Trompetentierchen

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Trompetentierchen

Systematik
Domäne: Eukaryoten (Eucaryota)
Reich: Chromalveolata
Unterreich: Alveolata
Stamm: Wimpertierchen (Ciliophora)
Klasse: Heterotrichea
Ordnung: Heterotrichida
Familie: Stentoridae
Gattung: Trompetentierchen
Wissenschaftlicher Name
Stentor
Oken, 1815

Die Gattung der Trompetentierchen (Stentor) zählt innerhalb des Reiches Chromalveolata zum Stamm der Wimpertierchen (Ciliophora) und zur Klasse Heterotrichea. Die wissenschaftliche Bezeichnung der Gattung Stentor bezieht sich auf den griechischen Held Stentor und seine Form erinnert an eine Trompete.

Für das Jahr 2014 wurde die Gattung der Trompetentierchen von der DGP - Deutschen Gesellschaft für Protozoologie in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) zum Einzeller des Jahres gewählt.

Inhaltsverzeichnis

Morphologie

Zu den echten Ciliaten zählen unter anderem auch die Trompetentierchen. Sie sind keine gewöhnlichen Einzeller. Sie haben nämlich zwei oder mehr Kerne, die einer Arbeitsteilung unterworfen sind. Der Großkern dirigiert den Stoffwechsel, während der Kleinkern der Träger des Erbgutes ist. Es ist dies das gleiche Prinzip, das die vielzelligen Tiere mit der Trennung von Körper- und Keimbahnzellen befolgen. Wie dort Körperzellen aus Keimbahnzellen gebildet werden, jedoch nicht umgekehrt, so bildet hier der Kleinkern den Großkern nach jedem Konjugationsvorgang neu. Die Wimpern oder Cilien weisen denselben Bau auf wie die Geißeln. Sie können in regelmäßigen Reihen über den ganzen Körper verteilt sein, sind aber oft auch zu starren Tastborsten umgewandelt oder zu zusammengesetzten Bewegungsorganellen verklebt. Zwischen den Wimpern liegen oft in regelmäßiger Anordnung der Verteidigung dienende, ausschleuderbare Gebilde, die Trichozysten. Viele Arten, die sich zusammenzuziehen vermögen, tun dies mit Hilfe von - ebenfalls im Rindenplasma gelegenen - kontraktilen Fibrillen, die wie Muskelfasern wirken. Auch der Zellmund ist eine Bildung des Rindenplasmas, er kann entsprechend der Lebensweise der Tiere verschieden gebaut sein. Der Zellafter ist meist ein nur im Augenblick der Kotentleerung entstehendes Organell, zuweilen aber auch ein feiner Kanal von Dauer. Auch die kontraktile Vakuole, die im Gegensatz zu den übrigen Urtierchen bei parasitischen und im Meer lebenden Formen oft vorhanden ist, erweist sich als ein sehr kompliziert gebautes beständiges Organell, das an der Grenze zwischen Rinden- und Innenplasma liegt.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Stentor roeseli
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Stentor roeseli

Die Trompetentierchen erreichen eine Körperlänge von etwa 1,0 bis 2,0 Millimeter und zählen somit zu den längsten Einzellern und leben in der Regel in Kolonien, sie können aber auch einzeln leben. Sie bewegen sich schwimmend oval bis birnenförmig fort. Diese Infusorien besitzen zweierlei Wimpern, kleine am ganzen Körper und stärker in der adoralen Zone. Am Mund befindet sich ein spiralförmiger Kreis von Wimpern. Ferner weisen sie einen dehnbaren Körper auf, der im ausgestrecktem Zustand kegelförmig erscheint und im kontrahierten fast eiförmig. Mit Hilfe kleiner pseudopodienartiger Fortsätze, welche an dem zugespitzten Hinterende auftreten, vermögen sich die Trompetentierchen festzuheften und manche Arten umgeben sich in diesem Zustand mit einem gallertartigen Gehäuse, in das sie sich bei Beunruhigung zurückziehen können. Ihr Kern ist langgestreckt und oft perlschnurartig geteilt. Auch die pulsierende Vakuole hat eine dünne Verlängerung nach hinten. Longitudinale Muskelfibrillen, die sich schnell und linear zusammenziehen, befähigen die Tiere zu starken Kontraktionen.

Es gibt Arten, wie zum Beispiel das Grüne Trompetentierchen (Stentor polymorphus), das Blaue Trompetentierchen (Stentor coeruleus) und Stentor igneus , die nur schwer auseinander zu halten sind, jedoch können sie in verschiedenen Farben auftreten. Zum Beispiel kann das Blaue Trompetentierchen (Stentor coeruleus) aufgrund von Stentorin, dies ist ein natürliches Pigment, blau erscheinen und das Grüne Trompetentierchen (Stentor polymorphus) ist meist durch Zoochlorellen grün gefärbt. Beide bilden auf Pflanzen, Holzstückchen usw. rasenartige Überzüge. Wie viele Süßwasser-Protozoen, haben auch die Trompetentierchen eine kontraktile Vakuole. Sie können sich regenerieren und kleine Fragmente können sich in vollständige Organismen umwandeln. Jede Zelle hat einen (oft länglich) Makronukleus und mehrere Mikrokerne.

Lebensweise und Verhalten

Stentor polymorphus
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Stentor polymorphus

Trompetentierchen kommen nur im Süßwasser vor und heften sich an Unterwasser-Objekten wie zum Beispiel an verwesenden Algen. Mit ihrer trompetenförmigen Öffnung werden Nahrungspartikel aufgenommen. Sie ernähren sich von Cryptomonas und anderen Kleinorganismen. Die Trompetentierchen sind sehr regenerativ, ein kleiner Teil des Tieres kann zu einer vollständigen Kopie werden. Die Reproduktion wird sowohl sexuell als auch asexuell vollzogen. Als Paarungsvorgang beobachtet man bei den Trompetentierchen die Konjugation. Sie ist ein kompliziertes Geschehen, in dessen Verlauf die Großkerne zerfallen und ein Teil der Kleinkernmasse zwischen zwei Tieren ausgetauscht wird. Es ist dies ein geschlechtlicher Vorgang, in dessen Verlauf aus den vereinigten Kleinkernen auch neue Großkerne gebildet werden. Beide Tiere sind in der Lage, viele Male sich zu teilen. Bei einer niedrigeren Temperatur können die Trompetentierchen nicht reproduzieren, aber bei einer höheren Temperatur können sie sich explosionsartig vermehren.

Ökologie

Diese Protisten sind in Süßwasserseen und Bächen weltweit verbreitet. Nur Stentor multiformis lebt in Frischwasser und teerestrischen Biotopen. Sie leben meist angeheftet auf Algenfäden oder Geröll. Einige Trompetentierchen-Arten, wie zum Beispiel das Grüne Trompetentierchen (Stentor polymorphus) kann symbiotisch mit bestimmten Arten von Grünalgen (Chlorella) leben. Ferner heften sich die Trompetentierchen auch an Kieselalgen an. Während die Algen Nährstoffe produzieren und die Trompetentierchen diese aufnehmen, so ernähren sich wiederum die Algen von den Stoffwechselabfällen der Trompetentierchen. Die Trompetentierchen können auf Störungen von außen durch Kontraktion zu einer Kugel reagieren.

Die Reize der Umwelt beantworten die Trompetentierchen mit einheitlichem, der Ortsbewegung dienendem Wimpernschlag oder mit Ausstoßung der Trichozysten. Auf der Unterlage festgeheftete Trompetentierchen beantworten Sauerstoffmangel erst mit der Bildung des - zum freien Schwimmen erforderlichen - hinteren Wimperkranzes, was etwa eine Viertelstunde dauert. Dann lösen sie sich von der Unterlage und schwimmen umher, um sich an sauerstoffreicherem Ort wieder festzusetzen. Gelangen die Trompetentierchen in einen chemisch ungeeigneten Wasserbezirk, so tritt eine Schreckreaktion ein: Sie schwimmen durch Umkehr des Wimperschlages ein Stückchen zurück, machen eine kleine Wendung und schwimmen dann wieder vorwärts. Diese Reaktion wiederholt sich so oft, bis die Trompetentierchen sich in reinem Wasser befinden. Kohlensäure und andere Reize veranlassen die Trompetentierchen, entgegen der Schwerkraft nach oben zu schwimmen, eine sehr zweckmäßige Reaktion, das sie so in die sauerstoffreichen Bezirke der Wasseroberfläche gelangen. Häufig wirkt aber nicht nur ein Reiz allein: Manche Trompetentierchen vermeiden bei Sauerstoffreichtum die Helligkeit, bei Sauerstoffarmut die Dunkelheit.

Systematik der Gattung Trompetentierchen

Stentor igneus
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Stentor igneus
Stentor amethystinus
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Stentor amethystinus

Gattung: Trompetentierchen (Stentor)

Art: Stentor amethystinus
Art: Stentor araucanus
Art: Stentor baicalius
Art: Stentor barretti
Art: Stentor caudatus
Art: Blaues Trompetentierchen (Stentor coeruleus)
Art: Stentor cornutus
Art: Stentor elegans
Art: Stentor fuliginosus
Art: Stentor igneus
Art: Stentor introversus
Art: Stentor katashimai
Art: Stentor loricatus
Art: Stentor magnus
Art: Stentor muelleri
Art: Stentor multiformis
Art: Stentor multimicronucleatus
Art: Stentor niger
Art: Grünes Trompetentierchen (Stentor polymorphus)
Art: Stentor pyriformis
Art: Stentor roeseli

Anhang

Literatur und Quellen

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