Venezuela Baum-Vogelspinne

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Venezuela Baum-Vogelspinne
Männchen

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
Familie: Vogelspinnen (Theraphosidae)
Unterfamilie: Aviculariinae
Gattung: Avicularia
Art: Venezuela Baum-Vogelspinne
Wissenschaftlicher Name
Avicularia minatrix
Pocock, 1903

LSID-Kennung
LSID: [urn:lsid:amnh.org:spidersp:001817]

Die Venezuela Baum-Vogelspinne (Avicularia minatrix) zählt innerhalb der Familie der Vogelspinnen (Theraphosidae) zur Gattung Avicularia. Im Englischen wird die Venezuela Baum-Vogelspinne venezuelan redstripe genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Venezuela Baum-Vogelspinne zählt zu den kleinsten Arten aus der Gattung Avicularia. Sie erreicht eine maximale Körperlänge von etwa 5 Zentimeter, meist nur 3 bis 4 Zentimeter. Die Venezuela Baum-Vogelspinne weist eine rosabraune Grundfärbung auf. Sie ist die einzige Art, die auch als adulte Spinne die Färbung der Spiderlinge beibehält. Jedoch färbt sich das rote Opisthosoma erst bei der adulten Venezuela Baum-Vogelspinne intensiv aus. Zusätzlich zeigt sich auf dem Opisthosoma ein schwarzes Tannenbaum-Muster, das sich allerdings auch schon bei den Spiderlingen abzeichnet, aber eine hellgraue Färbung aufweist. Typische Merkmale bei dieser Art und bei allen anderen Avicularia-Arten sind die Tarsen, die dicker als die Metatarsen sind. Die Haarpolster an den Tarsen der Beine sowie die Haarbüschel unter den Klauen sind besonders weich und zart. Des Weiteren springt auch diese Art sehr gerne und sehr weit. Die Haarpolster bilden beim Gleitflug eine Art Fallschirm und ermöglichen der Art auch das Laufen auf der Wasseroberfläche. Bei beiden Geschlechtern ist der gesamte Körper mit einer dichten samtartigen Behaarung bedeckt und überwiegend sind die Härchen mit Nervenzellen verbunden und dienen somit als Tasthaare, die auf Berührung und Vibrationen empfindlich reagieren. Hauptsächlich weisen die Beine eine starke Behaarung auf. Die übrigen Härchen werden in Brennhaare, Hörhaare, Geschmackshaare und Hafthaare unterschieden. Im Allgemeinen ist das Männchen kleiner als das Weibchen und ist meist an seinen langen Beinen und an seinem schlankeren Körper gut zu erkennen. Die Lebenserwartung der weiblichen Venezuela Baum-Vogelspinne kann etwa 15 Jahre betragen, während das Männchen nach der letzten Reifehäutung nur noch mehrere Wochen oder Monate lebt.

Lebensweise

Wie der Trivialname schon andeutet ist die Venezuela Baum-Vogelspinne ist eine baumbewohnende Vogelspinne und zählt wie fast alle Vogelspinnen zu den sogenannten Bombadierspinnen. Bei Gefahr kann sie ihre Brennhaare, die sich auf dem Opisthosoma (Hinterleib) befinden, einsetzen. Die Brennhaare können ein Jucken und Brennen der Haut und der Atemwege verursachen. Allerdings zieht die Spinne es vor zu flüchten, bevor sie ihre Brennhaare abstößt. Kommt es doch zu einem Biss, muss die Wunde sofort desinfiziert werden, da sich auf den Cheliceren häufig Bakterien befinden, die eine Infektion auslösen können. Der Giftbiss selbst ist nicht so gefährlich wie die Infektion durch Bakterien. Bevor sie aber ihre Brennhaare dem Gegner entgegenschleudert oder zubeißt versucht diese Art der drohenden Gefahr auszuweichen, indem sie in das Wasser am Grunde ihrer Wohnröhre abtaucht, das sich während der Regenzeit in den Bromelientrichtern angesammelt hat. Bis die Gefahr vorbei ist kann sie bis zu 20 Minuten und noch länger unter Wasser bleiben. Bemerkenswert ist auch ihre Lebensweise in Kolonien, wo Hunderte von Individuen vorkommen können und friedlich nebeneinander leben.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Venezuela Baum-Vogelspinne befindet sich im Norden von Venezuela in der Küstenregion um Caracas. Ihr Lebensraum ist der tropische Regenwald. In freier Wildbahn halten sich die Spiderlinge der Venezuela Baum-Vogelspinne gerne in Bromeliengewächsen (Bromeliaceae) auf, auch Ananasgewächse genannt. Bromeliengewächse sind immergrüne, ausdauernde krautige Pflanzen. Dieses Gewächs bietet einen gewissen Schutz für die Spiderlinge vor Fressfeinden, da die Blattränder mit Dornen bestückt sind. Für die ausgewachsene Venezuela Baum-Vogelspinne ist die Pflanze zu klein. Entweder bezieht sie dann die Bromelientrichter oder wandert dann ab und sucht größere Verstecke auf. Meist sucht sie dann alte Bäume auf, die große Astlöcher und Risse aufweisen und somit der Venezuela Baum-Vogelspinne Unterschlupf bieten. In diesen Astlöchern, Rissen oder Spalten in der Rinde legt sie extrem dichte Wohngespinste an, die sie ihr Leben lang nicht mehr verläßt.

Venezuela Baum-Vogelspinne - Adultes Weibchen
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Venezuela Baum-Vogelspinne - Adultes Weibchen

Ernährung

Zum Nahrungserwerb verläßt sich die Venezuela Baum-Vogelspinne auf ihren Tastsinn. Nachts sitzt sie, mit dem Wohngespinst immer in Kontakt, vor ihrer Höhle und wartet auf Beute. Ihrer baumbewohnenden Lebensweise entsprechend erbeutet die Venezuela Baum-Vogelspinne häufig Frösche (Rana), Geckos (Gekkonidae), kleine Vögel (Aves) wie zum Beispiel Kolibris (Trochilidae) und andere kletternde oder fliegende Wirbeltiere.

Fortpflanzung

Bis zur Geschlechtsreife durchläuft die Venezuela Baum-Vogelspinne mehrere Häutungen. Bereits zu diesem Zeitpunkt webt das Männchen ein sogenanntes Spermanetz, in das es sein Sperma füllt. Dieses Sperma wird in die Bulben aufgenommen, indem das Männchen mit seinen Pedipalpen die Spermaflüssigkeit in die Bulben pumpt. Nun geht es auf die Suche nach einem Weibchen. Das Männchen ermittelt die Anwesenheit eines Weibchens, indem es die chemischen Substanzen (Pheromone) des Weibchens wahrnimmt. Hat das Männchen ein Weibchen ausgemacht, umwirbt das Männchen das Weibchen mit seinen Tastern durch kräftiges Trommeln und spasmodischen Bewegungen des dritten Beinpaares, teilweise trommelt das Männchen auch noch mit dem ersten und zweiten Beinpaar und prüft zugleich die Paarungsbereitschaft des Weibchens. Vermutlich wird die seismische Kommunikation über den Boden durch Stridulation einiger Organe produziert. Die durch das Trommeln ausgelösten Vibrationen (seismische, akustische Signale) werden über die Hörhaare wahrgenommen.

Nach ungefähr drei bis sechs Wochen nach der Kopulation versiegelt das Weibchen die Zugänge des Nestes und webt mit Seide innerhalb des Nestes einen Kokon. Ungefähr drei Monate nach der Kopulation legt sie in der Regel 30 bis 40 Eier im natürlichen Lebensraum in den Kokon ab. Im Innern des Kokons durchlaufen die Nymphen mehrere Entwicklungsstadien, in denen sie sich zweimal häuten. Die Nymphen schlüpfen noch im Innern des Kokons. Dies geschieht bereits nach drei Wochen. Nach insgesamt rund zehn Wochen schlüpfen die jungen Spiderlinge, wie sie nach dem Schlupf genannt werden. Die Spiderlinge sind schon beim Schlupf mit einem Zentimeter Spannweite recht stattlich. Sie häuten sich in der Folge alle zwei bis drei Wochen und leben in der ersten Zeit von Kleinstinsekten. Wenige Tage nach dem Schlupf verlassen sie das Nest. Die Spiderlinge sind während dieser Zeit sehr verletzbar.

Synonyme und Chresonyme nach Norman I. Platnick

Update 4. November 2008 <1>

  • Avicularia minatrix - Pocock, 1903
  • Avicularia minatrix - Pocock, 1903b
  • Avicularia minatrix - Smith, 1992b
  • Avicularia minatrix - Tinter, 1993
  • Avicularia minatrix - Peters, 2003

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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