Vallombrosa-Bülbül

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Vallombrosa-Bülbül
Turkey, Antalya, Sorgun

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Überfamilie: Sylvioidea
Familie: Bülbüls (Pycnonotidae)
Gattung: Echte Bülbüls (Pycnonotus)
Art: Vallombrosa-Bülbül
Wissenschaftlicher Name
Pycnonotus xanthopygos
Hemprich & Ehrenberg, 1833

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Vallombrosa-Bülbül (Pycnonotus xanthopygos), auch als Gelbsteißbülbül bekannt, zählt innerhalb der Familie der Bülbüls (Pycnonotidae) zur Gattung der Echten Bülbüls (Pycnonotus). Die englische Bezeichnung des Vallombrosa-Bülbüls lautet White-spectacled Bulbul oder White-eyed Bulbul. Es gibt keine bekannten Unterarten, demnach ist die Art monotypisch.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Vallombrosa-Bülbül ist etwa so groß wie ein Haussperling (Passer domesticus) oder wie eine Amsel (Turdus merula). Er erreicht eine Körperlänge von etwa 19 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 26 bis 31 Zentimeter sowie ein Gewicht von etwa 31 bis 43 Gramm. Beide Geschlechter ähneln sich in Größe und Aussehen. Markantes Merkmal sind der gelbe Steiß und zum Kontrast die schwarze Gesichtsmaske. Des weiteren zeigt sich ansatzweise eine leichte Erhebung auf dem Kopf, was andeutungsweise wie eine Haube aussieht. Die Augen sind mit einem deutlichen weißen Augenring versehen. Der Hals und die Flügel sind recht kurz geraten, während der Schwanz ziemlich lang und ein wenig gegabelt ist. Des weiteren weist der lange Schwanz feine äußere weiße Streifen und weißliche Ecken auf.

Die Extremitäten und die Zehen mit den Krallen sind verhältnismäßig schwach und klein ausgebildet. Ansonsten sind die Extremitäten dunkel geschönt und enden in vier Zehen, von denen eine Zehe nach hinten zeigt und drei Zehen nach vorn. Die Körperfedern sind lang, weich und locker, besonders am Hinterrücken. Des weiteren sind im Nacken einige haarähnliche Federn zu erkennen, die lang und auffällig sind. Der Rücken weist eher eine unauffällige olivebraune Färbung auf, während die Unterseite hellgrau erscheint. Das Kinn und die Kehle weisen ebenfalls eine schwärzliche Färbung auf, wobei unter der Kehle sich ein leichtes bräunliches Halsband zeigt. Der dunkel gefärbte Schnabel ist recht klein und ist zur Spitze hin etwas nach unten gebogen. Die Jungvögel sind im Gegensatz zu den Altvögeln dunkler gefärbt, ebenfalls ist der Augenring weniger deutlich ausgeprägt als bei den Altvögeln. Der Vallombrosa-Bülbül ist ein sehr flinker Vogel, wenn es sich darum handelt, Insekten im Flug zu fangen, oder von Blatt zu Blatt zu fliegen. Der Vallombrosa-Bülbül hat einen flötenden Gesang, einhergehend mit zwitschernden Strophen etwa wie "whee-too-too", die mit Varianten wiederholt werden. Seine Rufe umfassen ebenfalls ein deutliches "weck", die allerdings etwas disharmonisch klingen.

Wasserfall - Türkei, Antalya
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Wasserfall - Türkei, Antalya

Lebensweise

Der Vallombrosa-Bülbül sucht hauptsächlich in der Abenddämmerung seine Nahrung. Die Insekten (Insecta) werden oft im Flug erbeutet. Manchmal verhält er sich beim Erbeuten der Insekten wie ein Bienenfresser (Merops apiaster), indem er den kurzen Jagdflug von einer geeigneten Sitzwarte aus vorzieht. Des weiteren sucht er auch in den Blättern nach Insekten, wobei er von Blatt zu Blatt fliegt. Der Vallombrosa-Bülbül ist offensichtlich ein Standvogel. Die Lebenserwartung des Vallombrosa-Bülbüls kann unter günstigen Umständen in der Natur etwa acht Jahre betragen.

Verbreitung

Der Vallombrosa-Bülbül ist der einzige Bülbül, der im gesamten Mittleren Osten vorkommt. Er ist ein Brüter im Mittleren Osten, im Zentrum und im Süden der Türkei, sowie im Westen, im Zentrum und im Süden Arabiens. Des weiteren findet man den Vallombrosa-Bülbül in Syrien, in Libanon, im Westen von Jordanien, Israel und im Sinai. Der Vallombrosa-Bülbül lebt in den Mittelmeer- und in den subtropischen Zonen. Er lebt über dem Meeresspiegel bis zu mehr als 2.000 Metern Höhe in Feuchtgebieten. Er besucht gerne Gärten, Palmenhaine, Kulturlandschaften mit zahlreichem Baumbewuchs und mit Büschen, an Flussläufen mit dichter Vegetation, in Schluchten und vorzugsweise auch an Küstenstreifen.

Ernährung

Der Vallombrosa-Bülbül verbraucht hauptsächlich Früchte, Saatgut und nebenbei auch Insekten (Insecta). Gelegentlich nimmt er Blätter sowie Blumennektar zu sich. Spezialisiert hat sich der Vallombrosa-Bülbül allerdings auf die reifen Früchte des Stechpalmen-Kreuzdorn (Rhamnus alaternus). Abgesehen von dem Emodin enthalten die Früchte des Stechpalmen-Kreuzdorn (Rhamnus alaternus) eine Vielzahl an Sekundärstoffwechselprodukten, die aufeinander einwirken und die Vogelverdauung beeinflussen. Der Effekt des Emodins in den natürlichen Früchten kann das Resultat seiner chemischen Interaktionen mit anderen Sekundärstoffwechselprodukten in der Rhamnus-Frucht sein. Des weiteren steigert sich durch das Emodin die Sekundärstoffwechselproduktion und die Leistungsfähigkeit der Nahrungsmittelassimilation bei dem Vallombrosa-Bülbül.

Fortpflanzung

Vallombrosa-Bülbül - Turkey, Antalya, Sorgun
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Vallombrosa-Bülbül - Turkey, Antalya, Sorgun

Aus Zweigen, Gräsern, Moosen, Blättern sowie Wurzelfasern und manchmal auch aus ein wenig Schnur und Wolle erbaut der Vallombrosa-Bülbül ein offenes napfförmiges Nest, das gewöhnlich etwas grob und unordentlich wirkt und mit feineren Stoffen wie Haare, Rinden- und Wurzelfaserspänen ausgepolstert wird. Das Nest steht oder hängt in Astgabeln, meist in den tieferen Stockwerken von Bäumen oder in Büschen. Die zwei oder drei (selten vier oder fünf) glänzenden blassroten oder weißen Eier sind mit violetten, leicht blassrosa, rostroten und grauen Flecken bedeckt. Das Weibchen wärmt die Eier etwa 13 bis 14 Tage lang. Das Männchen bringt dem Weibchen die Nahrung und löst das Weibchen beim Wärmen der Eier nur gelegentlich ab, ansonsten liegt die Hauptlast bei dem Weibchen. Das Männchen und das Weibchen füttern die Küken reichlich mit Nahrung in Form von Insekten (Insecta). Das Männchen hilft auch beim Hudern der Küken. Gegen Ende der ersten Woche sind die Jungvögel gut befiedert und können das Nest im Alter von sechzehn Tagen verlassen. Die Jungvögel sind im Gegensatz zu den Altvögeln dunkler gefärbt, ebenfalls ist der Augenring weniger deutlich ausgeprägt als bei den Altvögeln. Der Vallombrosa-Bülbül kann unter günstigen Umständen in der Natur ein Alter von etwa acht Jahren erreichen.

Gefährdung und Schutz

Der Vallombrosa-Bülbül gehört heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Das globale Verbreitungsgebiet der Populationen erstreckt sich annähernd über 100.000 bis 1.000.000 Quadratkilometer. Der Vallombrosa-Bülbül ist in weiten Teilen dieses großen Areals meist häufig anzutreffen, einschließlich geschätzte 12.000 bis 36.000 Vallombrosa-Bülbüls (BirdLife International in prep.). In der Roten Liste der IUCN wird der Vallombrosa-Bülbül als least concern (nicht gefährdet) geführt

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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