Tschiru

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Tschiru

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Ziegenartige (Caprinae)
Gattung: Pantholops
Art: Tschiru
Wissenschaftlicher Name
Pantholops hodgsonii
Abel , 1826

IUCN-Status
Endangered (EN) - IUCN

Der Tschiru (Pantholops hodgsonii), der auch Orongo oder Tibetantilope genannt wird, zählt innerhalb der Hornträger (Bovidae) zur Unterfamilie der Ziegenartigen (Caprinae). Im Englischen wird die Art Tibetan Antelope genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Tschiru erreicht eine Körperlänge von 120 bis 140 Zentimeter, eine Schulterhöhe von 75 bis 85 Zentimeter sowie ein Gewicht von 28 bis 45 Kilogramm. Das Fell ist überwiegend hellbraun bis zu einem hellen Graubraun gefärbt. Das Gesicht und die Extremitäten können dunkelbraune Markierungen aufweisen. Die Männchen tragen imposante Hörner, die eine Länge von bis zu 70 Zentimeter erreichen können. Die Hörner sitzen auf dem Oberkopf und stehen zum Unterkiefer in einem 90-Grand Winkel. Sie erstrecken sich also nahezu senkrecht in die Höhe. Die Hörner sind an der Vorderseite stark gefurcht und biegen sich im oberen Teil leicht nach hinten und wieder nach vorne. Die Weibchen tragen keine Hörner. Die stehenden Ohren sind mittelgroß und befinden sich im hinteren Teil des Kopfes hinter den Hörnern. Im Vergleich zum Körper wirken die Beine recht zierlich. Sie enden in kleinen aber kräftigen Hufen.

Tschirus leben hauptsächlich in getrenntgeschlechtlichen Herden. Weibchen leben in kleinen Herden, die sich aus mehreren Weibchen und deren Nachwuchs zusammenstzen. Eine Herde mit Weibchen kann aus zehn bis zwanzig Individuen bestehen. Männchen leben einzelgängerisch oder bilden sogenannte Junggesellengruppen. Die Geschlechter treffen sich meist nur zur Paarungszeit. Dann versuchen einzelne, dominierende Männchen eine Gruppe mit Weibchen zu erobern. Während der Paarungszeit kommt es unter den geschlechtsreifen Männchen zu erbitterten Kämpfen um die Weibchen kommen. Bei den Kämfen werden die mächtigen Hörner als Waffe eingesetzt. Die Tiere leben in den Hochebenen der Hochgebirge, oftmals oberhalb der Baumgrenze. Im Winter schließen sich mehrere Gruppen zusammen und ziehen in tiefere Lagen. Auf der Flucht vor Fressfeinden können Tschirus eine Geschwindigkeit von über 60 km/h erreichen.

Verbreitung

Tschirus leben in den Hochgebirgslagen des Himalaya. Die Hauptvorkommen leben heute in Tibet sowie im indischen und pakistanischen Teil der Ausläufer des Himalaya. Kleinere Populationen leben auch in China. Sie leben in alpinen Regionen zum Teil oberhalb der Baumgrenze. In Höhenlagen kommen sie bis in Höhen von 3.500, teilweise bis in Höhen von 5.000 Metern vor.

Ernährung

Der Tschiru ernährt sich hauptsächlich von Gräsern, Kräutern Moosen und Flechten. Als tagaktive Tiere gehen sie hauptsächlich am Tage bis in die Abenddämmerung auf Nahrungssuche.

Fortpflanzung

Tschirus erreichen die Geschlechtsreife mit 18 bis 28 Monaten. Männchen brauchen meist bis zu einem Jahr länger als Weibchen. Die Paarungszeit erstreckt sich über September bis Oktober. Die Geschlechter treffen sich zur Paarungszeit. Dann versuchen einzelne, dominierende Männchen eine Gruppe mit Weibchen zu erobern. Während der Paarungszeit kommt es unter den geschlechtsreifen Männchen zu erbitterten Kämpfen um die Weibchen. Bei den Kämfen werden die mächtigen Hörner als Waffe eingesetzt. Hat ein Männchen eine Herde mit Weibchen erobert, so paart es sich mit allen Weibchen seiner Gruppe. Danach verläßt das Männchen die Gruppe wieder.

Nach einer Tragezeit von 210 bis 235 Tagen bringt das Weibchen im Sommer an geschützter Stelle ein Kalb zur Welt. Aufgrund des widrigen Klimas ist die Sterblichkeit unter den Jungtieren ausgesprochen hoch. Meist erreichen nicht einmal ein Drittel der Jungtiere die Geschlechtsreife. Die Jungtiere sind mit etwa einem Jahr selbständig. Weibchen bleiben in der Gruppe, in der sie geboren wurden. Männchen verlassen die Gruppe und schließen sich Junggesellenherden an. Ein Tschiru kann in Freiheit ein Alter von gut acht Jahren erreichen, in Gefangenschaft auch deutlich mehr.

Schutz, Bedrohung

In den letzten Jahrzehnten haben die frei lebenden Bestände dramatish abgenommen. Noch in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts lebten rund eine Millionen Tiere im Himalaya. Heute dürfte der Bestand nach vorsichtigen Schätzungen auf unter 50.000 Tiere gesunken sein. Der Hauptgrund für den drastischen Rückgang dürfte die starke Bejagung sein. Die Einheimischen töten die Tiere wegen ihrer wertvollen Wolle und des Fleisches. Die Hörner finden in der traditionellen chinesichen "Medizin" Verwendung. Mittlerweile ist die Art in allen Verbreitungsgebieten streng geschützt. Die illegale Jagd wurde dadurch jedoch kaum gestoppt. Auch die Zerstörung der natürlichen Habitate hat letztlich zu diesem Dilemma beigetragen. Die Art steht aufgrund des Wahingtoner Artenschutzabkommens, Anhang I, unter weltweitem Schutz. Der Handel mit Tieren und Produkten aus ihnen ist verboten. In der Roten Liste des IUCN wird der Tschiru mittlerweile als bedrohte Art geführt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

Links

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