Veilchenkopfelfe

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Veilchenkopfelfe

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Seglervögel (Apodiformes)
Familie: Kolibris (Trochilidae)
Unterfamilie: Eigentliche Kolibris (Trochilinae)
Gattung: Calyptekolibris (Calypte)
Art: Veilchenkopfelfe
Wissenschaftlicher Name
Calypte costae
Bourcier, 1839

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Die Veilchenkopfelfe (Calypte costae) zählt innerhalb der Familie der Kolibris (Trochilidae) zur Gattung der Calyptekolibris (Calypte). Calypte costae wurde nach dem französichen Adligen Louis Marie Pantaleon Costa benannt.

Die Veilchenkopfelfe kann leicht mit dem nah verwandten Annakolibri (Calypte anna) verwechselt werden. Der Schnabel der Veilchenkopfelfe ist jedoch nicht gebogen, sondern völlig gerade.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Veilchenkopfelfe gehört zu den kleineren Kolibriarten in Nordamerika. Sie erreicht eine Körperlänge von gut 7 bis 8 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 11 Zentimeter sowie ein Gewicht von 3,1 bis 3,4 Gramm. Weibchen bleiben nur unwesentlich kleiner und leichter als Männchen. In der Gefiederfärbung weisen die Geschlechter jedoch einen deutlichen Dimorphismus auf. Der Nacken und die Rückenseite bei beiden Geschlechtern weist eine grünliche Färbung auf. Der Kopf und der Kehlbereich sind beim Männchen markant violett gefärbt, beim Weibchen sind der Kopf grünlich und der Kehlbereich unscheinbar weißlich gefärbt. Hier zeigen sich nur wenige violette Federchen.
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Die Bauchseite ist überwiegend weißlich bis gräulich und zeigt an den Seiten hellgrüne Musterungen. Der mittellange Schnabel ist nut wenig gekrümmt und weist wie die Extremitäten eine schwarze Färbung auf. Die Augen weisen eine bräunliche Färbung auf.

Lebensweise

Die tagaktiven Veilchenkopfelfen leben einzelgängerisch, die Geschlechter treffen sich nur kurz zur Paarungszeit. Sie gelten als durchaus territorial und verteidigen ihr Revier vehement. Während der Nacht ruhen Veilchenkopfelfen an geschützten Stellen in dichter Vegetation. Ihr Metabolismus fährt dabei deutlich zurück, um Energie zu sparen. Im Spätsommer ziehen Veilchenkopfelfen in Ermangelung von Nektar und wegen zu kalter Temperaturen in wärmere Regionen und verbringen dort die kalte Jahreszeit.

Verbreitung

Veilchenkopfelfen kommen im westlichen Nordamerika vor. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von Alaska, British Columbia und Alberta in Kanada, über die westlichen, teilweise auch zentralen US-Bundesstaaten bis ins nördliche Mexiko. In den USA sind die Vögel mehr oder weniger häufig in Alaska, Arizona, Kalifornien, Kansas , Minnesota , Montana, Nebraska, New Mexico, Nevada, Oregon, Texas, Utah und Washington. In Mexiko liegen die Verbreitungsgebiete und Winterquartiere der nördlichen Populationen in Baja California, Sonora, Chihuahua, Sinaloa, Nayarit, Jalisco und Michoacán. Man trifft auf den Veilchenkopfelfe vor allem an den Rändern lichter Wälder, der offenen Prärie und wüstenähnlichen Habitate an. Bei Nahrungsmangel (Nektar) kommt es zu weiteren Wanderungen.

Ernährung

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Veilchenkopfelfen ernähren sich als Allesfresser im wesentlichen vom Nektar, Blütenpollen sowie in kleinen Mengen von kleinen Spinnentieren (Arachnida), Kleinstinsekten (Insecta) und deren Larven. Sie nehmen dabei eine Vielzahl von blütentragenden Pflanzen auf. Nektar wird im Flug aus den Blüten aufgenommen. Kleininsekten werden grundsätzlich nur im Flug gefangen. Mit dem langen und dünnen Schnabel fahren sie beispielsweise in eine Blüte und nehmen den Nektar dort mit der Zunge auf. An Pflanzen werden insbesondere Rittersporne (Delphinium) und ähnliche Gewächse bevorzugt. Bedingt durch den hohen Stoffwechsel muss eine Veilchenkopfelfe im Laufe eines Tages fast das eigene Körpergewicht an Nahrung zu sich nehmen. Feldstudien haben ergeben, dass Veilchenkopfelfen bevorzugt rote Blüten anfliegen.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreicht die Veilchenkopfelfe mit etwa einem Jahr. Die Paarungszeit beginnt in den nördlichen Verbreitungsgebieten im März, April oder Mai, in den südlichen Regionen bereits ab Januar. Je nach Verbreitungsgebiet kommt es zu ein bis zwei Gelegen in einer Saison. Zwei Gelege sind jedoch nur in südlichen Regionen möglich. Männchen kommen etwa eine Woche vor den Weibchen in den Brutgebieten an. Die Balz ist durch eindrucksvolle und kreisende Flüge des Männchens geprägt, die mit laufstarken Geschrei einhergehen. Die Vögel leben in einer polygamen Beziehung, ein Männchen begattet zumeist mehrere Weibchen und hat mit der Aufzucht des Nachwuchses nichts zu tun. Unmittelbar nach der Begattung trennen sich die Geschlechter wieder. Die eigentliche Kopulation dauert nur wenige Sekunden.

Das napfartige Nest wird vom Weibchen alleine errichtet und entsteht an geschützter Stelle im Geäst von Sträuchern und niedrigen Bäumen. Der Nestbau nimmt knapp eine Woche in Anspruch. Als Nistmaterial dient Rinde, Blätter, Moose und Flechten. Ausgepolstert wird das Nest mit Federchen und Tierhaaren. Ein Nest hat einen Durchmesser von gut fünf Zentimeter und eine Höhe von etwa drei Zentimeter.

Das Weibchen legt in das fertige Nest meist zwei weißliche Eier, die sie über einen Zeitraum von 15 bis 18 Tagen wärmt. Die Küken sind beim Schlupf unbefiedert und blind. Am fünften Lebenstag öffnen sie erstmals ihre Augen. Ab diesem Zeitpunkt verfügen sie auch über ein Dunengefieder. Der Nachwuchs wird mit einem hochgewürgten (Regurgitation) Nahrungsbrei aus leicht vorverdauter Nahrung gefüttert und erreicht bereits mit 20 bis 22 Tagen die Flugfähigkeit. Die Lebenserwartung ist nicht bekannt.

Gefährdung und Schutz

Veilchenkopfelfen gelten in allen Verbreitungsgebieten als nicht gefährdet. Daher werden sie in der Roten Liste der IUCN als solche geführt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen stellt die Vögel in Anhang II unter Schutz. Die Hauptbedrohung liegt heute und in Zukunft wohl auf der Vernichtung der natürlichen Lebensräumen und der damit einhergehenden Nahrungsknappheit. Dies ist insbesondere in weiten Teilen der pazifischen US-Küste der Fall. Veilchenkopfelfen gelten auch als ausgezeichnete Bestäuber von blütentragenden Pflanzen. Daher kann man den Vögeln eine große Bedeutung in ihrem Ökosystem zusprechen.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Dieter Poley, Kolibris. Trochilidae, Westarp Wissenschaften; Auflage: 3., erw. Aufl. (Januar 1994) - ISBN 3894324090
  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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