Vierhornantilope

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Vierhornantilope

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Rinder (Bovinae)
Gattung: Tetracerus
Art: Vierhornantilope
Wissenschaftlicher Name
Tetracerus quadricornis
Blainville, 1816

IUCN-Status
Vulnerable (VU) - IUCN

Die Vierhornantilope (Tetracerus quadricornis) zählt innerhalb der Familie der Hornträger (Bovidae) zur Gattung Tetracerus. Im Englischen wird die Vierhornantilope Four-horned Antelope genannt. In Indien wird die Art auch Chausingha genannt. Die Bezeichnung kommt aus der indischen Sprache Hindi und bedeutet "Vier Hörner". Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Vierhornantilope erreicht je nach Geschlecht eine Körperlänge von 85 bis 110 Zentimeter, eine Schulterhöhe von 55 bis 65 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 10 bis 15 Zentimeter sowie ein Gewicht von 18 bis 25 Kilogramm. Das grobborstige Fell und recht kurz und weist eine bräunliche Färbung auf, die lateral etwas aufhellt. Männchen sind dunkler, meist rotbraun gefärbt. Ventral zeigt sich bei beiden Geschlechtern eine weißliche Färbung. Ähnlich gefärbt sind auch die Innenseiten der Extremitäten. Männchen verfügen über vier Hörner, wobei die hinteren Hörner deutlich größere sind als die beiden kurzen Hörner in Stirnbereich. Vierhornantilopen sind die einzigen Hornträger mit vier Hörnern. Weibchen verfügen über keine Hörner. Die hinteren Hörner können eine Länge von 8 bis 10 Zentimeter aufweisen. Die vorderen Hörner sind nur 2,5 bis 4 Zentimeter lang. Die mittellangen Ohren sitzen weit hinten am Schädel noch hinter den Hörnern.

Lebensweise

Vierhornantilopen leben in der Regel einzelgängerisch. Nur selten kann man sie in Kleinstgruppen beobachten. Es handelt sich hier meist um Gruppen die aus einem Weibchen und ihrem Nachwuchs bestehen. Die Geschlechter treffen nur während der Paarungszeit aufeinander und trennen sich wahrscheinlich kurz nach der Kopulation. Auch über eine Territorialität ist nur wenig bekannt. Es ist davon auszugehen, dass sich vor allem Männchen während der Brunft territorial verhalten.

Verbreitung

Vierhornantilopen sind im nördlichen Indien und in südlichen Nepal verbreitet. Bewaldetes Hügelland sowie lichte Wälder und deren Ränder gehören zu den natürlichen Lebensräumen. Nur selten sind die Tiere auch in Buschlanbd anzutreffen. Völlig offene Flächen werden hingegen strickt gemieden. Die große Population lebt im Gir-Nationalpark im indischen Bundesstaat Gujarat. Die Vorkommen in Nepal sind allenfalls Reliktvorkommen. Die Art steht hier kurz vor der Auslöschung.

Prädatoren

Prädator: Bengal-Tiger (Panthera tigris tigris)
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Prädator: Bengal-Tiger (Panthera tigris tigris)

Zu den natürlichen Fleischfressern der Vierhornantilopen gehören insbesondere Leoparden (Panthera pardus), Tiger (Panthera tigris), Wölfe (Canis lupus) und Rothunde (Cuon alpinus). Jungtiere werden gelegentlich auch von kleineren Katzen (Felidae) gerissen. Die verschwiegene Lebensweise, die Wachsamkeit und die recht hohe Fluchtgeschwindigkeit sind der einzige Schutz vor Fleischfressern.

Ernährung

Vierhornantilopen gehören zu den reinen Fleischfressern. Zu ihrer Hauptnahrung gehören Gräser, Kräuter, Blätter, junge Triebe und Früchte. Die Tiere benötigen täglich Trinkwasser und sind daher immer in der Nähe eines Gewässers anzutreffen. Die Effekte auf die Flora durch Vierhornantilopen sind sehr gering, da sich auf 10 Quadratkilometer selten mehr als 5 Individuen aufhalten. Auf Nahrungssuche gehen Vierhornantilopen am Tage meist einzelgängerisch.

Fortpflanzung

Vierhornantilopen erreichen die Geschlechtsreife bereits mit einem Jahr. In den subtropischen Regionen des nördlichen Indien erstreckt sich die Paarungszeit von Juli bis August, lokal auch bis Oktober, Zu den Geburten kommt es im Folgejahr zwischen März und Mai. Während der Paarungszeit sind Männchen ausgesprochen aggressiv, nicht selten kommt es unter Rivalen zu heftigen Kommentkämpfen, bei denen Kopfstöße ausgeteilt werden. Nach einer Tragezeit von 225 bis 240 (235) Tagen bringt ein Weibchen zwischen 1 und 3 (1,8) Jungtiere zur Welt. Der Nachwuchs ist weit entwickelt und kann bereits kurz nach der Geburt stehen und laufen. Das Geburtsgewicht liegt bei rund 1.050 Gramm. Die Säugezeit ist nicht bekannt, sie dürfte jedoch zwischen 2 und 3 Monate liegen. Die Lebenserwartung der Vierhornantilopen liegt bei etwa 10 Jahren.

Gefährdung und Schutz

In Nepal steht die Vierhornantilope kurz vor der Ausrottung. Aber auch in Indien steht es nicht gut um die Art. Größere Vorkommen sind nur noch in Nationalparks anzutreffen. Das Hauptproblem stellt die Bejagung durch Wilderer und Trophäenjäger dar. Die Trophäe ist wegen der vier Hörner ausgesprochen begehrt bei Wilderern und Jäger. Die Gesamtbestände sind nicht bekannt, sie werden aber auf unter 10.000 Individuen geschätzt. Neben der Bejagung stellt auch die Vernichtung der natürlichen Lebensräume ein großes Problem dar. Das Washingtoner Artenschutzabkommen führt die Vierhornantilope in Anhang III des Abkommens. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als gefährdet (VU, Vulnerable) gelistet.

Anhang

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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