Trematocephalus cristatus

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Trematocephalus cristatus
Männchen

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Teilordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Überfamilie: Radnetzspinnen (Araneoidea)
Familie: Baldachinspinnen (Linyphiidae)
Gattung: Trematocephalus
Art: Trematocephalus cristatus
Wissenschaftlicher Name
Trematocephalus cristatus
(Wider, 1834)

Die Spinnenart Trematocephalus cristatus zählt innerhalb der Familie der Baldachinspinnen (Linyphiidae) zur Gattung Trematocephalus.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Trematocephalus cristatus erreicht als Männchen eine Körperlänge von etwa 2 Millimeter und als Weibchen eine Körperlänge von etwa 2,5 Millimeter. Die Männchen dieser Art besitzen an ihrem Kopf waagerecht verlaufende Auswüchse, an deren Seiten die Augen sitzen. Betrachtet man diese Auswüchse von der Seite, so kann man bei geschlechtsreifen Männchen ein deutliches Loch erkennen. Bei noch nicht erwachsenen Männchen ist dieses Loch noch nicht erkennbar, da es erst bei der letzten Häutung entsteht. Wozu diese Auswüchse dienen, ist bisher noch nicht bekannt. Die Kiefertaster der Männchen sind zudem boxhandschuhähnlich verdickt. Der Rückenschild weist eine orangerote Färbung auf, während der Kopf braun bis dunkelbraun getönt ist. Die Augenregion ist etwas dunkler getönt. Der Hinterleib ist dunkelbraun gefärbt und am Vorderende hoch aufgewölbt und von oben fast kreisrund aussehend. Manchmal ist der Hinterleib mit einem zarten hellen Mittelband versehen, immer jedoch mit vielen kurzen Flaumehärchen bedeckt. Die mit Stacheln besetzten, relativ langen, dünnen Beine sind rotbraun schwach geringelt und besitzen an den Beinen 3 Klauen.

Lebensweise

Diese Art webt eine horizontale, leicht gewölbte, baldachinartige Gewebedecke, die in Bodennähe zwischen niederen Pflanzen oder auf Gesträuch angebracht wird. Von dieser dichten Gewebedecke geht nach oben ein Gewirr aus sogenannten Absturz- oder Stolperfäden, nach unten Spannfäden, die das Netz in seiner Lage halten und spannen. Die Spinne legt sich in der Regel keine Schlupfwinkel an. Sie sitzt stets mit dem Bauch nach oben auf der Unterseite der gewölbten Gewebedecke und wartet, bis sich ein Beutetier in den Stolperfäden verfängt. Meist bleibt das Opfer in den Fäden hängen und muß erst von der Spinne auf die Gewebedecke heruntergeschüttelt werden. Fällt die Beute dann auf den Baldachin herunter, so beißt die Spinne durch das Gewebe hindurch, wartet bis das Beutetier gelähmt ist, beißt dann das Gewebe durch und zieht die Beute unter das Netz, um sie dort in Ruhe zu verspeisen. Das geschlechtsreife Männchen webt kein eigenes Netz mehr. Das Männchen sucht eine Partnerin, umwirbt das Weibchen und lebt nach der Paarung noch eine geraume Zeit in dem Netz vom Weibchen, allerdings sehr an die Seite gedrückt. Diese Art lebt zeitlebens in ihrem Gewebe. Ihre Verbreitung erfolgt durch die Jungspinnen, die mit Hilfe von Flugfäden (Altweibersommer) vom Wind vertrieben werden.

Verbreitung

Trematocephalus cristatus lebt auf Büschen und Bäumen bis in eine Höhe von 1,5 Meter über dem Boden. Sie ist häufig im Frühjahr und Frühsommer zu sehen, wenn man diese bei der Kleinheit der Spinne überhaupt sagen kann. Die Spinne ist in Mitteleuropa verbreitet. Nach der Roten Liste in Deutschland ist Trematocephalus cristatus in Mecklenburg-Vorpommern potentiell gefährdet und selten zu finden. In Nordrhein-Westfalen ist die Art gefährdet und in Schleswig-Holstein/Hamburg ist eine Gefährdung anzunehmen. Dagegen ist die Spinne in Thüringen stark gefährdet.

Ernährung

Trematocephalus cristatus lebt räuberisch als Lauerjägerin. Sie ernährt sich hauptsächlich von Geflügelten Insekten (Pterygota) wie zum Beispiel Fliegen (Brachycera) und Mücken (Nematocera). Die Beutetiere verfangen sich meist in den oberhalb der Netzdecke befindlichen Stolperfäden. Gerät nun ein Insekt in diese Stolperfäden, so rüttelt die Spinne am Gespinst, bis das Insekt in die Netzdecke fällt oder sich befreien kann. Liegt ein Insekt auf der Netzdecke, so eilt die Spinne herbei und zieht das Beutetier durch die Netzdecke. Im Anschluss daran setzt sofort der Fressvorgang ein.

Fortpflanzung

Die Paarung findet vorzugsweise im Juni statt. Beide Partner hängen bauchoben im Netz. Das Männchen führt abwechselnd beide Taster in die weibliche Epigyne (äußeres weibliches Geschlechtsorgan) ein. Beim eingeführten Taster sieht man die Tasterblase (Haematodocha) anschwellen und anschließend wieder kollabieren. Nach Beendigung der Kopulation mit dem Weibchen, baut das Weibchen ein neues Netz, dem jetzt das Pheromon fehlt und somit werden keine weiteren Männchen mehr angelockt. Das Weibchen legt die Eier in einen Kokon ab, den das Weibchen mit ihrer Seide webt und an Pflanzenteilen befestigt. Bis zum Schlupf der Jungspinnen wird der Kokon gegen Fressfeinde und Artgenossen verteidigt. Je nach Umgebungstemperatur können die Jungspinnen nach einigen Tagen oder nach einigen Wochen schlüpfen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Heiko Bellmann, Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Und Süßwasserkrebse, Asseln, Tausendfüßer, Kosmos, 2006 ISBN 3440107469
  • Hans-Eckhard Gruner, Hans-Joachim Hannemann und Gerhard Hartwich, Urania Tierreich, 7 Bde., Wirbellose Tiere, Urania, Freiburg, 1994 ISBN 3332005022
  • Dick Jones, Der Kosmos-Spinnenführer, Frankh, 1990 ISBN 3440061418
  • Heiko Bellmann, Spinnen. Beobachten - Bestimmen, Naturbuch-Verlag, 1992 Weltbild Verlag GmbH, Augsburg ISBN 3-89440-064-1
  • Stefan Heimer, Wunderbare Welt der Spinnen, Landbuch-Verlag, 1988, Landbuch-Verlag GmbH, Hannover, 1988 ISBN 3-7842-0382-0
  • Rainer F. Foelix, Biologie der Spinnen, Thieme, 1979 ISBN 313575801X
  • Platnick, Norman I. (2008): The world spider catalog, version 8.5. American Museum of Natural History.
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