Uferschwalbe

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Uferschwalbe
Russia, Voronezh region, Venevitinovo

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Schwalben (Hirundinidae)
Unterfamilie: Hirundininae
Gattung: Riparia
Art: Uferschwalbe
Wissenschaftlicher Name
Riparia riparia
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Uferschwalbe (Riparia riparia) zählt innerhalb der Familie der Schwalben (Hirundinidae) zur Gattung Riparia. In Deutschland wurde die Uferschwalbe im Jahre 1983 vom Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) zum Vogel des Jahres ernannt.

Die Uferschwalbe ähnelt in Größe und Aussehen dem Alpensegler (Tachymarptis melba), dem Mauersegler (Apus apus) sowie der Mehlschwalbe (Delichon urbica) und ist mit den genannten drei Arten leicht zu verwechseln.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Schwalben sind kleine Luftjäger. Unter ihnen ist die Uferschwalbe die kleinste mit der unstetigsten und am meisten flatternden Flugweise. Die Uferschwalbe ist kleiner als ein Haussperling (Passer domesticus) und ist die kleinste europäische Art. Sie erreicht eine Körperlänge von etwa 12 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 26 bis 29 Zentimeter sowie ein Gewicht von etwa 13 bis 14 Gramm. Die Uferschwalbe ist in ihrem Körperbau etwas gedrungener als die Rauchschwalbe (Hirundo rustica) und hat keine so stark verlängerten äußeren Schwanzfedern wie ihre nahe Verwandte. Die Flügel sind breiter angesetzt und laufen spitz zu, der leicht gegabelte kurze Schwanz sitzt an einem rundlichen Körper. Die Oberseite weist eine einheitliche braune Färbung auf, während die Unterseite weißlich mit scharf abgesetztem, braunem Brustband erscheint. Die Flügel sind recht schmal und sind ebenfalls bräunlich gefärbt. Die Jungvögel dagegen haben helle Federsäume. Im Flug sieht man bei der Uferschwalbe deutlich die braun gefärbten Oberflügel. Des weiteren ist die Kehle weißlich getönt und der Kopf zeigt eine bräunliche Färbung. Die Uferschwalbe hat einen winzigen schwarzen Schnabel, aber einen großen Schnabelspalt. Die Füße sind sehr klein, aber immerhin stark genug, um dem Vogel auf einem Leitungsdraht oder einem Zweig einen gut Halt zu geben. Ganz anders als die Segler (Apodidae) sieht man die Uferschwalbe häufig sitzen. Beim Sitzen auf Zweigen und Leitungen zeigt sie eine aufrechte Haltung. Man kann auch beobachten, dass sie sich oft an Erdwände oder an den Eingang der Nesthöhle setzt. Die Extremitäten sind dunkelgrau bis schwärzlich geschönt und enden in vier Zehen, von denen eine Zehe nach hinten zeigt und drei Zehen nach vorn.

Winterquartier der Uferschwalben - Lake Baringo, Kenya
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Winterquartier der Uferschwalben - Lake Baringo, Kenya

Die Uferschwalbe zählt zu den großen Virtuosen des Kunstfliegens. Ihr Flug ist schwankend, gekreuzt mit kleinen Sprüngen, den man oft mit jenem der Schmetterlinge vergleichen kann. Des weiteren ist der Flug etwas unstet flatternd mit schnellem Ausstrecken der Flügel, die stark nach hinten abgewinkelt werden, schneller, wenn sie im Schilf zur Übernachtung einfällt oder ein Fleischfresser in der Nähe ist. Man sieht die Uferschwalbe oft, tief über dem Wasser fliegen, aber entgegen der Rauchschwalbe (Hirundo rustica) fliegt die Uferschwalbe sehr selten in großer Höhe. Der Ruf ist ein trockenes, raspelndes, hartes und konsonantisches "tschrrp", bei Gefahr "i" durchklingend etwa "brip". Der Gesang besteht aus ähnlichen Lautfolgen und ist ein leises raschelndes Gezwitscher oder ein läutendes schnelles Zwitschern. Die Uferschwalbe lebt in kleinen Schwärmen, die große Uferschwalbenkolonien bilden können. Sie sind leicht in steilen Erdwänden und Sandgruben zu entdecken, aber meist auf wenige Plätze beschränkt. Die Uferschwalbe kann unter günstigen Umständen in der Natur ein Alter von bis zu fünf Jahre erreichen.

Unterarten

Brutröhren der Uferschwalben - Covehithe Cliffs, England
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Brutröhren der Uferschwalben - Covehithe Cliffs, England

Verbreitung

Die Uferschwalbe ist gegenwärtig in den gemäßigten Breiten Eurasiens und in ganz Europa mit einigen Inseln im Norden und im Mittelmeer sowie der Hochgebirge zu finden. Die größten Populationen leben im Osten des Kontinents sowie in Spanien. In Frankreich besetzt sie zwei Drittel des Territoriums. In Deutschland ist die Uferschwalbe nur stellenweise im Tiefland verbreitet. In einigen Gebieten ist sie bedroht. Die Uferschwalbe zählt zu den Langstreckenziehern und findet von April bis September statt. Die Winterquartiere liegen in Ostafrika und Südafrika.
Uferschwalbe - Russia, Moscow region, Balkovo
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Uferschwalbe - Russia, Moscow region, Balkovo
Die Uferschwalbe kommt sehr zeitig im Frühling aus ihrem Winterquartier zurück, zu Zeiten, in denen die Bedingungen noch sehr schwierig sind für einen Vogel, der von Insekten (Insecta) als Nahrung abhängig ist. Zu dieser Zeit ist die Uferschwalbe fast ganz auf Seen und andere Wasserflächen konzentriert, weil hier am ehesten Insekten (Insecta) zu erwarten sind. Bald danach findet sich die Uferschwalbe an ihren Kolonien ein, ist aber sehr schnell dabei, auch neue Möglichkeiten ausfindig zu machen, selbst in kleinen Straßenabschnitten oder Sandgruben, die nur für ein oder zwei Jahre Nistgelegenheiten bieten.

Künstlich angelegte Nistwände haben sich als sehr erfolgreich erwiesen. Die Uferschwalbe hält sich vorwiegend, wie oben schon kurz erwähnt, in natürlichen oder künstlichen Feuchtgebieten auf, das können Seen sowie Teiche, Flüsse und Küstenfelsen sowie Sandgruben oder Tongruben und erdige Steilwände, ausgewaschene Erdwände oder Straßenböschungen sein. Die Reproduktion hängt stark von der Beschaffenheit des Habitates ab, so werden gerne schroffe Felsen mit feiner Granulation ausfindig gemacht. Der Lebensraum ist durch Witterungseinflüsse sehr empfindlich und unbeständig, was zur Folge hat, dass es jährlich zu großen Fluktuationen der nestbauenden Vögel kommt. Die Uferschwalbe nistet in dichten Kolonien. Diese Kolonien können aus 600 bis 700 Paaren bestehen. Die herbstlichen Schlafplätze befinden sich oft im Schilf.

Ernährung

Die Uferschwalbe ernährt sich von fliegenden Kleininsekten und fängt die Insekten (Insecta) im Flug, oft über dem Wasser, mitunter sucht die Uferschwalbe auf nacktem Boden nach Nahrung. Die Jungvögel werden mit Mücken (Nematocera) und Stechmücken (Culicidae) sowie anderen Kleininsekten, manchmal auch schon mit Libellen (Odonata) gefüttert.

Fortpflanzung

Brutröhre der Uferschwalbe in einer Lehmgrube - Dziwnówek (Poland) on Baltic Sea cliff
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Brutröhre der Uferschwalbe in einer Lehmgrube - Dziwnówek (Poland) on Baltic Sea cliff

Die Paarungszeit und die Brutsaison finden in den Monaten von April bis Juli statt. Während dieser Zeit kann es zu zwei Jahresbruten kommen. Das Nest wird in selbstgegrabenen Brutröhren in künstlichen oder natürlichen Steilwänden mit sandigem, tonigem oder lehmigem Boden angelegt. Des weiteren wird das Nest auch in schroffen Felswänden, in einer Sandgrube oder am Flussufer errichtet. Vorhandene Löcher werden gerne angenommen, daher brütet die Uferschwalbe selten in Kieswänden oder Steinwänden. Das Nest besteht im allgemeinen aus Gräsern, Halmen und aus Federn und befindet sich am Ende der selbstgegrabenen Brutröhre. Die Brutröhre, die von dem Männchen und dem Weibchen gegraben wurde, kann eine Tiefe von einem Meter betragen und wird mehrere Jahre in Folge genutzt. Im allgemeinen führt die Uferschwalbe zwei Bruten durch. Allerdings kommt es bei den Populationen, die sich in den nördlichen Regionen aufhalten, nur zu einer Brut. Nach der Reproduktionsperiode, versammeln sich die Uferschwalben im Schilf, um sich für den Flug in die Winterquartiere nach Afrika vorzubereiten.

Der eigentliche Legebeginn ist Ende Mai/Anfang Juni. Das Weibchen legt vier bis fünf Eier, manchmal auch sechs Eier, die eine Länge von etwa achtzehn Millimetern aufweisen. Die Eier zeigen eine weißliche Tönung und sind selten mit feinen rötlichen Punkten besetzt. Abwechselnd werden die Eier von dem Männchen und von dem Weibchen gewärmt. Die Inkubation der Eier dauert etwa 12 bis 16 Tage. Nach dem Schlupf werden die Küken von dem Weibchen und dem Männchen reichlich mit Nahrung in Form von Insekten wie zum Beispiel Mücken (Nematocera) und Stechmücken (Culicidae) sowie anderen Kleininsekten, manchmal auch schon mit Libellen (Odonata) gefüttert. Nach 16 bis 22 Tage sind die Jungvögel flügge und verlassen die Bruthöhle, um das Erbeuten fliegender Kleininsekten über dem Wasser von den Altvögeln zu lernen und zu üben. Deutlich sind bei den Jungvögeln im Flug die hellen Federsäume sichtbar. Die Lebenserwartung der Uferschwalbe beträgt unter günstigen Umständen in der Natur von bis zu fünf Jahre.

Gefährdung und Schutz

Brutröhren der Uferschwalben - Sand Cliffs at Minsmere
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Brutröhren der Uferschwalben - Sand Cliffs at Minsmere

Der Bestand nimmt immer mehr ab. Die Uferschwalbe wird allerdings in der Roten Liste der IUCN als least concern (nicht gefährdet) geführt. Die Gefährdung der Uferschwalbe ergibt sich aus der Kurzlebigkeit der Brutplätze. Denn in vielen Gruben findet während der Brutzeit Abbau statt, der das Brutgeschäft empfindlich stört oder Kolonieteile vernichtet. Auch nicht mehr gewerblich genutzte Gruben sind häufig stark gestört.

Viele von ihnen verschwinden ohnehin durch Auffüllen oder werden durch sogenannte Rekultivierungsmaßnahmen für die Uferschwalbe unbrauchbar gemacht. So werden zum Beispiel Steilwände abgeflacht und begrünt. Längst ist die Uferschwalbe kein Uferbewohner mehr, sondern siedelt größtenteils in Abgrabungen, die künstlich angelegt wurden, vor allem Lehmgruben geben heute die wichtigsten Brutplätze für die Uferschwalben ab. Die Brutkolonien an steilen Flußufern oder Meeresküsten machen nur noch einen Bruchteil des Bestandes aus.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Pierandrea Brichetti: Vögel. In Garten, Park und freier Natur. Neuer Kaiser Verlag , 2002.ISBN 370431322X
  • Rob Hume: Vögel in Europa. Dorling Kindersley; Auflage: 1 (Januar 2003) ISBN 3831004307
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Dr. Einhard Bezzel: Der zuverlässige Naturführer. BLV Handbuch Vögel. 3. überarbeitete Auflage (2006). BLV Buchverlag GmbH & Co. KG, München.ISBN 3-8354-0022-3; ISBN 3-8354-0022-1
  • Manfred Pforr, Alfred Limbrunner: Ornithologischer Bildatlas der Brutvögel Europas, Band 2. Weltbild Verlag GmbH, Augsburg, 1991 ISBN 3894400072

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