen und ähnliches gefunden. Vor allem in der Nähe von Häfen schlingen sie häufig Abfall und Müll in sich hinein. Tigerhaie leben einzelgängerisch und gehen so auch auf Nahrungssuche. Dabei suchen sie zumeist in der Dunkelheit nach Beute. In reichen Nahrungsgründen kann es nicht selten zu größeren Versammlungen von Tigerhaien kommen. Zu einer solchen Gruppenbildung kommt es jedoch nur wegen der vorhandenen Nahrung.

Fortpflanzung

Die Weibchen der Tigerhaie erreichen die Geschlechtsreife mit einer Körperlänge von 250 bis 320 Zentimeter, Männchen hingegen bereits mit einer Länge von 225 bis 290 Zentimeter. Tigerhaie gehören zu den lebendgebärenden Haiarten. Die Eier mit den Embryonen reifen im Leib der Mutter heran. Die Geschlechter treffen nur während der Paarungszeit aufeinander.
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Die Paarungszeit erstreckt sich für gewöhnlich über die Monate November bis Mai. Dies kann je nach Verbreitungsgebiet jedoch abweichend sein. Zur Geburt kommt es im Folgejahr meist zwischen März und Juli. Dabei kommt es nur alle zwei bis drei Jahre zu Geburten.

Bereits im Vorfeld der Paarungszeit produzieren Männchen in ihren Hoden Samenflüssigkeit. Die paarigen Begattungsorgane liegen bei ihnen in einer Körperhöhle unmittelbar unter der Wirbelsäule. In den sogenannten Spermatophoren sammeln sich die einzelnen Samenzellen. Bei der eigentlichen Paarung führt das Männchen seine Begattungsorgane, die auch Clasper genannt werden, in die Kloake des Weibchens ein. Über kleine Kanäle werden die Spermatophoren dann in die Kloake des Weibchens gepresst. Die Samenzellen wandern im folgenden selbständig in die Eierstöcke des Weibchens. Hier befruchten die Samenzellen die Eizellen und reifen langsam heran. Unmittelbar nach dem Eisprung wandern die Eier durch das Ostium uteri (kleine Röhren zum Muttermund) in den eigentlichen Fortpflanzungstrakt und weiter in den Uterus. Hier erfolgt die abschließende Entwicklung. In der ersten Phase ernähren sich die Embryonen von den Nährstoffen im Dottersack. Ist der Nahrungsvorrat aufgebraucht, ernähren sich die Embryonen von Nährstoffen, die über den Uterus abgegeben werden. Mit zunehmender Größe kommt es dann unter den Jungtieren im Mutterleib auch zum Kannibalismus. Die Jungtiere, die am weitesten entwickelt sind, fressen die Geschwister und die unbefruchteten Eier auf.

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Die Trächtigkeit erstreckt sich über 14 bis 16 Monate. Bei der Geburt weisen die Jungtiere eine Körperlänge von 55 bis 75 Zentimeter auf. Je nach Alter des Weibchens liegt die Zahl der Jungtiere zwischen 10 und 50, selten auch bis 80. Die tigerartigen Markierungen auf dem Rücken und den Flanken sind bei den Jungtieren deutlich ausgeprägt. Mit zunehmendem Alter verblassen die Markierungen jedoch. Bei ausgewachsenen Tieren sind sie nur noch sehr undeutlich zu erkennen. Die Jungtiere wachsen relativ langsam heran und sind nach dem Schlupf auf sich alleine gestellt. Eine Brutpflege wird seitens der Mutter nicht betrieben. Die genaue Lebenserwartung ist unbekannt. Forscher schätzen die Lebenserwartung auf 20 bis 25 Jahre.

Ökologie

Neben dem Weißen Hai (Carcharodon carcharias) gehört der Tigerhai für den Menschen zu den gefährlichsten Haiarten. In der Literatur ist von zahlreichen Übergriffen auf dem Menschen die Rede. Dennoch sind solche Angriffe, die oftmals tödlich enden sehr selten. Vor allem in dicht besiedelten Küstenregionen oder Inseln wie Hawaii kommt es regelmäßig zu Attacken. Vor allem bei der Nahrungsaufnahme nimmt der Tigerhai keine Rücksicht auf Taucher und schlingt alles in seiner Nähe in sich hinein. Da Tigerhaie sich durchaus neugierig verhalten, scheuen sie die Nähe zum Menschen keineswegs.

In weiten Teilen seiner Verbreitungsgebiete wird der Tigerhai vom Menschen bejagt. Begehrt sind neben dem Fleisch und der Haut vor allem die Flossen und die Leber, die auf asiatischen Märkten Höchstpreise erzielen. Die Bejagung hat allerdings in den letzten 20 Jahren stetig abgenommen und der Haifischfang verliert immer mehr an Bedeutung. Neben der kommerziellen Fischerei wird der Tiger auch in der Sportfischerei gejagt.

Gefährdung und Schutz

Tigerhaie sind heute noch nicht vom Aussterben bedroht. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als gering gefährdet (NT, Near Threatened) geführt. Die Bejagung durch den Menschen hat in der Gesamtpopulation bis heute deutliche Auswirkungen gezeigt. Aufgrund des langsamen Wachstums erreichen nur wenige Tigerhaie die adulte Endgröße. Die meisten werden im jugendlichen Alter von Fischern erlegt oder von großen Prädatoren gefressen. Ein ausgewachsener Tigerhai hat hingegen keine natürlichen Feinde.

Anhang

Literatur und Quellen

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