Tropischer Regenwald

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Tropischer Regenwald in Süd-Brasilien; charakteristisch für solche Urwälder sind die reichen Bestände an Totholz
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Tropischer Regenwald in Süd-Brasilien; charakteristisch für solche Urwälder sind die reichen Bestände an Totholz

Die meisten Menschen denken bei dem Wort Regenwald direkt an einen undurchdringlichen Urwald mit dichtem Unterholzbewuchs. Dies ist in der Regel jedoch falsch. Extrem dicht sind die tropischen Regenwälder nur an den Waldrändern und an Flüssen, also dort wo viel Licht hingelangt. Durchdringt man diesen Vorhang aus Blättern und Büschen, gelangt man in eine mächtige Halle; der Regenwald ist eine besondere Form der Hallenwälder (Wälder die ein dichtes Kronendach bilden und kaum Licht durchlassen), wie sie bei uns durch Buchenmonokulturen vertreten sind. Im tropischen Regenwald gibt es auf Grund des Lichtmangels in Bodennähe kaum Grünpflanzen, nur die riesigen Stämme der bis über 40 Meter hohen Bäume und Palmen sowie die Ranken der Lianen sind zu sehen. Bricht ein Baum und fällt um, so entstehen große Lichtungen. An diesen wachsen nun Hunderte kleine Bäumchen und Palmen, auch Blütenpflanzen kommen dann ans Licht. Werden die Bäume größer, verdrängen sie nach und nach alle anderen Pflanzen. Die durchschnittliche Baumhöhe der Regenwälder beträgt knapp 30 Meter, einzelne Bäume, die so genannten Überständer, überragen diese Durchschnittshöhe und werden bis zu 60 Meter hoch. Häufig bilden Paranussbäume diese Überständer. Ein derart hoher Baum kann über 900 m² beschatten. Tropische Regenwälder sind entlang des Äquators zwischen dem nördlichen und südlichen Wendekreisen zu finden. Den Begriff "Grüne Hölle", welcher oft allgemein für die Regenwälder gebraucht wird, verdienen nur die Palmen-Regenwälder. Diese sind durch reichliches Licht oft bis auf den Boden bewachsen. Es gibt verschiedene Arten der tropischen Regenwälder. Tieflandregenwälder sind die typischen Urwälder. Gebirgsregenwälder sind bis auf 3.500 Meter Höhe zu finden und ähnlich bewachsen wie die Tieflandwälder. Allerdings können die Temperaturen hier in der Nacht bis auf den Gefrierpunkt abfallen. Halbimmergrüne Regenwälder sind etwas südlicher und nördlicher des Äquators aufzufinden. Hier sind Jahreszeiten stärker ausgeprägt.

Verbreitung der tropischen Regenwälder auf der Erde
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Verbreitung der tropischen Regenwälder auf der Erde

Inhaltsverzeichnis

Verbreitung und Klima

Die tropischen Regenwälder kommen um die gesamte Erde entlang des Äquators zwischen dem Wendekreis des Krebses (nördlicher Wendekreis) und dem Wendekreis des Steinbocks (südlicher Wendekreis) vor. Teilweise liegt die Ausbreitung der Regenwälder auch deutlich darüber oder darunter. Der größte Regenwald der Erde ist der Regenwald im Amazonasbecken in Südamerika. Insgesamt ziehen sich in Amerika (zumindest lückenhaft) tropische Regenwälder von Süd-Mexiko bis Nord-Argentinien, Teile des Hochgebirges der Anden ausgeschlossen. Auch gibt es große Regenwälder in West- und Zentralafrika, Südostasien, im Nordosten von Australien fallen die Regenwaldgebiete relativ klein aus.

Das Klima in einem tropischen Regenwald ist im allgemeinen feuchtwarm und das ganze Jahr über gleich. Am Tage liegen die Temperaturen unter den Baumkronen zwischen 25 und 32°C, darüber bis zu 45°C. Nachts sinken sie in gewöhnlichen Regenwäldern auf knapp 18 bis 24, in Bergregenwäldern auf bis zu 0°C ab. Die Luftfeuchtigkeit beträgt über den Baumkronen minimal 40%, darunter am Tag rund 80 bis 90%, während der Regenzeit, eines Regenschauers oder nach einem solchen, sowie in der Nacht steigt sie bis auf 100% an. Ein Tag im Regenwald könnte wie folgend aussehen: Gegen 8 Uhr liegt der Regenwald bei etwa 20°C während des Sonnenaufgangs im Nebel. Bis ungefähr 10 bis 12 Uhr verdunstet bei 20 bis 30°C jede Menge Wasser. Diese Menge bildet bis 13 bis 14 Uhr große Wolken, bevor sich dann die Wolken in Form von starken Regenfällen bis etwa 17 Uhr bei knapp 25 bis 32°C auf den Boden ergießen (häufig in Begleitung heftiger Gewitter). In einem Regenwald kann es 6.000 bis 12.000 mm/m² im Jahr regnen (im Taunus etwa 500 bis 900 mm/m²). Anschließend scheint bis 18 Uhr die Sonne und es herrschen Temperaturen bis über 28°C. Nachts sinken die Temperaturen, wie bereits angemerkt, je nach Regenwald-Art auf 24 bis 18, in den Hochebenen bis auf 0°C ab.

Tropischer Regenwald in Malaysia
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Tropischer Regenwald in Malaysia

Aufbau des Waldes und Bodenbeschaffenheit

Der Regenwald lässt sich in verschiedene Stockwerke einteilen, die so genannten Waldstockwerke oder Vegetationsschichten. Von unten nach oben kommt zuerst die Bodenschicht bestehend aus den mächtigen Brettwurzeln der Urwaldbäume (diese können zehn Meter über den Boden reichen), aus den Schattenpflanzen (zum Beispiel Moose) und der gerade mal 50 cm tiefen Humusschicht (fruchtbarer Boden) mit den darin lebenden Mikroorganismen wie Bakterien (Schizomycetes) und Pilze (Fungie), auch Würmer und verschiedenste Asseln (Isopoda) leben darin. Diese zählen zu den Destruenten, zersetzen also jegliche tote Materie die auf den Boden gelangt. Als nächstes stößt man auf die Krautschicht mit höher wachsenden Pflanzen wie Farne (Psilotopsida ) und kleine Sträucher. Diese müssen ebenfalls mit extrem wenig Licht auskommen. Als nächstes folgt die bis etwa 8 Meter hohe Strauchschicht mit jungen Bäumen und im Schatten wachsende Palmen. Gefolgt wird diese Schicht von einer "Freiluftzone", eine Zone ohne Bewuchs mit den Ästen der Bäume und den Schlingen der Lianen. Im Anschluss daran liegt das, in etwa 30 bis 40 Meter Höhe gelegene geschlossene Kronendach. Die einzigen, die diese Schicht überragen, sind die mächtigen Überständer, teilweise bis in 60 Meter Höhe. Da der Boden nur etwa einen halben Meter tief fruchtbar ist, bringt der landwirtschaftliche Anbau von Getreide nichts als die Zerstörung der Regenwälder, da der Stoffkreislauf unterbrochen wird und der Boden mit dem Getreide maximal noch vier Jahre lang fruchtbar ist.

Regenwald in Martinique
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Regenwald in Martinique

Pflanzen

Bei uns in Deutschland leben in einem Wald maximal zehn Baumarten, in tropischen Regenwäldern können auf einem Quadratkilometer bis zu hundert Baumarten wachsen. Insgesamt kommen in Regenwäldern bis zu 50.000 Baumarten vor, dabei machen die Bäume (echte Palmen ausgeschlossen) nur rund 5 Prozent der gesamten Pflanzenvielfalt der Regenwälder aus. Die anderen 95 Prozent bestehen vor allem aus Farnen, Moosen, Epiphythen, Lianen und Palmen. Besondere Schönheiten der Pflanzen des Regenwaldes stellen die lichtbedürftigen Orchideen und die weniger lichthungrigen Bromelien dar. Bromelien färben ihre oberen Laubblätter oft in rot oder gelb, um Insekten an die unscheinbaren Blüten zu locken. Beide, sowohl Orchideen, als auch Bromelien, sind Epiphythen, das sind Aufsitzerpflanzen, die sich auf den Ästen von Bäumen einnisten. Sie leben allerdings nicht parasitär, sondern ernähren sich von dem Wasser (bei Bromelien können sich je nach Art bis zu 10 Liter in ihren Blättern sammeln) in der Luft und des Regens, dem Humus der sich aus zersetzten, toten Pflanzen und Kleintieren auf den Ästen der Bäume bildet und von dem Sonnenlicht. Unter den Lianen finden sich zum Beispiel Fensterblatt oder Schleffera. Auch gibt es pflanzliche Parasiten auf anderen Pflanzen, so wie die Würgefeigen: Ein Samen der Würgefeige landet in der Krone eines Baumriesen und fängt an Luftwurzeln zu schlagen, bevor das Laub durchbricht. Die Luftwurzeln wachsen immer weiter in Richtung Boden. Die Pflanze ernährt sich bis die Wurzeln den Boden erreicht haben, wie die Epiphythen. Haben die Wurzeln den Boden erreicht, graben sie sich in die Erde und nehmen nun auch von dort Nährstoffe auf. Die Luftwurzeln werden immer dicker und bilden Stämme, während das Blattwerk der Würgefeige zu einer stattlichen Baumkrone heranwächst. Sind die Wurzeln der Feige dick genug, um die Krone tragen zu können, wird der Wirtsbaum zugewuchert und zusammengedrückt, bis dass dieser an Lichtmangel und der Unterbrechung der Wasserzufuhr abstirbt und zusammenfällt. Am Ende steht nur noch die Würgefeige.

Riesentukan (Ramphastos toco)
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Riesentukan (Ramphastos toco)

Tiere

Von allen Tieren der Welt leben in den Regenwäldern, besonders in Südamerika, schätzungsweise 50 bis über 70 Prozent der Tier-Arten. Allerdings wird man keinen "Vorhang aus Tieren" zu Gesicht bekommen, wenn man den Regenwald betritt, eher wird genau das Gegenteil der Fall sein; kein tierisches Wesen wird sich rühren oder einen Ton ausstoßen, sollten sie merken, dass Menschen im Wald sind. Sieht man aber genauer hin und studiert den Regenwald einige Zeit, wird man feststellen, wie groß die tierische Artenvielfalt dieses einzigartigen Lebensraums ist. Rund 90% der Tiere des Regenwaldes sind Insekten (Insecta), knapp 97% davon Käfer (Coleoptera). Die Nahrungsbeziehungen im tropischen Regenwald sind oft sehr kompliziert und nur schwer zu verstehen. Einige bekannte und interessante Tiere des Regenwaldes sollen hier aufgezählt sein:

Reptilien, Amphibien und Gliederfüßer
Brillenkaiman (Südamerika) - Grüner Leguan (Südamerika) - Abgottschlange (Südamerika) - Netzpython (Südost-Asien) - Bindenwaran (Südost-Asien) - Flugdrachen (Südost-Asien) - Taggeckos (Madagaskar) - Gabunviper (Afrika) - Königspython (Afrika) - Grüner Baumpython (Südost-Asien und Nordost-Australien) - Rotaugenlaubfrosch (Mittelamerika) - Baumsteiger (Süd- und Mittelamerika) - Goliathkäfer (Afrika) - Riesenvogelspinne (Südamerika) - Vogelfalter (Sumatra)
Gebänderter Färberfrosch (Dendrobates leucomelas)
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Gebänderter Färberfrosch (Dendrobates leucomelas)
Vögel, Säugetiere und Fische
Vieraugenbeutelratten (Südamerika) - Ai (Südamerika) - Klammeraffe (Südamerika) - Jaguar (Südamerika) - Brüllaffen (Südamerika) - Totenkopfäffchen (Südamerika) - Nasenbär (Südamerika) - Tapir - Pekari - Harpyie (Südamerika) - Ara (Südamerika) - Kolibri (Süd- und Mittelamerika) - Trompetenvogel (Südamerika) - Tukan (Südamerika) - Amazone (Südamerika) - Roter Sichler (Süd- und Mittelamerika) - Sumatra-Tiger (Indonesien) - Orang-Utan (Südost-Asien) - Leopard (Afrika) - Graupapagei (Afrika) - Schimpanse (Afrika) - Okapi (Afrika) - Blauer Paradiesvogel (Neuguienea) - Neuguinea-Dingo (Neuguinea) - Zitteraal (Südamerika) - Segelflosser (Südamerika) - Afrikanischer Messerfisch (Westafrika) - Bänder-Panzerwels (Südamerika) - Diskus (Südamerika) - Prachtschmerle (Südost-Asien) - Mosaikfadenfisch (Südost-Asien) - Afrikanischer Großschuppensalmler (Westafrika)

Bedrohung

Ursprünglich hat der tropische Regenwald elf Prozent der Landmasse bedeckt, heute sind es gerade mal noch fünf Prozent. Bedroht sind die Regenwälder besonders durch die Landwirtschaft, welche wie bereits angesprochen nicht viel bringt, da sich Pflanzen dort nicht lange halten können. So entstehen dort wo einst üppiger Regenwald wuchs trockene Steppen und Wüsten. Auch ist der Regenwald durch Holzwirtschaft und Wilderer stark bedroht. Die Holzkohleindustrie gefähredet ihn zusätzlich, durch das Niederbrennen der Regenwälder. Weltweit schätzt man den Verlust auf 180.000 km² in einem Jahr. Unzählige Tier- und Pflanzen-Arten sind bedroht, hunderte gar vor dem Aussterben oder sind es bereits.

Bilder-Gallerie: Tiere und Regenwälder

Anhang

Siehe auch

Quellen und Literatur

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