Tigeriltis

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Tigeriltis

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Marder (Mustelidae)
Unterfamilie: Mustelinae
Gattung: Vormela
Art: Tigeriltis
Wissenschaftlicher Name
Vormela peregusna
Güldenstädt, 1770

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Tigeriltis (Vormela peregusna) zählt innerhalb der Familie der Marder (Mustelidae) zur Gattung Vormela. Im Englischen wird dieser Marder Marbled Polecat genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der mittelgroße und ausgesprochen schlank gebaute Tigeriltis erreicht je nach Unterart eine Körperlänge von 29 bis 37 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 15 bis 21 Zentimeter sowie ein Gewicht von 400 bis 700 Gramm. Die Geschlechter weisen weder in der Färbung noch in der Größe einen Dimorphismus auf.
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Dies ist innerhalb der Marder eher unüblich. Seinen Namen verdankt der Tigeriltis seiner auffälligen Färbung. Das lange Fell auf dem Rücken und den hinteren Flanken weist eine hellbraune Färbung auf. Diese Färbung zieht sich dorsal bis zum hinteren Bereich des Oberkopfes. Eine dunkelbraune, tigerartige Fleckung zieht sich vom Rücken bis zu den Flanken, wo die Fleckung deutlich abnimmt. Der Schulterbereich und die vorderen Extremitäten sind kräftig dunkelbraun bis schwarzbraun gefärbt. Diese dunkelbraune Färbung setzt sich an den Halsseiten fort und reicht bis zum Oberkopf.

Auf dem Oberkopf ist dieses dunkelbraune Band ober- und unterhalb durch zwei weißliche Bänder abgesetzt. Der vordere weiße Streifen ist deutlich schmäler und erstreckt sich unmittelbar über die Augen. Von der Nasenspitze bis knapp hinter den Augen ist das Gesicht des Tigeriltis dunkelbraun gefärbt. Die seitlichen Bereiche der Schnauze und die Kehle sind weißlich gefärbt. Im Bereich der Schnauze zeigen sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen, die der Orientierung dienen. Die dunkelbraun gefärbten sind an den Spitzen weiß markiert. Ventral weist das Fell eine dunkelbraune bis schwarzbraune Färbung auf. Der buschige Schwanz ist durch eine schwarzbraune Spitze gekennzeichnet. Das Gebiss verfügt über 34 Zähne, die zahnmedizinische Formel lautet 3/3, 1/1, 3/3, 1/2. Der schlanke Körper wird durch kurze aber kräftige Extremitäten getragen. Die Zehen der Füße enden in kleine Krallen.

Lebensweise

Der Tigeriltis lebt einzelgängerisch. In Gruppen kann man die Tiere nur während der Paarungszeit beobachten oder es handelt sich um ein Weibchen mit ihrem Nachwuchs. Tigeriltisse sind nachtaktiv. Am Tage ruhen die Tiere in ihren Erdbauten. In der Regel handelt es sich bei den Höhlen um Bauten, die von anderen Tiere übernommen wurden. Gleichwohl ist der Tigeriltis in der Lage mit seinen krallenbewehrten Vorderbeinen selbst einen Bau zu graben. Ein eigener Bau wird jedoch nur selten gegraben. Als Unterschlupf dienen für gewöhnlich die Bauten von Großen Rennmäuse (Rhombomys opimus) oder Tieren ähnlicher Größe.

Unterarten

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Syrischer Tigeriltis (Vormela peregusna syriaca) im Zoo Pilsen
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Syrischer Tigeriltis (Vormela peregusna syriaca) im Zoo Pilsen

Verbreitung

Tigeriltisse haben ein weites Verbreitungsgebiet. Es reicht von Ost- und Südosteuropa über weite Teile Russlands bis ins nordöstliche China. In Europa wird vor allem der Balkan, die Türkei und der Kaukasus besiedelt. Im Nahen Osten sind Tigeriltisse in Syrien, Palästina, Israel und im Libanon weit verbreitet. In Asien sind die Tiere sowohl in Russland als auch im Nahen Osten und Zentralasen anzutreffen. Tigeriltisse leben überwiegend in ariden Steppenregionen, Heidelandschaften, Halbwüsten und an den Rändern von Wüsten. Die Lebensräume sind meist nur spärlich mit Bäumen und Büschen durchsetzt. Eher selten sind die Tiere in der Nähe des Menschen auf Agrarflächen zu beobachten.

Prädatoren, Parasiten

Trotz seiner geringen Größe hat der Tigeriltis im Grunde keine natürlichen Feinde. Auf dem ersten Blick verwundert diese Tatsache. Die Gründe liegen jedoch klar auf der Hand. Im Analbereich verfügt der Tigeriltis über zwei Drüsen, über die ein übelriechendes Sekret abgegeben wird. Fühlt sich ein Tigeriltis durch einen Fleischfresser bedroht, so wölbt er seinen Rücken, hebt seinen Schwanz an und versprüht über die Aftertaschen ein Sekret. Die meisten Fleischfresser sind dadurch derart abgeschreckt, dass sie das Weite suchen und die "Mahlzeit" ziehen lassen. Aber auch sonst ist der Tigeriltis ein wehrhafter Gegner, der sich buchstäblich mit Zähnen und Klauen zu wehren weis. Selbst große Räuber wie der Wolf (Canis lupus) machen um Tigeriltisse einen weiten Bogen.

Ernährung

beliebter Snack: Feldhamster (Cricetus cricetus)
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beliebter Snack: Feldhamster (Cricetus cricetus)

Tigeriltisse ernähren sich als Carnivoren ausschließlich von Fleisch. Zur Hauptnahrung gehören allerlei Nagetiere wie Mäuse (Mus), Ziesel (Spermophilus), Hamster (Cricetinae), Rennmäuse (Gerbillini) und Tiere ähnlicher Größe. Die Nahrungssuche erfolgt ausschließlich in der Nacht und beginnt für gewöhnlich mit Einbruch der Dunkelheit. Um sich zu orientieren, stellt sich der Tigeriltis auf seine Hinterbeine und reckt seinen Vorderkörper in die Höhe. Beutetiere werden jedoch eher über den Geruch lokalisiert. Dennoch ist auch der Sehsinn hoch entwickelt. Tigeriltisse sind am Boden zu Fuß sehr gut unterwegs. Hier begnügen sie sich nicht nur damit, den Boden abzusuchen, sie dringen auch in Erdbauten anderer Tiere ein, und plündern die Bauten. Sie können aber auch exzellent klettern und sind hin und wieder auch in Bäumen auf Nahrungssuche. Dies trifft vor allem dann zu, wenn Nagetiere zur Mangelware werden. In solchen Mangelzeiten werden auch Vögel (Aves), kleine Reptilien (Reptilia) und sogar größere Insekten (Insecta) gefressen.

Fortpflanzung

Tigeriltisse erreichen die Geschlechtsreife im Alter von gut neun Monaten. Die Paarungszeit beginnt bereits im späten Winter, nicht selten bereits im Januar, spätestens jedoch im Februar. Während dieser Zeit treffen die Geschlechter für kurze Zeit aufeinander. Nach der Paarung trennen sich die Paare jedoch wieder.
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Die Aufzucht des Nachwuchses obliegt ausschließlich dem Weibchen. Nach einer Trächtigkeit von rund 60 Tagen bringt ein Weibchen vier bis fünf, selten bis sieben Jungtiere zur Welt. Die Geburt erfolgt im Bau des Weibchens. Das eigentliche Nest wird mit weichen Pflanzenteilen ausgepolstert. Die Säugezeit erstreckt sich für gewöhnlich über zwei Monate. Im Spätsommer erreichen die Jungtiere ihre Selbständigkeit und gehen eigene Wege. Tigeriltisse können in Freiheit ein Alter von sechs, selten auch bis neun Jahren erreichen.

Gefährdung und Schutz

Der Tigeriltis gilt als Art heute noch nicht zu den bedrohten Marderarten. Dies liegt vor allem an seinem riesigen Verbreitungsgebiet, dass über weite Teile nicht oder nur dürftig vom Menschen besiedelt wird. Bedroht ist nur die Nominatform, die Unterart Vormela peregusna peregusna, die in Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Serbien und Montenegro, in der Türkei und der Ukraine beheimatet ist. Diese Unterart wird in der Roten Liste der IUCN als bedroht geführt (VU, vulnerable). Trotz seines großen Verbreitungsgebietes ist seit langem ein Schrumpfen des natürlichen Lebensraumes zu beobachten. Selbst die Steppe wird urbanisiert und über weite Teile in Weideland umfunktioniert.

In der Vergangenheit wurde der Tigeriltis wegen seines Felles bejagt. Die Jagd spielt aufgrund der geringen Qualität des Fells nur eine untergeordnete Rolle. Heute stellen nur noch Landwirte den Tiere nach, die hier und da auf landwirtschaftlichen Flächen das Geflügel der Landwirte erbeuten. In der Regel hält sich der Tigeriltis jedoch vom Menschen fern.

Anhang

Literatur und Quellen

Links

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