Vesperratte

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Vesperratte

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Teilordnung: Myodonta
Überfamilie: Hamster- und Mäuseartige (Muroidea)
Familie: Wühler (Cricetidae)
Unterfamilie: Neuweltmäuse (Sigmodontinae)
Tribus: Tylomyini
Gattung: Vesperratten (Nyctomys)
Art: Vesperratte
Wissenschaftlicher Name
Nyctomys sumichrasti
(Saussure, 1860)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Vesperratte (Nyctomys sumichrasti) zählt innerhalb der Familie der Wühler (Cricetidae) zur Gattung der Vesperratten (Nyctomys). Im Englischen wird diese Art Vesper Rat oder Sumichrast’s Vesper Rat genannt. Innerhalb der Gattung Nyctomys ist die Vesperratte die einzige Art, die Gattung ist demnach monotypisch.

Die Vesperratte ähnelt der etwas kleineren Yucatán-Vesperratte (Otonyctomys hatti). Zudem ist der Oberkiefer der Vesperratte etwas länger und sie ist mit bis zu 67 Gramm schwerer als die Yucatán-Vesperratte, die lediglich ein Gewicht von 36 Gramm aufweist. Beide Arten sind in Belize sympatrisch.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Vesperratte ist mittelgroß und wirkt gedrungen. Sie erreicht je nach Unterart und Geschlecht eine unterschiedliche Größe. Männchen erreichen eine Gesamtlänge von 225 bis 246 (236) mm, eine Körperlänge von 99 bis 129 (118) mm, eine Schwanzlänge von 108 bis 126 (115) mm, eine Hinterfußlänge von 21 bis 23 (22) mm, eine Ohrlänge von 15 bis 18 (17) mm, eine Jochbeinbreite von 16,4 bis 18,0 (17,1), eine Hirnschädelbreite von 12,8 bis 13,6 (13,2), eine Nasenbreite von 5,3 bis 6,0 (5,7) und eine Schädeltiere von 10,5 bis 11,6 (11,1). Weibchen erreichen eine Gesamtlänge von 219 bis 244 (230) mm, eine Körperlänge von 106 bis 128 (118) mm, eine Schwanzlänge von 102 bis 124 (113) mm, eine Hinterfußlänge von 20 bis 23 (22) mm, eine Ohrlänge von 15 bis 18 (17) mm, eine Jochbeinbreite von 15,8 bis 17,8 (16,8) mm, eine Hirnschädelbreite von 12,4 bis 13,6 (13,2) mm, eine Nasenbreite von 5,2 bis 6,4 (5,7) mm und eine Schädeltiere von 10,2 bis 11,5 (11,0) mm. Anhand der Maße kann festgestellt werden, dass die Geschlechter nur einen geringen Dimorphismus aufweisen. Das weiche und dichte Fell weist im Wesentlichen dorsal eine rötlichbraune bis orangebraune Färbung auf, ventral zeigt sich eine cremefarbene Färbung. Bei einigen Unterarten kann sich dorsal ein dunkler Aalstrich zeigen. Der Kopf wirkt sehr groß und im Schnauzenbereich zeigen sich lange und schwarz gefärbte Tasthaare, die sogenannten Vibrissen. Die Ohren sind zwar kurz, jedoch relativ breit. Der robust gebaute Schwanz weist eine zylindrische Form und eine feine Behaarung auf. Die hinteren Pfoten sind relativ kurz und breit, die Zehen sind hingegen recht lang. Die weißlichgrau gefärbten Zehen enden in gekrümmte Krallen. Die Augen sind ausgesprochen groß und rund. Sie sind mit einem schwarzen Augenring umgeben. Das Gebiss besteht aus 16 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i1/1, c0/0, p0/0, m3/3. Die Molaren sind relativ niederkronig. Vesperratten weisen 7 Halswirbel (Cervical vertebrae), 13 Brustwirbel (Thoracic vertebrae) und 7 Lendenwirbel (Lumbar vertebrae) auf. Der Blinddarm (Caecum) ist sehr lang und der Magen weist eine Zweiteilung auf. Eine Gallenblase ist nicht vorhanden. Der Penisknochen (Baculum) ist 5,7 mm lang und an der Basis 1,5 mm breit (Nowak, 1999; Hunt, Morris & Best, 2004).

Lebensweise

Vesperratten sind meist nachtaktiv, seltener auch tagaktiv und leben hauptsächlich in Bäumen und Sträuchern. Den Boden betreten sie nur sehr selten. In Bäumen sind sie für gewöhnlich in Höhen von 3 bis 22 Meter anzutreffen. In den Bäumen gehen die Tiere auch auf Nahrungssuche. Die Aktivitäten beginnen in der Regel 1 bis 2 Stunden nach Einbruch der Dunkelheit. Während der Ruhephasen und in der Nacht halten sich Vesperratten in Baumhöhlen, größeren Astlöchern oder anders gearteten Baumnestern auf. Bei den Nestern handelt es sich meist um rundliche Konstruktionen mit einem Durchmesser von 15 bis 33 Zentimeter und einem Eingang, der einen Durchmesser von 3 bis 7 Zentimeter aufweist. Der Wohnkessel ist im Innern etwa 10 Zentimeter breit und 8 Zentimeter hoch. Vesperratten sind ausgesprochen agile und gewandte Kletterer. Der Schwanz wird beim Klettern auf dem Rücken getragen. Er spielt beim Klettern im Gegensatz zu den kräftigen Füßen und den Krallen an den Zehen keine große Rolle (Nowak, 1999; Hunt, Morris & Best, 2004).

Unterarten

Verbreitung

Vesperratten sind in Mittelamerika endemisch. Die Art ist vom südlichen Mexiko bis nach Panama verbreitet. Die Halbinsel von Yucatán wird jedoch nicht besiedelt. Nach Angaben der IUCN kommt die Art in Belize, Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Honduras, Mexiko, Nicaragua und Panama vor. Besiedelt wird sowohl die Ebene als auch das Hochland bis in Höhen von gut 1.600 Metern über NN. Besiedelt werden tropische Regenwälder der Ebene, halbtrockene Sekundärwälder und montane Wälder in den Höhenlagen. Offene Flächen werden von den Vesperratten strikt gemieden (Nowak, 1999; Hunt, Morris & Best, 2004; Reid, 1997; Musser & Carleton, 2005).

Prädatoren und Parasiten

Natürliche Feinde der Vesperratte konnten im Einzelnen nicht nachgewiesen werden. In Felduntersuchungen konnten jedoch zahlreiche Ekto- und Endoparasiten identifiziert werden. Zu den erkannten Ektoparasiten gehören unter anderem Laufmilben (Trombiculidae) wie Microtrombicula mesoamericana, Speleocola secunda und andere Milben (Acari), insbesondere aus der Familie Laelapidae wie Androlaelaps fahrenholzi, Haemolaelaps glasgowi und Eubrachylaelaps circularis. Weitere Parasiten sind Flöhe (Siphonaptera) wie Eutrombicula alfreddugesi und Pleochaetis dolens. Zu den wichtigsten Endoparasiten gehören Trypanosomen (Trypanosoma) wie Trypanosoma cruzi. Vesperratten sind jedoch besonders resistent gegen diese Erreger. Einige gefangene Individuen wiesen die Infektionserkrankung Leishmaniose auf. Die Tiere waren vor allem an der Hautleishmaniose (kutane Leishmaniose) erkrankt, die durch die Erreger Leishmania mexicana ausgelöst wurde (Hunt, Morris & Best, 2004).

Ernährung

Vesperratten ernähren sich im Wesentlichen von pflanzlicher Kost, insbesondere von Körnern, Sämereien und Früchten. Weit oben auf der Speisekarte stehen Früchte, Körner oder Sämereien der Schneckensamengewächse (Theophrastaceae) wie Jacquinia pungens, Sumachgewächse (Anacardiaceae) in Form von Spondias purpurea, Flügelsamengewächse (Combretaceae) wie der Katappenbaum (Terminalia catappa), Spatzenzungengewächse (Thymelaeaceae) wie Daphnopsis americana, Raublattgewächse (Boraginaceae) wie Kordien (Cordia), Maulbeergewächse (Moraceae) wie Feigen (Ficus) und Rötegewächse (Rubiaceae) wie Psychotria gracilis. Zu einem kleinen Teil nehmen Vesperratten auch tierische Kost in Form von Insekten (Insecta) wie Schmetterlinge (Lepidoptera) und Raupen von Schmetterlingen zu sich ((Nowak, 1999; Hunt, Morris & Best, 2004; Reid 1997).

Fortpflanzung

Vesperratten erreichen die Geschlechtsreife im Alter von 75 Tagen. Die Paarungszeit erstreckt sich sowohl über die Trocken- als auch über die Regenzeit. In einer Saison kann es bis zu 5 Würfen kommen. Nach einer Tragezeit von 30 bis 38 Tagen bringt ein Weibchen 1 bis 3 (2) Jungtiere in ihrem Nest zur Welt. Ein Weibchen verfügen zum Säugen des Nachwuchses über 2 Paar Zitzen. Die Männchen verlassen den Familienverband meist 7 Tage nach der Geburt des Nachwuchses. Im folgenden kümmert sich das Weibchen alleine um die Aufzucht. Die Jungen weisen bei der Geburt eine Gesamtlänge von 72 bis 77 mm, eine Schwanzlänge von 22 bis 22,5 mm, eine Hinterfußlänge von 9,5 bis 10,0 mm sowie ein Gewicht von durchschnittlich 4,7 Gramm auf. Dorsal zeigt sich eine spärliche graubraune Behaarung, ventral sind die Jungtiere bei der Geburt noch nackt. Die Vibrissen wachsen bereit am ersten Lebenstag. Ende der zweiten Lebenswoche ist die Bewegungskoordination voll entwickelt und sie beginnen mit Klettern. Zu diesen Zeitpunkt sind die Augen und Ohren bereits geöffnet. Gegen Ende der dritten Lebenswoche ist die Entwöhnung abgeschlossen und die Betreuung durch die Mutter endet. Der erste Fellwechsel erfolgt im Alter von 4 Wochen. Das adulte Gewicht wird im Alter von 2 Monaten erreicht. Die Lebenserwartung in Freiheit ist unbekannt, in Gefangenschaft können die Tiere durchaus ein Alter von bis zu 5 Jahren erreichen (Nowak, 1999; Hunt, Morris & Best, 2004).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Vesperratten gehören heute noch nicht zu den bedrohten Wühlern (Cricetidae). In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. In den meisten Regionen kommen die Tiere in stabilen Populationen vor. Größere Gefährdungsfaktoren gibt es nach Angaben der IUCN nicht.

Synonyme

Die Vesperratte ist nach Wilson & Reeder, 2005, unter zahlreichen Synonymen bekannt. Dies sind die Synonyme: colimensis Laurie, 1953, costaricensis Goldman, 1937, decolorus (True, 1894), florencei Goldman, 1937, nitellinus Bangs, 1902, pallidulus Goldman, 1937, salvini (Tomes, 1862) und venustulus Goldman, 1916. Alle aufgeführten Synonyme sind nicht valide.

Systematik, Verwandtschaft

Aufgrund fehlender fossiler Belege ist die genaue kladistische Zuordnung der Vesperratten weitestgehend unklar. Auch die Phylogenese (Stammesgeschichte) gibt nur wenig schlüssige Anhaltspunkte. Haiduk et al. (1988) sehen die Vesperratten kladistisch in der Nähe der Amerikanischen Buschratten (Neotoma). Als Schwestergattung werden die Yucatán-Vesperratten (Otonyctomys) angenommen (Hunt, Morris & Best, 2004).

Anhang

Literatur und Quellen

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